Einzelbild herunterladen
 

XL

Marburg, Dienstag, 1. Februar 1876.

Hir. 26

MtrMlht Jritung

u

Deutsches Strich.

nutzt werden. In der That hat sich in

dieser Beziehung

>eftcn i

ntei

a.

ov

vaß- 5t»ft

len»

ipra

t ft

UD

■IM

der Anschauungen über das Gesammtvcrhältniß zwischen Regierung und Kammer, über die unerläßlichen Bedingungen der neueren gesellschaftlichen Zustände für die Gesetzgebung uns in ein normaleres Geleise der letzteren zurückführen kann. — Von Seiten des Auswärtigen Amtes ist die Initiative ergriffen worden, um ein Einverständniß mit den übrigen Regierungen zu erzielen, daß die sich häufenden alljährlichen wisienschaftlichen u. a. Kongresse nicht mehr als Anlaß zu Ordensverleihungen an die Theilnehmer be-

SWLI (3

lar Steil shte« ing« iöhM

inei irr-

') Dieser Paragraph lautet: Wer in einer der öffentlichen Frieden gefährdenden Weise verschiedene Stoffen der Bevölkerung gegeneinander öffentlich aufreizt oder wer in gleicher Weise die Institute der Ehe, der Familie oder deS EigenthumS öffentlich durch Rede oder Schrift angreist, wird mit Gefängniß bestraft, fliehe di« ReichrtagS-Berhandlmigen in Nr- 84. d. Bl.)

leit der Arbeiter, während der „Demokratische" vielmehr die internationale Zusammengehörigkeit betonte. Im Ueb rigen wqren die Zwistigkeiten, welche bei den beiden Vereinen existirten, nicht groß, und man kam endlich dahin, zu glauben, eS wäre für die Sache im Allgemeinen besser, die Zwistigkeiten zwischen den beiden Vereinen dadurch aus dem Wege zu räumen, daß man sich zu einem Verein zu- sammenthäte und die gemeinschaftlichen Zielpunkte gemein­schaftlich verfolge. Zu diesem Zwecke wurde im vorigen Jahre im Mai in Gotha ein Kongreß versammelt, und in diesem Kongreß die Vereinigung der beiden Vereine eonstatirt; sie nennen sich jetzt Socialistische Arbeiterpartei in Deutschland, und daS ist der augenblickliche Standpunkt. Ganz fest steht das Gebäude nicht, denn in Hamburg hat sich der Rest deS Allgemeinen deutschen Arbeitervereins unter demselben Namen separat zu einem Verein constituirt. Ob dieser Verein nun stark genug sein wird, durchgreifmde Opposition zu machen, ist die Frage. (Der Minister »er liest nun das bekannte, von der socialistischen Partei zu Gotha ausgestellte Programm). Ich denke, auch dieses Programm ist an sich schon ziemlich bezeichnend; aber nun muffen Sie bedenken, wie die socialistischen Agitatoren zu Werke gehen. Sie kommen denen, die sie für sich ge­winnen wollen, nicht sogleich und von vokn herein mit ihren Gedanken entgegen, sondern der socialdemokrarische Agitator sucht die Arbeiter nach und nach in fein Netz zu locken, und zeigt erst ganz am Ende, was er will. Weit entfernt, das Volk zu belehren, sagt er^ihm, sein Programm auf politischem Boden sei die rothe Republik, auf socialem der CommnniSmu», auf dem Gebiete der Religion der Atheismus. Ohne dies nun aber jemals von vorn herein zu sagen, zieht er nach und nach die Leute heran und hinein, so daß sie unbewußt in diese letzten Konsequenzen kommen. Das erste, was der socialdemokratische Agitator thut, ist Unzufriedenheit, wo sie vorhanden ist, zu schüren, wo sie nicht vorhanden ist, zu erwecken.

Meine Herren I ES geht ja im menschlichen Leben nicht ganz gerecht gu, und wir fühlen gewiß alle daS Mißge-

tele deS Herrn Ministers des Innern, Grafe« Enlen- dura, in der 39. Sitzung deS Reichstages, bei «erathung deS 8 130*) der Strafgesetz-Novelle.

