Einzelbild herunterladen
 

*ns

M jnctn. [128

fr. 2».

Marburg, Sonnabend, 29. Jamiar 1876.

XL ZahkMg.

>ureigen nimmt entgegen: e^dttien k. Blatte«, f«»u die Lnnoncen-Bureanr hi Th. Dietrich L Co. in gffd und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M ; tzansenstein » Vogler in jkantfurt e. M. Berlin, Leip-

Win «; Rudolf Hofft »Berlin, Frankfurt «. M. ic.

ObkchcWc Zeitung

Anzeigen nimmt entgegen: dir Spedition k. Blatte«, sowie kie Annoncen-Bureaux von ®. L Daube & de. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, Ä. Stete- meyer in Berlin; Earl Schuß­ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wdchentlichen BeilageJllustrirtrS EonutagSblatt" durch die Expedition (Koch'fchr Buchdruckerei) bezogen -h Wart, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Wart 50 Pfg. lexl. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pf«. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Psg. berechnet.

f für $<ri ter,

ngen) [142

'N.

»Ufr yer,

itk, sch, r.

von vvlltA [153

h«;

u da

Stein, rollen, in, : fein, arn. iT

Ion«, mim rderni

Urffrllmwit au^*e Vberhesfisch-Zei. JUllllUUliyUl lang für die Monate Feb­ruar und März werden sowohl von der Expedition ipie von allen Postanstalten auf dem Lande «tch von dm Landpostboten entgegengenommen.

rage-bericht.

8ei dem Ordensfeste hat der Kaiser mit dem PrSstdenten »on Forckenbeck gesprochen und das Wunsch geäußert, baß da, ParlamentSgebäude auf den Terrain des Kroll'fchen Etablissement» aufgeführt werden möge.

Fürst Bismarck, der wieder an seinem neuralgischen Nebel gelitten hat, ist jetzt wieder hergestellt. Ec war ge- «bthigt, einige Tage das Zimmer zu hüten, da er nament­lich wieder heftige Schmerzen im rechten Beine hatte.

In der DonnerstagS-Sitzung des Reichstages hielt, wir Berliner Blätter melden, der Minister des Innern, Graf Eulenburg, eine glänzende Rede, welche in erschöpfender oad begründetster Weise die Natur der socialdemokratischen Bewegung und deren drohende Gefahren schilderte, wir »erden dieselbe vollständig in den nächsten Nrn. zum Abdruck bringen.

Gutem Bernehmen nach ist über die Fassung deS .Arnim"-Paragraphen zwischen den National-Liberalen, »m Frei - Conservativen und den Conservativeu eine Ver- rinbarung erzielt worden, welche die Zustimmung der Re­gierung gefunden hat.

Gegen die Ausschreitungen des Betriebe» deS Pfanblei« Gewerbe« und den Unfug des sogenannten RückkaufSge- schifte«, wodurch Arme, ohne e« zu wisten, in großes Unglück gestürzt werden, sollen jetzt in sofern Maßregeln getroffen werden, al» der Minister de» Innern die Bezirk». Regierungen ermächtigt hat, aus Grund de» § 38 der Reichsgewerbeordnung Polizei-Berordnongm zu erlassen, »eiche die etwa bestehenden Pfand- und Leihhausordnungen in der Weise ändern, daß jenen Ausschreitungen und jenem Mtsuge möglichst gewahrt werde.

Große« Ansehen macht noch immer die EourSstreiterei der Eisenbahnaktien am 3. Januar. Bis jetzt ist noch keine genügende Aufklärung über diesen Gegenstand gegeben »erben. Der Abg. Miquel hat allerdings eine Recht- sertigung über seine Stellung zu der Sache veröffentlicht, und Eugen Richter will eine Untersuchung zur Ermittelung der Urheber der auSgestreuten Berdächtigungen unternehmen lassen. Indessen trotz alledem ist die öffentliche Meinung sehr wenig befriedigt von diesen Vorgängen und dem Sn- theil hervorragender Mitglieder der nationalliberalen und Fortschrittspartei an dem Treiben der Börse. Das Be­wußtsein, daß das Treiben der Herren Richter, Miquel und Genossen unserem Volke nicht zum Vortheil gereicht,

verbreitet sich immer mehr. Namhafte liberale Blätter sagen sich bereits von diesem Treiben los, so daß die Zersetzung der liberalen Fractionen immer weiter um sich greift. Das deutsche Volk erkennt nachgerade, daß es bei den nächsten Wahlen strenge Sonderung halten und dem Manchesterthum bett Laufpaß geben muß.

