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Marburg, Sonnabend, 15. Januar 1876.

XL IlhkMg.

Mr. 19»

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MerhcUlhe Ieilung.

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Die Wiedereinführung der Prügelstrafe.

Eine schr verbreitete liberale Berliner Zeitung hat in den letzten Tagen fich geradezu für die Wiedereinführung der Prügelstrafe bet Vergehungen brutalen Charakters aus­gesprochen. Sie motivirt ihren Standpunkt damit, daß da» gegenwärtige Strafgesetz viel zu milde sei, und die Brutalitätsvergehungen in solcher Weise überhand nehmen, daß nicht bloS die persönliche Sicherheit dadurch gefährdet werde, sondern auch geradezu eine Verwilderung des Volkes um sich greife. Sie verwahrt sich ausdrücklich gegen den Vorwurf, damit gegen die Humanität zu verstoßen, und meint vielmehr mit Berufung auf die Philosophen Hart­mann und Schoppenhauer, daß eine energische Bestrafung der Uebelthäter von der wahren Humanität verlangt werde; auch versichert sie zahlreiche Zustimmungsäußerungen aus der Bevölkerung erhalten zu haben, die sich ganz in ihrem Sinn ausgesprochen.

ES ist die» jedenfalls ein hervorragendes Zeichen der Zeit. Daß daS deutsche Strafgesetzbuch unter dem Einfluß der juristischen Doctrin einer zu weit getriebenen schwäch­lichen Humanität eine allzugroße Abminderung der Strafen herbeigeführt, und dadurch geradezu die Autorität des Staate« und die Sicherheit der Gesellschaft gefährdet, da­rüber ist jetzt wohl kaum noch ein Zweifel vorhanden. Man hat tn demselben einen zu idealen Standpunkt ein- genommen, und die Verbrecher mit zu sanfter Hand an­gefaßt. Ganze Materien de» Strafgesetzbuches haben sich al« durchau« verfehlt erwiesen, und müssen nach allgemei­nem Zugeständnis sobald als möglich überarbeitet werden.

Ander« steht die Frage, ob eine Strafart, die ganz und gar beseitigt worden ist, die Prügelstrafe wieder ein« geführt werden solle. Wir erkennen es allerdings an, daß gegenüber einem gesinnungslose« Verbrecher, der eine brutale Handlung mit kaltem Blute und einer gewisieu i Schadenfreude begeht, eine GefLnguißftrafe von mehr oder weniger Tagen kaum entsprechend sei» dürste. E« ist her- vorgehvben worden, daß sich solche Verbrechen namentlich -egen den Winter zu außerordentlich mehren, um durch dichlbm ein Asyl und kostenfreie Verpflegung zu finden. Ob aber bei einer solchen Klasse von Menschen die Prügel, strafe eine besondere Wirkung auSüben würde, ist wehr wie ' fraglich. Wer einmal sittlich so weit gesunkm ist, daß er am Vagobundenleben Wohlgefallen findet, und sich nicht tntblödet, Handlungen der Brutalität zu begehen, wie sie in der letzten Zeit so viel vorgekommen sind, auf den wird auch die Prügelstrafe schwerlich Eindruck machen und ihn auf andere Wege bringen.

Da« einzige, wa« diesen Vagabunden keine Freude macht, ist angestrengte arbeit. Die einzige Strafe, die sich daher empfehlen würde, ist die Verhängung von Arbeitsstrafe. Außerdem sind auch die Gefängnißstrasen gerade für die Brutalitätsverbrechen viel zu kurz bewesien. Eine bedeu-