Meine Herren I Der vorliegende Paragraph ist, wie leicht ersichtlich, nur gegen die Socialdemokratie gerichtet. Wa« die Socialdemokratie ist, da» werden Sie mir er­lauben, Ihnen in wenigen Worten auseinanderzusetzen. Ich versuche, Ihnen auseinanderzusetzen, waö die Social- Demokratie ist, welche Bestrebungen, welche Erfolge sie hat; denn ich fürchte, daß, so viel auch von diesem Thema ge­sprochen und darüber geschrieben wird, doch verhältnißmäßig Wenige sich einen wirklichen Begriff von den bestehenden Zuständen machen können und diese doch im Allgemeinen #1« gefährlich anerkannte Frage von sich fern zu halten suchen, weil sie eben nicht zu dem Entschlüsse kommen können, dieselbe fest anzufassen und fest anzugreifen. Ich bleibe dabri ganz sachlich und will nur am Schlüsse meiner Darstellung die Bitte an Sie richten, dem Staate diejenigen Waffen in die Hand zu geben, die er gegen die Staats- feinte gebraucht. Vor dem Jahre 1875 waren eS haupt­sächlich zwei Vereine, die ihre Thätigkeir, von socialistischen Prinzipien geleitet, in Deutschland entwickelten; einer vor- jugSweise in Nord», der andere in Südteutschland. In Rorddeutschland war eS der sogenannte „Allgemeine deutsche Arbeiterverein", von Lassalle gegründet 1863, eine Zeit lang von Herrn von Schweitzer präsidirt, später von an- deren socialistischen Agitatoren. In Süddeutschland war t» wesentlich der „Demokratische Arbeiterverein." Sehr weit auseinander waren sie in ihren Anschauungen und Bestrebungen nicht. Allein der „Allgemeine deutsche Ar beiterverein" betonte mehr die nationale Zusammengehörig-

ileyi kraul

ein unruhiges Treiben ergeben, welches der Wissenschaft gewiß nicht zum Vortheil gereicht.

— 29. Jan. Proceß Gehlsen. In seinem heutigen Plaidoyer deutete der SiaatS-Anwalt zuvörderst die Motive an, von welchen Gehlsen und Heßling bei ihren Angriffen gegen die Direktion der rumänischen Eisenbahn-Gesellschaft geleitet sein möchten. Er hob sodann hervor, daß die Gründung der Gesellschaft keine Spekulation auf fremd« Taschen, sondern mit einem gewissen Staatsinteresse vet knüpft gewesen fei, und wies aus den Zeugenaussagen nach, daß die erhobenen Beschädigungen und Angriffe vollständig unbegründet sind. Der einzige allenfalls begründbare Vor­wurf fei die Doppelstellung eines TheileS des Aufstchts Rathes der Gesellschaft, der gleichzeitig der Direktion der Disconto - Gesellschaft angehörte; allein die betreffenden Mitglieder hätten diese Doppelstellung nicht gesucht dieselbe sei ihnen durch die Thatsachen aufgedrängt worden. Die Srafbtzrkeit begründete der Staatsanwalt nach §. 186 des Strafgesetzbuches, ebenso auch die Strafbarkeit wegen Be­leidigung deS Fürsten Bismarck. Der Vertheidiger Munkel bestritt die beleidigende Absicht der Angeklagten in Bezug auf den Reichskanzler, sowie daß die Angeklagten bei ihren Angriffen gegen die Direktion der Rumänischen Eisenbahn- Gesellschaft sich von schmutzigen Motiven hätten leiten lassen. Ihre mißverständliche Beurtheilung der Verhältnisse erkläre sich auS der unter den Aktionären der Gesellschaft bestandenen Gährung und aus dem Mangel an olficieller Aufklärung über die Situation der rumänischen Bahn.

Köln, 26. Jan. DaS von Ihren kaiserl. und königl. Hoheiten dem Kronprinzen und der Frau Kronprinzessin gestiftete Fenster für die Westseite deS Dome», bei dessen Zeichnung die hohe Frau selbst mitgewirkt, ist durch den Künstler Milden in Lübeck vollendet und hier eingetroffen, um demnächst eingesetzt zu werden. Im letzten Jahre wurde die Einwölbung deS Langschiffes im Dome von der Quer­wand bis zum Eingänge fortgesetzt und vollendet, so daß das Gerüst dieser Tage niedergelegt werden konnte. Auch

■Meigtn nimmt entgegen: He Expedition b. Blatte», i,wie die Annoncea-Bureanx wn Th. Dietrich <k So. in Md, und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M-; Laasenstein A Vogler in Frankfurt«. M. Berlin, Leip-

Söln ic; Rudolf Moffe ja Berlin, Frankfurt <u M. re.

ffirffallmiflflt auf^e Vb-rh-sstsch-Zei. JinuUUHlJUl jung für die Monate Feb­ruar und März werden sowohl von der Expedition wie von allen Postanstalten — auf dem Lande auch von den Landpostboten — entgegengenommen.

