Marburg, Mittwoch, 30. Dezember 1885.
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mcindeu möglich geworden, von dem ersterwähnten Zeitpunkte ab Aktiengesellschaften und sonstige juristische Personen, welche außerhalb der Gemeinde wohnen, hinsichtlich des denselben aus Gruudbesitz, gewerblichen Anlagen, Eisenbahnen zufließendeu Einkomniens zu den auf das Einkommen gelegten Gemeindeabgaben heranzuziehen. Im Hinblick auf das in dieser Beziehung ergangene Miiiistcrial- ausschreiben sind die Gemeindevorsteher zu der Feststellung veranlaßt worden, wie weit die Möglichkeit der Besteuerung der im § 1 des Gesetzes genannten Steuerpflichtigen für ihre Genieinde nach dem jetzigen Thatbestaude vorhanden ist, danach zutreffendenfalls.die Herbeiführung entsprechender Gemeindebeschlüsse zu erwägen, diese, wenn keine Bedenken entgegenstehen, berbeizuführen, damit sie geprüft nnd schließlich bestätigt werden können. — Neber die Entwicklung der Pfennigsparkasseu sollen Nachweisungen eingereicht werden, aus welchen die Zeitdauer des Bestehens während des Jahres 1885 (ob während des ganzen oder nur eines Teiles des Jahres) die Höhe der vorhandenen Einlagen, der Betrag der verbrauchten Sparmarken, die Fahl der Sparer ersichtlich ist. Die Sparer sind möglichst in die Abteilungen: Gesellen, Lehrlinge, Arbeiter, Dienstboten, dann Kinder, endlich sonstige Personen zu bringen.
— Der bereits erwähnte Artikel der „Berl. Polit. Nachr." sagt zur Frage der Reform der Branntwein- steuer „Mit Recht ist bei der Generaldebatte über den nächstjährigen Reichshanshaltsetat von dem Redner des Zentrums die Zweckmäßigkeit einer Reform de? Branntweinsteuer hervorgchoben worden, durch welche unter Wahrung der Interessen der Landwirtschaft dem Reiche erhebliche Mehreinnahmen zugeführt werden. Mit diesen beiden Gesichtspunkten sind aber die Ziele einer wirklichen Reform der Branntweinsteuer nicht erschöpft. Es tritt ihnen vielmehr als drittes Ziel mindestens gleichberechtigt die Hebung der Moral und Gesundheit unseres Volkes durch die Einschränkung übermäßigen Branntweingenusses und den Ausschluß des nicht entfuselten Rohspiritus von der Konsumtion hinzu. Die im wirtschaftlichen wie im moralischen Interesse der betreffenden Volksschichten so überaus wichtige Einschränkung des übermäßigen Branntweingenusses wird nach den grundlegenden Untersuchungen, welche über die Wirkung der Erhöhung der Getränkesteuer auf den Preis an der Hand der Erfahrungen bei dem bayrischen Malzaufschlag angestellt sind, nur vermöge einer sehr hohen Steuer, welche zugleich der Reichskasse Deckung für die Verminderung des Steuerobjektes bietet, wirklich zu fördern sein. Ist aber eine Beschränkung des Trinkkonsums eines der von der Steuerreform zu verfolgenden Ziele, so erhellt, daß es zur Wahrung der Interessen der
Im Kocridor begegnete Reinhaid dem jungen Offizier, dem Soin des Hauses, welcher erregt auf ihn zulrat und hastig fragte:
„Was habe ich zu hoffen, Herr Fontaine?•
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Heitzer Sinn.
Roman von Theodor Küster.
(Fortsetzung.)
„Sie können das im vollsten Maße thun, Herr v. Ro- In Ihrer Hand liegt ja Selmas Gluck: sie liebt einen edlen pingen Mann nnd nur EH seinen Besitz kann sie wahrhaft glücklich werden. — Dies Gluck zu begründen steht bei Ihnen!" her^^ I<Cbt'! W'll liebt sie?" fragte gespannt der Frei-
Srscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. — Quartal» UtzonncmentS-Preis oei bet {fryebition 2'/« 'M.. bei den Postämter 2 Mk. M) Psg. (eyd. Best-llgeld). Insernons ebadr für die gespaltene Zeile 10 Psg. Reklam n für die Zeile 25 Psg.
»Alles, mein junger Freund! Gehen Sie jetzt zu ihrem Voten, er wird eine gute Botschaft für Sie haben," eiwi- d rte Reinhard lächelnd, eilte dann aber schnell weiter, um Selma, die schon unruhig aus seine Rachlickten warten mußte, aus ihrer Ungewißheit zu befreien, und sie vorzubeniten auf die vollständige Umwandlung ihrer Verhältnisse.
Tos junge Mädchen blickte fragend in das Gesicht sei. nes Beschützers: cs hatte in ihch niemals einen so innigen, freudigen Ausdruck gesehen wie in diesem Augenblick.
