XL Jahrgang.
Marburg, Mttwoch, 5. Januar 1876
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Slatte«, sowie bu Annoncen«® uteauf von G L- Daube &■ Co. in Frankfurt a. M.: JSger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A- Rete- meyer in Berlin; Carl Schußler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
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OhcrhcMc Inlung
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(Fortsetzung.)
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ihrer vergeffen!
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Geberde, daS ungestüme Feuer seiner Worte risien den er-
,3», Gruß und ewiger Ruhm
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Steinwänden, dunkle Fichten rauschten über ihnen und zur Seite verfolgte geschwätzig ein klares Gewässer seine oft gesperrte Bahn, bald mit beharrlicher Langmuth, bald mit trotziger Kraft jedes Hinderniß bestegmd. Wie um der rings herrschenden Einsamkeit Leben einzuhauchen, knüpfte Stephan Körmeny in seiner hastigen Weise ein Gespräch an. Er ließ sich berichtin von dem, was Chrysanthus an Erinnerungen au« der frühen Kindheit bewahrte, und hätte mit theilnschmvollem Schweigen zu, al« jener, nach und nach immer mehr hingerissen, mit abgebrochenen, aber an« dem Innern strömenden Worten von der geliebten Mutter sprach, mit Zärtlichkeit bei ihrem Andenken weilend. Ein schwerer Seufzer stieg aus der Brust des Mannes, ernst und sinnend schweifte sein Blick in die Ferne, aber dann reichte er dem Erzähler mit Freundlichkeit die Hand.
„Ich werde dir die Eltern ersetzen,' sagte er, „du bist fortan mein Sohn, dies soll auch mich befriedigen. Du sollst das Land deiner Mutter, das theure Land meiner Gedanken schauen.' — Und in feurigen Worten pries er
dir, mein Vaterland, du Land der Schönheit unb deS Hel-, denstnnes! Hochgesinnt und tapfer sind deine Söhne, liebreizend und stolz zugleich deine Frauen! Wer, der jemals^ den Strahl ihre« Auge«, de» Kuß ihrer Lippe trank, kann.
nicht berühren darf, sehen, noch ein Erbtheil meiner Väter, welches vor Allem ungeschmälert aus meinen Sohn überzugehen habe. Erwählter deS Volks, Vertreter seiner Jn- tereffen, werde ich stets ohne Bedauern auf jede dem öffentlichen Wohle unnütze Prärogative verzichten, wie ich unerschütterlich alle Gewalt in meinen Händen halten werde, die unerläßlich ist zur Ruhe und zur Wohlfahrt deS Lande«.' Soweit der Wortlaut beider Dokumente. Ueber ihren Werth )at die Geschichte bereit« da« Urtheil gefällt! „Treu feinem Irsprunge" hat das Regiment Napoleons IIL geendet. Der Tisch des Herrn ober, von dem Wilhelm I. am 18. Okt. 1861 die Krone nahm, um sie aufs Haupt zu setzen: er steht fest auf unerschütterlichem Grunde, und mit ihm der Thron der Hohenzollern!
Darmstadt, 31. Dee. Der Finanz-Ausschuß der zweiten Kammer hat die Vorbesprechung über die einzelnen Budget-Ausstellungen beendet und wird in den bald nach Neujahr, wahrscheinlich am 6. Januar k. I. beginnenden gemeinschaftlichen Sitzungen mit dem Ministerium besonderen Nachdruck auf weitere Vereinfachung d«S noch allzu complicirten Regierungs - Apparates legen. Es wird vor Allem zweckmäßige Competenz - Erweiterung für da« Ge- sammt-Ministerium und gereifter Behörden angestrebt, damit endlich eine einfachere und einheitlichere Verwaltung möglich wird. Dabei wird vom Finanz Ausschuß daS Fortbestehen der Oberbau • Direktion, der Staatsschulden-Til- gungSkafte, der Rentämter, des OberconsistoriumS als staatliche Behörde, die Reu Ordnung deS Medieinalwesens re. beanstandet. — Der Synodal Ausschuß, bezre. da« erweiterte Ober • Cousistorium hielt gestern eine Sitzung ab. Der Landessynode soll demnächst der Entwurf eine« Budgets für die evangelische Landeskirche zugehen.
