XL Jahrgang.
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DL; Jnvalidendank, A. Rete- ♦ mryer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; 6. Schlotte iw Bremen.
JQipiü aus h-i
, Marburg, Donnerstag, 6. Januar 1876.
von ®. L. Daube £ Co. in Ktanlsurt e. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a.
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LV 1-jd htjiL! Anzeigen nimmt entgegen: u die Expedition d. Blatte«,
sowie btt Annoncen-Bureaux
ln«t8<it nimmt entgegen:* r. 51 - die Expedition d. Matte», tun sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & ®»-w Kassel und Hannover; Th- i Dietrich in Frankfurt a- M-; Haasenstein <fc Bögler in
in Berlin, Frankfurt a. M. re-
arickeint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JüuftrirteS SvnntanSblatt durch die Expedition (Koch fche w Buch drucke reis bezogen «i Mark, durch die Postämter de» Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (exl. Bestellgebühr). - JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«.
'. Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Abreffen werden 25 Pfg. berechnet.■
menschlichen Tinen, ^EinÄagen, mühsam in seinen Achsen knarrend, kam de» WegS daher. Unter dem Dache von ausgespannter Leinwand schauten blitzende Augen, fremd« gestaltete Züge von Frauen hervor, Säuglinge auf den Knieen, Kinderköpfe grell zwischen ihnen herauSlugeud. Zur Seite schritt ein Trupp von Männern, trotzig in ihren buntfarbigen Lumpen, da» wirre Schwärzhaar unter zerrissener Mütze, die Äugen sunkelstd in den jcharjgeschnittenen, gelbbraunen Gesichtern; Zigeuner, Gestalten der Wildniß, Söhne der Nacht. Unten am Gesährt befestigt drei rcher vier tückisch blickende Hunde, die Genossen sträflicher Thaten. Wie Drohung und lüsterne Begehrlichkeit lag es in den Wicken der unheimlichen G-seüen^ alö die Reiter vprüber- sprengten, dem Dorf^entgegem .l.
Lie Nacht war hereingebrochyi, al» sie die Herberge erreicht hatten, Chrysanthu» fragte beunruhigt nach dem Oheim . „<« Wird foipujinl" entgegnete einsilbig ched alte Diener, indem er ging, um für diePferdezu sorgen. SeiNj jugendlicher Begleiter- stieg eine Treppe hinan, in das einzige Gastzimmer des Hause». Der Lärm, au» der großen Wirthsstube drang zu ihm empor, er fdjte sich an das" kleine Fenster, schwer vom Sinnen sank sein fiopf in . bie, Hand. - .Gein einfaches Mahl war beendigt ; jein Ohf: be f jchäftigtkn^ie verworrenen Töne,^ die von- litten heraus-! drangen. Mitunter Vrhybeu sich dhe Stimnien zg wilder! Leieenschaftlichteik; Gelachter, Flüche schmetterten datetn, die Fußtritte Kommender und Gehender waren hörbar, von weitem scholl ein klagender Gesang.
Allaälig ward eS stiller, das flackernde tzichi im Htnter- grunde de» Zimmer» «losch, er sah trübsinnig in die Nacht
AkMmgkllL Dverhesfische» Zei-!
mit Ittustrirtem Sorrntagsölatt werden noch fortwährend von der Post angenommen, und auf Verlangen soweit unser Vorrath reicht vollständig geliefert. ° - j 3151 >• •>
;j Exp. I; Oberh. Zeit.
