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Marburg, Dienstag, 15. Dezember 1885.
XX. Jahrgang.
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Reinhards Mutter konnte Ida nicht anders als mit Wanenumflorten Augen begegnen; fragend hingen Beider flicke immer aneinander und die stumme Antwort blieb M dieselbe — ein verneinendes Zeichen, daS Eingeständnis, ^>b ste Beide Nichts von ihm wußten. — h 3da reichte ihren Knaben der Großmutter hin und unter grünen lächelnd küßte diese den kleinen Krauskopf, ibn an ihr bekümmertes Herz drückend; wehmütig blickte « in sein rundes Gesichten und nickte stumm. Ja, eben- K war ihr Sohn auch gewesen al» Kind; damals war sie 7^ glücklichste Mutter — und nun?--Nun betete sie
« Gott, daß sie ihren Sohn nur einmal noch sehen, ein-
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die einen ein uinfangreiches Material liefern, die andern ein recht unvollständiges beibringen. Staatssekretär von Bötticher gab dies zu, erwiderte dem Abg. Dr. Baumbach auf dessen Wunsch, daß für das ganze Reich gleichlautende Bestimmungen über das Fabrikinspektorat erlassen werden möchten, indessen, daß dies nicht thunlich sei, da dies sich hier um eine Landesangclegcnheit handelt, für deren Uebertragung auf das Reich keine genügenden Gründe vorliegen. Gerade auf dem Gebiete des Gewerbebetriebes darf nicht mit allgemeinen Vorschriften und Schablonen gearbeitet werden, weil die Bedingungen der Arbeit höchst verschiedene sind; dafür führte der Minister sprechende Belege an. Daß möglichste Annäherung wünschenswert ist, versteht sich von selbst. In diesem Sinne ist das Reichsamt des Innern denn auch unausgesetzt thätig; zwischen Annäherung und absoluter Gleichmäßigkeit aber ist ein großer Unterschied. — Bei dem Titel: Hochsee-Fischerei (Forderung von 100000 Mk.) erhob sich kein sachlicher Widerspruch. Sehr bezeichnend war jedoch die Aeußerung des „deutsch - freisinnigen" Abgeordneten Witte - Rostock der, obgleich selbst ein eifriger Beförderer der Hochsee- Flscherei, erklärte, daß er in Zukunft gegen die Bewilligung des Postens stimmen würde, falls von Reichswegen die Unterstützung einer bestimmten Unternehmung auf diesem Gebiete versucht werden sollte. Rur zu allgemeinen Vorarbeiten will er etwas hergeben. Alles übrige soll Sache der Privaten sein. Wenn diese Privaten aber Reichsmittel nicht nötig haben, so ist das ja sehr angenehm; niemand wird ihnen das Geld aufdrängen wollen. So weit aber zu geheii, daß inan lieber auf die Hochseefischerei verzichten, als etwas aus öffentlichen Mitteln annehmen will, das bringt doch nur ein „Deutschsreisinniger" zu stände. — Aus der Erklärung, welche Staatssekretär v. Bötticher gestern in Sachen der für das Jghr 1888 geplanten nationalen Ausstellung in Berlin abgab, geht hervor, daß die deutsche Industrie zu einem sehr großen Teil diesem Unternehmen auch heute noch abgeneigt ist, vorzugsweise, wie es scheint, weil sie bemerkt haben will, daß die Ausstellungen in der Regel nicht den erwarteten Nutzen bringen. An Erfahrungen kann es in diesem Punkte nicht fehlen, da die letzten Jahre, abgesehen von einer unausgesetzten Aufeinanderfolge von internationalen Ausstellungen, auch eine große Anzahl von deutschen Landes- und Provinzial-Aus- stellungen gebracht haben. Es ist eben zu viel geschehen, und die Kosten hat nun der Gedanke einer ^deutsch - nationalen Ausstellung zu tragen, der an sich vollberechtigt erscheint und von den verbündeten Regierungen auch gar nicht abgelehnt wird, die aber freilich von der durchaus zutreffenden Anschauung ausgehen, daß es nicht geeignet sein würde, die Industrie zu einem Unternehmen künstlich an- zustacheln, dem sie keine innere Sympathie entgegenbringt. Daß diese Sympathie fehlt, ist zu bedauern. Ohne dem
„Ach, liebe Mama, daeaus ist leider Nichts geworden, aber sagen will ich es Dir trotzdem: wäre es Dir vielleicht unangenehm gewesen, hier im Hause Adele v. Soden zu begegnen ?*
Einen Augenblick sah die alte Dame bedenklich aus, dann aber sagte sie:
„Ihre Bekanntschaft würde jedenfalls ein großes Interesse für mich haben, obwohl ich bei ihrem Anblick fürchten muß, ein Gefühl vielleicht ungerechtfertigten Grolls nicht unterdrücken zu können, denn sie war es ja doch, welche Euer schönes Gluck für immer gestört hat."
