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®r. 13» Marburg, Sonntag, 16. Januar 1876.

XL ZlhkMg.

anietgen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattei, fewie die Lnnoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co in Äaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M-; Haasenstein L Bögler in Frankfurt a. M, Berlin, Leip­zig, Köln rc; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.

DtchrWr Jrituna.

Anzeigen nimmt entgegen: die «qtedttiou d. Blattes, sowie die Aunoncen-Bureaux von ®. L- Daube & So. in Fraukfutt a. M.: JSger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendauk, A- Sete- meyer in Berlin; Satt Schüß- ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.

Erscheint t ä g lich außer den Werttagen nach Soun» und Ieiettagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilaae ADitftrirt.A KawetMihtett11 Km.* k.» re

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Für m der Expedrtton zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf, berechnet? P ö<Ue 10 *"

Pslttlfche Wochen-Ueberstcht.

Die Häuser de» preußischen Landtages sind durch königl. Ordre auf Sonntag, 16. d. Mts., zu ihrer diesjährigen ordentlichen Session einberufen. Dieselben werden sich aber nach Entgegennahme der Budgetvorlage und Ordnung der GeschäftSbehandlung für dieselbe alsbald, wahrscheinlich schon am Mittwoch (19. Jan.) stillschweigend bis Mitte Februar vertagen, um dem Deutschen Reichstage zum Ab­schluß seiner unaufschieblichen Arbeiten Raum zu laffen. Am Mittwoch ist in Berlin der königliche Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten zu einer Sitzung zusammengetreten, und hat in Betreff des Erzbischofs von Köln die Einlei­tung des vom Oberprästdenten der Rheinprovinz beantragten AmtSentsetzungs -'Verfahrens, d. h. Voruntersuchung be- schloffen. Mit dem 1. Januar b. I. ist auch in Baiern daS Reichs - Civilehegesetz überall in'S Leben getreten. Am vorigen Sonnabend (8. Jan ) verlor die theologische Facultät zu Berlin durch den Tod ihren Nestor, den Pro- seffor Dr. Twesten, im 87. Lebensjahre, und desgleichen Tags zuvor (7. Jan.) die königliche Akademie der Künste zu Berlin ihren ständigen Sekretär, Profeffor Dr. Otto Truppe.

In Pest sind die über die Zoll« und Handelsfragen zur Conferenz vereinigten Minister der beiden habsbur­gischen Reichshälften mit derHoffnung auf eine ge­deihliche Lösung" geschieden. Aus Pest und Wien wird dies in ofsiciösen Mittheilungen betheuert. Die Ungarn drängen indeß zur Entscheidung, während die Oesterreicher »ach alter habsburgischer HauSmaximr nur immer langsam vorangehen. Die erste Conferenz hatte am 3. Januar begonnen. Zum Abschluß des neuen Handelsvertrages mit Italien ist der österreichische Bevollmächtigte, Hofrath Schwegel, am 11. d. M. nach Rom abgereist. Auch die Unterhandlungen über den neuen Handelsvertrag mit Frank­reich sind am Ziele: Verträge mit der Schweiz und Deutsch­land sollen folgen.

Die nächste Zusammenkunft des internationalen Post« Congreffe« in Bern, wo England und Frankreich den Beitritt für ihre überseeischen Besitzungen ordnen lassen wollm, ist am 17. d. M. anberaumt.

Der italienischen Regierung gebührt das Lob, zuerst von allen nicht direkt dabei beiheiligten Mächten der von Deutschland und Rußland unterstützten Note Andraffy's übet die orientalische Frage beigetreten zu sein. Viel Lärm erregte zumal in der italienische» Preffe eine falsche Aus­legung der Worte, welche Victor Emanuel am Neujahrs­tage an eine Deputation des Heeres richtete. Während in dieser Ansprache nur der Hoffnung Ausdruck gegeben ward, daß das Heer bei etwa sich darbittender Gelegenheit an sttuem Platze sein werde, entnahm ein Theil der Preffe daraus in ganz unbegründeter Weise die Voraussicht bal­diger kriegerischer Ereigniffe.