Die stuanzielle Geile der Reich-eiseubahnfrage
Unter den vielen Einwänden, welche von den Gegnern deS ReichSeisenbahnsysteiE gemacht werden, ^uchuM die finanziellen Folgen desselben eine hervorragende Stelle ein. Indem baS Reich die sämmtlichbn Staats- und Privat- bahmn übernimmt, soll cS seine bisher vorzügliche finanzielle Stellung ausgeben, die Gefahr eines Deficits herauf beschwören, und die Uebertragung ausschließlich che« Großkapital, also der Börse, zu Gute kommen. Bei genauerer Betrachtung aber wird sich diese Auffassung als vollständig irrthümlich erweisen. Es handelt-sich allerdings nicht um die Ucbernahme ein« sehr bedeutenden Eisenbahnschuld; sie wird fich ungefähr auf 6 Milliarde« Mark belaufen und demnach eine jährliche Verzinsung von 260 Millionen Mark in Anspruch nehmen. Wenn-ma« auf andere Staate«, auf Frankreich, England, Oesterreich und selbst Italien, blickt, so steigt auch eine solche-Summe als unfundirte Schuld keineswegs über bk Kräfte des deutschen Reiches. Frankreich hat zur Zahlung seiner Kriegskosten und zur Deckung seiner Kriegsschäden unmittelbar -nach einem unglücklichen Kriege eine «eit größere Summe ohne Beschwerde angeliehen. Da« deutsche Reich hingegen befindet fich in btt außerordentlich günstigen finanziellen Lage, noch nahezu 1 Million Mark an bisher nicht verausgabten KriegSent- schSdigungSgcld«n in seinem Besitz und, wie e« der Reichs etat nachgewiesen hat, eine fortwährende Steigerung seiner Einnahmen fit haben. Auch ist et ei* Jrrthum, wenn da» Reich durch trk UebknÄhme der Eisenbahnen in die Lage der mit großen Schulden belasteten Staaten kommen so»; denn diese Eisenbahnschuld würde dem Reiche keine Last werden, «eil fie vollständig fundirt ist, u*d bet einer vinproeentigen Verzinsung noch einm nicht unbedeutenden jährlichen Ueberschuß abwcrfen wird, den das Reich theils feinem Etat einverleiben, theils zur Amortisation der Eisen- bahnschuld benutzen kann, MS Beweis 'dafür bunt das Beispiel de« preußischen Staates, der bisher stet« einen Ueberschuß au« -seinen Eisenbahnen «zielt hat und noch ntrinal« in die Lage gekommen ist, die Zinsen seiner Eisen- bahnschald durch Steuern ausbringen zu müffo«. -bi
Man wird einwenden, daß da« Reich auch manche Privatbahnen ankaufcn muß, die sich in einer schlechten finanziellen Lage befinden und in den letzten Jahren keine Dividenden gebracht haben. Dagegen mug aber hervorge- hoben werden, daß sich der Kostenpreis dieser Bahnen auch demgemäß erheblich billiger stellen wird, daß sich überdies bedeutende Ersparungen in dem Betrieb und der Betwal-
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lluichs .0T»M >1 Driginat-Erzüblung u»n z. iittfchLr: iw-1 (Fottsetzung.) -itili V .nry §
" " SM Ihr besi'Fknß m 'seinen ®tobuhgriip6*>« vom iKebirge hernieder steigt und die Gewäffer sehnsüchtig ihm entgegen eiten? Schön ist die Theiß, das Liebtingskind der Heftnath, die Wonne der Ebenei Fruchtbarkeit umkränzt ihre Ufer und eilende Schfffe lassen bk Wimpel über ihr flattern; lebendige Schätze erfüllen ihre Tiöse. ilber verborgen auf dem Grunde-ilauern unholde Mächte, chie im Stillen empört, von Winter-strenge gebändigt, tückisch ihre Zeitterl-ruetn, undersehenS'^herdorzUbrecheM Dann wächst und schwillt die Woge riesig empör und bet zornige Wasser- schwäll stürzt mit wüstem Testn-berh^rend über daS Gefild. — Dort in jener Richtung, wo der Rebri schwer und^tvhgk 'lastet, liegt d« Sumps,- mit sei««« Wänden bau Schilf, eine Wohnung des UnhM. Ex.htzt der Sonne sein trübe« Schild entgegen, daß ihre Strahlen selber den Brodem der Hölle hervoriocken, Udd die »«gen «r/LkÜerursstwZZung- srait wenden fich ab von dem Graus, de« er verhüllt. Da wallt, da gährt cs-ftn Geheime*: aus der eit schillerndem «rüd gefärbten Fläche steigen Blas«« i« die Höhe, unheimliche Geister ringen fich lo« auS der-Tief«. Sie schleppen kaNge, fließende Gewänder nach sich die Arbrstpittwe wandelt einher auf bert Spitzen- des Schilfes. Mancher ve-rirrte, der betäutt «nd todeSmatt dahinsank in der Wild Nitz, sah schon «in bleiche« Gesicht mit hohlen^ glühenden Augen über sich gebeugt und weißschimmernde Hände auS dunstigen Schleiern h.-v»ortastv«d, griffen nach seinem innersten fyfcen, -pöA 6 's; n ; ttp !üoin-^ «tz
