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Marburg, Sonnabend, 19. Dezember 1885.

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nicht geglaubt und sogar fortgefahren, englische Regimenter aus Egypten herauszuziehen. Und nun auf einmal Rüstungen über Rüstungen und andauernde Truppeu- seudungen nach der Grenze. Die Araber haben im Ver­laus der ganzen sudanesischen Wirren es vortrefflich ver­standen, ihre Gegner durch erdichtete Nachrichten zu täuschen und zum besten zu halten. So wird bekanntlich heute noch behauptet, Khartum sei lange schon vor Wolseleys Ankunft gefallen, die Katastrophe dem englischen General aber geschickt verheimlicht. Auch diesmal haben die Araber ihren Gegnern augenscheinlich Wind vorgemacht, um sie in Sicherheit zu wiegen und mit befferem Erfolge angreifen zu können. Von der früher gemeldeten Uneinigkeit zwischen ihnen ist nichts zu vermerken, denn dann hätte es nicht zum Angriff auf Egypten selbst kommen können, im Gegen­teil scheint der Tod des Mahdi den Fanatismus nur ver­stärkt zu haben. Daß es den Engländern gelingen wird, den arabischen Vorstoß abzuwehren, ist gar keine Frage, aber es ist auch ein neuer Sudanfeldzug nach Dongola zum mindesten notwendig, wenn man nur eine einigermaßen feste Stütze gegen die Sudanhorden haben will. Und auch dann werden diese Raubbanden nicht Ruhe halten, ihr Gewerbe ist der Krieg. England hat sich so mit feinem anfänglichen Zaudern in dem Sudan eine schwere Plage geschaffen, die es nicht so leicht los wird.

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gezeigt, daß die Araber nicht den Sudan für sich verlangen und die Egypter dort bekämpfen wollten, sondern daß sie nach dem Besitz des ganzen Nillandes trachten, die Herr­schaft über das- Note Meer gewinnen wollen. Da die Brüder Araber so undankbar waren, mußten die Engländer den Krieg doch aufnehmen, der ihnen einige 100 Millionen und einige Tausend Menschen bereits gekostet hat. Sie haben zwar stets gesiegt, aber ihre Siegen haben nie Resul­tate gehabt.

Der Aufstand der Araber wurde gefährlich, als vor zwei Jahren der englische General Hicks und seine egyp- tische Armee vou dem Mahdi und seinen Arabern in der Schlacht bei El Obeid vollständig vernichtet worden waren. Damals begannen die Sudanesen gegen Khartum, die Hauptstadt des Sudan, und gegen Suakin, die wichtige ägyptische Festung am Roten Meere, vorzudringeu. Bei Suakin wurde eine egyptische Expedition unter Baker Pascha von den Arabern unter Osman Digma vollständig geschlagen, die Suakin benachbarten Städte wurden ein­genommen, und da endlich schickte die englische Regierung eine Armee nach dort ab. In ungemein erbitterten Kämpfen wurden die Araber aus der nächsten Nähe von Suakin vertrieben, aber als die Briten den Rücken wandten, waren sie wieder da. General Gordon ging nach Khartum, und wurde dort von den Schwärmen des falschen Propheten eingeschloffen. Er bat dringend und immer dringender um Hilfe, allein in London rührte man sich nicht. Endlich, als selbst die Volksstimmung gegen Gladstone aufzutreten begann, besann er sich; General Wolseley zog mit einem Korps nach Khartum zu, und eine neue Expedition ging nach Suakin. Wolseley kam zu spät, seine Truppen wurden ungemein mitgenommen, und als noch der Mahdi mit seiner Truppenmacht vorzurücken begann, mußten die Eng­länder machen, daß sie nach Egypten zurückkamen. Der ganze Sudan wurde geräumt. Fast noch größeres Malheur hatte die neue Suakin-Expedition, die bei einem Ueberfalle durch die Araber mit genauer Not einer schweren Nieder­lage auswich. Die Eisenbahn Berber - Suakin, die man zu bauen begonnen, wurde bald wieder liegen gelassen, kurzum Menschen und Geld waren abermals unnütz ver­pulvert.

Die Araber hatten den ganzen Sudan; der Mahdi starb plötzlich an den Pocken, sein Nachfolger Abdullah sollte ermordet, zwischen den einzelnen Anführern Streitig­keiten ausgebrochen sein, und die ganze Bewegung im Sande verlaufen. So wurde von Kairo aus gemeldet und in London frohlockte man; war man nun diese lästige Geschichte doch los. Bald aber meldeten Privatberichte, daß sich nahe der egyptischen Grenze Araberhaufen zeigten und ganze Kolonnen aus dem Sudan nach Nordenalso aus Egypten vordrängen. In London wurde daran Gemüt, fein Herz zu p üfen, und William harieH Prü­fung mit Ehren bestanden. Er wußte, daß seine Liebe eine reine, ehrliche, innige sei, nicht einer rasch auflodernden und ebenso schnell verlöschenden sinnlichen Leidenschaft ver­gleichbar, wie vornehme und reiche Herren sie Sängerinnen Schauspielerinnen, Tänzerinnen gegenüber so gern zur Schau zu tragen geneigt sind.