Erscheint täglich außer ben Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „IllustrirteS ®ennteg»6I»tt“ durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (epi. Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf».

Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf», berechnet.

ist bereits an dem Haupteingange zwischen den beiden Thürmen mit Anbringung der Bildhauerarbeiten begonnen worden, wie sie schon durch den Dombildhauer Fuch« in nächster Umgebung theilweise auSgesührt worden. Wegen des wiederholt eingetretenen Frostwetter» mußten die Ver« setzarbkiten auf den beiden Thürmen eingestellt werden, da­gegen ist man in den Dombauhütten eifrigst bemüht, die zur nächsten Bausaison nöthigen Bild- und Steinhauer­arbeiten fertig zu stellen.

U»Sl«U>.

Pest, 29. Jan. Ghyczy eröffnet die heutige Sitzung de» Unterhauses mit einem feierlichen, tief ergreifenden Nach­rufe für den heute Nacht verstorbenen Franz Deal und schlägt vor, eine Commission zu wählen, welche im Vereine mit den Verwandten, der Regierung und der Pester Municipal- Behirde da- Erforderliche veranlasse und davon morgen dem Hause Bericht erstatte. Der Präsident macht ferner den Vorschlag, die Sitzungen von morgen ab bi» nach der Beendigung deS Leichenbegängnisse« zu unterbrechen. Die Vorschläge werden angenommen und eS wird bi( Commission gewählt. Die Leichenfeier findet am 3. Februar statt. In dem Dahingeschiedenen verliert Ungarn einen seiner hervor­ragendsten, und einflußreichsten Staatsmänner, der als Par­teiführer lange Zeit hindurch über die öffentliche Meinung eine Herrschaft auSübte, wie sie selten einem Manne zu Theil geworden ist, der gerade in der glänzendsten Zeit seiner Wirksamkeit niemals ein Staatsamt bekleidete. Ge­boren am 17. Oktober 1803, aus einem alten Adeläge- schlechte schwang er sich schon in dem Landtage von 1832 bis 1836 zum Führer der Opposition auf, welche die Um­wandlung des Feudalstaates in den modernen Rechtsstaat zum Ziel hatte. Schon damals aber trat in ihm die staats­männische Mäßigung und Besonnenheit hervor, die ihm bei aller Energie des Charakter» eigen war. Ihm war e» zu verdanken, daß eS zu einer förmlichen Aussöhnung zwischen der Regierung und der Reformpartei kam. Im Jahre 1848 übernahm er in dem Ministerium Batthyanyi da» Justiz­ministerium, in dem er fein organisatorisches Talent glänzend bewährte. Nachdem die Verhandlungen mit der österreichischen Regierung, an denen er Theil nahm, gescheitert waren, zog er sich in das Privatleben zurück, bewahrte auch dem Diplom von 1860 gegenüber Anfangs feine Zurückhaltung, und erklärte endlich für die Grundlagen jede» Ausgleichs die achtundvierziger Gesetze, rieth aber dringend zur Mäßigung und zum Entgegenkommen. Diese Mäßigung bewährte er auch al» Abgeordneter für die Stadt Pest im Landtage von