Wohlan, zeige deine Macht, bethöre die Männer es ist ein stolzes, hartes Geschlecht sei selber frei, wenn eS dich beglückt; aber höre: es giebt noch einen schöneren Funken, den der Herrscher der Gestirne in das Geschöpf legte, und ihn hast du geleugnet. Dein Mund sprach ein schreckliche» Wort, ein Wort, das verhallt ist, aber das mir Grauen erweckt. Du sagtest, daß du Niemand liebest auf Erden, Niemand. Sollte denn daS Herz in deinem weichen Busen, de« doch Leben erfüllt, todtgeboren sein? Nein, o nein, dieS kann nimmer wahr sein du hast eS nicht bedacht, nicht erwogen, meine Donata I Alle« was da lebt, bedarf ja der Liebe, der füßen Zuneigung em­pfängt sie, giebt sie, wächst in ihr, athmet in ihr wie die Blume im sonnigen Lichte, denn sie ist die Speise der Seele, wie der nahrhafte Samen der Aehr? für den Leib ist. Alles Denken lenkt sich am Ende zu ihr, wie die Ströme zum Meere, wie der Flug des Vogels zum Neste. Nicht so, mein Stern, sie, die dich liebten, die deine Kindheit pflegten, waren deinem Innersten nicht fremd? Es regte sich etwas warm in dir für die Gespielen, die Freundinnen deiner Jugend? Sinne nach, schaue in dich hinein; war eS dort nicht dunkel und von Unruhe, wenn sie von dir schieden; fühltest du beim Wiedersehen nicht in dir etwas gleich Sonnenschein oder Musik, erschien die Welt dir nicht schöner alSdarm?' Hingeriffen von ihrer Gluth richtete sich die vom Druck der Jahre gebeugte Gestalt empor; flehend, beschwörend streckte» sich die Hände, die hagere» Arme hinan«; die Seele schien auf ihre Lippen zu treten, ihre Häßlichkeit verschwand vor ihrer Wärme. Halb abgewendet stand Donata war sie erschüttert, sann sie der Empfindung nach?

Mit gesteigerter Inbrunst, leidenschaftlich fuhr da« er­

Die Nebelwitwe.

Original-Erzählung von FL.

(Fortsetzung.)

Ei» grausamer Triumph, eine wilde Freude ließ sie den Wuchs zu seiner schlanken Höhe emporrichten. Die leicht gebogene Lippe kräuselte sich, ein Blitz gleich dem kalten Blinken eine« Metalle- im Mondschein schoß au- den zusammengezogenen Augen. Mit elastischem Schritt durchmaß fie da« Gemach; dann trat sie vor den großen Spiegel, der ihre Gestalt treu zurückgab. Wunderbar schön war sie in der Erregung deS Augenblick«, die ihre Wange mit hellem Purpur überhauchte und allen ihren Bewegungen eine Art kühner Grazie verlieh. Die Strenge ihre« Ausdruck« schmolz allmälig dahin, verklärte sich zu einem Lächeln; der Stern oes Auges erweiterte sich strah­lend, indem fie den Blick in trunkener Selbstvergessenheit auf dem Bilde ruhen ließ, das ihr aus der glänzenden Fläche entgegentrat in siegender Schönheitsfülle. Hinter ihr leise herzugeschlichen, stand die greise Namuna, verstohlen ihr über die Schultern blickend, mit fast kindischem Ergötzen ebenfalls das Spiegelbild betrachtend und mit dem wackeln­den Kopfe ihm zunickend und winkend, den Mund zu einem Kichern des Wohlgefallens verzogen. Aber nach und nach wandelten fich ihre lachenden Züge in Ernst, fast in Trauer. Sie ließ Kopf und Arme schlaff Hemieder sinken und mur­melte in sich hinein; sie verfolgte auf'« neue einen Ge­danken, der sie auf kurze Weile verlaffen hatte, der pein­lich und sorgenvoll schim.

Herein," begann sie langsam,du bist voll Anmuth wie bet Mond in seiner Vollendung, schimmernd wie der Sre-mbo-en, der auf Wolken de« Himmel« ruht!

lende Verschärfung in dieser Beziehung mit entsprechender Auferlegung von Zwangsarbeit würde ohne Zweifel mehr wirken, als die vorübergehenden Schmerzen der Prügel­strafe. Es wird freilich dagegen hervorgehoben, daß durch die Erhöhung der Gefängnißstrafe die Kosten für die Un­terhaltung der Verbrecher immer größer werden, und daß es ein Unrecht sei, die Unschuldigen mit der Tragung der Kosten für die Unterhaltung der Verbrecher zu belasten. Auch dagegen läßt sich nichts einwenden; nur bleibt nuS bis jetzt nichts anderes übrig. Wir müßten dann ent, schlossen fein, irgend ein Gebiet zu erwerben und dorthin unsere Verbrecher zu deportiren. DaS würde allerdings daS wünschenSwertheste, das sicherste fein; einmal ist in einer Verbrechercolonie der Verbrecher gezwungen, für feinen eigenen Unterhalt zu sorgen; andererseits ist derselbe seinem Lande so gut wie für immer entzogen, denn eine Rückkehr findet selten statt, und endlich schafft er doch seinem Lande dem er angehört noch Nutzen. Auf solchem Wege würde diese Frage jedenfalls am besten gelöst, und wir brauchten nicht zu einer Strafart zurückzukehren, die doch ihre sehr bedenklichen Seiten hat.

