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Sfr. 31.

Marburg, Sonntag, 6. Februar 1876.

XI. Za-kMg.

«azergen nimmt entgegen: He 6flieMtten 1 Blatte-, fewie He Annancen-Bareanx hu Th- Dietrich * 6». in «affet und Hannover; Th- Dietrich in Franksnrt « SR-; Haasenftein & Bogle» in tteirffxrt a SR , Berlin, Leip­zig, elln m; Rnlolf Hofft in Berlin, gtenlfxrt a. M. rc.

WcrheUlhc Jrtlung.

Anzeigen nimmt entgegen: He E^eeditton h. Blatte-, sowie »re Amwncen-Bureaux von S L- Daube 4 Co. in |rentfxii a. S».- JSger'sche Bnchbandlnng in Frankfurt a. 91.; Jnvalidend.nt, A. Siete- meper in Berlin; Carl Schütz- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Arschemt täglich «« dm Werktagen nach Sonn» nnd Feiertagen. Preis für da» Onarlal mit der wöchentlichen BeilageZlnstrirte» Ganntagöblatt" durch die »xpedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2d Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (ejl. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

P-litifch- Wschru-Ucbnftcht.

Unser Kaiser nimmt an den begonnenen diesjährigen Winterfestlichkeiten deS Hofe» in nfreulicher Rüstigkeit und Heiterkeit Theil. DaS erneuerte neuralgische Leiden des Reich-kanzler» hat seit mehreren Tagen eine merkliche Lin­derung erfahren und dürfte bald dem Fürsten den persön­lichen Vorsitz im preußischen Staatsministerium und die Lheilnahme an den ReichStagssitzungen wieder gestatten. Der Reichstag hat inzwischen am Sonnabend voriger Woche die zweite Lesung des Strafgesetzbuches beendet. Am Frei­tag fiel die Novelle zum sogenannten Kanzelparagraphen, durch welche die Verbreitung von politischm Hirtenbriefen, Encykliken rc. unter demselben subsumirt werden soll, mit 136 Stimmen (de- Centrum», der Fortschrittspartei und einiger einzelner Conservativer und Nationalliberaler). Am Montag und Dienstag genehmigte der Reichstag in zweiter Lesung die Novelle zur Gewerbeordnung betreffend die Rege­lung de« BerstcherungSzwange» und des HülsSkaffenwesen«, meist nach den Vorschlägen seiner Commission. Der Bun de-rath hat auf eingereichten Antrag des Reichskanzler« die Aushebung deS Pfrrde-AuSfuhrverbotS bcschloffen.

Franz Deak's Tod ist da« große Erctgniß in der habs­burgischen Monarchie. Obgleich längst durch schwere Herzleiden in seiner politischen Thätigkeit gehemmt und gebrochen, warder alte Herr" doch immer noch eine Zu verficht für alle patriotisch und gemäßigt gesinnten Magyaren, und gerade in den letzten Wochen waren die Blicke beider Reichshälftm wieder ernster al« je auf da» Krankenlager des Mannes gerichtet, welcher im Februar 1867 dem Kaiser sein Programm vorlegte, da- den Ausgleich zu Stande brachte, der im December dann die gesetzliche Sanction «hielt.

Der internationale Postcongreß zu Bern ist Donnerstag vor acht Tagen geschloffen worden; der nächste Congreß soll im Juni in London zusammentreten.

Der Papst hielt am 28. Januar ein geheime« Con- flstorium ab, in welchem 22 Bischosssitze, unter Ünbertn der von Passau, neubesetzt wurden. Die Commission zur Untersuchung der sicilianischen Verhältniffe ist nach Been­digung ihrer Rundreise nach dem Festlande zurückgekehrt.

Der 30. Januar 1876 ist ein wichtige« Datum in der neueren Verfassungsgeschichte Frankreich«: der Volks­mund hat die republikanische Verfassung durch Senats - wählen besiegelt, welche eine Periode ruhiger Entwickelung und mäßiger Haltung bi» zu dem Ablauf der Vollmachten Mac Mahon'S verheißt, immer vorausgesetzt, daß dieser einsicht, waS zu seinem Frieden dient, und sich nicht zu außergesetzlichen Handlungen fortreißen läßt. Zur Furcht vor einer solchen Krisi» ist heute ungleich weniger Grund als je. Al« bezeichnend ist hervorzuheben: daß trotz aller aac=i j