„Sie bringen mir sicher eine freudige Nachricht, bester Oheim?"
Reinhard trat vor sie bin und ergriff ihre Hand. Weh. mütig und doch freudig sagte er:
„Selma, ich habe Dir Vieles mitzvteilen, vor Allem aber will ich Dein ainns Herzchen ous seiner Ungewißheit reißen: Du wirft glücklich werden mit William!"
„Auch das danke ich Ihnen, teuerster Oheim!" rief sie unter Freudenthränen. „Okne Sie wäre das gewiß nicht so leicht, so schnell ermöglicht worden. William hielt es voch gestern für unendlich schwer, ja fast unmöglich, die Einwilligung seines VatcrS zu erhalten. — So kommt mir denn alles Gute nur von Ihnen — O wie kann ich Ihnen jemals vergelten?!"
Auch Reinhard war weich geworden: war eS doch die letzte Stunde, die Selma bei ihm weilen sollte. Tiefbewegt sagte er:
„Ja, meine liebe Selma, die Stunde unserer Trennung hat nun geschlagen: wir muffen scheiten! Dich erwartet übrigens eine glänzende Zukunft und Du wirst meines Schutzes nicht mehr bedürfen."
Bestürzt sah sie auf Reinhard.
„Schon jetzt wollen Sie mich verlassen, bester, teuerster
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Deutsches Reich.
Berlin, 28. Dez. Dem Bundesräte gingen soeben vom Reichsversicherungsamte Anträge zu, wonach demnächst 87430 Betriebe mit 149 338 Arbeitern berufsgenossenschaftlich auf Grund des Ausdehnuiigsgesetzes vom 28. Mai 1885 organisiert sein werden. In Aussicht genommen sind eine Reichsgenossenschaft für die Speditions-, Speichere:- und Kellerei-Betriebe, eine Reichsgenossenschaft für die Mhrwerköbetriebe, eine westdeutsche Binnenschiffahrtsae- nossenschaft, eine Reichsgenossenschaft der Privatbahnen und eine Retchsgenossenschaft der Straßenbahnen. — Durch
*" April k. Zs. in Kraft tretende Gesetz vom 27. ^uli d. Zs. ist es insbesondere auch den Landge-
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- Nr. 2.
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Sie sah so bittend in seine Augen, daß er fühlte, er sei ihr wert, sehr weit — ihm selbst ward die Trennung za so schwer! — Er begann ihr nun zu erzählen, wie es sich zugetragen, daß er so schnell die Einwilligung des stolzen Freiherrn zu ihrer Verlobung erwirkt. Er erzäblte ihr natürlich nickt die Geschichte ihres Oheims und ihres Großvaters, sondern sagte ihr nur, daß er die vollgiltigstcn Beweise ihrer — Selmas — Herkunft vor Williams Vater hingelegt, die der alte Herr Spang ihm zur Geltendmachung der Rechte seiner Enkelin vor seinem Tode übergeben gehabt. Er habe seit dem Tode ihres Großvaters schon gewußt, daß sie eine Baronesse Blankenberg sei, daß ihre Mutter eine Schwester des jetzigen Freiherrn v. Rospangen, Williams Vaters, gewesen; nur war dieser damals verschollen und hatte sich verarmt, wahrscheinlich nach Amerika gewendet. Auch sie war arm und hätte von dem ihr rechtlich zu- tehcnden Titel und Namen keinerlei Vorteil haben können; o beschloß er denn, sie ferner und bis zur Auffindung hrer Verwandten Selma Spang bleiben zu lassen. Nun wußte er schon seit einiger Zett, daß Williams Vater ihr so lange vergeblich gesuchter Oheim, daß er durch seine Hei» rat in Amerika reich geworden sei, und beschloß nun, vor den Bruder ihrer Mutter hinzutreten und ihm das Schick, sal seiner Nichte ans Herz zu legen. Fand er den Freiherrn v. Rospangen freudig bereit, Selma in seinem Hause eine Heimat, in seiner Familie die ihrige zu geben, dann erst sollte sie ihren wahren berechtigten Namen wieder führen.
( Fortsetzung folgt.)
-Aren Sohn William .... - Beide haben gestern Abend den Bund der Herzen geschlossen."
. »William?!" rief betroffen der Freiherr. „Wußte er, daß sie seine Verwandte ist?"
.. -Nein, Herr v. Rospangen. Diese Papiere habe nur $ flehten, Niemand sonst kennt ihren Inhalt, selbst Ihre Nichte nicht — am wenigsten Ihr Sohn. — Ich handelte auch tu dieser Hinsicht nach dem Willen Ihres Herrn Vaters. Ich lege des jungen Mädchens Geschick nun in Ihre Hände; der Willen und der Wunsch des Sterbenden würde auch kt-ser gewesen sein, hätte er ahnen können, wie das Schick- ial seinen Lauf nehmen werde."