tung dieser Bahnen «insühren lasten und auch die Hauptursache psö Nothstandes derselben, die allgemeine GeschäftS- stockunz, nicht ewig dauern wird. Nach dieser Seite hin also hat die.Uebernahme der Bahnen durch das Reich nicht da« astttgkringste Bedenken. Das Reich wird auf keinen Fall dadurch geschädigt, vielmehr mit der Zeit bei der voraussichtlichen Steigerung des Verkehr« großartige finanzielle Resultate erzielen, so daß sich die Möglichkeit dadurch ergeben würde, die direkten Steuern entweder bedeutend zu ermäßigen, oder sie g,nz fyrtfav.en zu lasten- Aber apch die Behauptung, daß bigfe Contirung nur dem Grvß- kapilal zu Gute kommen würde, ist durchaus unrichtig. Das Reich hat nicht nöihig, mit Hülfe der BanquierS eine große Anleihe zur Uebernshme der Bahnen zu machen. Die Eisenbahnschulde» sämwtlicher deutschen Staaten werden einfach auf das Reich übertragen und den letzteren außerdem noch eine Entschädigung für den Reingewinn der Bahnen in der Weis« überwiesen, daß ihnen für den ganzen Betrag eine entsprechende Anzahl von vierprocentigen ReichS- Rentenscheinen eingehändigt wird, welche btt Staaten nach Belieben veräußern oder behasten können. In ähnlicher Weise werden die Prioritäten und Aktien der Privatbahnen umgetauscht, indem nach dem Abschluß bcf; stauseö das Reich die Aktien mit Rentenscheinen ohne VermtztzUwg der BanquierS einlüst. -Die Bedeutung dieser Operation liegt auf der Hand vDie gejammte Maste der deutschen Eisen bahnaktien wirb dadurch dem Börsenspiel entzogen und an deren Stelle tritt, ein hochstchereS Anlagepapier, in welchem der Bürger und Bauer ohne jede Gefahr eines Coursver- lüste« seine Ersparniste anlegen tann., - ,,
Ein großer Theil der Einbußen in diesen Volksklasten schreibt sich gerade au« dem Mangel solches j^libeg An lagepapiero her. Aus der anderen Seite aber werdeu'große Kapitalien, die-jetzt, in E'ienbahnaktien st?cken, die schwer zu begeben sind, frei, indem dafür Reichsrentenschetne eingetauscht werben, die dzn Werth von baarem Gelbe haben anb jederzeit realistrbar find. Diese großen Kapitalien, welche in den Aktien festgelegt sind, werden alsdann wieder mobiiistrt und den industriellen Unternehmungen zufließen, so daß Handel und Verkehr sich beleben Kirnen und die Geschäftsstockung weichen würde.
Auf diese Weise würde ein vollständiger Aufschwung unsere« geschäftlichen Lebens herbeigeführt werden,, der Roth« stand beseitigt und daS verschwundene Vertrauen zu neuen Unternehmungen wieder erwachen. r
Sollten sich Baiern, Würlemberg und Sachsen noch einstweilen ausschließen und ihre Staatsbahnen für sich behalten wollen, so würde dadurch doch an der großen Bedeutung dieser wirthschaftlichen Reform nichts geändert; denn die Bahnen dieser Staaten machen noch nicht den sechsten Theil der Gesammtbahnen aus; außerdem liegt aber das Hauptgewicht auf der Udhernahme der Privatbahnen durch daS Reich, und diese dürsten schwerlich Widerstand leisten, von vielen ist sogar, anzunehmen, daß sie sehr gern in diese Ulnwandelung willigen möchten.
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Die Stimme des Alten war tief und feierlich geworden.. Er warf einen dunklen,. schnellen Blick auf ChtysanthuS, der sich unwillkürlich ergriffen fühlte. Ein abergläubischer Schauer durchrioscl!« ihn, aber er suchte ihn zu verscheuchen. Keck daS Haupt zurückwerfend, indeß au Lächeln seine Lippe kräuselte, sagte er: ^WeShalh die lichtscheuen Truzgebilve Hervorrufen? Mag die heilige Mutter Gottes sie ferne von uns halten l Anderer, freundlicherer Zauber schwebt mir vop dem sinn, wie ihn der Oheim mir schiloerie: der -stampfende Tänzer schwingt hoch das blühende Mädchen ; die Musik, p>ie ein Strom auS überirdischem Reiche, reißt die Seele mächtig, dahin, und der Körper, eins geworden mit den Klängen, dWchdrungen, getragen von ihnen, wiegt sich auf Schwingen bft Freude. Oder das Fest der Lese läßt die Lust erschallen von Gesang und Zauchzen; geschäftig tummelt sich die Menge, die köstliche Habe deS W-ingarten« auSzubeuten; das gasttiche Haus verfammejft Ankömmlinge von uah und feen, und da- flüssige Feuex-'der Traube beseelt, jeden Re«>, steigert. jed^ Lustempfimbung. Za, Liese Bilder, diese wonnigen Träume machen mit daS Herz erzittern in Verlangen und Sehnsucht, und ich werde,,fie Sauen, sie werdest lebendig zu mir -treten." ■noc to,:r.