guten Erfolg gehabt, insofern die dänische Agitation wesent­lich an Kraft verloren hat. Bisher hatten die Dmtschm unter den dänischen Wühlereien eine schwere und kaum erträgliche Stellung, und sehnten sich nach einem kräftigeren Schutz der deutschen Elemente von Seiten der Regierung schon lange. Durch das kräftigere Eintreten der Regierung ist nun ihre Stellung wesentlich gebeffert worden; sie können wieder freier aufathmen, und sehen mit großer Befriedigung aus da« verflossene Jahr zurück, indessen sie sich der Hoff- nung hingeben, daß die Regierung auf diesem Wege fort« fahren werde.

ES wird uns jetzt bestätigt, daß der Minister des Innern außer den schon genannten Vorlagen für den Landtag auch einen Gesetzentwurf, betreffend den Austritt der Juden an­der Religionsgemeinde einbringen wird; ebenso, daß der CultuSminister ein.Gesetz wegen Verwaltung des Diöcesan- vermögens vorbereitet.

Aus Coburg wird gemeldet, daß dort der Besuch der Königin Victoria am 10. April auf 10 Tage erwartet wird. Von dort soll sich dieselbe nach Baden-Baden begeben wollen.

Der älteste Bruder de« GrvßherzogS von Baden, Prinz Wilhelm, ist an seiner bei Ruit» erhaltenen Kopfwunde bedenklich erkrankt. X

Für den Botschafterposten in Wien, soll, neueren Mit­theilungen zufolge, der Prinz Reuß, früher Botschafter tu St. Petersburg, in Aussicht genommen fein; er würde dem­nach nicht, wie man behauptete, den diplomatischen Dienst verlassen, sondern nur mit Rücksicht auf seine Vermählung mit der Prinzessin von Weimar, den Posten am russischen Hofe aufgegeben haben, mit welchem er nun in sehr nahe verwandtschaftliche Verhältnisse getreten ist.

Die Socialdemokraten rüsten sich bereits zur nächste» Reichstagswahl. Sie haben am 9. d. M. in Chemnitz eine Landesversammlung abgehalten, in welcher sie für alle säch­sischen Kreise ihre Candidaten aufstellen. Uebrigens scheine» sie große Auswahl zu haben, denn sie haben beispielsweise Bebel in vier Kreisen, Liebknecht, Bahlteich und Demmder In je zwei Kreisen aufgestellt.

Die Pforte soll neuerdings in einem Rundschreiben Be­schwerde über die Haltung Serbiens und Montenegro'« wegen ihrer Unterstützung de« Aufstande« in Bosnien ge- führt haben. Die Antwort der Mächte soll dahin lauten, daß die Verzögerung der Reformen und die mangelhafte Führung der militärischen Operationen Schuld an der Ver­längerung de« Ausstandes seien; gleichzeitig aber soll auch eine Verwarnung an die beiden Staaten wegen ihrer Hal­tung ergangen sein. Uebrigen« wird von Seiten der Kaiser- Mächte alles vermieden, wa« irgend wie die Empfindlichkeit der Türken reizen könnte. Man giebt sich noch immer der Hoffnung hin, die Angelegenheit friedlich zu lösen; indessen scheint bisher die türkische Regierung keine Neigung zu ha.beq, auf die Vorschläge der Mächte einzugehen, so daß diese

Tagesbericht

Die Reichsjustizcommisston hat sich in ihren letzten beiden Sitzungen mit der Anwaltsordnung beschäftigt. Die Com­mission hat sich für die Freiheit der Anwaltschaft ausge­sprochen, d. h. jeder, welcher den Erfordernissen zur Be setzung eines Richteramtes durch Ablegung einer Staats­prüfung nachgekommen ist, kann an dem Orte seiner Wahl die Befugnisse eines Rechtsanwaltes ausüben.

ES soll beabsichtigt sein, noch einen Nachtrag zur ©traf« rechtSnovelle einzubringen, welcher sich in Gemäßheit der vielfach wie dem Reichstag fo auch dem Reichskanzleramt zugegangenen Petitionen auf Bestrafung, des fahrlässigen oder nur blosen Mißbrauche« von Sprengstoffen bezieht.