Anstrengungen der vom Ministerium de« Innern in Be wegung gesetzten Verwaltungsmaschinerie und trotz der Be­mühungen des EpiScopatS die Republikaner eine für Ver- faffungsfragen und wichtige Beschlüffe ziemlich zuverlässige, obwohl nur bescheidene Majorität im Senat bilden werden; daß Buffet in seinem HeimathS-Departement der Vogesen kläglich und zum allgemeinen Jubel durchfiel; daß Dufaure das gleiche Schicksal hatte; daß Broglie nur im zweiten Wahlgange durch die Gnade der Bonapartisten durch­schlüpfte, daß dagegen Leon Say, den Broglie so gern über Bord geworfen hätte, mit der republikanischen Liste mit Glanz siegte, endlich, daß Gambetla im Seine Departement Herr der Lage blieb und seine gemäßigte Liste durchsetzte, obwohl er Victor Hugo'S Wahl, die sich die Pariser nun einmal nicht nehmen ließen, in den Kauf nehmen mußte.

Von dem s p a n i s ch e n Kriegsschauplätze sind nach langer Pause wieder einmal wichtige Ereignisse zu melden. In den sämmtlichen Provinzen des BaSkenlandcS sind die mi­litärischen Operationen in vollem Gange. Den bedeutendsten Erfolg hat . bisher General Ouesada errungen, welcher von Vitoria au« vormarschirend die von den Carlisten besetzten GcbirgSpäffe an der Grenze zwischen Alava und BiScaya nahm, sodann in Durango, welche« so oft der Wohnsitz deS Prätendenten gewesen, einrückte und endlich bi» Bilbao durchmarschirte. Von Bilbao aus hatte vorher schon Ge neral Loma die ohnedies lückenhafte carlistische EinschließungS- linie ganz gebrochen und Balmaseda besetzt. In Guipuzcoa rückte Morione» den Carlisten zu Leibe und eroberte meh­rere von ihnen befestigte Stellungen in der Nähe von Zarauz und nach Azpeitia hin, während um die westlich von San Sebastian gelegenen Batterieen der Carlisten, zumal auf dem Berge Arratsain, noch gekämpft wird.

Die kommende Eröffnung der ParlamentSsesflon sängt an, die öffentliche Meinung in England fast ausschließ­lich in Anspruch zu nehmen, und würde eS vielleicht ganz ausschließlich thun, wenn die Nachrichten au« Aegypten nicht einen Theil der allgemeinen Aufmerksamkeit auf sich zögen. Die Vorlage deS Suezcanal-GeschästS, die jeden­falls in den ersten Tagen nach dem Zusammentritt de« Parlaments erfolgen wird, wird ganz gewiß auch ein gutes Theil Licht über die neuesten Vorgänge am Hofe deS Khe- dive verbreiten, da die Bedeutung deS Kauf» der Actien voll und ganz nur im Zusammenhang mit der seit jenem Augenblick in Aegypten betriebenen und noch zu betreiben­den Politik betrachtet werden kann.

Nach dem dänischen StaatSgrundgesetz darf der Reichstag seine Session über die ihr bestimmt zugemeffene Frist nur verlängern, wenn der König ausdrücklich seine Erlaubniß dazu gibt. Dies ist bi» zum Jahre 1853 immer und dann noch einmal 1860, seitdem aber nicht wieder geschehen. Der Reichstag ging in den letzten 15 Jahren

immer pünktlich auseinander, wenn seine Zeit um war, gleichviel ob alle Vorlagen erledigt waren oder nicht. Da seine gegenwärtige Session aber, die, im September eröffnet, sofort bis gegen Ende November vertagt wurde, dadurch um zwei Monate verkürzt worden ist, so soll sie auf be­sondere königliche Verordnung, statt schon jetzt geschloffen zu werden, noch bis zum 29. März fortdauern, um außer dem Finanzgesetz auch die Kirchen- und Militär-Vorlagen erledigen zu können. DaS LandSthing nahm diese Regie- rungS Mittheilung mit Schweigen, die Majorität des Fol- kethings mit ironischemHört!" auf.

Der russische StaaishauShalt ist für das Jahr 1876 in der Einnahme auf 570,138,308 Rubel, in der Ausgabe aus 570,052,138 Rubel veranschlagt, so daß also auf einen Ueberschuß von 86,170 Rubel zu rechnen wäre. Bon den indirekten Steuern werden nahezu 301 Mill., von den directen über 130% Mill erwartet.

