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XL Mrgang.

Marburg, Donnerstag, 3. Februar 1876.

Nr. 28

ObcrhtMc Jritung

Oesterreich ein Heer von 80,000 Mann an der serbischen Grenze zusammenzieht, welche bereit sind, auf den erstm Wink in die Türkei einzurücken. Zum Befehlshaber simmt- licher in Croatien und Slavonien aufgestellten Truppen ist der Feldzeugmeister Molinary ernannt, der auch kürzlich an einem Ministerrath in Pest theilgenommen hat.

Man meldet aus Spanien, daß General Loma die -von den Carlisten besetzt gehaltene Linie durchbrochen, und Val maseda sich mit dem General Casiola in Verbindung gesetzt hat. Die Carlisten haben die Befestigungen in der Nähe von Bilbao geräumt, besten Blokade somit aufgehört hat. General Moriones rückt abschnittsweise gegen Azpeitia vor, während die Generale Ouesada und Loma gegen Durango im Vormarsch begriffen sind. General Campos hat die Höhen von Velate, welche das Thal Vertun beherrschen, genommen und besetzt.

die Frau deS SchenkwirthS Nicolas abzugeben, und jedem gemeinen Strolche, denn bestere Leute besuchen diese Wirthschaft nicht, für ein paar Heller Genever zu kredenzen,

Anzeigen nimmt entgegen: die exyebitiim d. Blattes, sowie btt Amwncen-Bureaux von E L. Daube & 6». in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. R.; Jnvalidendank, A. Rete« meyer in Berlin; Earl Schtiß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

„Nicola» hat sich, während er unter den blauen Reitern, de» Obersten von Wackerbach diente, ganz musterhaft be­nommen," war die feurige Entgegnung der Kleinen, „er hat die besten Zeugnisse seiner Vorgesetzten, dafür, daß sein Erbtheil nicht größer ausfiel, kann er uicht», seine Eltern waren eben arm, wie die Meinen, und sein Erspartes nebst dem kleinen Vermögen reichte gerade nur dazu, diese Schenkwirthschaft zu pachten, aber er ist fleißig und wird sparen, und wir werden einstmals einen Gasthof besitzen, welcher der Erste des Städtchens sein soll."

„Ich gönne dies Glück dem Nicolaus von Hetzen," entgegnete die Matrone, glaube abet nicht daran, von meinem Gelde wenigsten» — wenn ihr Beide auf meinen Tod spemlirm solltet — wird der Gasthof nicht errichtet werden; Schenkwirthe sind gewöhnlich locke« Leute, und nun noch gar ein Wirth, welcher früher Soldat gewesen, dem Nikola» klebt immer noch ein Zug seine» früheren Leben» an, sonst würde ihn der Volksmund nicht noch nach dem Austritt au» dem Soldatenstand, den „blauen Reiter" nennen. Nein, gieb nach, Mädchen, und folge der Mahnung Deiner Mutter und Wohlthäterin, heirathe den reichen Wollenweber Leeder», welcher Dich schon lange liebt, und ich kann dann mit Ruhr üb« Dich und Drin Schicksal

Deutsche» «eich.

= Berlin, 1. Februar. Die völlige Stagnation de» Verkehrs macht sich auf da» stärkste in Berlin geltend. Ein großer Theil der Fabriken feiert. In den Maschinen- bau-Anstalten, die früher 40,000 Arbeiter beschäftigten, sind bereits 18,000 entlassen und dem bittersten Elend preisgegeben. Der Rest arbeitet nur noch mit halber Zeit, wird aber wahrscheinlich auch in kürzester Frist entlasten. Die Fabrikanten dieses Industriezweiges haben vor wenigen Tagen eine Erklärung beim Handelsminister eingereicht, daß sie nur noch 5 Wochen ihre Arbeiter beschäftigen könnten, dann sie aber sämmtlich entlasten müßten, weil sie keine Aufträge mehr haben. Bei der Gefahr welche für die Ruhe der Stadt aus solcher mastenweisen Entlastung ent stehen könnte, haben sie daS Gesuch an den Handelsminister gestellt, ihnen schon jetzt die Aufträge für die bereit» be­willigten Eisenbahnen zu geben. Die Preise sind jetzt so niedrig, daß die Fabrikanten kaum den Preis für Material und Arbeitslohn herausbringen. Lokomotiven die noch vor zwei Jahren, mit 23,000 Thalern bezahlt wurden, werden jetzt mit 10,000 Thalern abgegeben. Auch ist eS auffällig bemerkt worden, daß die Staatsbahnen in der letzten Zeit gar keine Bestellungen mehr gemacht haben, um möglichst an Material zu sparen. Die Folge davon ist natürlich, daß auf der einen Seite die Fabriken beschäftigungslos sind, und auf der anderen Seite wegen des schlechten und abgenutzten Materials häufiger Unglücksfälle eintreten. — Seit einigen Tagen gehen wieder Gerüchte, daß wirklich Unterhandlungen zwischen dem Centrum und dem Reichs­kanzler über eipen Kompromiß anzeknüpft sind. Ausge­fallen hat eS namentlich, daß während die Clerikalen noch vor Kurzem bet der Bewilligung einer Erhöhung der Einkünfte des Botschafters in Rom der Regierung sehr

