Einzelbild herunterladen
 

XL Jahrgang.

nach dem Gmndsatze der Ausdehnung der indirekten Steuern;

vorgelegt werden. Nach derselben ist die Gemeinde zur Verwaltuaz uub Regelung der kirchlichen Verhältnisse be- rufen. Kreis-, Provinzial- und Generalsynode bilden die Corporationen, in welche» die Interessen der Kirche be- rathen .unb beschlossen werden» Ueber dem ganzen Werke sat der Geist der Mäßigung und Besonnenheit gewaltet, »er alle. Extreme sernhielt. Bei . der großen Bedeutung, welche das kirchliche Leben für unser Volkchat, ist der Wunsch wohl berechtigt, daß dieser Entwurf vordem Land tage seine Genehmigung finde und somit diesem langem pfundenen Bedürfnisse abgeholfea werde. . 5 . -

Wie auf diesem Wege der evangelischen Kirche neue Lebenskräfte zugeführt werde», so ist andererseits die Hoff nung nicht unbegründet, daß der Kampf des katholischen Clcrus gegen die Autorität des Staates aushören, und der coufesstonelle Friede wieder hergeftellt wird.-. DaSkath »fische Volk hat flch doch überzeugt, daß die preußische Regierung seinen Glauben nicht antastm will, sondern daß eS fich um di« Unterordnung des Cleru« unter die Staatsgesetze handelt. Der katholische CleruS hat endlich eingesehcn, daß er vergebens gegen dieselben. mckämpft und der Staats macht nicht gewachsen ist. Zur weiteren Ordnung dieser Angelegenheit dürste in diesem Jahre nur daö Gesetz über die Vermögensverwaltung der Bisthümer noch zur Vorlage kommen, und damit der SreiS jener Gesetze geschloffen sein, weiche die Aufgabe haben, die Autorität deS Staates der

katholischen Kirche gegenüber zu wahren.

Andere große und wichtige Veränderungen, welche nicht bloS den preußischen Staat, sondern das ganze Reich an- gehe«, dürsten ihrer Erfüllung entgegengehen. DaS Reich nimmt von Jahr zu Jahr an Bedeutung und Einfluß zu. ES erweitert feine große organisatorische Kraft, und zieht allmählig alle Funktionen des staatlichen Lebens in seinen KreiS. Schon jetzt genügen die Aemter der Reichsregierung nicht mehr. ES'erweist fich als unumgänglich, di« bestehen- den zu erweitern und neue zu schaffen und schließlich der ganzen Regierung eine geschloffene konstitutionelle Form zu geben. Durch die Errichtung eines ReichSverkchrsamteS, in der der Generalpostmeister mit der Leitung deS Post- und Telegraphenwesens betraut ist, ist die Bah» zur Er­weiterung gegeben. Nach der Durchführung der Gerichts- resorm, die in diesem Jahre ihre« Anfang nehmen wird, dürste auch daS Reichsjustizamt eine Ausdehnung erfahren.

Andere große Aufgaben harreu der Reichsregierung, fo vor allem die Anbahnung einer umfaffenden Steuerreform

Imeigen nimmt entgegen: Mei<Btt>ebition d. Blatte», sowie bte Annoncen-Bureaux von ® L- Daube & Co. in

die Grundlage legen.

Daran knüpft sich denn auch die Hoffnung, daß das neue Jahr eine Erlösung aus der traurigen Nothlage bringen wird, und der Stillstand deS Handels und der Industrie einem regeren Leben und beffern Verhältnissen weiche. Die Grundbedingung dazu ist allerdings, daß uns der Friede erhalten bleibt; aber in dieser Beziehung können wir wohl mit Zuversicht in das neue Jahr treten. Die Gründung des deutschen Reiches hat sich bisher als segensreich nach dieser Richtung hin erwiesen, indem daS deutsche Kaiserthum der Hort deS europäischen Frieden» geworden ist, darum ist unsere Hoffnung nicht unbegründet, daß das neue Jahr unS auf der Bahn friedlicher Entwickelung zum weiteren Ausbau deS Reiches führe«, und alle Uebelständ« beseitigen wird, unter deren Druck wir noch gegenwärtig leiden.

Geltung verlich, dieser seiner ganzen persönlichen Erschei­nung selber war eS gelungen, den einzigen Verwandten, den Sohn einer früh verschollenen Schwester mit fich nehmen zu dürfen, ihn jetzt der schützenden Obhut klösterlicher Mauern zu entführen.

