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tfr. 30.

JUarfiurg, Sonnabend, 5. Februar 1876.

XL ZhkMg.

Imetjee nimmt entgegen: » Blatte», (»wie die Lnroucen-Bxreaxr na lh. Diedrich fc •»- in Kassel xn> Haxxo»«; Th. Lietrich ix Srxnlfxtt «■ Ml-; Lxxsenftiin * Segler in Irextfxrt«. R, Berlin, Sei»* »ja, Edln k; Rxbolf Hoffe in Berlin, Fraxkfxrt <u K. ic.

QM)frl)flTifd)r Jalung.

Anzeigen nimmt entgegen: die «cheditton d. Blatte«, f»»ie die Annencen-Bureaux »on ®. S. Daube Jt So. in Irentfx« «. M.: Jüger'sche Bnchhnndlxng in Frankfurt a. M.; Jnvelidendank, A- Stete» meye» in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.

«^chemt tägUch anßen d« Werttagen nach Svim* and Ferettagen. PrerS fit* das Qnartal mit de» wöchentlichen Beilage ,,zinstrirte» eonnteglHett" »xrch die Sxpeditivn (Koch'fche vxchdruckerei) bezogen »ark.dxrch die Postämter de« Deutschen Reiches 3 Mark SO Pf«. (e$l. Bestellgebühr). - InsertionSgebilhr für die gespaltene Zeile 10 Pfa.

Für m der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Psg. berechnet.

Tagesbericht.

Der BuvdeSrath hat am Mittwoch den Entwurf einer Verordnung, betreffend die Aufhebung de« Verbot« der Ausfuhr von Pferden genehmigt; ferner wurden Vorlagen, betreffend Len Beitritt von Britifh Indien zum allgemeinen Postverein und betreffend den Betrag mit der Stadt Straß bürg i. E. wegen der Erwerbung von Grundstücken, welche In Folge der Hinausschiebung der Festungswerke entbehrlich «erden, den Ausschüffen überwiesen.

DaS Handelsministerium beabsichtigt zu der Weltaus­stellung in Philadelphia auch mehrere Beamte der Berg­verwaltung zu deputiren, welche im Anschluß an das Stu dium der Ausstellung noch weitere Erforschungen über die BerhLltniffe der Montanindustrie in Nordamerika, welche in vielfacher Beziehung intereffant ist, anstellen sollen.

Graf Eulenburg hat in Folge seiner neulichen Rede eine Mitgliedskarte des berliner socialdemokratischen Vereins erhalten, nebst Quittung über einen Monatbeitrag.

Die Verhandlungen mit den lauenburgischen Ständen wegen Einverleibung LauenburgS in die preußische Monarchie find jetzt so weit gediehen, daß die Angelegenheit dem StaatSmintsterium vorliegt. Es ist daher anzunehmen, daß bereits in der nächten LandtagSsesstou eine bezügliche Vorlage eingebracht werden wird.

Das Stadtgericht sprach den Angeklagten Gehlsen, Redakteur der »Eisenbahn-Zeitung", der Beleidigung de« AufstchtSrathe» der Rumänischen Eisenbahngesellschaft und des Reichskanzler« Fürsten Bismarck nach Artikel 184 und 186 de« Strafgesetzbuch« schuldig und verurtheilte ihn zu einer Gefängnißstrafe von vier Monaten.

Fürst Waldemar zur Lippe erläßt im Detmolder „Reg.- und L.-BI." eine Bekanntmachung vom 31. v. MtS., be­treffend die Einberufung eines außerordentlichen Landtages, in welcher eingehend diejenigen Maßregeln dargelegt werden, welche er zur Herstellung verfaffungsmäßiger Zustände zu «greifen beabsichtigt. »Trotz aller Bemühungen — so heißt es in dem Erlaß — ist t« Uns nicht gelungen, einen anderen Weg, zu geordneten verfaffungSmäßigen Zuständen zu gelangen, aufzufinden, al» den, noch einmal nach der Verfassung von. 1836 eine LandeSvcrtrctung wählen und mit ihr ein neues Wahlgesetz vereinbaren zu lasten, da Wir ihn für den allein gesetzmäßigen erachten wüsten. Es ist diese Unsere Austastung auch in einer Entscheidung des vundrsrathet über eine ihm zur Prüfung vom Reichstage überwiesene Beschwerde mehrerer Bewohner Unseres Landes * geheilt/ In der citirten Entscheidung des BundeSrathS heißt e« «örtlich: »Daß das im Jahre 1853 durch landesherrlichen Erlaß wieder hergestellte BerfastungSrecht bei der Errichtung de» norddeutschen Bundes in aner­kannter Wirksamkeit bestanden habe, und daher als das

Der bla« Reiter.