DrgeSbericht.

Die dtitte Berathung der Strafrechtsnovelle wird Ende dieser Woche den Reichstag beschäftigen. Um die Berathung möglichst abzukürzcn, hat der Präsident von Forckenbeck rtne Revision« Commission, bestehend aus Dr. v. Schwarze, Bernhardt, Thilo und Dr. Weigelt ernannt. Diese Com Mission ist b-reitS mit ihren Arbeiten fertig und wird na­mentlich eine veränderte Annahme deS Paragraphen Duchesne Md de« erweiterten Kanzelparagraphen beantragen.

Die Auswanderung aus Deutschland «ach Amerika hat io dem abgelausenen Jahre ganz bedeutend abgenommen, tz» find aus den deutschen Seehäfen im Ganzen 56,289 Passagiere nach Amerika befördert worden, während 1874 75 502 und 1871 134,191 dahin auSwanderten. Dagegen hat dir Rückwanderung aus Amerika in Folge der jetzigen traurigen Zustände daselbst ziemlich bedeutende Dimensionen angenommen, denn die Zahl der von Amerika Zurückge- kehrten betrug im Jahre 1875 22,081 Personen.

Der gejammte Jahre«betrag der veranlagten Klasten- steuer (44,495,262 M.) und klasstfizirten Einkommensteuer (30,161,824 M.) vertheilt sich in Preußen auf eine Ein­wohnerzahl von 24,573,545 (nach der Volkszählung von 1871) oder 24,543,082 (nach den Klassensteuerrollen); davon kommen (nach den Klastensteuerrollen) 8,207,411 Einwohner auf die Städte, 16,355,671 Einwohner aus ba« platte Land. Der klassifizitten Einkommensteuer unter­liegen 550,775 oder 2,24 pCt. der Einwohnerzahl nach den Klastensteuerrollen, befreit von der Klastensteuer sind überhaupt 6,591,559 Einwohner oder 26.86 pCt. der Ein­wohnerzahl; mithin blieben klastensteuerpfiichtig 17,400,748 Einwohner oder 70,90 pCt. der Einwohnerzahl. Von dem Gesammtbetrage der -«lasten- und klassifizirten Ein­kommensteuer (74,675,088 M.) trifft auf den Kops der Bevölkerung (nach der Einwohnerzahl der Klastensteuer­rollen) 3,04 M. und zwar auf den Kopf der städtischm Bevölkerung 5,42 M. auf den Kops der Landbevölkerung 1,85 M. , x .

3n der Regelung der orientalischen Frage tauchen immer neue Schwierigkeiten aus. Es heißt allerdings, daß die Pforte dem Reformprojekte de« Grafen Andrasty zustimmen würde, dagegen macht sich jetzt unter den Alttürken eine Bewegung gegen dastelbe geltend, die gewiste Gefahren mit fich bringt. Die Aufregung der alttürkischen Partei soll ehr groß sein, so daß sogar die Regierung selbst sehr be sorgt wird. Es könnte daher bald die Nothwendigkeit ent stehen, den Sultan gegen seine eigenen Unterthanen zu schützen, sowie zum Schutz der Christen die Flotten der Großmächte am goldenen Horn erscheinen zu lassen.

Die Nachrichten von der türkischen Grenze lauten sehr kriegerisch. ES wird auf das Bestimmteste behauptet, daß

Der bl»« «eiter.