Wie durch einen Zauberschlag hatte sich der junge Mann gleich beim ersten Anblick deS OheimS verwandelt gefühlt; elektrisch berührt bis inS Innerste von dem Blick der schwarzen, feurigen Augen unter den buschigen Bramn, von dem frischen Klang der Stimme, die voll und tönend aus der gewölbten Brust emporstieg, von dem Eindruck der kühn geschnittenen Züge mit der Adlernase und dem krie­gerischen Schnauzbarte, die auf ein Alter von achtund­dreißig bis vierzig Jahren schließen ließen. Eine ihm bisher fremde, stürmische Erregtheit ließ seine Pulse hef­tiger schlagen; die Thatenlust der Jugend, die Kraft, die ihm selbst noch unbewußt in seiner Seele gährt«, loderten verlangend empor in dem plötzlichen Anblick, dem entgegen­treten des Manne», der es versprach, ihm ein Pater zu sein, freudigere Bahnen für ihn zu erschließen. Er hatte diesen »iewalS zuvor gesehen;, der früh verwaiset« Knabe bewahrt« nur noch dunklr Erinnerungen auS den Tagen der Kindheit, an das Bild des Vater» mit dem helleren Haar und Auge, und wie er den Sohn auf dem Arme gewiegt und geherzt hatte, als er Abschied genommen; um nimmer wieder zu kehre«, -r- Die Züge der Mutter haf­teten dagegen lebensvoller, deutlicher in seiner Seele, Tief eingeprägt war ihm die «die Gestalt, die sanftklingendr Stimme, da» schwarze, reiche Haar, die dunklen Augen, die er so oft hatte Zähren vergießen scheu, al» die Kunde eintraf, daß der gefallen sei in der Ferne, dem zu Liebe sie einst ohne dm Segen der Eltern der Heimath, das Vaterhaus gemieden. Sie war bald gestorben; Chrysan- thus fühlte noch oft bei dem Gedanken an sie, an ihre Zärtlichkeit den Schmerz des Verlustes heiß in fich auf- zucken. Sie hatte ihn, ha» hüiflose Kind, allein zurück-

Frankfurt a. M.-Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A- Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.

MM.ns aunöL« c .'qUjL :: !.a thdi*

Berlin, I.Jan. Bei dem heutigem Neujahrsempfang der Generalität, welche vom Feldmarjchall Wränget geführt war, erwidert« der Kaiser auf Wraugels Ansprache folgender­matzen:Ich tanke Ihnen für die Worte, welche Sie im Namen aller Anwesenden bei der abermaligen Jahreswende an mich gerichtet, und erkenne in denselben gern den er­neuten Ausdruck Ihrer längst bethätigten Gesinnung. Wenn Sie mir ein langes Leben wünschen, so fordern Sie mich dazu auf, Ihnen, mein lieber Feldmarschall, nachzuahmen. Begnadigt mich der Allmächtige mit der Erfüllung Ihrer Wünsche, bleibt mir Gesundheit und Kraft erhalten, ftj denke ich auch nicht müde in der Erfüllung meiner Pflichter, zu werden und bin stolz aus die Zuversicht, daß Sie' meine Herren, mich wie bisher auch weiter Unterstützer, werden." Die heutige Gratulation wurde von den fat( serlichen Majestäten im Palais entgegengenommen, uni* zwar um 9/2 Uhr Vormittags die der Hofstaaten, un£ 93/4 Uhr die der hier anwesenden Mitglieder der König, liehen Familie t um 12 Uhr die der acliven und der zu^ Disposition stehenden Generäle. Um 12j/2 Uhr erschienet, die hier anwesenden Fürsten und deren Gemahlinnen un, den Beschluß machte um 1 Uhr der Staatskanzler Für^ Bismarck und dir aktiven Staatsminister. Da» Krk nung» - und Ordensfest wird diesmal am Sonntag de, 23. Januar stattfiuden, während am 28. Januar diesmc. ein Kapitel de» hohen Ordens vom Schwarzen Adler al gehalten wird, Der älteste Sohn des Kronprinzen, be^ vom König von Spanien der Orden de- Goldenen Vließ«,- erthellt worden, ist von dem Kaiser mit demselben in seie^ . ~ Bj ..... ' ~il

gelassen unter Fremden. Erinnerungen der Trübsal ur,c Entbehrung knüpften sich an diese Vorstellung; aber bar^ hatten sich die Heiligen seiner erbarmt, ihn zu guten Me,. schon, an die geweihte Stätte geleitet, dort seine Juger beschirmt und behütet so manches liebe Jahr. c|