Eriminal-Novelle von Julie Düngern.

(Fortsetzung.)

»Der Dieb muß bekannt in unserm Hause fein', rief Hanna au«, »aber wie ist derselbe nur hereingekommen, da da« Schloß der HauSthüre unversehrt ist?" Ein Blick in da« Hinterzimmer gab vollkommen Aufklärung, dieses ging in den Garten hinaus und war mit einem sogenannten englischen Schiebfenster verschlosten gewesen, von diesem waren zwei Scheiben eingedrückt und das Fenster geöffnet worden, den Rückweg hatten die Diebe durch die Hinter thüre, deren beide schwere Riegel sie zurückgeschoben hatten, bewerkstelligen können, von dort war der Weg durch den Garten über den Haag, wenn sie einen Nachen im Canäle ihrer wartend wußten, für die Spitzbuben nur eine Kleinig­keit gewesen I

Au« Hanna'« stiller Hoffnung während der ganzen Rückreise, noch heute durch die treue Magd den Geliebten von der Rückkehr benachrichtigen zu können, war natürlich unter diesen Umständen gar nicht zu denken. Die alte Sanne, die fast zu gleicher Zeit mit ihrer Herrschaft an­gekommen war, zeigte sich noch erschrockener als die beiden Damen, und engagirt« sogleich ihren Reffen, welcher sie begleitete, einen stämmigen, .handfesten vauernburschen, dir Nacht im Hause zu wachen, bis man am andern Morgen Lärm geschlagen und die Polizei benachrichtigen könne.

Biel geschlafen wurde natürlich in dieser Nacht in dem kleinen Hause nicht, Hanna warf, als sie einige Minuten allein war, ein paar Zeilen auf da« Papier, welche Nico­la« von dem Vorgefallenen benachrichtigen sollten, die Wittwe ordnete in Gedanken ein Verzeichniß aller ihr fehlenden Objecte, während dlc alte Susanns ein Slvß-

jetzt gültige Recht im Sinne des Einganges der BundeS- Verfastung angesehen werden müste."

Das amerikanische Repräsentantenhaus hat das Amen­dement zur Verfassung, nach welchem derselbe Präsident der Bereinigten Staaten nicht zum zweiten Male wählbar sein soll, mit 144 gegen 106 Stimmen abgelehnt.

Deutsches «eich.

•• Berlin, 3. Febr. Ueber das Befinden des Reich« tangier sind verschiedene Nachrichten verbreitet, die sich voll­kommen entgegen standen. Es wird nun aus des Reichs­kanzlers Nähe berichtet, daß die Genesung desiclben wesentliche Fortschritte gemacht habe, daß derselbe schon Ausfahrten im Thiergarten unternommen hat, die ihm gut bekommen find und daß vermuthlich der Fürst heute dem Kaiser Vortrag halten wird. Man nimmt daher auch an, daß der Mi nisterprästdent in den nächsten Tagen einen Ministerrath abhalten wird. — So groß das Bestreben des Reichstages ist, die Session bald zum Abschluß zu bringen und so sehr man hofft, die Gewerbenovelle, das Hilfskaffengesetz, die Jnvalidenfondsvorlage, Parlamentsgebäude-Bau rc. brra- then zu können, wird es doch unzweifelhaft, daß die Ge­setze über Rechnungshof und Verwaltung der Einnahmen und Ausgaben des Reiches auch in dieser Session liegen bleiben. Am 12. d. gedenkt da» Präsidium den Reichstag schließen zu können. Von einer Frühjahrs - Session zur Erledigung der Justizgesetze ist keine Rede mehr; die Justiz- Commission wird die erste Lesung in wenigen Wochen be­endet haben, alSdann werden die Regierungen ihre Stellung zu drei Aenderungen nehmen und dann wird die Umlesung zur Herbeiführung von einer Verständigung erfolgen. Vor dem Jahre 1878 werden die neuen Gesetze nicht in Kraft treten können. — Der von dem alten und befestigten Grund­besitz Gnesen prSsentirte Herr v. BrzeSki auf Jakobowo ist auf Lebenszeit ins Herrenhaus berufen. — Alle Gerüchte über den Zweck der Reife deS Cardinal Fürsten Hohenlohe nach Rom find mit größter Vorstcht auizunehmen, von einem Auftrage Seitens des Staate« zu Unterhandlungen mit Rom kann nicht die Rede fein. — Die Entlastung deö Grafen Ledochowski au« dem Ostrowoer Gefängniß ist erfolgt. Demselben ist von Seiten des Cultu« und des Ministers des Innern eröffnet, daß er nach seiner staat­lichen Absetzung die Provinz Posen, Schlesien und die Regierungsbezirke Frankfurt a./O. und Marienwerder nicht besuchen dürfe, auch nicht daselbst wohnen. — In wie weit die Androhung einer Einschließung in die Festung Torgan zur Anwendung kommt, ist heute noch nicht zu erfahren.