Sriminal-Rovelle von Julie Düngern-")

Ich konnte diese Nacht nicht schlafen, Hanna, und als ich nun gegen Morgen, früher al» gewöhnlich, mein Bett verlasten uüd an'« Fenster getreten bin, matt und mühselig, wie e« eine schlaflose Nacht in meinem Alter mit sich bringt da war der Anblick, welchen ich von meinem Fenster genoß', nicht dazu angelhan, meine Laune zu Verbestern, denn ich sah Deinen Verehrer, den blauen Reiter, in einem Nachen den Kanal herunterfahren; er ruderte denselben bis an dir Hintcrseite unseres Garten«, dann sprang er ans User, band den Kahn an einen Pflock und schlich sich an die Hecke, an deren innerer Seite ihn ein junges Mädchen im Morgenhäubchen begrüßte, besten Namen ich nicht nennen will, um r« nicht noch mehr zu beschämen, welchem ich von jetzt an sür ein- und allemal dergleichen Stelldichein, mögen sie nun in der Dämmerung oder beim Morgen­grauen stattfinden, ernstlich verbiete."

Die also Sprechende war die Witwe Anbrecht; der Ort der Handlung da« kleine holländische, hart an der Grenze liegende Städtchen M., und die also Angeredete war die Pflegetochter der Witwe, die schöne Hanna, wie sie im Orte genannt wurde, welche die Apostrophe ihrer Pflegemutter im Anfänge mit einiger Befangenheit angehört hatte, doch bald zog sich ein allerliebster trotziger Zug um He frischen Lippen, da« kleine zierliche Näschen, besten etwa« kecke Form dem ganzen Gesichtchen einen Ausdruck bon jugendlichem Nebermuth verlieh, schien noch kecker in bk Höhe zu streben, und während die finstere Falte auf der Stirne noch drohender zu werden schien, sagte sie mit entschlvstenem Tone:

•) Nachdrui untersagt.

zutauschen!"

Frau Anbrecht wurde sedoch durch de» Mädchens Festig' keit noch mehr erbittert.

„Ich kann dem blauen Reiter den Gang am Ufer nicht verbttten, da derselbe städtisch ist, an meinem Haage jedoch soll er sich nicht mehr blicken lasten, da« magst Du ihm zu wisten thun, dem Musje Habenichts. Der Nachbar Wollenweber, sowie sein Schwager, der Bäcker, haben mir gerathen, Fußangeln läng« de» Haage» zu legen, und da» werde ich auch thun, darauf kannst Du Dich verlasten, und was Dich selbst betrifft, so wirst Du von nun an nur unter meiner Begleitung den Garten besuchen, ich ziehe den Schlüstel ab."

Diese letzte Drohung schien die härteste zu sein, denn über die blühenden Wangen ergoß sich eine wahre Thränen- fluth. —

„Welch' ein unglückliche« Geschöpf bin ich", schluchzte die Kleine, „mein armer Nicola» i Wie kommt e» nur

StHttftn nimmt entgegen: die Erprditivn d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux wn Tb- Dietrich * 6e. in ftafel und Hannover; Th- Dietrich in Frankfurt a- M ; S- 'kein * Segler in tta.R>»erlm^Leip- :n rc; Windols Sloffe tnflerlitt, Frankfurt a. M. rc.

energisch Opposition machten, sie bei dem Arnimparagraphen sich ganz in Stillschweigen hüllten.

DreSde», 27. Jan. Dem Landtag ist ein Gesetzent­wurf vorgelegt worden, welcher den Zweck hat, die Geist­lichen und Kirchendiener für den Wegfall ihrer bisherigen Gebühren aus Staatsmitteln zu entschädigen. Diese Ent­schädigung für Aufgebot, Trauungen und Taufen ist nach dem Durchschnitt der letzten 6 Jahre normirt und beträgt insgesammt jährlich 600,000 Mark, wobei der Durch- schnittösatz der Gebühr auf 1 Mk. 6 Pf. für die Taufe, 2 Mk. 6 Pf. für da« Aufgebot und 3 Mk. 9 Pf. für die Trauung festgestellt ist. An der Bewilligung dieser Entschädigung von Seiten deS Landtag« ist nicht zu zweifeln.