„Aber doch ganz unschuldig und ohne eine Ahnung der wirklichen Verhältnisse zu haben, beste Mama!" warf Ida bewegt ein. „Sie ist so gut, so schön, daß auch Du Reinhards Verirrung begreifen lernen würdest. — Wir Beide sind gute Freundinnen geworden; cs war ja auch nicht aut anders möglich, da wir Beide — ihn lieben! — Ja, Mamachen, wir mußten uns entweder lieben oder hassen — ein Mittelding gabs nicht, gleichgiltig konnten wir uns nicht gegenuberstehen, um so weniger, als wir Pensions Freundtnen sind. Warum aber sollte ich sie — die gänzlich Schuldlose — hassen? — Ich hätte mit dem besten Willen dafür keinen Grund finden können."
„Wie gut, wie großherzig Du bist, Ida!" rief Frau von Brunner gerührt- „Ich begreife Dich und — begreife Dich auch wieder nicht. Nicht jede — kaum eine unter hundert Frauen würden handeln wie Du! — Aber liebt sie ihn denn noch?"
Ida schwieg einen Moment, dann erwiederte sie leise:
„Wenn ich ihn nicht zu vergessen vermag, darf ich das denn von ihr verlangen, die er weit mehr geliebt als mich?" '
„Aber Du hast ein Recht auf ihn und seine Liebe und ÄÄ"4* Hc6ett' ltit sie die Bande kennt, die Euch vereinen. ^Fortsetzung folgt.)
AuSstelluugswesen an sich die Bedeutung beizumeffen die ihm von anderer Seite noch immer zugeschrieben wird, müßten wir gerade die Bethätigung der gesamtdeutschen Leistungsfähigkeit höher anschiagen, als die Bruchstücke derselben, die uns in Landes- und Provinzialausstellungen entgegentreten. — Das zu Ehren Adolf Menzels von den Studierenden der Kunstakademie veranstaltete Festspiel, wozu Ernst v. Wildenbruch den Prolog gedichtet hatte, fand heute in Gegenwart Menzels unter der Teilnahme der Koryphäen der Kunst und Wissenschaft statt. Mehr als 2000 Personen waren in den im Rokkokostil prachtvoll dekorierten Räumen der Philharmonie versammelt. Das kronprinz- liche Paar, Prinz Wilhelm mit Gemahlin, Prinzessin Viktoria, Prinzessin Sophie und der Erbprinz von Meiningen mit Gemahlin waren anwesend und verweilten bis zum Schluffe des Festspiels, welches das Aufziehen der Schloßwache, das Erscheinen des Hofstaates, einen Rokkoko- festzug, den Eintritt Friedrichs des Großen, den Auszug der tartarisch - türkischen Gesandtschaft mit Huldigung, die Erwiderung des Königs, sowie ein Hoffest zu kunstvollendeter Darstellung brachte. Hierauf folgte ein Ball nebst Weih- nachtsbescheerung für die Professoren, Tombola rc.