Am 6. Januar war eS Jahrzeit, daß in der Nationalver­sammlung eine Botschaft des Präsidenten der französi­schen Republik verlesen wurde, welche den Eintritt in die Verfassungsarbeiten empfahl, und Batbie den.Antrag stellte, dieselben auf die Tagesordnung zu bringen; als ThierS 2 Jahre früher dasselbe betrieb, wurde er am 24. Mai 1873 von einer Coalition der Monarchisten gestürzt, die seitdem, weil auf Mac Mahon gestützt, regierte, obwohl unter steten Kämpfen. Nachdem daS Jahr 1875 die Verfassung, dann die ergänzenden VerfaffungSgesetze, die neuen Wahlgesetze und ein neues Preßgesetz gebracht, überließ es dem Jahre 1876 die Erbschaft, diesen vereinbarten Staatseinrichtungen die Wirklichkeit zu erringen. Daß dies ohne neue Kämpfe unter einem Cabinet Buffet nicht abgehen werde, war längst öffentliches Geheimniß, und seit dem 9. Jan. steht Frank­reich wieder in einer CabinetSkrists, während die Wahl. Vorbereitungen eine feste Regierung doch so nöthig erscheinen lasten. Buffet versteht unter einer festen Regierung eine Regierung des Kampfes gegen die Liberalen, die durch Sah und Dufaure in seinem Cabinet vertreten sind.

Die orientalische Frage beschäftigt zwar die englische Preffe sehr viel dem Raume nach; der Grundton aller dieser Betrachtungen ist aber, daß der Berg eine MauS ge­bären und daß vorläufig und bis auf Weiteres Alles beim Alten bleiben werde. Die auf Hebung der englischen HeereS- macht gerichteten Arbeiten gehen ihren Gang vorwärts.

In den belgischen Kohlendistrikten währt der Strike der Arbeiter fort und greift immer weiter um sich, jedoch sind keine Exceffe vorgekommen. Von Lüttich und von Brüstel sind Truppen abgesandt, die Charlerot und die Um gegend besetzt halten.

Der niederländische Kriegsminister, Oberst Ender« lein, ist in Folge der Verwerfung seines LandverthttdigungS- gesetzeS von seinem Amte zurückgetreten und an seine Stelle Herr Klerck, früher Rath im Ministerium deS Innern, zum Kriegsminister ernannt worden.

Der dänische Reichstag hat die durch die Weihnächte« erien unterbrochenen Sitzungen wieder ausgenommen. Im Folkething erklärte der Minister des Innern, für diese Session würden, da bereits alle von der Regierung vorbereittten Gesetzentwürfe dem Hause vorlägen, keine weiteren Vorlagen gemacht werden, namentlich keine über die Ablösung deS Zehnten, weil in dieser Beziehung erst abgrwartet werden müffe, wie die Frage wegen der Predigergehälter entschieden werde, die nun schon über ein Jahr in der Schwebe sei.

Der schwedische Reichstag wird am 15. Januar und das norwegische Storthing am 3. Febmar, und zwar beide vom König in Person eröffnet werden.

Daß Rußland, wie das Gerücht ging, eine neue An­leihe zu machen beabsichtige, wird von Petersburg aus be stimmt in Abrede gestellt. DaS Gerücht kam natürlich aus derselben Quelle, aus welcher neulich auch dieMarschbe reiischaft der russischen Armee" gefloffen war.

In Griechen la ud ist die zweite Kammer, die durch die Weihnachtsfeiertage so derimirt worden war, daß gar kein Beschluß gefaßt werden konnte, bis zum 26. Januar vertagt worden.

Die Pforte kann von den Vorschlägen, welche Graf Andrasty im Auftrag der drei Kaisermächte zu einer augen­blicklich auch den anderen drei Großmächten vorliegenden Note formulirt hat, bis jetzt noch keine bestimmte Kenntniß haben. Dennoch hat sie sich beeilt oder vielmehr übereilt, den Vertretern des Sultan« im AnSlande den Befehl zu einem förmlichen Protest zu ertheilen gegen jede etwa von den sechs Mächten beabsichtigte Beeinträchtigung der Landesoberhohett des türkischen Padtschah.

Die serbische Skupschtina hat bei Berathung deS Staatsausgaben-Etats unter großem Getümmel 504,435 Piaster gestrichen, welche zu Pensionen von Beamten an« gesetzt waren.

Tage-berlcht.