Karlsruhe, 3. Jan. Die „Karlsr. Zig." bezeichnet die von der Berliner „Nai.-Ztg." in einem Artikel vom 30. Dee. ausgesprochene Verrnuthung, daß Baden sich geneigt zeigen dürste, seine Eisenbahnen an da« Reich zu verkaufen, alS unrichtig
München, 31. Dee. Der König hat, wie man dem „N. K." von hier meldet, zahlreiche Orden verliehen. — DaS „Mililir-VerordnungS-Dlatt" enthält eine Allerhöchste Verordnung Ludwig II. re. Eingangs deren es heißt: „In der wohlwollenden Absicht, felbdienstunfähige, jedoch noch weiter verwendbare, verdiente Ossiziere unseres Heeres dem Dienste zu erhalten, sowie in der Fürsorge, die Aussichten der eivilversorgungSberechtigten Militärperfonen der Unterklassen durch Erhöhung der Zahl der denselben bisher zugänglichen Civilberienstungen mögltchst zu verbessern, finden Wir UnS allergnädigst bewogen, zu verordnen was folgt.* Die bann nachfolgenden Bestimmungen gewähren : ad 1 allen O'ficieren mit lebenslänglichem Pension-anfpruch; । Die Nachfuchung eine« AnstellungS Anspruches auf Anstellung ; in dem MilitärverwaltungSdienft gelegentlich des Abschieds-' ■ Gesuches. Die bewilligte Anstellungsberechtigung ist info«’ i fern eine bedingte, als e« in jedem einzelnen Falle der'
Jahren schmücken wird! Was Wilhelms I. Weisheit und i Thatkraft in diesen fünfzehn Jahren gewirkt und errungen, i auch nur in flüchtigen Umrissen barlegen zu wollen, reite ; vergebliches Bemühen — jeder Feder. Die Resignation 1 indcß, welche UnS die Ruhmesgeschichte unseres Helden- I "aiserS auferlegt, gestattet uns doch, an einem so weihe- 1 vollen Tage den Blick unserer Leser auf den Urgrund und I die Quelle hinzulenken, au» beneti unser Kaiser nyd König vom Beginn seiner Regierung an Sammlung und Kraft schöpfte, um die schweren Pflichten deS Regenten zum Heile des Landes zu erfüllen. Andere Fürsten haben anders über die Bedeutung der Herrschergewalt gedacht, und eine historsye Parallele, die kaum eines Kommentars bedarf, mag darum unserer Ausführung zum Gegenstände dienen. Im Anfänge seiner Regierung blieben bekanntlich auch König Wilhelm bittere Erfahrungen nicht erspart, GotteS S utz zumal verdankte er sogar die Rettung aus Mörder Hand. Napoleon III., damals auf der Höhe feiner Macht und feines Ruhmes, wußte aus der Theilnahme, welche er für die glückliche Errettung unseres König« in Baden-Baden bezeugte, das Versprechen de« mächtigsten deutschen Fürsten herzuleiten, dem Kaiser der Franzosen demnächst im eigenen Lande einen Besuch abzustatten. Vom 6. bi« 8. Oktober 1861 weilte der König von Preußen am Hofe von Compivgne: der Höflichkeit war genügt. Wenige Tage darauf, am 18. Oktober 1861, fand die feierliche Krönung unsere« KönigSpaareS zu Königsberg statt. Arn Tage vorher aber, am 17. Oktober, hielt König Wilhelm an die Mit glieber beider Häuser des Landtages folgende Ansprache: „ES war Mir Bedürfniß, die Landesvertretung noch vor der Krönung um Mich zu versammeln, und Ich danke Ihnen, daß Si« Meinem Wunsche gefolgt sind. Die Herrscher Preußens empfangen ihre