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Sir. SS.

Marburg, Freitag, 38. Januar 1876.

XL Z-Hlg«,.

wniftatn nimmt entgegen: »je «rpe»tti»s » lvlatte», s,»ie die Amwncen-Bureaux Hg LH, Dietrich 4 to. in ^ffel nnd Hannover; Th- »iemch m Iranlsurt « M-! B lein 4 Vogler in rt«M.,verlm, Sech­in «; Rudolf Moffe «'verlin, Franlfnrt e. M. rc.

Anzeigen nimmt entgegen: He «y»e»iki»u » Blatte«, fewie die Xnn»nten-8x«e«n$ von 0. L Senke 4 Lv in Krankfnrt a. Jtaer'sche vnchhantzlnng in Aramfnut e. M.; Jnvalidendank, L- Reto« mehr« in Berlin; Lari Schah« (et in Hannover; L. Schlotte in Bremen.

fcfäeint täglich außer den Werktagen nach Sonn« und Feiertagen.Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageSlnftrirte»oxnt«g«6Iett durch die «rpedttion («rchlche Buchdruckerei) bezogen SH Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 3 Mark 50 Pfg. <exl. Bestellgebühr). JnsettionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pfg. berechnet.

iRrffrlhtttflfll auf bie vberhesstjcheZ-ia yquuuuyiu trtttg für die Monate Feb- rvar und März werben sowohl von der Expedition vie von allen Postanstalten auf dem Lande «ich von den Landpostboten entgegengenommen.

Lagesbertcht

Dir umeste Nr. derPr. Cor.* schreibt unter bet lieber Da« Finanzministerium und die Dotationsfonds* über die bezüglichen Verhandlungen im Abgeordnctenhause en6 fügt hinzu:DaS Peinlichste bei der ganzen Ange- legenheit war die Verdächtigung, al» könue die künstliche Hinaustreibung der Couise am 3. Januar irgendwie von der Staat-rrgierung veranlaßt gewesen sein. Der Finanz. Minister konnte mit Bezug auf leine sachlichen Darlegungen »it gutem Grunde daraus Hinweisen, daß die betreffenden virsenmanöver gewiß nicht von einem Freunde der Re­gierung tnS Werk gesetzt sein konnten. Die Staatsregierung kau« ihrerseits nur dringend wünschen, daß dieser Punkt »eilet aufgeklärt werde."

Die preußische Armee dürste im laufenden Jahre den »ohl einzig dastehenden Fall eine» 80 jährigen Militär­dienst > Jubiläums zu registrirea haben. SS ist das des Feldmarschall» Grasen Wrangel, der am 15. August 1796, «id zwar in seinem 13. Leb.NSjahre al» Junker in das Dragoner-Regiment v. Werther eintrat.

Hinsichtlich der Form der diplomatischen Activis der Großmächte in Konstantinopel hat Graf Andrafsy in seinen Mittheilungen an die Cabinette befürwortet, daß Oesterreich zunächst auf eigene Hand da« in Wien festgestellte Reform Programm der Pforte vorlegen solle, während die übrigen Mächte jede für sich ihre Zustimmung zu den österreichischen Vorschlägen erklären, und die Annahme derselben seitens der Pforte beantragen würden. Rußland und Deutschland würden also an der Jmative deS Vorgehen» keinen Antheil haben. Identische Noten stnd also nicht beabsichtigt. ES läßt sich jedoch immer noch nicht mit Bestimmtheit angeben, »eiche» Verhalten die Pforte eigentlich annehmen will, die doch durch neue Niederlagen In den insurgtrten Provinzen sehr zur Nachgiebigkeit gedrängt sein sollte.

Ein« Petersburger Depesche deS Daily-Telegraph vom 23. d. M. meldet:In Folge deS Beitritt» der sechs Mächte, England mitinbegriffen, zur Note de» Grafen An- drassy wird dieselbe der Pforte, collectiv von den Bot­schaftern unterstützt, überjandt werden. ES wird eine schriftliche Antwort verlangt werden, als ein Unterpfand, dazu bestimmt, den Mächten ein Mittel des Einflusses auf die Insurgenten zu gewähren. Man hofft, die Pforte werde ihre eigenen Interessen in der Angelegenheit verstehen.

Dir Nrkelwitwe.

Original-Erzählung von F- 8- (Schluß.)