«»rliutd.

Wie«, 1. Febr. Die ,N. Fr. Pr.' schreibt: Im Abgeordnetenhause beschäftigte man sich heute wieder einmal

gebet nach dem andern zum Himmel richtete, um für die Zukunft ähnliche Besuche vom Hause fern zu halten. Ganz in der Frühe wurde die Polizei von dem Vorfälle benach­richtigt, aber noch ehe dieselbe eintreffen konnte, hatte die Dienerin die Freunde ihrer Herrin von dem vorgefallenen Kund gegeben, und da die Morgenstunde den Bäcker an fein Gewerbe fesselte, so war dieser zwar nicht erschienen, hatte aber allen seinen Kunden die Neuigkeit erzählt, während der Wollenweber athemlos herbeigestürzt kam, und sich erst beruhigen konnte, als er seine Angebetete und deren Pflegemutter gesund und wohlauf, wenn auch etwas angegriffen, gefunden hatte. Auch er zerbrach sich den Kopf darüber, wie die Diebe über den Zaun gekommen, und wer ihnen wohl den Nachen, deren nicht so viel in dem kleinen Stäbchen waren, geliehen haben konnte?

„Vermuthlich haben sie ihn vom Schenkwirthe geholt," sagte Frau Anbrecht erbittert, derselbe fährt ja Tag und Nacht auf dem Canal herum, und hat ihn vermuthlich in der Nähe angebunden gehabt, denn in feinem Hause, wel­che» mitten in der Stadt gelegen, kann et unmöglich einen Nachen haben. Ich sollte denken, der Mensch mache mir schon ohnedieß genug Sorgen und Kummer, muß er jetzt noch dazu beitragen, daß ich beraubt werde!"

Hebet das bi« jetzt bleiche Gesichtchen Hanna'» loderte eine ZorneSflamme, daß man den geliebten Mann auf diese Weise und noch sogar vor dem gehaßten Rivalen anklagen konnte, überstieg ihre Geduld.

„Bedenke doch, wa« Du sprichst, Pflegemutter', fuhr sie heftig heraus. »Nicolas ist ein unbescholtener Mann, welchem auch seine schlimmsten Feinde' — hier streifte ihr Blick den Webermeister' — „nicht» Böse» nachsagen kön­nen, daß Du ihn aber seine» Nachen» wegen de» Leicht* sinn» verdächtigen willst, ist unrecht; er hält seinen Nachen stet« unten am Fährhause an einem.Block angeschlossen,

mit Gerüchten über eine Ministerklise. Eine schon vor mehreren Tagen aufgetauchte Version, nach welcher Graf Beust zum ciSleithauischen Minister - Präsidenten destgnirt wäre, wurde heute durch die Mittheilung verdrängt, daß Koloman Tisza in der Uebergeugung, ein Ueberdnfommcn mit der österreichischen Regierung nicht erreichen zu können, regietungSmüde sei. Zu seinem Nachfolger sei ein Graf Pechy (nicht der CommunicationS-Minister) destgnirt, ein Politiker von der Couleur Sennyey, der lange Zeit im ungarischen Verwaltungsdienste (in Siebenbürgen) thätig war. Gleichgcitig mit der ungarischen Ministerktise stände auch in Oesterreich ein Regierungswechsel in Sicht. Graf Taaffe soll bestimmt sein, Nachfolger des Fürsten Auersperg und mit der Bildung eines neuen Cabinct» betraut gu werden. Beide Regierungen hätten die ausschließliche Auf­gabe, den neuen österreichisch - ungarischen Ausgleich gu schließen; wäre dieser erfolgt, bann solle dies* und jenseit der Leitha ein „definitives" Ministerium ernannt werden. So ergählt das vielfach umlaufende Gerücht, und es mag gleich beigefügt werden, daß die Entstehung desselben wahr­scheinlich auf eine Reise zurückzuführen ist, welche neulich Graf Taaffe auf die Güter seines Schwiegervater», des Grafen Csaky, unternahm, und gelegentlich deren der Statt- Halter von Tirol Pest berührte, wo er auch bei Hof em­pfangen wurde. Wir regifttiren, wie gesagt, wa« man in ven Couloir« de» Abgeordnetenhauses colportirt. Wahr­scheinlich klingt es eben nicht; denn ein Ministerium Taaffe wäre kein geringerer VnachroniSmu« al« ein Ministerium Schmerling. Daß aber die Krisengerüchte mit solcher Be­harrlichkeit sich in einem Augenblick erhalten können, wo da« Ministerium am allerfestesten stehen sollte — das allein schon ist ein sehr bedauerlicher Umstand.