DaS Reichseisenbahnamt hat genaue statistische Ermitte­lungen über die Länge der Bahnen und deren Kostenpreis angestellt, die als Grundlage der Erwerbung der Eisen­bahnen durch daS Reich dienen sollen. Die Läng« der unter Privatverwaltunz stehenden Privateisenbahnen beträgt 11,860 Kilometer, mit einem Anlagekapital von 846 Mil- lionen Thalern. Die Länge der unter Staatsverwaltung stehenden Privatbahnen beträgt 2904 Kilometer, mit einem Anlagekapital von 298 Millionen Thaler. Die Länge sämmtlicher Staatsbahnen beträgt 11,200 Kilometer, mit einem Anlagekapital von 868 Millionen Thalern; unter diesen participirt Preußen mit 4271 Kilometer und 337 Millionen Thalern; Baiern mit 3260 Kilometern und 220 Millionen Thalern; Würtemberg mit 1260 Kilometern und 107 Millionen Thalern; Baden mit 1170 Kilometern und 93 Millionen Thalern; Sachsen mit 993 Kilometern und 100 Millionen Thalern. Der Rest fällt auf Olden­burg und Heffen-Darmstadt. Außerdem sind noch die Rttchs. eisenbahnen vorhanden in Elsaß-Lothriugen mit 1040 Kilo­metern und 64 Millionen Thaler. Die Gesammtlänge der jetzt in Betrieb befindlichen deutschen Bahnen btträgt 27,010 Kilometer mit einem Anlagekapital von 2076 Millionen Thalern. Wenn demnach sämmtliche Bahnen vom Reiche erworben werden sollten, so bedarf e« eines Kapital» von circa 2000 Millionen Thaler. Da aber die Mittelstaaten bisher nicht geneigt find, darauf einzugehen, so würden demnach zunächst nur die preußischen und sämmtliche Pri» vatbahnen übrig bleiben und zusammen repräsentiren 18,935 Kilometer mit dem Preise von 1471 Millionen Thaler, das heißt 3/4 der Gesammtsumme, so daß für dir Bahnen von Baiern, Würtemberg, Baden, Sachsen, Oldenburg und Hessen-Darmstadt 541 Millionen Thaler übrig blieben.

Die ReichSjustizkommisston hat sich in ihrer letzten

Die Rehelwitwe.

» - - Original-Erzählung von F. L-

(Fortsetzung.)

Die zusammengekauerte Gestalt am Fußboden erhob jetzt da» Haupt, aus dessen Umhüllung einzelne graue Haarsträhne -rvorgeglitten. Die Augen in ihren rolhen Rändern schauten Jit einem Ausdruck von Vorwurf uns zürnender Trauer upor.Undankbare," sprach sie, mehr und mehr von Leiden- Hast hingerissen,hattest du nicht mich, die dich liebte, «ehr aU den Athem der Brust, mehr als das Licht der Augen? Mich, die an dich geschmiedet war durch unzer- crißbare Bande, mich, der du angehörst durch das Blut in deinen Adern, mich, die Mutter deiner Mutter?"

Eie stand auf und trat dicht vor die Weichende hin, überflnthend in ihrer Erregung,Ja, höre eS, Verlorene, n deinem Stolz und deiner Härte, höre eS: du gehörst mir an, der Tochter des herumschweifenven Volkes I Dein Vater, deine Mutter waren Zigeuner; fremd warst du ihnen, die sich vor der Welt deine Eltern glaubten. Sie wußten eS nicht, fie ahnten eS nicht; 0 nein, die stolze Evelfrau auf dem Dttöoeten Landsitz hatte keine Gedanken dazu. Sie ljatte ihr eigenes kleines Lind einer Amme hingegeben; 'e mochte eS.nicht sehen, eS war ihr verhaßt um des Vaters willen und die Amme halte das schwache Würmlein im Schlafe erdrückt. Da kam das verzweifelnde Weib mitten in der Nacht zu mir und wand sich am Boden zu meinen Füßen, denn sie scheute den Zorn der Gebieterin. Aber ich verließ sie nicht in ihrer Noch, ich wußte Rath; die Amme haue sich meiner Tochter auch erbarmt mit milder Spende, meinem letzten, mir übrigen Kinde, dem Weibe des Tobten, hrer, hi« ebenfalls in jener Zeit geboten hatte. O, sie