Nach den Andeutungen derProv.-Corr." dürfte die Thätigkeit deS Landtage« diesmal eine möglichst beschränkte werden. AIS gewiß zu erwartende Vorlagen stehen in Aus­sicht, nächst dem Staatshaushaltsetat ein Entwurf de« Com- petenzgesetzeS, ferner das Communalsteuergefetz, so wie die Städteordnung für die östlichen Provinzen. Außerdem noch die evangelische Kirchenconferenz; dagegen dürfte, mit Rück sicht auf die beschränkte Zeit die VerwaltnngSreform für die westlichen Provinzen in dieser Session nicht mehr in Angriff genommen werden. Uebrigen» wird von verschie­dener Seite dahin gewirkt, die Verhandlungen des Land­tages abzukürzen, um womöglich noch int Frühjahre eine Session des Reichstages herbeiführen zu können, damit die Justizgesetze in jedem Fall noch in dieser Legislaturperiode zur Erledigung kommen.

Die strengeren Maßregeln der Regierung gegen die dänischen Agitationen in NordschlcSwig haben bisher einen

mutigen nimmt entgegen.: die Expedition b. Blattt«, sowie bte Annoncen-Bureaux von G L. Daube & Co. in

Lnzergen nimmt entgegen: bie Expedition b. Blatte«, feine die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Jtaffel und Hannover; Th- Dietrich in Frankfurt a- M ; Haasenstein & Vogler tn fcentfutt a. M-.Berlm^Letp. 8g, Cöln tc; Rudolf Moste in Berlin, Frankfutt a. M. rc-

graute Wcib fort in unterdrückten Tönen, indeß langsam Thränen über ihre welken, dunkelfarbigen Wangen rannen: O sprich, sprich, mein Leben, scheuche mit dem Hauch deines Munde« die bange Furcht, die zuweilen schon meine Seele beschlich, die dein Bild mir seltsam und grauenhaft entgegen treten ließ, daß es mir erschien wie ein Gespenst in trügerischer Hülle der Schönheit I Deine Kindheit ward unterwiesen, die heiligen Männer deiner Religion sagten dir die Botschaft deS Heil», erzählten dir von ihm, dem Gottmenschen, der awS Liebe sich tödten ließ. Schau hier seine Gestalt" fie deutete mit dem bebenden Finger der Rechten auf ein schönes Gemälde an der Wand, da« die Kreuzigung darstellteblick' aus dies sterbende Antlitz, diese Augen voll Erbarmen, Liebe auSströmend über die Welt! Leuchten sie nicht in dich hinein, daß es licht wird und selig überschwillt?* Sie beugte sich tief herab, athem« lyS, schwankend; fast knieend haschte sie nach dem Gewände der vor ihr Stehenden. Langsam hatte fich diese herum- gewendet, voll der Sprecherin daS Gesicht zugekehrt. E» erschien fast erschreckend in seiner antheillosen Ruhe. Da« Auge groß geöffnet, der Mund saft strenge geschlossen, lag in den regelmäßigen Zügen ein Hohn, eine versteinernde Härte, die de» Strom de« Gefühl« gebieterisch von sich wie«.

Du willst die Wahrheit,' sagte sie nach langer Pause, den angstvoll aus sie gerichteten Blick bannend mit dem scharfen, falten Strahl de« ihrigen.Ich,' sprach sie aus: ich liebe Niemand! Wa« du anrufst, ist mir fremd; Thor- heil, Wahn ist jene Wallung, die uuS abhängig, dienstbar macht der Meinung, dem Dasein eine« anderen Wesen«; elender Selbstbettug, der die Verleugnung sich vorspiegelt, indem er im «»»»de dem eigene« Ich nur stöhnt! -

Frankfurt a. M. - JSger'sche Buchhandlung in Fraickfutt a. M.; Jnvalidendank,A-Rete- menet in Berlin; Carl Schüß-

ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.

Srlcheint täglich außer ben Werktagen nach Sonn- und Feiettagen. Preis für da« Quartal mit der wöchentlichen Beilage3U«ftrirte6 Aonntag-blatt" durch bie Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 3^ Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 3 Mark 50 Pf», (exl. Bestellgebühr). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeue 10 Pf». Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 35 Pf», berechnet.