3. Febr. Die heute abgehaltene Leichenfeier Deal'» gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung für den großen Tobten. Erzherzog Josef, Erzherzogin Clotilde, der General-Adjutant be» Kaiser» Baron Mandl, sämmt- liche Hvnorationen und zahlreiche Deputationen, nahmen daran Theil. Der Präsident des Unterhauses, Ehhczy, hielt am Sarge eine ergreifende Trauer-Rede.

Paris, 2. Febr. Cardinal Fürst Hohenlohe wurde gestern vom Papste empfangen. — Laut dem Moniteur erhielt ThierS aus Mülhausen und Straßburg zahlreiche Beglückwünschungen zu seiner Ernennung in Belfort. — Die äußerste Linke, di- heute eine Versammlung abhielt, veröffentlicht ein Protokoll, worin sie hervorhebt, e« herrsche überall Freude darüber, daß die republicanischen Jnstitutlonen durch die Wahlen vom 30. Januar stchergestellt wurden, und worin erklärt wird, daß sie, voll Vertrauen in die Wahlen vom 20. Februar, bet Beuitheilung ber zukün ftigen Kammern bie Wahlumtriebe deS Ministers be« Inn ern und seiner Agenten überläßt. — Die Wahlbewegung und dieses Fahrzeug haben die Diebe sicherlich nicht gebraucht."

„Du bist ja sehr gut unterrichtet", höhnte die Matrone, doch Hanna hörte e» nicht mehr, sie hatte da« Zimmer verlaffen und die Thüre etwa» unsanft ins Schloß ge­worfen. Frau Anbrecht sagte aber in vertraulicher Weise zu LeederS:

„Nach dem in meinem Kopfe gemachten Uebetschlage wird der durch den Diebstahl betreffende Schaden wohl an 2000 Gulden au-machen, ich versichere Sie aber, ver­ehrter Herr, daß ich gerne nochmal so viel geben würde, um dem Mädel die dumme Geschichte mit dem blauen Reiter aus dem Kopf zu treiben!"

»Laffen Sie mich nur machen, iheuerste Frau," ent­gegnete der Meister in seiner festen und überzeugenden Weise, »ich habe schon Manche« über den Schenkwirth ge­hört, wa« mir nicht gefällt, hütete mich aber, etwa« davon zu sagen, denn k» könnte mir leicht al« boshafte Eifersucht ausgelegt werden; ist aber etwa« Wahre« daran, so muß t« an den Tag kommen, und Jungfrau Hanna ist ein viel gu redlicher Charakter, um sich noch länger für ein notorisch schlechte» Subjekt gu intereffiren."

„Da» wolle der Himmel," wollte die Witwe sagen, verschluckte e» aber noch gut rechten Zeit, weil ihr doch ein fiel, daß man den Himmel doch nicht für be» Nächsten Schabe» anrufen dürfen. Im selben Augenblick wurde ste aber von dem eintretenden Polizeicommissär unterbrochen, welcher den Stand ter Sache in Augenschein nehmen wollte.

Seine Agenten hatten die nachdrängende Volksmenge zurückgehalten, aber doch nicht verhindern können, daß einige Bekannte der Witwe, worunter sich auch der Bäcker­meister befand, mit in da« Zimmer traten. Der Commiffär untersuchte den Schrank und da» Fenster, wo die Diebe in das Haas ringedrungen waren; cr nahm ein Verzeichniß