Krone von Gott. Ich werde deshalb morgen die Krone vom Tische drS Herrn nehmen und auf Mein Haupt setzen. Die« ist die Bedeutung deS Königsthums von Gotte» Gnaden, unb darin liegt die Heiligkeit bei Krone, welche unantastbar ist. Ich weiß, daß Sie selbst ben Sinn beS Aktes so verstehen, zu dessen Zeugen Ich Sie berufen habe. Die Krone ist mit neuen Institutionen umgeben; Sie sind nach denselben berufen, der Krone zu rathen. Sie werden Mir rachen, unb auf Ihren Rath werbe Ich hören.* E« hieße ber Wahrheit wenig dienen, trenn man verschweigen wollte, daß diese königlichen Worte damals allen landläufigen Schattirungen de» Liberalismus wenig zusagten. Dem oulgairen Zeit ; geiste entsprachen sie allerdings nicht! Und was that um । dieselbe Zeit der von aller Welt wegen feiner Klugheit be- ; wunderte Napoleonide? Gezwungen zu finanziellen Re- I formen, kündigte er in einem Schreiben an feinen Staats , Minister vom 14. November 1861 — mit unverkennbarem Hinweise auf die Vorgänge in unserer Heimath , — diese Maßregel öffentlich in folgender Weife an: i „Treu meinem Ursprünge kann ich in den Prärogativen der ; Krone weder ein heiliges anvertrautes Gut, welche« man
Lörmeny rief e« laut empor in begeisterter Freude, aber, bei den letzten Worten sank sein Ton zum Flüstern herab.' Etwa«, da» er oft mit Mühe fern zu halten schien, be^ mächtigte sich seiner schnell und unwiderstehlich. Sein,' Stirn zog sich zusammen, t« flog wie ein Schalten verdüsternd darüber hin; er starrte in die Wüte; der Zügel) entglitt der schlaff herabhangenden Hand, einzelne abgebrochene Laute entschlüpften dem Munde. — Mit einens tiefen Athemzuge kehrte ihm da« Bewußtsein wieder. Mi,, mächtigem Ruck riß er sein Roß in die Höhe, beugte sich, nach vorwärts Über ben Sattel, unb wie von einem un t heimlichen Geist erfaßt, spornte er e« zu rasendem Lause? Den Bftck verwildert, die Miene drohend gespannt, mi heftiger Bewegung der Hand die Begleiter von sich wehrens sprengte er dahin, kein Hinderuiß beachtend, al« gelte ee' einem Dämon zu entfliehen, einem Schreckbild, da« ihie -»erfolgte.
Betroffen blieb der Jüngling mit dem Diener zurück,. Er fühlte sich beklommen, seine Unbefangenheit machte den Grübeln unb Sinnen Platz, ein düsteres Räthsel beschäftig^ seine Phantasie. Der bärtige Zarosch blickte ernst seiner., Herrn nach, mit der Hand das Kinn sich streichelnd. Dan wendete er sich langsam an ChiysanthuS. „Es ist der der Haide, der Geist seiner Heimath, der plötzlich über ih^ kommt, ihn fortreißt gegen feinen Willen. Wohl ist e 't ein mächtiger Geist, der die Wildnitz liebt und da« klc,
jetzt die gastliche Freude seiner Heimath, ben fremdartigen Zauber der großartigen Haide im Vollgenuß einsamer Frei heir, reo Über der endlos sich dehnenden Fläche das magische Bild sich in Lüsten malt; die fruchtbaren Gelände, von blinkenden Flüssen durchirrt, die wie ein Paradies üppiger Fruchtbarkeit sich erheben, wo Nacht« ber eisige Hau», der vom Gebirge strömt, unb am Tage der heiße Sonnenstrahl
Deutsches Mich.
