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liuetgen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux »on Th. Dietrich & Co. in j iffel und Hannover; Th. 1 rtrich in Frankfurt a- M.; Haasenstein L Vogler in Frankfurt a.M, Berlin, Leipzig, Köln ic; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
AlarKurg, Freitag, 14. Januar 1876.
Q)bd)rlTifd)f Inlung.
XL Iehrgaeg.
Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition d. Blatte», sowie bte Amroncen-Bunaur von ® L. Daube L Co. in Frankfutt a. M.: JSger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalideudank, A- Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
Erscheint I Sgl ich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage ,,JlluftrirteS SonntaaSdlatt" durch die Srvedition fflo&’frfie Buchdruckereij bezogen 2', Mark, durch bte Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. lexl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Seife 10 ®fa
Siir in der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adreffen werben 25 Pfg berechnet. P ö VT6'
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Jch habe nicht geschlafen, wie du wähnst; während
annehmen sollte und bann, wie e» wahrscheinlich ist, zur Herstellung des Frieden» eine Besetzung der insurgirten Provinzen von den Großmächtm einträte, so geht daraus doch immer noch nicht hervor, daß damit auch schon ein Casus belli gegeben wäre. Es würden dann nur die Reformen durch die Großmächte selbst durchgeführt werden und schließlich ein Mittel gefunden, die Wiederkehr der gegenwärtigen Zustänre ein- für allemal zu beseitigen.
, Sollte dennoch, wider alles Erwarten, die Pforte ohne Rücksicht auf den zerrütteten Zustand ihrer Finanzen und ihres Heeres der Mediation mit Gewalt entgegen treten, so wäre es allerdings nicht unmöglich, daß sich das Schicksal Polen» an der Türkei wiederholte, und die Mächte sich genöthigt sähen, der türkischen Herrschaft in Europa ein Ende zu machen.
Die Gebieterin schüttelte schweigend da» Haupt. Sie stand auf und that langsam,/wie träumend, einige Schritte bi» zum Hintergrund des Zimmers, wo sie am Kamin stehen blieb, sich leicht an eine seiner marmornen Säulen l hnend. Wie magnetisch ihr nachgezogen, war die Alte jedem ihrer Tritte gefolgt unb stand jetzt neben ihr, den Blick mit dem Ausdruck bet wachsamen Anhänglichkeit eine» treuen Hunve» aus sie gerichtet; in vollkommenem Gegensatz ihrer unschönen, gealterten Erscheinung, den grellen unb harten Farben ihrer Tracht und tum ruhelos lebendigen Spiel ihrer Mienen neben der lichten und anmuths» boflen Gestalt ihr zur Seilt, deren Züge wieder den fiel»
Geist." — „Und warum, o mein strahlender Stern, ver» schmähtest du die Süßigkeit de» Schlummer» in der Schwüle
Die Retel»it»e.
~ ‘ Original-Erzählung von F. L- (Fortsetzung.)
Theilweise grell beleuchtet, tauchte ein dunkel gefärbte» Gesicht mit scharf geschnittenen Zügen voll tiefgegrabener Faltenliuien, eine gebogene Rase hinter dem Schimm.r hervor. Zwei schwarze Augen funkelten fast erschreckend in diesem Gesichte; e» gehörte einem bejahrten Weibe an, da» auf den Fersen kauernd mit dem Rücken gegen das Fußende eines Ruhebettes lehnte, auf welchem eine andere weibliche Gestalt halb auSgeftreckt zu schlafen schien. Die Kleidung bet Alten bestand aus einem Rock von violettem Stoffe, der mit einem grellen gelben Streifen am Saume verziert wat; die magern braunen Arme ragten au» weißen Halbärmeln hervor unb das ergraute Haar deckte ein tur- dauarlig um den Kopf geschlungenes Tuch. Nichts an ihr rührte sich al» die Augen, die in sich ein rastlose« Leben zu bergen schienen, und die leichthin über die Stirn des Instrument« streifenden Finger der .runzelvollen Rechten. Bei einem tiefgeholten Seufzer, einem Knistern der Polster, die ihr scharfe« Ohr vernahm, richtete sie sich halb empor, und al« sie, nach der Ruhenden blickend, gewahrte, daß st<h diese auf den Arm gestützt erhoben hatte, legte sie eilig die Zither auf den Boden, eilte zu ihr hin und legte zutraulich den Arm um ihren Leib. Mit zärtlich gedämpften linen sprechend überschüttete sie jene mit Liebkosungen unb vchmeichelwoticn, bi« diesen durch eine ungeduldige und abwehrende Bewegung der andern Einhalt gethan wurde.