Der Sohn be» Grafen Arnim hat in der »Voss. Ztg." ein Schreiben veröffentlicht, in welchem er gegen die Briefe befl Fürsten Bismarck an den Kaiser polemistrt. Indessen sind die Aussetzungen desselben so nichtig und wenig be- weisend, daß ste durchaus nicht im Stande sind, den Ein­druck jener BiSmarLschen Briefe zu schwächen. Dagegen ist die Art und Weise, wie der junge Graf dem deutschen Reichskanzler gewissermaßen eine Umgehung der Wahrheit imputiren will für die KampfeSweise der Arnim'schen In- triguanten so bezeichnend, daß dieser Brief de» Grafen Arnim schlechthin das Urtheil der öffentlichen Meinung über ihn und seinen Vater noch verschärfen wird.

Der Aufstand in Bosnien wird zum Frühjahr jeden­falls größere Dimensionen nehmen. Bereits jetzt vermögen die Türken nicht mehr den Aufstand zu dämpfen; erst vor Kurzem haben ste eine große Schlappe erlitten. Außerdem kommt dazu, daß sowohl Serbien al» auch Montenegro sich wahrscheinlich zum Frühjahr an dem Kampfe betei­ligen werden. Schon jetzt ist die Leitung des Aufstandes in den Händen des Fürsten von Montenegro.

Deutsches «eich.

# Berlin, 27. Jan. Es ist wieder eine Uebersicht über die Ausgabe von Jagdscheinen im preußischen Staate, und zwar in der Zeit vom 1. August 1873 bis zum 31. Juli 1874, veranstaltet worden. Nach derselben sind 134,057 Jagdscheine, 8916 mehr als im Vorjahre, verausgabt wor­den. Von denselben waren 128,223 bezahlte und 5834 unentgeltliche. Die größte Zahl der Jagdscheine wurde in der Rheinprovinz, 19,361, demnächst in den Provinzen Sachsen 16,845, Schlesien 16,497, Brandenburg 13,827, Westfalen 13,350, Preußen 12,301, Hannover 11,748 rc. ausgegeben. In den Provinzen Schleswig-Holstein, Hessen- Nassau, Pommern und Posen scheint die wenigste Gelegen­heit zur Ausübung der Jagd vorhanden gewesen zu sein, da die Zahl der dort ausgegebenen Jagdscheine nur resp. 9162, 7620, 6488 und 6474 beträgt. In einem in Folge einer Anfrage erfolgten Bescheide des General-Post amts wird ausgesprochen, daß die Post-Packetbesteller ver­pflichtet sind, bei der Aushändigung von Packeten dem Empfänger bezw. der Person, welche da» Packet für den Empfänger entgegennimmt, die Begleit Adresse vorzuzeigen, damit der Abnehmer von den Angaben auf der Packet- Adresse Kenntniß nehmen kann. Da eS häufig geschieht, daß dieser Verpflichtung von den Packet - Bestellern nicht nachgekommen wird, so wird das General - Postamt die

Postanstalten veranlassen, die Packet - Besteller auf die be­treffende Verpflichtung besonder» aufmerksam zu machen.