H Berlin, 3. Januar. Der Kaiser hat zur großen Freude Aller daS neue Jahr in äußerster Rüstigkeit des Körper« und Frische de« Geiste« begonnen. Alle, welche bei dem Empfang am ReujahrStage im königlichen Palais anwesend waren, hüben einen sehr erfreulichen Eindruck über daS Befinden be« Monarchen empfangen. Die Danksagung de« König« an die verschiedenen Gratulanten enthält in diesem Jahre durchaus keine politische Kundgebung, auch nicht einmal eine politische Anspielung. Man wirb hieraus mit den Schluß ziehen können, daß der politische Horizont ganz wolkenlos ist. — Der „ReichS Anz.* hat die Ernennung de« Grafen Eulenburg und des Hrn. v. Butow zu BunbeSrathsmitglieder gebracht. ES ist damit eine Lucke auSgefüllt, welche sich öfters funbgegeben hat. Dem stellvertretenden Chef de« auswärtigen Amte« gebührte eine Stelle im BundeSrathe und ebenso hat der Minister des Innern vielfache Beziehungen zur Reichsverwaltung. Be- reit« in dem provisorischen BundeSrath des Nordd. Bundes war Gras Eulenburg, der Vertreter Preußens. Nachdem nun Hr. Bitter zum SeehandlnngS-Präsidenten ernannt, war das preuß. Ministerium de« Innern nicht unmittelbar im BundeSrathe vertreten. Die Ernennung Graf Eulenburgs wird jedenfalls die öffentliche Meinung Über die aufge- wärmte Phantasie von dem Dualismus zwischen Fürst Bismarck und Graf Eulenburg widerlegen. — Unter den Vorlagen, welche dem Landtag bald nach seiner Constituirung zugehen werden, gehört auch ber Gesetz Entwurf über bie Befähigung zum höheren Verwaltungsdienste. Bekanntlich lag dem Abgeordnetenhaus bereits in voriger Session ein solcher Gesetzentwurf zur Berathung vor. Da« Bedürfniß zur gesetzlichen Regelung dieser Frage stellt sich immer dringender heraus. Es wirb der frühere Entwurf mit einigen Abänderungen zur Vorlage kommen.
= .•> — Die „Nordv. Allg. Ztg." schreibt unterm 3. Januar: Drei Lustren waren mit dem gestrigen Tage sott dem Augenblicke verstrichen, in welchem der Allgütige den schweren Leiden unseres geliebten Königs Friedrich Wilhelm IV. ein Ziel gesetzt hatte. Am 2. Januar 1861 war es, daß König Wilhelm 1 den Thron seiner Väter bestieg, welchen er heute zum Segen seines Volke«, zum Ruhme des ge- einten Vaterlandes al« König de« mächtig erblühten Preußen, wie al« Deutscher Kaiser inne hat, und den er unter des Allmächtigen Schutz hoffentlich noch eine lange Reihe von
Die Nebelwitwe.
16j Original-Erzählung von itryj:
Wellungen LN inna mit Ittustrrriem Sonntagsölatt werden noch fortwährend von der Post angenommen, und auf Verlangen soweit unser Vorrath reicht vollständig geliefert. u.. . 4
Die Exp. d. Oberh. Zett.
Tage gesellten sich ben Tagen, und wie herrlich erschien tt dem Jüngling, aus schmuckem Roffe einherzuziehen, während in alle seine Sinne tausendfältig der Reiz be« Leben» sich drängte, die Brust im Gefühl be« Glückes sich erweiterte! Dunkelgrüne Waldstrecken, in ihrem brütenden Schweigen, wenn die Mittagssonne über den Wipfeln stand, oder ersüllt vom harmonischen Durcheinander unzählbarer Stimmen und Klänge zu anderen Zeiten, geleiteten bie Wanberer mit ihrem Schatten. Die erhabenen Formen be« Gebirge«, in bie Bläue deS Himmels sich tauchend, traten wie eine zauberische Erscheinung hervor. Die Maffen in ihrer trotzigen Größe riefen unbekannte Empfindungen wach, die ben Geist emportrugen über bie gelohnte All täglichkeit, ihn mit ahnenden Schauern füllten. 68 war eine schöne Reite, wenn auch einsam, denn sie hielten sich von Städten entfernt, unb je länger sie währte, desto mehr erschloß sich de« Jüngling« Herz In Vertrauen und Freudigkeit. Ander- schien e» mit seinem Gefährten, der oft wechselhaft erregt, oft in Schwelgen versunken war. Zwar bereif« er sich stets gütig gegen ihn, sein strenger Blick warb milder, wenn et sich auf den jugendlichen Verwandten richtete, und mft Nachsicht bequemte er sich dessen ungeübter „ -
graft; aber e» tag zugleich etwa« in seinem Wesen, da« vereint da« Itedltche Wunder der Rebe zu herrlichster Bollen schroff und unnahbar erschien unb ben vollen Erguß de» bung zeitigen. - Sein schwarzes Auge funkelte, die beredte warmen Gefühle» zurückhielt. Geberde, daS ungestüme Feuer ferner Worte rissen den er-
E- war eines Nachmittag« und die Rosse schritten glühenden Hörer mit sich sortier ^"t^runkener Wißbegler langsam einher, Steil wand sich der Pfad zwischen grauen an seinem Munde hing. n'* " ***