Stuttgart, 1. Febr. Der Hofmaler Gegenbauer von hier, ein sehr hervorragender Historienmaler, ist gestern in Rom gestorben.

München, 31. Jan.' Cardinal Fürst v. Hohenlohe, welcher am vergangenen Samstag Abends von Schillings­fürst hier angekommen war, ist gestern früh nach Rom abgereist. Der Cardinal erstattete hier Niemanden Besuch und war überhaupt ängstlich darauf bedacht, seine An­wesenheit soviel al« möglich zu verbergen. Man spricht wohl mancherlei Vermuthungen über den Zweck seiner Reise ans, Verlässiges weiß indeß Niemand. Immerhin wird man nicht irregehen mit der Annahme, daß der Cardinal nur auf ganz bestimmten Wunsch des Papstes sich nach Rom begibt, da er außerdem durch nicht« zu bewegen ge­wesen wäre, sein Schloß zu Schillingsfürst mit einer Prome­nade auf dem Pincio zu vertauschen. Liegt also, wie man annehmen darf, ein directer Wunsch des Papstes vor, welchem der Cardinal vielleicht nicht ohne Selbstüberwindung Folge leistet, so dürste auch der Schluß nicht zu gewagt sein, daß die Lardinäle Hohenlohe und Ledochowsky, welch' Letzterer bi« Mitte Februar sicher im Vatikan erwartet wird, von der Kurie auSerfehen sind, eine Vermittelung mit dem Manne anzubahnen, über den sich PiuS IX. jüngst bei dem Empfange der deutschen Colome in Rom so bitter­böse auSgelaffen hat. Die Thatsache allein, daß Cardinal Fürst Hohenlohe vermocht werden konnte, nach Rom zurück­zukehren, berechtigt jedenfalls zu gewiffen Erwartungen wenn auch nicht zu großen Hoffnungen.

LnSliUts.

Wie«, 1. Febr. Da» „Telegraphen - Correspondenz- Bureau" meldet: Von bester Seite geht un« folgendes Telegramm zu: „Konstantinopel, 1. Febr. Der österreichisch- ungarische Botschafter Graf Zichy hat, nachdem er, seinen Instruktionen gemäß, die Vertreter der übrigen Mächte von dem von ihm zu unternehmenden Schritte verständigt hatte, dem Minister des Aeußern, Raschid Pascha, gestern die zwischen den NordmLchten vereinbarten Reformvorschläge Pflegemutter, daß Ihr einen so unchristlichen Haß auf denselben habt?"

„Schwätz' kein albernes Zeug," sagte die alte Frau, gerührt durch die Thränen, in mildem Tone, „von Haß kann da keine Rede sein, ich handle nur aus Bewußtgründen. Es würde Dir, dem feinerzogenen Mädchen, schön ansteheu,

„Du weißt, liebe Mama, daß ich kein undankbare» Geschöpf bin, ich danke Dir und dem theueren Entschlafenen Namen, Erziehung und eine gesicherte Existenz, dennoch aber würde ich die» Alle« freiwillig aufopfern, wenn Du meiner Liebe zu Nicola» ernstlich in den Weg treten würdest. Sich, ich bin noch jung, und wir wollen geduldig be» Tage» warten, wo er so viel verdient, um mich mit gutem Gewiffen als sein Weib heimführen zu können, sei daher

auch nicht so grausam, un» die wenigen Minuten zu Der», derben, in welchen wir un», Morgen» oder Abends, dort!denke'selbst darüber nach, und Du wirst mir Recht geben, am Haage treffen. E« ist wahr, Nicolas hatte ihn früher zweimal überstiegen, um mit mir im Garten zu plaudern, allein seit Du unS getroffen, und ihm so streng verboten hast, Dein HauS und Garten jemals zu betreten, ist er niemals wieder gekommen, und wir begnügen uns, über den Haag hinweg unsere Gedanken und Hoffnungen aus-

flrfdieüit täglich a«6« bat Werktagen nach Sonn« und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage ,,z»«ftrtrte» EonntagSblatt durch btt ^k^ditton (K 0 ♦ f*e BiÄ8br«dtr«i) bezogen Start, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf«, (ejl. Bestellgebühr). - JnserttonSgebühr für btc gespaltene Zellt 10 Pfg. Für in btt Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf», berechnet.