Die griechische Deputirtenkammer, die während dieser Session in 104 Tagen 80 Sitzungen gehalten und von 104 Regierung« Vorlagen 43 erledigt hat, sollte am 25. Januar ihre Weihnacht«- und NeujahrSserien schließen und wieder an die Arbeit gehen, lieber die Besetzung der Ge» sandtschastsposten im AuSlande verlautet amtlich noch nicht».

Die hohe Pforte ist bereit» im Besitz der Andraffy'- schen Note. Am 31. Januar hat der österreichisch unga­rische Botschafter Graf Zichy dem Minister deö Auswär­tigen, Raschid Pascha, die Vorschläge vorgelesen und davon auch Abschrift gegeben. Dasselbe thaten der russische und der deutsche Botschafter, und die Vertreter der anderen Mächte erklärten, sie träten dem Schritte durchaus bei. Die Antwort der Pforte steht in einigen Tagen zu erwarten.

Der rumänische Minister-Präsident Catargiu, der am 25. Januar von einem abgesetzten Beamten aus Rach, sucht angefallen und mit einem Stock gehauen worden war, that TagS Darauf in der Deputirtenkammer, die ihn mit lebhaftem Zuruf begrüßte, folgende mit anhaltenden Beifalls, bezeigungen ausgenommene Aeußerung:Der gestrige Vor­fall zeugt von einer Anarchie, gegen die alle Confervativen ihre Reihen enger schließen und namentlich gegen die Presse, auS welcher das Gift auSströmt, die -strengsten Maßregeln ergreifen mftffen." Die Preßfreiheit in Rumänien über­steigt in der That nicht bloß jede« Gesetz, sondern auch jeden Anstand.

Deutsche« Reich.

« Berlin, 4. Jan. Seit Monaten taucht immer wieder die 'Nachricht auf, die Clerikalen sehnten sich nach Frieden und sähen die Nutzlosigkeit ihre« Kampfes mit dem Staate ein. Es lagen allerdings untrügliche Zeichen vor, daß die ultramontane Partei in ihrem Kampfe ermattete. Die Hoffnung auf einen glänzenden Erfolg ihrer Agitation amr« -i j u। . , -in ......,

Der blutte Retter.

trimiual-Novelle von Julie Dünger».

iFottfetzung.)

Daß ein LiebeSverhältniß hier obwalte wurde dem Com- miffSr nun wohl klar, allein einmal gegen den Schenkwitth durch die eingeflüsterten Verdächtigungen eingenommen, dachte et sich, der Mann habe die Neigung des Mädchens be> nutzt, um da» Hau» und die Schleichwege zu demselben recht genau kennen zu lernen; er beorderte also augenblick lich zwei Diener der Gerechtigkeit, in de« SchenkwirthS Hau« zu gehen, und denselben vorerst nur als Zeugen hierher zu citiren.

Dieser, nichts Arges ahnend, machte sich schnell bereit, dem Rufe des CommiffärS Folge zu leisten, und hatte frei­lich keine Ahnung, daß sich in der Zwischenzeit die Dinge gewaltig übel für ihn gestaltet hatten, denn das nach allen Seiten forschende Auge der Polizei hatte in der Ecke deS Zimmer« einen nachlässig hingeworfenen halb angebrannten FidibuS entdeckt, und als derselbe entfallet wurde, fand sich, daß dies ein Declarationsschein, oder vielmehr eine Steuer-- Quittung über gelieferten Genever war; freilich fand man da« Papier zum größten Theile verbrannt, und damit der Name de» Empfänger«, aber der untere Theil, welcher die Unterschrift de» Acciseamt» enthielt, war unversehrt geblie­ben, und darau» nebst dem Dalum, konnte die Polizei durch Nachfrage leicht erfahren, wn damals den Brannt- wein erhalten halte; doch war dieser Act nicht einmal uithig, denn der soeben eintretende Nicola» gab, al» er da« Taschentuch und den Fidibu« vorgezeigt bekam, ganz unbefangen zur Antwort, daß er beides al« fein Eigen­tum anerkenne, da» Tuch fehle ihm schon ziemlich lange, « müffe e« bei einer kleinen Streiferei auf dem Canal lMd den naheliegenden Wegen hier bedeckte glühende

Rilhe sein Gesicht wohl verloren haben. Wa« den FidibuS beträfe, so habe, er wirklich nicht einmal die ent­fernteste Idee, wie derselbe in dieses Zimmer gekommen sei, welche« er, sowie da« Hau», noch hie in seinem Leben betreten habe.