hätte ihr liebes Kind nicht von sich gelaffen, sie hätte dich nicht dahingegeben für alle Schätze der Erde, aber das wilde Fieber raste in ihrem Gehirn, der Gram hatte Gift in ihre Adern gegossen. Sie halten den Geliebten, den Gatten ihrer Jugend von ihr gerissen; sein Körper schwankte in der Luft vom hohen Balken hernieder. Da gab ich dich dem angstgepeinigten Weibe, eS nahm dich mit sich fort an der Stelle deS erftarrlen Säuglings, dem keine Brust mehr frommte, und Niemand hat den Tausch bemerkt. Das Zi. geunerkind war hülfloS und schwach und an Gliedern ge­staltet wie daS edelgeborene, das wir heimlich verscharrten im Walde. Sieh, darum war dein Herz fremd und fern von ihr, die deine Mutter hieß und eS doch nicht war, fremd deiner Umgebung, sie hatte ja kein Recht auf dich. Ich aber hatte eS; mich zog eS zu dir hin mit allen Banden der Natur, mit jedem Blutstropfen, jeder Faser meines Körper«, jedem Gedanken der Seele; denn sie, die ein nähere« Anrecht befaß, war gestorben. Wir hatten fie bald ver­scharrt an einsamer Stelle neben dem tobten Kinbe, besten Stelle nun bas ihre einnahm. Du warst allein mir übrig geblieben von allem, was ich besessen, unb mein Herz fühlte sich einsam. Da übertrug ich den Schatz meiner Liebe aufbich allein; ich sorgte schlaflos, ich behütete bich wie den Stern meiner Augen. Um deinetwillen, um dir nahe zu sein, entsagte ich der gol­denen Freiheit meine# Stammes, dem Wanderleben, den Genossen. Mein Innerstes brannte in mir, meine Augen wurden dunkel vor Sehnsucht, es war mir wie dem ver­wundeten Kranich, der die Brüder über sich hinziehen sieht in ben Lüften unb die gelähmten Flügel nicht schwingen kann, wenn bad Cymbal unb die Geige ertönten unter »em Laubbach, wenn ich den Rauch aufsteigen sah vou den Lagern meine« Volkes. Aber dann schaute ich auf dich

und seufzte nicht mehr. Es war mir gelungen, ich hatte es zuletzt erreicht, dir nahe fein zu dürfen; mit tausend Opfern hatte ich das Glück erkauft, für dich zu leben 1 Und du, du solltest mich nicht lieben, der du angehörst?"

Sie schöpfte keuchend Ooem aus der erschütterten Brust, die letzten Worte waren fast undeutlich geworden. Die Kraft verließ sie, ihr gealterter Körper schien unter dem Sturm der Empfindung zusammenbrechen zu wollen. Sie sank gegen die Wand unb strich mit der Hand langsam über die getrübten Augen. Da fühlte sie sich schmerzhaft fest an beiden Armen ergriffen; ein tief erbleichtes Gesicht mit funkelnden Augen beugte sich dicht über sie, eine halb­laute Stimme, fast zischend zwischen den Zähnen hervor- dringend, sprach eine furchtbare Drohung aus. Aber die» währte nur einen kurzen Moment be« Schreckens. Da« Gesicht vor ihr wich allmälig zurück, bie wilde Leidenschaft darin erstarrte zu dem kalten Hohn eine« Dämons. Es lag etwa» Vernichtendes in diesem festwurzelnden Blicke; er übte auf die Gegnerin etwa« von der Zauberkraft au«, welche die Sage einer Schlangenart zuschretbt. Sie zitterte unter ihm, und ihre bläulichen Lippen bewegten sich ohne Laut, ohne die Fähigkeit, ein Wort zu bilden, selbst al» die klttnen Hände, die ihre Arme so eng umklammert hiel­ten, sie losließen. Demüthig den Kopf zur Erde beugend schmiegte fie sich furchtsam, in der Stellung einer abbitten, ben Sklavin vor der Gebieterin, bereu Äniee fie nicht zu umfassen wagte, unb nur ein schwaches Aechzen entwand sich der Bkust.

Wahnsinnige Thörin," sprach diese nach der langen, bedrückenden Sttlle, und ihre Stimme war wieder fest und klangvoll, der rosige Hauch ihrer Wangen zurückgekehtt, nur die Augenbrauen drohten noch; »danke e« meiner