.Laß mich, Namuna!" — Es lag, trotz der Zurückweisung, unendlich viel Wohllaut im Klange dieser Stimme.
3«r orientalischen Frage.
Seitdem die diplomatische Aktion der Kaisermächte in der orientalischen Frage ihren Anfang genommen hat, ist Europa plötzlich beunruhigt und steht den Krieg vor der Thür, obwohl man sich noch vor wenigen Tagen überzeugt hielt, daß diese Aktion den Frieden verbürgen und endlich an der unteren Donau geordnete Zustände herbeiführen würde.
Man fragt mit Recht, woher diese plötzliche Beunruhigung gekommen ist, da ein eigentlicher Anlaß dazu bis jetzt noch nicht vorlag. Im Gegentheil hat die friedliche Regelung dieser Angelegenheit nach den bisherigen Erfolgen noch immer die meisten Gründe für sich. Die beiden con- tinentglen Großmächte Italien unb Frankreich haben sich sofort den Kaisermächten angeschlossen und sich bereit er klärt, in die Aktion mileinzutreten. England hat allerdings bisher keine Erklärung abgegeben; aber wenn es auch die gemeinsame Aktion ablehnen sollte, so ist e» doch unmöglich anzunehmen, daß England den fünf Großmächten entgegentreten und die Sache der Türkei zu der seinigen machen sollte. Anfang- liefen noch beunruhigende Gerüchte über da» Verhalten der Türkei umher. Der Großvezier sollte dem österreichischen Botschafter Grafen Zichy erklärt haben, er könne die Reformnote de« Grafen Andrassy nicht annehmen, weil in derselben ein Angriff auf die Svuveränetät der Türkei enthalten sei. Nun hat sich zwar diese Nachricht al« voreilig erwiesen, insofern bisher die Note der Pforte noch nicht überreicht worden ist; aber e« bestätigt sich dagegen, daß jämmtliche türkischen Botschafter beauftragt sind, bei den sechs Großmächten wider jeden Eingriff in die türkische Svuveränetät zu protestiren.
Dieser Schritt hat allerdings fein bedenkliches, indem e» säst damit den Anschein gewinnen will, al« ob die Pforte überhaupt nicht geneigt sei, auf die Vorschläge der Kaiser- Mächte cinzugehen, ja ihnen sogar das Recht bestreite, solche überhaupt zu machen. Indessen dürfte diesem Protest doch keine allzugroße Bedeutung beigelegt werden und derselbe nut lediglich eine Formsache sein; denn nach dem Pariser Frieden haben allerdings die Großmächte das Recht, sich der christlichen Bevö kerung in der Türkei anzunehmen; außerdem aber hat die Pforte geradezu die Vermittelung der Großmächte angerusen unb sich bisher auch mit ihren Maßnahmen einverstanden erklärt. Dann ober wird ausdrücklich hervorgehoben, daß der Entwurf des Grafen An brassy die Souo ränetätSrechte des Sultans keineswegs be> schränke und überhaupt so rücksichtsvoll wie nur irgend möglich gehalten sei.
E« ist daher schwerlich anzunehmen, daß die Pforte nicht schließlich doch noch nachgeben und den Reforment- wurf accepttren werde; denn sie hat sicherlich bei einer fortgesetzten Opposition auf keine aktive Unterstützung zu rechnen. Aber auch selbst dann, wenn die Pforte bei ihrem Projekte beharren, wenn sie die Vorschläge der Großmächte nicht
Maßregeln veranlaßt gefunden haben und die Mörder bisher noch frei umher laufen, die Mandarinen bestechen, und auf neue Räubereien sinnen. Es ist bereits die „Areadne" nach Fochow ^beordert, um den „Cyclop" zu unterstützen.