Und auch Selma liebte; ja sie hätte William ihr ganzes Herz zu eigen gegeben und sie fühlte cS auch wohl selbst daß diese Liebe eine ganz andere war als jene, welche sie einst für Reinhard empfunden. Jetzt war es heiß und rasch über sie gekommen, plötzlich ganz ungeahnt, als sie ihm zum ersten Mal ins Auge g-schaut; sie war beglückt gewesen durch fein liebevolles Benehmen gegen sie, seine Aufmerk­samkeit für alle ihre Wünsche, das Interesse, welches er ihr widmete, und hatte nicht an den Unterschied zwischen ihm und ihr gedacht sie hatte ihn geliebt, hatte seine Gegen­liebe gewünscht und gehofft. - Jetzt sah st- ein, daß jene Liebe nur auf Täuschung beruht hatte, und sie war ihrem Oh.im" im Herzen dankbar daß er sie damals kurirt hatte.

Die als Termin bis zur Abreise bestimmte Woche war laust vergangen, ja selbst ein Monat verstrichen. Selma war außer in einigen Hoikonzerten, nicht mehr öffentlich ausgetreten. William brachte seine meisten Abende in dem Häuschen zu, welches Reinhard und Selma für die Dauer ihres Aufenthaltes in der Residenz gemietet hatten . ?a - eines Abends - überraschte Reinhard die Lie- °cnb'" E Ankündigung der nunmehr ernstlich bevor stehen­den Abreise, lieber die jungen Herzen warf dieses Wort einen eisigen Frostbauch. Scheiden Trennung sie 1 batten ganz vergessen, daß eine solche Stunde einmal kom­men müsse. ....

R-inhard hatte au demselben Abend noch einen wichtigen, unaufschiebbaren Gang abzumacheu und ersuchte William,

Heißer Sinn.

Roman von Theodor stuftet.

(Fortsetzung.)

Er pries sich glücklich und war stolz, daß er allein den Vorzug gehabt, von Selma empfangen worden zu fein, um fo mehr, als er wußte, wie sehr sich viele feiner Kameraden vergeblich bemühten, der Künstlerin persönlich ihren Weihrauch zu streuen. All diese Annäherungs - Versuche hatte Reinhard energisch zurückgewiesen.

William v. Rospangen war bald beinahe ein täglicher Besucher bei Selma und Reinhard geworden und zählte dte Stunden, die er dort znbrachte, zu den schönsten seines Lebens. Er liebte die junge, schöne Künstlerin, und Rein­hard wußte das. Er hatte die Liebe keimen und wachsen sehen, ohne ans Williams Munde je ein Wort darüber v-rnommen zu haben. Er that auch nicht das Geringste, um dieser Liebe za steuern, im Gegenteil schien es, als be- üiinstige er diese wie er überzeugt war auf Gegen­seitigkeit beruhende Neigung.

Aber der reiche Offizier mit dem alten, hochadeligen Jtamcn, und die zwar schöne, ober doch einfach bürgerliche, öffentlich auftretende Sängerin: wie paßten die Zwei zu­sammen?!

Reinhard v. Brunner hatte sich Aufklärung zu verschaffen gewußt über die Familienverhällnisse Williams; er hatte auch von dem Stolz und dem Ehrgeiz des alten Freiherrn gehört und doch duldete er die täglichen Besuche des jungen Mannes; er sah, wie die Herzensneigung zwischen den jungen Leuten von Tag zu Tag tiefere Wurzel schlug, «ub lächelte zufrieden, wenn er sah, wie Selma bei Williams Kommen errötete, wie sie wenn er zur gewohnten Stunde noch nicht erschienen, unruhig ward.......

Gr achtete den jungen Mann, den er näher kennen ge- lrrut hatte, wirklich hoch; er hatte Gelegenheit gehabt, sein

Mit dem 1. Januar beginnt ein neues Abonnement auf die in ihren 21. Jahrgang tretende Oberhessische Zeitung nebst deren Beiblätter

Amtliche Nachrichten für die Kreise Marburg u. Kirchhain und

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Abermals Krieg im Sudan.