Obgleich der blaue Reiter diese Behauptung mit voll­kommen schuldlosem Tone sagte, hatten die Verläumdungen deS Bäcker« und Weber« doch schon so tief bei dem Po- lizeicommiffär Wurzel geschlagen, daß derselbe mit leichtem Achselzucken den Nicolau« Dazun bi« auf Weitere« al« seinen Gefangenen erklärte und HauSuntersuchung bei dem­selben beorderte.

Ein Schreckensschrei der armen Hanna war die Ant­wort, während der Schenkwitth, todtenblaß, aber vollkommen gefaßt, dem Beamten sagte, er möge seine Pflicht lhun, sich aber wohl hüten, einen Unschuldigen auf so kärgliche Judicien zum Verbrecher zu stempeln. Holland« Gesetze, fuhr er fort, müßten den Armen wie den Reichen schützen, sein Vorleben sei makellos, man möge sich deswegen bei seinem früheren Chef erkundigen, und somit könne er nicht begreifen, wie man auf einen so schwachen Verdacht hin einen unbescholtenen Mann seiner Freiheit berauben könne.

Seine weiteren Worte waren an die verzweifelnde Hanna gerichtet, welche sich, unbekümmert um die Anwesenheit ihrer Pflegemutter und der fremden Personen, an Nicolas Brust geworfen hatte und laut au«ries, daß er nicht ohne sie da« Gefängniß betreten solle!

Das aufrichtige Wesen be« jungen Manne» imponttte jdem Commiffär ebenso, al« ihn der Kummer des jungen Mädchens rührte; er zeigte sich also milderund sagte dem Schenkwitth, wenn er verspräche, gutwillig zu folgen und keinen Fluchtversuch zu machen, solle seine Gefangennahme erst nach der Haussuchung stattfinden, und Nicola» der­selben beiwohnen dürfen.

Ein Freudenschimmer Überzog bei dieser Nachricht da» Gesicht de« jungen Manne»,Sie werden nichts finden, Herr Commiffär," sagte er ruhig,ich bin unschuldig, aber ich danke Ihnen doch für Ihre Schonung, weil ich begreife, daß ein Anderer mich «ohi schon auf Grund dieser beiden Mmhmaßungen verhaftet haben würde. Hier sind meine Schlüffe!, durchsuchen Sie da- ganze Hau«, ich bin sicher, daß Sie nicht» finden werden, denn ich besitze kein fremdes Eigenthum." Mit zärtlichem Zuspruch suchte er sodann Hanna zu beschwichtigen, und nachdem er sie der Obhut ihrer Pflegemutter übergeben, welche finster darein schaute und doch nicht den Muth hatte, da» Mädchen zu schelten, ging Nicolas Dazun festen Schritte«, von dem Commiffär Begleitet, seinem Hause zu, und obwohl er, durch sein gute« Gewissen gestärkt, äußerlich ziemlich ruhig aussah, pochte doch dem ehemaligen Soldaten da» Herz in Zorn und Erbitterung, wenn er sich dachte, daß ein Flecken an feiner Ehre könne haften bleiben.

Dort angekommen, blieb Nicolas an der Thüre stehen, während der Commiffär mit seinen Agenten Kisten und Schränke visttirten, eS war noch früh am Tage, daß sich noch keine Gäste eingefunden hatten, mfr Die alte Magd und der junge, etwas blöde Bursche, welcher als Kellner diente, waren im Hofe am Brunnen mit Gläserreinigen beschäftigt, und blickten erstaunt und erschrocken in die Stube, als fic wahrnahmen, daß die Polizei don anwesend sei. Da« ganze Häuschen bestand au« wenig Räumen, den größten hatte da« Schenkzimmer inne, welche« indessen außer Bänken und Tischen kein weitere« Geräthe hatte. Auch im Keller war außer den Fäffern mit Genever und Bier, nichts andere« zu entdecken; des SchenkwirthS Wohn- und Schlaf­stube, welche an das große Zimmer stieß, hatte außer einem altväterischen Schranke, dem alten Himmelbett, einem Tische unb Stühlen, wenig auszuweisen. Der Commiffär hatte