In dem Staatshaushalts-Etat kommen diesmal wieder eine große Anzahl vonStaatsbauten in Berlin vor welche bereits im vorigen Jahre in Aussicht genommen waren, aber noch nicht zur Ausführung gekommen sind. Es befindet sich unter denselben der Bau der Fürstengruft, welcher in diesem Jahre definitiv begonnen werden soll, und bei ununter, brochener Förderung in fünf Jahren vollendet sein kann. Außerdem soll da« Bibliothekgebäude gleichfalls in Bau genommen werden, und zwar, wie e« von Anfang an in Aussicht genommen war, auf dem Grundstück de« Akademie- Gebäude« und der daran stoßenden Cavalleriekaserne. Endlich ist die Verlegung de« AademiegebSude« nach dem Grundstück hinter dem Museum, kwo sich gegenwärtig da« Packhofsgebäude befindet in Aussicht genommen.
Der Kultusminister Dr. Falk feiert am 1. gebt. d. I. do» Fest seiner silbernen Hochzeit.
Vor Kurzem wurde durch einen Erlaß de« preußischen CultuSminister die deutsche Sprache al« obligatorische Unter richtSsprache in den nordschleSwig'schen Schulen eingeführt. Nach einer genauen Uebersicht bestand bisher bei 120,000 Einwohnern einschließlich die dänische, bei 860,000 aus- schließlich die deutsche, unb bei dem Reste, 1,30 Prozent, die gemischte Schulsprache. Indessen muß hervorgehoben werden, daß in den nordschleSwig'schen Distrikten keineswegs die rein dänische Sprache in Gebrauch ist, sondern ein Dialekt, bet zwischen dem plattdeutschen und dänischen die Mitte hält, das sogenannte Rabendänisch.
Das Staatsgesetz, welches das Verhältniß zwischen der evangelischen Kirche in ihrer neuen Organisation unb dem Staate regeln soll, ist vom Ministerialdirektor Förster entworfen, und wird nach einer Berathung im Plenum des CulluSministeriumS dem Staatsministerium zur Schlußbe- rathung vorgelegt werten, damit es dem Landtage noch bi« Mitte Februar überreicht werden kann.
Der Landtag der Monarchie wird am Sonntag 16., Vormittag um 11 Uhr, im Weißen Saale de« Königlichen Schlosses eröffnet werden — und zwar im Auftrage St. Majestät des Königs wahrscheinlich durch den Vice-Präsidenten des Staats-Ministerium-.
Für die Stelle de« Präsidenten de« ReichSrechnungS- hofes ist der bisherige Direktor im auswärtigen Amt, der wirkliche Geh. Rath ». PhiiippSborn in Aussicht genommen.
Der Zustand der Hüttenindustrie am Rhein ist fortwährend sehr bedenklicher Natur. Der Rückgang, der feit Jahresfrist stattfindet, nimmt nun immer größere Ausdehnung an. Es haben neuerlich wieder bedeutende Arbeiter- Entlassungen stattgefunden. Auch ist der Betrieb einer der größten Hüttenwerke in der Nahe Saarbrückens wieder bedeutend rebucirt worden, so daß sowohl die Arbeitszeit
Tagesbericht
Der BundeSraih wird in den nächsten Tagen eine Plenarsitzung abhalten, in welcher die bisher erschienenen Vorlagen den Ausschüssen überwiesen werden, und die noch nicht abgeschlossenen Arbeiten für den Reichstag fertig ge- macht werden sollen. Außerdem wirb derselbe die bisher beendeten Arbeiten der Justizcommisston über die Strafprozeßordnung einer Berathung unterziehen.
Die Noten der Reichsbank sind bei allen Reichsbank Anstalten jederzeit zum vollen Nennwerth in Zahlung anzunehmen, unb ist die Reichsbank verpflichtet, dieselben bei ihrer Hauptkasse in Berlin sofort auf Präsentation, bei ihren Zweiganstalten, soweit e« deren Baarbestände und Geldbedürfniffe gestatten, dem Inhaber gegen curSfähiges deutsches Geld einzulösen (§§ 4, 18 des Reichsbankgesetzes vom 14. März 1875). Eine Verpflichtung zur Annahme der Banknoten bei Zahlungen findet nicht statt und besteht insbesondere auch für die königlichen Kaffen keine bezügliche gesetzliche Verpflichtung (§ 2 a. a. O.). Der Finanzmi- nifter hat jedoch bestimmt, daß die Reichsbanknoten von den königlichen Kassen bei allen den Nominalbetrag der Noten erreichenden refp. übersteigende» Zahlungen anzunehmen find.