Arrojch strich nachdenklich seinen Bart,, et nickte schweigend; sein Blick schweifte von des JünzUng« lÄestcht, da.« erglüht ihm zugekehrt war, in die Wetze hinaus. Die Aussicht war klarer und freundlicher geworden. Aus Obst bäumen mit Früchten belastet hob sich rin. Dorf,nlangge- streckt, die Dächer schimmernd 4m Abrndschem. Geräusch d,-s Lebens machte sich lauter vernehmbar, die Stimmen weidender Herden und der HauSlhiere vermischten fich mit
Hage-bericht.,.
Die Provinziallandtage haben jetzt in allen Provinzen ihre-Thätigkeit begonnen. Der Psovinziallandtag der Provinz Brandenburg wurde durch den OberprSsidenten von Jagow mit einer Rede eröffnet, in welcher derselbe auf die Aufgaben hinweist, welche den Propinziallandtagen nach der neuen Ordnung zukommen. In Beziehung auf die Vertretung deS Provinziallandtages ist noch hervorzuheben, daß die Altmark und die neumärkischen Kreise Dramburg und Schiedet- dein auS dem Verbände der Provinz Brandenburg ausgeschieden find. Die Altmark ist der Provinz Sachsen ein« verleibt, die Kreise Dramburg -und Schievelbein bet Provinz Pommern.
Aus den sämmtlichen deutschen Eisenbahnen tritt auf Veranlaffuug des Reichseisenbahn » AmteS mit dem Jahre 1876 eine neue Signalordnung in Kraft, welcher in den Kreisen der Eijenbahnbearnten, namentlich deS Locomotiv' Personals, mit einem gewiffen Langen entgegengesehen wird. Auf Grund der jahrelang.gemachten Erfahrungen ist man in den höheren Beamteter eisen zu der Annahme gelangt, daß sich die optischen Streckenstgnale sehr wohl entbehren lassen, da eS nur in ganz ausnahrnSweisen Fällen vorgekommen ist, daß Züge auf der freien Strecke haben zum Hallen gebracht werden muffen. ES werden beßhulb mit Beginn de« neuen Jahre« sämmtliche Streckentelegraphen, deren Ethaftüng imptenfe Summen verschlungen hat, beseitigt und ist'fürder der Locomotivführer eines Zuge« nur darauf angewiesen, auf da« vom Bahnwärter zu gebende Handstgnal zu achten, Daffelbe besteht bei Tageslicht darin, daß bei freier Fahrt der Bahnwärter eine zusammengerollte Fahne in der Höhe hält, bei Langsamfahren die Fahne aufgerollt vor sich hinstreckt und beim Halten dieselbe mehrmals im Kreise herumschwenkt. Beim Finster- ictrbcn soll die Handlaterne des Bahnwärters das fehlende optische Signal ersetzen. Hellstrahlendes Licht bedeutet freit Fahrt, die grüne Scheibe Langsamfahren und die rothe Haltern, Bisher permochte her Locomotivführer, welchem ja außer der Beobachtung der Signale auch noch die Bedienung seiner Maschine obliegt, schon von großer Ferne zu erkennen, auf welche Strecke hin er freie Fahrt hatte, und er konnte während dieser Zeit die Maschine contro- Ihren, jetzt wird er fortdauernd nach dem plötzlich hier und da aüstauchenden Bahnwärter auSschauen müffen, der ihm vielleicht die grüne oder rothe Laterne eiitgegenhält. Bei Streitfällen, ob der Bahnwärter zur Stelle oder nicht, wird dem Locomotivführer die Beweisführung möglich gemacht, wä« bei dem weithin sichtbaren Strcckenstgnal nicht der Fall war. Die Sicherheit des Betriebes wird nun bedeutend mehr von der Züverläfstgkeir des Bahnwärters abhängen, als früher; durch eine unglückliche Verwechselung in der Stellung bet' Latente werden die größten Gefahren herausbeschworen.
Die großen Verwüstungen, welche in den letzten Jahren durch die Stürme an dem Strande der Ost- und Nordseeküste verursacht worden sind, haben die Nothweudizkeit ergeben,