(Proceß gegen den Redakteur der Eisenbahn-Zeitung Gehlsen. Fortsetzung.) Bei der Vernehmung der Zeugen schildert der erste Zeuge, Justizrath Riem, die traurigen Umstände, unter denen die jetzige Actiengesellschaft die ru­mänischen Eisenbahnen von Strousberg übernahm. Die Differenzen zwischen Strousberg und der rumänischen Re gierung hatten den Grad erreicht, daß eine Confiscation der Bahnanlagen vor der Thür stand, was Seitens der Obligationsinhaber große Verluste zur Folge gehabt hätte. Inzwischen vollzog sich der Personenwechsel im Bukarester Cabinette in Folge der Gesetze vom 28. December 1871 und 5. Januar 1872 und eS entstand der Gedanke, die jetzige rumänische Eisenbahngesellschaft zu bilden. An die Spitze der Gesellschaft traten Bleichröder und die DiSconto- gesellschaft. DaS Unternehmen stand bei der Uebernahme der Bahnen durch die neue Gesellschaft auf dem Punkte deS Ruin», der Bau der Bahnen war erst zur Hälfte fertig. Die Geldmittel der neuen Gesellschaft waren äußerst be- schränkt und die Verhandlungen wegen einer PrioritälSanleihe mit der preußischen und rumänischen Re^evUng schlugen sehl und in Folge dessen crebitirten die WÄeichlsch-fran- zösische Staatsbahn, Bleichröder und die DiScontogesellschaft der rumänischen Gesellschaft eine schwebende Schuld von 13 Millionen. Auf die Frage des Staüt-mÜvalts, ob bei bet Abfindung mit Strousberg ein rtiebrtgtttt Preis zu. erzielen gewesen, antwortet der Zeuge, daß Angesicht» Ster drohenden Konfiskation der Bahn periceltim fa man» war. WaS von Strousberg erlangt werden ksnptze, war gefun­dene» Geld. Auf die Frage be» Präsidenten ti»ec den Sach­verhalt bei der Ausnahme des Darlehen» b M"6 Millionen bei der Seehandlung und der preußische» Staatskasse ant­wortet Zeuge: Die preußische Regierung borg« der rumä­nischen Gesellschaft überhaupt nicht, fie verlange Garantien. Diese boten Bleichröder und die DiScont-ogesellschaft. Für diese Garantien sei nur soviel bezahlt, daß der Zinsfuß nicht 8 pCt. überstieg.

Darmstadt, 27. Jan. Däs Bezist«^Strafgericht verurtheilte nach dem heute veröffentlichte^SttKmitniß den flüchtigen niederländischen Major a. D Lübeck wegen Wer­bung zu holländisch - ostindischen Militär^Wnsten zu acht Monaten Gefingniß, den Mitangeklagten L HW»rz von hier wegen Beihülse zu vier Monaten Gefängnis.

München, 24. Januar Eine Reujahrohetrachtung, welche derberühmteste katholische PublKist Deutschlands", Herr Dr. Edmund Jörg unter dem Littl ,WaS ist iu Sicht?", in seinenhistorisch-politischen Blättern" ange­stellt, ist im Augenblicke Gegenstand etm» sichr heftigen Streites unter den bayerischen Ultramonttmo« In diesem NenjahrSgrnß besprach der große Diplomat te« Eentrum» die Constellationen der auswärtigen Politik in gewohnter

7«.

,-y.v

t

voli 5 stell 2518

>tMH ichh. m.

Itt lenbefl Z--

I em -

Kirch- lebet« irch

k-fftl 87«. : D« L

I» der Schl-ßkapelle z» Marburg.

Künstler: e

Dir, heiliger Christophorus, (Sntbiet ich meinen schönsten Gruß, erschienst am Tageslichte Mit ernstem Angesichte.

Du wurdest zugedeckt mit Lehm,

Der neuen Zeit nicht mehr genehm, Bn langer Nacht verborgen rharrtest Du den Morgen.

Doch unter dieser Deiner Last Bist Du im Angesicht verblaßt, Die Farben sind vergangen, Vom Kleid die Fetzen hangen.

Drum komm ich mit dem Farbentopf Und helfe auf dem Rock, dem Kopf, Vom Schmutz will ich Dich haben Unb bessern jeden Schaden.

Wen's bann in diese Hallen zieht. Wer Dich, den Neuerstandnen, sieht, Wird, ist er kunsterfahren, Im Sinne Dich bewahren.

Dr. Wichtig:

Wa» steht da für ein Jammerbild, Die Augen starr, die Haare wild, In Farben grob und gräulich, DaS ist ja ganz abscheulich.