schick der arbeitenden Classen mit und wundern un» nicht, wenn die arbeitenden Classen sich Luft zu machen suchen. ES wäre sehr gut, wenn Lehrer sich der Leute bemächtigten, ihnen die Gesichtspunkte klar machten, sie beruhigten, ihnen die Wege zeigten, auf denen sie zur Verbesserung gelangen könnten. DaS ist auch die Ansicht und die Hoffnung Vieler von Ihnen, meine Herren, und Sie sagen, nur durch Belehrung, nicht durch Strafgesetze könne man die socialistische Bewegung unwirksam machen; die Bewegung werde zu Ende gehen, wenn man nur der vernünftigen Ansprache Raum lasse. Aber, meine Herren, wir brauchen dennoch die Strafgesetze, um die Bewegung unschädlich zu machen wegen der Art, womit die Agitatoren unter den Arbeitern wirken. Sie weisen die Leute nicht auf bessere Bahnen, sondern erregen Unzufriedenheit unter ihnen durch dunkles Geschwätz und hohle Phrasen und halten sie fern von jeder geistigen Anregung. Sie machen nur auf augen­blickliche Zustände, die Unannehmlichkeiten und Unbequem­lichkeiten aufmerksam. Sie rufen Bedürfnisse hervor, wo gar keine vorhanden waren. Sie ziehen nach und nach einzelne Classen des Volke», die bisher für fo etwas noch nicht empfänglich waren, heran. Sie wenden fich an die entlassenen Soldaten, an die gering besoldeten Beamten» Classen, an die Tagelöhner und Arbeiter, Alle» wird be­arbeitet, um ihnen darzuflellen, in welcher unerträglichen Lage gegen alle Menschenrechte sie sich befänden. Ferdinand Lassalle sagt nämlich, und da» ist recht bezeichnend dafür, daß die socialistischen Agitatoren erst die Unzufriedenheit im Volk erwecken müssen, die deutsche Bevölkerung ist gar nicht unzufrieden zu machen. Ihr deutschen Arbeiter seid merkwürdige Leute, vor französischen und englischen Arbei­tern muß man Systeme klar legen, wie sie sich au» ihrer traurigen Lage befreien können, Euch muß man vorher erst noch beweisen, daß Ihr in einer traurigen Lage seid. (Hei­terkeit.) Also die Agitatoren erzeugen zunächst Unzufrie­denheit dadurch, daß sie den 8tuten beweisen, daß sie ent­behren, und daß sie sie zugleich an Bedürfnisse gewöhnen, die ste nicht befriedigen ttznntp. Man sagt ihnen: da»

ÄeatigeH nimmt entgegen: die Expedition d »leite», sowie bie Annoneen-Bureoux ton S S. Daube * So. in Frankfurt e. M.'JLzer'sch« Buchhandlung in Frankfurt a. 91.; Juvalidendank, A. Biete» mehr» in Berlin; Sari Schüß- |oi in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.

icke.

lamp mst

Berlia, 29. Jan. In einem Artikel über die gestrige Sitzung de» Reichstages konstatirt die „Nationalzeitung", daS Ergebniß der Abstimmung über den sogenannten Kanzel- paragraphen sei in letzter Reihe dadurch herbeigeführt, daß 4 Mitglieder der nationalliberalen und ebensoviele der alt- konservativen Fraktion gegen die Vorlage stimmten. Dies Resultat hätte aber nicht eintreten können, wenn nicht bet btt noch frühen Stunde eine große Zahl in Berlin atu »efenber nationallibera'.er Abgeordneter gefehlt hätte. Ohne Zweifel werde dieser Fehler bei der dritten Lesung vermie- W und der RegierungSvorschlag wiederhergestellt werden. Dm Eindruck der ganzen gestrigen Sitzung charakteristrt bie „Nationalzeitung" am Schlüsse ihrer Betrachtung mit folgenden Worten: „LS ist unnöthig, über die Stimmung de« Reichstages sich zu verbreiten — ste ist wie sie fein kann. Die Mehrheit, welche in großen Fragen -Hü zur Reichsregierung hielt, ist im Abbröckeln begriffen und die Möglichkeit, fle zu gemein­samem Vorgehen zu sammeln, wird immer ge­ringer. Die heutige Abstimmung ist in dieser Beziehung außerordentlich charakteristisch. Die Strafgesetznovelle hat in der That wie eine Sprengpatrone in der Versammlung gearbeitet. Hoffen wir, daß die Aufgabe der Justizreform doch noch einmal die sich auflösende Mehrheit zu einem »roßen patriotischen Werke sammeln wird und in einem positiven Schaffen die Kräfte sich wieder einigen, die in dem Augenblick zum Vortheil der gemeinsamen Feinde sich wechselseitig bekämpfen. Die klerikale Partei wird den heutigen Tag jedenfalls zu den fchönsten zählen, die ste im Reisetag noch erlebte 1" AIS wir, bemerkt die „Nordd. Nllg. ätg.e hierzu, vor einigen Wochen das konstatirten, wa« die „Nationalzeitnng" in den gesperrt gedruckten Wor­ten auSspricht, wurde uns die Beschuldigung an den Kops geschleudert, daß wir Conflikt spielen wollten. Und doch stellt sich nun mit jedem Tage unzweideutiger heraus, daß nur eine gründliche Klärung — nicht der Parteiverhältnisse, diese und bie ganze Schablone der sogenannten Parteior­ganisation ist nach unserer Meinung Nebensache — sondern