Es kämpft jetzt in ihm wie jauchzende 8u,, und furchtsame» Bangen wie Überwallende Dankbar!^ und Scheu zugleich, al» er neben dem älteren Gefährts durch die Vorhalle schritt, der Pforte zu, die hinaussühr^ in die Freiheit, daö fluthende Leben. Im Hintergrun,,, de» Gange» zogen eben bk Kostgänger de» Kloster« patn weise hintereinander bei Stunde de» Unterrichte» entgeg(r Einer von ihnen durchbrach die Reihe der Genossen, fl., den Gang hinunter und zwei Arme wanden sich um Ch^,' santhus, ein Kopf mit dunklem Haar, ein glühende» sicht preßten sich eng an seine Schulter. Wenige Sekund« dann richtete sich Siegmund empor, sah mit flammende^ feuchtem Blick dem Freund in'» Äuge, flüsterte hast^ Gedenke deines Versprechen»l" und eilte flüchtig, wie)« gekommen war, zurück, sich den vorausgegangenen MS< schülern anzuschließen. Chrysanthus stand da, ihm na blickend.Wer ist der schwarzlockige Bursch mit dem keck" Gesicht?" fragte der Oheim im Weitergehen.ES $ Siegmund Mornach, mein Freunv, der Bruder m«i?* Seele, der Einzige, der sich hier liebend an mich schloss entgegnet«, fich sammelnd, der Gefragte.Nur aus ku^ Zeit ward er diesen Mauern anvertraut, bald wird er a<il verlassen, dem Studium der Rechte sich zu weihen."

Sie traten aus der Pforte, knarrend schloß sich bF6 hinter ihnen, die Vergangenheit absperrend für den 3üiteb ling. Draußen hielt ein sonnverbrannter, schwarzbärtr" Diener die Pferde am Zügel gesaßk, die voll Ungeduld den Husen die Erde schlugen, liebet Chrysanthus' Gesim : ging eine tiefe Glnth auf, die Gluth der Scham, daßye der Zögling der Bücher, hinter Mauern groß gewortal- - nicht die freudige -pust de» Reiten» grübt. Aber auf2>t

MkllMgk« Ä Oberh-ffifchen Z-i!

mit Ittustrirtem Sonntagsbkatt werden noch fortwährend von der Post angenommen, und auf Verlangm soweit unser Vorrath reicht cvoll- ständig geliefert. n;. ' !

-Ti Die Exp. b. Oberh. Zeit.

«idbW«, ^.vy-iM-Erzählung t>on$.-

a£)H in-(Fortsetzung.) L ">'< IBUntli, J KI' l!" Siegmund «ar bewegt, er drückte heftig die Hafld de» Etztzsrn »Ich werde kommen!" sagte er einfach.Gute mein Chrysanthus!" -- Er stand auf unb, ging unhörbar zu feinem Lager zurück, besten schützende Umhüllung er In der Sommernacht bei der Schwüle des Zimmer» nicht vermißt hatte. Bald kam der verspätete Schlaf über die -«m beschwichtigten Herzen; der Traum schüttete sein bunte« Füllhorn vor ihnen au»; die unbekannte Fern« schickt« ihr« Erstatten und Bilder, bald reizvoll lockend, bald beängstigend, und die rastlo» webende Phantasie schuf au» dem Stoff -chr trügerische«, bald versinkendes Kunstwerk.