Diener:

8s ist, Herr, Sanct Christophorus, Der'S Rinblein trug durch tiefen Fluß, Sin Bild, in alter Treue Erfrischet jüngst aufS Heue.

Dr. Wichtig:

Sag, wer fo 'was z« malen wagt, Und hat mich nicht vorher gefragt?

Diener:

Nun, Schäfer heißt der Meister.

Dr. Wichtig: Der wird ja immer dreister! Will's machen, wie er will und kann, Fragt nicht erst mich gelehrten Mann, Nein, mich nicht erst zu fragen!! Das kostet ihm den Kragen!

Der Doctor, der die Kunst versteht. Steckt das Lorgnon ein, brummt und geht, Wirbt sich zum Dienst die Sippschaft an, Und ruft zum Sturme Mann für Mann.

In diesem Kriege, Streich um Streich, Haut sie der Gegner windelweich, Und schließlich heißt es richtig: »Ich war's nicht.

Doctor Wichtig/

Du siehst dem wüsten Treiben zu. Dich stört es nicht in Deiner Ruh', Christophorus, Du Recke, Stehst fest auf altem Flecke.

Die »eurfte Amazone.

Man sendet derP. C." solgendeS launige Schreiben au» der Herzegowina: In dem blutigen, an Abwechselungen mannichfaltiger Ari so reichen Drama, da» seit Monaten sich in unseren Bergen abspielt, ist ein neue», ein komische» Element aufgetreten: die emancipirte Frau. Sie ist keine Engländerin, wie man nach der herkömmlichen Ueberlieserung wohl zu erwarten das Recht hätte, sondern nur eine Hollän­derin; dafür aber in hohem Grade emancipirt, wa» die bezüglich ihrer Nationalität gehegten und wie man sieht getäuschten Erwartungen wieder einigermaßen aufrichten

dürfte. Diese Frau will eine Heldin werden gleich dem während des letzten polnischen Aufstande« vielgenannten Fräulein Pustowojtoff, hat aber bis zum Abgang diese« Schreiben» ihren Langiewicz noch nicht gefunden. Die Türken sind nämlich sehr schmutzig unb deren slavische Feinde lassen ebenfalls an Reinlichkeit Manche» zu wünschen übrig. Daher die Schwierigkeit. Uebrigen» gibt sie al» officiellen Zweck ihrer Reise nur unwiderstehliche Sehnsucht an unb beobachtet über den Zweck bieser Sehnsucht ein tiefe» Still­schweigen, ba» bei einer Dame doppelt anerkennenSwerth erscheint. Sie heißt ober nennt sich wenigstens Fräulein Markus. Auf einem türkisch gesattelten dalmatinischen Klepper, wie ein Mann rittlings zu Pferde sitzend, so kam sie über die Grenzpässe bei Ragusa in ba» aufständische Land. Ein schön gearbeiteter, mit Perlmutter eingelegter Revolver stak in ihrem jungfräulichen Gürtel unb ein handjarähnlicher Säbel mit silbernem Griff baumelte an goldener Kuppel unb hob sich scharf von ihrem buntlen Anzuge ab; reiche» blonbe» Haar quoll und quillt wahrscheinlich noch in dem Augenblicke, in welchem dieser Brief zur Post geht unter ihrem Barette hervor. Al» sie de» ersten Haufen» von Insurgenten ansichtig wurde, streute sie mit vollen Händen Geld unter sie mit dem Rufe au»:Hier, Ihr Helden! Nehmt die» und verjagt die Türken ich werde Euch helfen, so weit mein Arm reicht!" Man kann dieser An­rede einen gewissen begeisterten Schwung nicht absprechen, aber bei einiger Ueberlegung kommt man doch zu bet ent« nüchternden Ueberzeugung, daß sie an Logik Manche» zu wünschen übrig lasse. Denn eineSthcilS ist Geld nicht ge­eignet, die Türken zu verjagen, sondern übt auf dieselben gerade die entgegengesetzte Wirkung au«, und anberntheilS reicht bet Arm be« Fräulein« eben nicht Weit. Somit ist den Insurgenten eigentlich nicht viel mit ihr geholfen. Diese«