Herr v. Rospangen reichte Reinhard die Hand.
°anke Ihnen für solche Schonung," sagte er, ge- ruhrt von dem Edelmut des Vormunds seiner Nichte. „Ich habe diese Rücksichtnahme nicht verdient. — Bringen Sie mir Selma, ffe soll glücklich werden!"
werde Ihrer Nichte sagen, daß sie zu ihrem Oheim & & ? h-"e es nicht für nötig daß sie die Geschichte iE ÄCLer^re' mic Sie und ich dieselbe kennen," >agte Rcmhard sich verabschiedend.
Der Freiherr reichte ihm die Hand und blickte ihn dank- dar an. Die schonende Art und Weise, in der Reinhard »hm gegenüber getreten, hatten ihm die höchste Achtung vor dem Charakter dsijes Mannes, der solche Waffen gegen ihn
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d Blatts, sowie d Annoncen-Bnreaux von Haafenstein unkVogier in Frankfurt o. M , bastel, Magdeburg und Wien, Rudolf Moste in Fianlsurt ♦ a M., Berlin,Münchkn und Köln; G. L. Daube und
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Landwirtschaft neben der Erwerbung anderer Absatzgebiete vor allem erforderlich ist, der ohnehin schon drohenden Gefahr der lleberproduktioii vorzudeugeir. Fugleich aber ist die Vermeidung einer solchen die Voraussetzung für die Wirkung der Steuerreform nach der moralischen Seite, denn eS ist klar, daß dieser durch eine Preisherabsetzung dcö Spiritus infolge der Ueberproduktiou direkt entgegen- gewirkt wird. Schon aus diesem Grunde ist die jetzt vielfach vorgeschlagene Ersetzung der Maischraumsteuer durch eine hohe Fabrikatsteuer zur Erreichung der Ziele einer sachgemäßen Reform der Branntweinsteuer durchaus ungeeignet. Sie würde geradezu den Anreiz zur Vermehrung der Produktion durch Benutzung der zur Feit durch den Steuermodus beinahe ausgeschlosseneir Matcria- lieu, insbesondere der Rüben, geben, und zwar einer Produktion von qualitativ sehr niedriger Art, so daß nicht allein die wesentlich auf der vorzüglicheit Beschaffenheit des deutschen Sprits beruhende Exportfähigkeit desselben ernstlich gefährdet, sondern auch die Gefahr des Konsums sehr unreinen fuselhaltigen Branntweins erheblich verstärkt wird. Es hieße dies, abgesehen von den anderen schwerwiegenden Bedenken gegen eine Fabrikatsteuer in der erforderlichen Höhe nichts anderes, als eine Krisis der derzeitig technisch hoch entwickelten und für die Lairdwirtschast der ärmeren Gegenden Deutschlands geradezu unentbehrlichen Spiritusindustrie herbeisühren und zugleich die schädlichen Wirkungen des Branntweinkonsums durch Vermehrung schlechten Produkts noch steigern. Aber auch auf dem Wege einer Erhöhung der Maischraumsteuer ließen sich die angestrebten Ziele schwerlich erreichen. Nach den eingehenden Erörterungen eines der ersten Techniker auf dem Gebiete der Spiritusfabrikation würde schon eine Verdoppelung dieser Steuer die Konkurrenzfähigkeit der mit der Landwirtschaft verbundenen, auf Futtererzeugung mitgerechneten Brennereien mit den großen gewerbliche,: Fabriken ernstlich gefährden. Die Nachteile dieser Besteuerungsmethode, unter deren Herrschaft die Spiritusproduktion zu hoher Blüte gelangt und für die Landwirtschaft großer Landstriche von ausschlaggebender Bedeutung geworden ist, vor allem die Frage der Bemessung der Exportbonifikation, der Anreiz zur Defraude, das Uebergewicht der mit allen Vorteilen der neueren Technik arbeitenden Brennereien, sowie das Uebergewicht der Kartoffel über die übrigen Materialien würden sich ferner naturgemäß mit bereu Erhöhung steigern. Scheint daher die vorzugsweise bisher erörterte' Form der Spiritussteuer wenig geeignet, den Anforderungen zu genügen, welche an eine Reform dieser Steuer zu stellen sind, so liegt es auf der Hand, daß neue Methode,: der Besteuerung, vor allem also die Form des Monopols geeignet.
Obtim?!" rief sie aufs Höchste erregt. „Noch bin ich j, nicht einmal Williams Braut, geschweige seine Frau; und wenn ich es wäre, weshalb wollen Sie denn von un8 gehen? — O bleiben Sie bei uns und lassen Sie uns vereint versuchen, ob wir Ihnen vergelten können, was Sie für mich seit meines Großvaters Tode schon getfjan haben! — wie einsam müßten Sie sich fühlen, da Sie ja Niemand um sich sehen wollten als nur uns Beide « —
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