E- «ar des andern Morgens, noch früh am Tage, als fiste Tritte auf dem Estrich des gewölbten KreuzgangeS wiederhallien, untermischt mit dem leisen GeAirr der «Lporen an btn Reiterstiefeln. Di« stattliche Gestalt «ine» ManneS in reicher, malerischer Tracht schritt einher, geleitet von einem bienenden Bruder; hinter diesem ein Jüngling, oftmals den zögernden Fuß zurückhaltend und wie suchend umherblickend. Braune», schlichte« Haar umwallte ein längliches Gesicht « mit seinen Zügen, denen bk Erregung der Stunde eine «arm« Röth« Überhauchtt, mit hellgrauen Augen, deren SuSdauck weich unb sinnend war. Sie tarnen au» den -Zimmern de» Prior»; Ehrysanchu» hatte seinen Lehrern, feinen Vorgesetzten mit einer Thtäne gedankt, ihnen Lebe wohl gesagt unb Gotte» reich« Vergeltung herabgewünscht, i Er war mit Segenssprüchen entlasten worden, mit bedau- etnbe« Worten, daß er «licht blieb, baß er dem Vorsatz ent- rfagte, dem heiligen Orden anzugehören, wie e» vordem eine fromme Ueberspannung dem Knaben reizvoll erscheinen ließ. -Dem stürmischen Bndrängen der reichen Opfergabe des Stephan v. Körmeny, desten unerwartetem Erscheinen, das >-ckn«m vorangegangenm schriftlichen Ansuchen überzeugendere

ynode berathen, und soll dem Landtage zur Genehmigung ein Bollwerk zu Schutz und Trutz nach außen, sondern auch - ........ ~ : zur Hebung und Förderung aller großen nationalen Arbeiten

t Sol iw auber den Werktagen nach Sann- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichenBeilageMuftrirte» SonntagSblatt" durch die EkPedition(K 0 ch'sche Srschernt tSgtrch «nwr oen «fl Äfltfr durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf,, (eil. Bestellgebühr). - JnsettwnSgebühr für bie gespaltene Zeile 10 Pf».

' , d Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf,, berechnet.

iftf ji.'. Auw neuen Jahre.«

tr< So wenig bedeutend da» abgelaufene Jahr in großen »olitifchen Ereignisten gewesen ist, so hat es doch auch deS euten manche» gebracht unb die Bahn für da» neue Jahr ««ebnet. BirlrS «a» in dem verfloflenen Jahre angefangen wurde, naht fiiner Vollendung; andere» was sich al» nothwendig herausstellte, feiner Angriffnahme. So stehen »n» «roße unb bedeutende Aufgaben bevor, unb die Hoff- nung Ift nicht unberechtigt, daß sie im neuen Jahr« ihrer -Erfüllung entgegengehen werd«. ra m >

E» find zunächst die großen Anfgabenider inneren Re- «erw des preußischen Staate», die ihrer weiteren Entwicke­lung entgegengehen. Die Provinzial - Ordnung für die östlichen Provinzen, durch welche die GrUudlsgen der Selbstverwaltung geschaffen (worden sind, hat sich bereits in hohem Grade bewährt. Wit dem Beginn deS neuen Jahr«» treten nun zum ersten Male die durch die neue Ordnung erwählten Proviuziallandtage zusammen, um ihre erweiterten Befugnisse anSzuüben. Von der Wirksamkeit dieser Landtag« wird eS abhängen, ob dir Provinzialord- nung auch In kürzerem oder längerem Zeitraum in den westlichen Provinzen und namentlich auch in unfirer Pro- vinz eingrsührt werden kann.

. Neue wichtig« und folgenreiche arbeiten liegen dem «n Januar zusammentretenden allgemeinen Landtage vor. Die zgngst tn AuSficht genommene neue Städteordnung soll zur Berathung kommen; ebenso andere wichtige Gesetze, welche bk Regelung der Competenz der verschiedenen Staat»- und GelbstverwattungSbehörden betreffen, sowie ein Entwurf «r Communat-Steuer-Resorm werden gleichfalls dem Land- tage zur Bearbeitung vorgelegt werden. Di« wichtigste Bor- -lag« wenn auch insbesondere wieder für di« älteren Pro- vinzen, betrifft diesmal die Berfastung der evangelischen Kirch«. Ein« lange Reihe von Jahren ist darüber hinge- gangen, ehe diese» wichtige Werk, der evangelischen Kirche «Ine zeitgemäße Ordnung, und die ihr längst verheißene Selbstständigkeit zu verleihen, zur Erfüllung kommen konnte. .. _

® ' a dfi- Werk seiner Vollendung nahe. Diel und die Uebernahme der Staats- unb Privatbahnen durch Gynodalverfaflung ist durch »ft außerordenttiche General f da» Reich. Auf diesem Wege wird das Reich nicht blos

Rlr. 2. .L'L. Marburg, Diwstag, 4. Jamm 1876. , v

n M-f in» hrt .mkr,S> r . hl )j? u-ihua chii« stnvö nnrtzr-M-jiL-

hm (!?bcti|flTiid|c Jcituno