Eben sind die Engländer mit ihrem gemütlichen und beinahe unblutigen Kriege gegen den König von Birma fertig, so erwartet sie schon ein neuer Tanz, bei dem es aber, nach den bisherigen Erfahrungen, weniger harmlos hergehen wird, als in Hinterindien. Gladstoneskluge" Politik für Egypten und den Sudan bringt wieder und wieder Zusammenstöße mit den Arabern hervor, und noch läßt sich gar nicht absehen, wann einmal die Sudan-Feld- züge ihr Ende erreichen werden. Der Expremier von Großbritannien und Irland betrachtete in seinen, manchmal geradezu naiven, idealen Anschauungen die Sudanesen als ein um ihre Freiheit kämpfendes Volk, dem das freie Eng­land keine Hindernisse in den Weg legen dürfe. Das war eine Thorheit, und die Ereignisse haben nur zu deutlich

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Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. Illustriertes Sountagsblatt

Expedition- Markt 21. Redaktion, Druck und Serina von Job. Aua. Snrfi

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Deutsches Reich.

Berlin, 17. Dez. Der Bundesrat nahm den Gesetz- Entwurf über die Rechtspflege in den deutschen Schutz­gebieten mit geringen Modifikationen an. Die Kom­mission des Reichstags für die Berufung beendigte gestern die zweite Lesung ihrer Beschlüsse mit lediglich redaktio­nellen Abänderungen und mit einem vom Abgeordneten Munckel beantragten Zusatze, demzufolge § 274 der Straf­prozeßordnung dahin abgeändert wird, daß gegen das Protokoll über die Hauptverhandlung nicht nur der Nach­weis der Fälschung, sondern auch derjenige der Unrichtig­keit zulässig ist. Der bereits erwähnte, von den Deutsch- freisinnigen im Reichstage eingebrachte Antrag, betreffend die Ausweisungen, hat folgenden Wortlaut:Der Reichs­tag wolle beschließen: zu erklären, daß die von der preu­ßischen Regierung verfügten Ausweisungen russischer und österreichischer Staatsangehöriger nach ihrem Umfange und ihrer Art durch das nationale Interesse nicht gerechtfertigt sind, humane Rücksichten außer Acht lassen und materielle Interessen von Reichsangehörigen beeinträchtigen." Der Abgeordnete Dr von Jazdzewski hat mit feinen politischen Genossen im Reichstage folgenden Antrag ein­gebracht: Der Reichstag wolle beschließen: Die verbün­deten Negierungen zu ersuchen, in Ausführung des Art. 4 Nr. 1 der Reichsverfassung, einen dahingehenden Gesetz­seiner Nichte dis zu seiner Rückkehr Gesellschaft zu leisten. Als er ging, da lächelte er zufrieden in sich hinein und murmelte:

Ich müßte kein Romanschreiber sein, wüßte ich nicht, was geschieht während ich abwesend bin!"

Seine Ueberraschung war denn auch vorzüglich geheuchelt, als dem Heimkehrenden William gestand, daß er Selma liebe und sie zu feiner Gemahlin zu machen sehnlichst wünsche, wenn auch fein Vater noch so sehr gegen diese Verbindung sich etwa sträuben sollte; er hoffe auf das Glück der Liebe.

Ihr Vater wird Ihnen niemals seine Einwilligung dazu geben,* antwortete Reinhard ernst;doch ich kenne ein Mittel, mit dessen Hilfe ich seine Zustimmung für Euch erlangen kann. Darum, William, sprechen Sie nicht mit Ihrem Vater, sondern überlassen Sie es ganz mir, denselben günstig für Eure Pläne zu stimmen.*

Wie könnten Sie das ermöglichen?!" fragte erstaunt der Offizier.

Vertrauen Sie mir und Ihrer Liebe, mein junger Freund, und lassen Sie mich sorgen; Selma wird Sie glücklich macken glauben Sie es mir!"

Gerührt legte Reinhard Beider Hände in einander und küßte väterlich Selmas Stirn.

Aber vor der Hand reifen wir nun doch noch nicht, lieber Oheim nicht wahr?" bat schmeichelnd das junge Mädchen.

Wir sind ja frei, Selma, und nichts drängt oder treibt uns fort vou hier," erwiderte Reinhard;und Dir gefällt eS doch wohl nirgends in der Welt fo gut tote hier?" fragte er neckend weiter. Liebkosend ließ er seine Hand über den Scheitel des lächelnden Mädchens gleiten, dos er, feit es erwachsen, heut zum ersten Male mitDu" angeredet hatte.

(Fortsetzung folgt.)

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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn-und Feiertagen. Quartal- Ubrnnements-Vreis bei der Expedition 2'/« -Ulf , bei

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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von Haafenstein undVogler in Frankfurt a. M , Cassel, Magdeburg und Wien, Rudolf Moste in Frankfurt a M., Berlin,München und

Köln; G. L. Daube und Ho. in Frankfurt o. SM., Berlin, Hannover u.PariS.

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