Er trat zurück and heftete bang und forschend da« Auge «ms seinen Herrn. Dieser saß noch immer wie horchend, mit schmerzhaft angespanntem Ausdruck des GestchtS. Es tagte jetzt mit entsetzlicher Klarheit vor seinem Auge; ein plötzliche« Grauen überfiel ihn vor ,der sonst vergötterten Gestalt der Frau, die er geliebt hatte mit der vollsten Gluth seiner unentweihten JünglingSseele. Sie war e», die ge­wissenlos, lieblos, an oem Heiligsten frevelnd schwüre brach und Leben vergistete. Auch das {einige hatte sie vergiftet, auch seinen Freund - er nannte ihn wieder so hatte fie hinlergangen. Er wußte daS jetzt und eine liefe Rölhe der Scham stieg allmählig aus seine blassen Wangen- der Scham, daß er fie geliebt habe. Die ganze stärke feine« uisprünglich so reinen und sittlich strengen Charakters kehrte zum Bewußtsein zurück, alle edelmüthigen Regungen seine« Herzen« erwachten. Er trat aus den Diener zu und legt« traulich die Hand auf besten Schulter. »Rein, nein, Zarojch, du Wackerer, du bist ohne Schuld! Ich selbst »ar der Thor, al« ich doch still! Es gilt jetzt noch größere« Unheil abzuweaden. Ich liebe fie nicht mehr ich werde Zerstreuung suchen, ich werde vergessen. O, du sollst noch deine Freude an mir haben!" «Mein edler, »ein theurer Herr!" jauchzte Zarosch.

Chryjanlhu« wollte sich zu einem Lächeln zwingen, aber be übermannte ihn unversehens der schnell Hervortauchelide Schmerz. Er brach In ein laute« und leidenschaftliches Schluchzen an-; er empsanv t« wie ein trennende» Schwert in seinem Innersten, da« ihn für immer von seiner Liebe, von seiner Jugend schied. Die Natur behauptete eine Minute Ung ihr Recht; er ließ "bal Haupt aus die Schulter be«

Monlenegro hat erklärt, daß, da e« nicht im Stande sei, einen beroaffiddt Frieden aufrecht zu erhalten, e« zum Kriege schreiten würde, fall« türkische Truppen an seiner Gnenze concentrirt werden."

Deutsches Reich.

Berlin, 26. Jan. Die Reichseisenbahnfrage bildet noch immer ein stehendes Capilel der politischen Controverse. Nachdem Anfang» eine große Anzahl von Blättern sich für das System der Reichseisenbahnen ausgesprochen, ist neuerdings die Kehrseite hervorgetreten und wird da« Projekt in allen Tonarten bekämpft. ES ist darin nicht« seltsame«, da viele Berliner Blätter materiellen Einflüsten zugänglich sind, und die Direktionen der Privatbahnen, die ganz be­sonders dabei interessirt sind, Alles aufbieten, um die öffent­liche Meinung dagegen einzunehmen. Jndesten dürfte diese ganze Agitation sehr wenig Erfolg haben. Der Kaiser, der Kronprinz, der Reichskanzler interesstren sich ganz be sonder« für daS Projekt. Daß der Finanzminister Camp- Hausen gegen dasselbe eingenommen sei, ist nur eine Ver mulhung, die wohl jeder Begründung entbehrt, und außer­dem kommt er nicht in die Lage, über diese Frage principiell entscheiden zu können, ihm kommt nur die financtelle Seite der Angelegenheit bei dem liebergang der preußischen Bahnen zu. Daß habet der preußische Staat einen Verlust erleiden soll, daran denkt überhaupt Niemand in Regierungskreisen, so daß also auch bei der Ablösung der preußischen Bahnen dem Finanzminister nach dieser Seite hin keine Gelegenheit zur Opposition gegeben würde. Auch ist kaum anzunehmen, daß sich der Finanzminister in Gegensatz mit dem Reichs­kanzler setzen sollte, da er ohnedies schon vielfach ange­griffen wird, so daß alsdann feine Stellung durchaus un< haltbar werden würde. Die Frage der Besteuerung ist in der letzten Zeit vielfach erörtert worden und dabei na­mentlich, ob direkte oder indirekte Besteuerung bester fei. Wie mangelhaft und drückend sich die erstere in den letzten Jahren bei den geschäftStreibenden Kreisen fühlbar gemacht, ist hinlänglich erwiesen. Diese werden ohne Rücksicht auf die Stagnation aller Geschäfte fortwährend zu dem alten S-euersatze angesetzt, ja zum Theil noch erhöht, obwohl ihre Einnahmen nicht bloS bedeutend zurückgegangen stnd, sondern viele Geschäftsinhaber mit Unterbilanz, ja mit Zu- setzung ihres früher erworbenen Vermögens arbeiten muffen. Bei den eigenthümlichen Verhältniffen der Geschäftstreiben- ben stnd diese meist nicht in der Lage, auf eine Herunter­setzung ihrer Einkommensteuerquote zu bringen, weil da vurch ihre Geschäftslage in einer Weise ausgedeckt wird, welche ihrem Credit nachtheilig werden könnte; so müffen sie denn unter den drückendsten Verhältnissen fortgesetzt einen Steuersatz bezahlen, der ihren Einnahmen durchaus nicht entspricht.