Auf Veranlassung de« Auswärtigen Amtes ist von der Admiralität die schleunige Indienststellung einiger Krieg«- schiffe angeordnet worden. Die ESkadre soll auS einer Panzerfregatte, einer Corvette und einem Kanonenboot beleben. lieber den Zweck dieser Indienststellung verlautet stsher nichts; man bringt sie indessen mit den Vorgängen in China in Verbindung, lieber die Verwickelungen zwischen dem deutchen Reiche und China vernimmt man, daß allerdings die chinesischen Behörden eine Belohnung von 600 Dollars für die Ergreifung der sechs Mörder de« Kapitän« und deS Steuermannes des deutschen Schooner« „Anna" ausgesetzt, und da« Duplikat dieses Befehls durch den deutschen Konsul an das deutsche Kanonenboot Cyclop habe überreichen lassen, aber daß sich dieselben nicht zu weiteren
de« Tages, wenn das herrschende Gestirn feine Gluthen versendet?" forschte zärtlich die bejahrte Dienerin: „weß- halb war dein Geist unruhig in dir, statt sich, dem Vogel gleich auf schwankem Zweige, in holden Träumen zu schaukeln ?" — Die Angeredete schwieg und strich sich mit der Hand über die Stirn die Locken hinweg, welche wie ein schwerer, wogender Schleier auf Nacken und Schultern nteberftelen. „Oeffne den Vorhang/ sagte sie nach einer Weile, „laß den Sonnenschein herein zu mir; diese Dämmerung beklemmt mich!'
Eilig dem Befehl willfahrend, glitt die Alte, die bunten Pantoffeln fortfchleudernd, mit bloßen Füßen zu dem Fenster, dessen Umhüllung sie zurückschlug. Ein Strom blendenden Lichte« drang herein, au« denen sich in unaussprechlichem Liebreiz die Gestalt der jugendlichen Frau, auf dem Rande des Lagers sitzens, hervorhob. Sie trug ein lose anliegendes Gewand, das weiß unb luftig war unb den Hals, die schimmernden Arme entblößt ließ. Ihr lchönes Gesicht, dessen sanft gerundete Umrisse auf den Wangen einen schwachen rosigen Anhauch zeigten, der auf den schmalen Lippen zum Carmin sich erhöhte, hatte in feiner fast starren Ruhe etwa« von einem Marmorbilde, wie sie vorübergebeugt mit weit geöffnetem Auge gerade hinauSschaute, ohne da« emsige Walten der greifen Aja zu gewahren, die sich allerlei zu schaffen machte, vielleicht mit mehr Geräusch als nothwendig, um die Aufmerksamkeit der ht Gsdanken Versunkenen auf sich zu ziehen.
, - , ... . . Da jene unbeweglich verharrte, näherte sie sich ihr seit-
meine äugen geschlossen^waren, wachte und wanderte mein | märt« auf den Fußspitzen, und indem sie eine der dunklen und weichen Locken erhob und tändelnd durch ihre eigenen braunen Finger schlüpfen ließ, flüsterte sie über sie geneigt mit kosender Stimme: „Warum ist meine Herrin nicht fröhlich, weshalb umschattet Nachdenken die klaren Lilien ihrer Stirn? — Berent die Schöne, daß sie die große Stadt verließ mit der Pracht ihrer weiten Paläste und Gärten? Vermißt ihr Ohr die zärtlichen Schmeichelworte ber glänzenden Cavaliere, die sich einander um da« Lächeln dieser Lippen beneiden; die den Stolz ihrer Namen, den Pulsschlag der muthigen Herzen zu diesen Füßen nieder- legen? Befiehl, sprich ein Wort, daß wir zurückkehren, und die von Seufzern Erflehte zieht triumphirend wieder ei" in das Herrschergebiet ihrer Reize. Wahrlich, nicht für die Einsamkeit der Haide ward das buftenbe Glühen ber Nelke geschaffen; schöner glänzt der Mond im Gefolge feiner Sterne; lauter jubelt die Nachtigall dem antwortenden Gefährten entgegen."