Getreuen niedersinken und vergoß heiße Thrinen darauf, den Arm um seinen Nacken geschlungen. Dann gelang e« ihm mit willensstarker Anstrengung sich zu faffen. Er ward ruhiger und ließ sich von ihm zu seinem Seffel zurückführen. Er blickte zu ihm auf, der vor ihm stand und besten ehr­liche«, braune« Gesicht mit dem vollsten Ausdruck offener Treue und Wahrheit ihm zugekehrt war; er hielt seine Hand fest; e« war ein so großer Trost, daß er ihn hatte sein einziger Trost.

Dann begann er zu erzählen, wa« am Nachmittage zwischen ihm und Siegmund vorgefallen war; offen, ohne Rückhalt, wie ein Sohn seinem Vater, vertrante er ihm alles, was geschehen, seinen Rath verlangend. Es war keine Spur von Groll mehr in ihm gegen den Jugendfreund; et dachte seiner mit Theilnahme, mit Sorge, aber er zweifelte nicht, daß er ihn retten könne von der Verderblichen durch das, wa« er wußte trat er selbst ja freiwillig zurück. __ Der Litte des Alien nachgebend, suchte et endlich da« Saget auf, wo ihn bald ein tiefer, bleierner Schlaf befiel.

Zur frühen Stunde machten sich beide.aus den Weg nach dem verhängnißvollen Orte. Sie ritten langsam, um nicht gar zu zeitig dort anzugelangen, denn die Ungeduld halte den Jüngling nicht im Schlöffe verweilen lassen. Er war sanft und gefaßt und auf seiner Stirne lag ein Aus­druck edler Entsagung, der da« Herz seines Begleiters mit stiller Befriedigung füllte. Sie kamen jetzt dem Sumpfe immer näher; dicke, qualmende Nebel lagen über der ganzen Gegend, nur mit Mühe unterschieden sie die Gruppe der drei Weiden. »Laß un« jetzt absteigen/ sagte Chrysanthus sich umblickind. Ec ging dem Zusammentreffen ohne Be- sorgniß entgegen; er hatte keine Schußwaffe mit sich; er fühlte jetzt nicht« Trennendes zwischen sich und dem Freunde. Das gemeinschaftliche Leid, da» auch über jenen herein brechen würde durch seine Mittheiluag, mußte ja sie beide

AuSliua.

Wie«, 26. Jan. In der gestrigen, voraussichtlich letzten Conferenz der Herrenhaus»Mitglieder wurde ein Schreiben der Minister verlesen, worin dieselben, wie die Presse* berichtet, eine Erörterung au« Rücksicht auf die schwebenden Verhandlungen mit Ungarn ablehnen und übrigens betonen, daß das Ministerium sich feiner Verant­wortlichkeit und politischen Ehre bewußt sei. E» »erbe demgemäß Verhandlungen mit Ungarn führen und könne eine,Instruktion oder Direetive um so weniger entgegen» nehmen, al« da« Parlament seiner Zeit in der Lage fein werde, das Resultat der Verhandlungen frei zu berathen. Die Versammlung nahm da« Schreiben zur Kenntniß und trennte sich ohne formelle Beschlußfaffung. DiePol. Corr/ meldet: Der Kaiser ernannte unterm 12. d. M. den Welhbischof Kutschier zum Erzbischof in Wien.

Pest, 26. Jan. Auf eine Interpellation über die Verhandlungen mit Oesterreich antwortete der Minister- Präsident: er könne Detail« jetzt noch nicht enthüllen, dürfe die Last der Verantwortung nicht im Vorhinein auf die Legislative abwSlzen. Die Regierung müffe die Ver­antwortung ganz tragen. Da« Hau« beschließt, diese Ant­wort zur Kenntniß zu nehmen.

Paris, 25. Jan. Die Pariser Politiker schäum augenblicklich mit Neid auf Madrid: glückliche Hauptstadt, wo sich die Wahlen so leicht regieren lasten oder gar ohne viel Direktion sich von selbst so glatt gestalten. Hier geht die Sache lange nicht so leicht von Statten. Die Ean- bibaten der Debats sind wohl al» endgültig au« dem Felde geschlagen zu betrachten; drei von ihnen haben ihre San« bibatur bereit« zurückgezogen, über auch innerhalb der marftrien Republikaner gibt e« noch Uneinigkeiten und Spaltungen in Menge, und die von Gambetia protegirte Candidatur Freycinet findet bei bat fortgeschritteneren Mit­gliedern M Gemeinderath«, sowie bei den Vertrauensmän­nern der Landgemeinden in der Stille viel Widerspruch. E« ist merkwürdig, daß sich diese Vertrauensmänner der Gemeinden extra moros al« die rothesten aller Radikalen entpuppen. Die weiteren Berichte, welche au« der Provinz eingehen, lasten eine gemäßigt-republikanische 6enat«majorit4t erwarten, aber unter dieser gcr manche, deren Mäßigung vielleicht bi« an die Grinzen geht, welche Target und Oe« Hoffen seiner Zeit erreicht haben. So gibt die Regierung noch immer bie Hoffnung nicht auf, daß der Senat für ihre Zukunftspläne sich brauchbar machen laste. Buffet'» Wahl selbst ist sehr bestritten; in verschiedenen Blättern ist bereit« bestimmt versichert »erben, er werde durchfallen. Die Stimmzählungm, welche man in der Umgebung ©am* betta8, I. Simon« und unter den Freunden de« Temp» vorgenommen, geben sämmtlich diese« Resultat. Gründliche Rennet be» Departement» der Vogesen meinen aber, da«

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fester als je aneinander ketten. Sie gingen behutsam vorwärts. Zarosch schüttelte den Kops:Herr, da« ist ein schlimmer Ort zur Begegnung," sagte er besorgt.Der Regen hat den Boden aufgeweicht, e« wird schwer halten, an jenen Platz zu gelangen.*Ist da« nicht ein Pferd dort?* Der junge Mann deutete mit dem Finger nach link«, wo sich unter den Erlen in geringer Entfernung etwa« Dunkles bewegte.Ja, e« ist sein Pferd, er hat eS dort gelaffen; er ist schon am Orte.* Sie setzten ihre beschwerliche Wanderung fort. ES gelang nur mit großer Mühe und Aufbietung aller Vorsicht, zu dm Weiden zu gelangen, indem sie bei jedem Schritt den Boden prüften und sich gegenseitig unterstützten. Endlich waren fie da.

Niemand war dort, eS herrschte eine Todtenstille, so daß sie da« Pochen ihrer Herzen hätten hören mögen; nur t>a« Schilf säuselte, nur der stiller gewordene Wind ftufzte durch da« Laub.Siegmund!* rief Chrysanthu». Es blieb lautlos wie zuvor;Siegmund, mein Siegmund l* wiederholte er lauter und angstvoller. Die ganze Fülle der ehemaligen Liebe zu dem Freunde seiner Jugend sprang auf einmal in seinem Busen hervor wie ein Quell, tief, voll und warm wie ehedem.

E« fiel etwa« schwer und klatschend in da« Wasser. E« war nur ein Ast, den der Wind geknickt hatte und der jetzt vollend« gebrochen niedergestürzt' war. Alle« wieder stumm, leer, ohne Lcb-n. Nun überfiel die Beiden eine furchtbare Bangigkeit. Sie sahen einander Mit schreck­haft bleichen Gesichtern an und dann begann ein angst­volle» , ein verzweifelte« Suchen. Vergeben». Sie sanken bis an die Rniee in Nässe unv Moder fie mußten davon abstehen. Und auch al« Hülfe herbeige. eilt war, al« Chrysanthus alle seine Seine aufbot, reiche Belohnungen versprach, sand man keine Spur von de» ehemaligen Sludnttrn.