Düsseldorf, 12. Dez. Zu dem von dem „Düsseld. Anz." verbreiteten sensationellen Bericht über eine Rede des Generals von See bemerkt die „Rheinisch-Westf.-Ztg." unserer unmaßgeblichen Meinung nach sehr vernünftig: „Unseres Erachtens ist der General gänzlich falsch verstanden worden. Es liegt glücklicherweise nicht in der Ge- wohnheit deutscher Offiziere, in der Oeffentlickkeit hochpolitische Aeußerungen zu thun, zumal eine solche Aeußerung, zu der die gegenwärtige Situation auchnichtden gering st en Anlaß bietet. Wahrscheinlich hat Herr v. Los sich folgendermaßen ausgedrückt: „Die Rheinländer und Westfalen werden auch in Zukunft diese Waffenbrüderschaft bethätigen, wenn, was über kurz oder lang eintreten kann, wieder gegen den Feind marschiert werden muß " Diese Worte würden nur der alten preußischen Devise- „toujours en vedette“ (immer wachsam!) entsprechen.
Nordhnnsen, 12. Dez. In dem Diätenprozesfe gegen den Reichstagsabgeordneten Lerche legte der Fiskus gegen das abweisende Urteil des Landgerichts Berufung em. Der Termin wurde nach Naumburg auf den 13. Februar anberaumt.
mal noch umarmen möge, bevor sie schied von dieser Erde.
^hr Mutterherz litt so schwer, seit sie ihn in ungekannter Ferne wußte, allein mit seinem heißen, liebebedürftigcn Herzen. — Eine lange Zeit — unendlich lang für die beehrte Dame — war bereits vergangen, während deren sie von Tag zu Tag vergeblich auf ein Lebenszeichen von ihrem Reinhard gehofft hatte.
Frau v. Brunner war sehr beliebt in der Familie Recklin- gen und ein Jeder suchte ihr dort nach Kräften den Aufenthalt angenehm zu machen. Auch jetzt drückte der Hausherr herzlich die feine, kleine Hand und hieß die Schwiegermutter seiner Tochter willkommen.
. „Hoffentlich bleiben Sie diesmal recht lange bei uns * JflBte wirklich und aufrichtig und liebevoll Frau von Reckungen, die Besucherin umarmend.
Ida ging dann mit der alten Dame auf deren bereit« stehendes, lauschiges und angenehm erwärmtes Zimmer und war ihr wie eine liebende Tochter in Allem behilflich.
„Du siehst recht wohl aus, liebe Ida, und es freut mich das >ehr," bemerkte Frau v. Brunner, indem sie sich ihrer winterlichen Umhüllungen erledigte. „Ich weiß recht gut, daß Du ihn nicht vergessen hast; aber Du ttägst Dein unverdientes Unglück mit wirklich bewundernswerter Seelengröße !"
Sie setzte sich in einen bequemen Fauteuil zu Seite des großen Kachelofens und Ida auf ein Tabouret zu ihren Fußen.
. ®rnnn«8„$anb ölitt zärtlich streichelnd über
de» Scheitel der verlassenen jungen Frau.
„ „Du kündigtest mir in Deinem letzten Brief eine große Ueberraschung hier an, liebes Kind," sagte sie zärtlich. „Sag mir doch, Ida, worin dieselbe bestehen soll: so alte Leute wie ich können derartige Ueberraschungen unvorbereitet oft nicht gut »ertragen."
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(Srbebitton: Markt 21. — Redaktion. Druck und Rerlaa »an Rnb Wnn »n*
Ausland.
12. Dez. Die „Polit. Korr." meldet aus Belgrad, 11. Dezbr.: Der Minister des Aeußern richtete neuerdings eine Note an die Großmächte, in welcher er M Regelung der streitigen Frage die Entsendung einer internationalen Militärkommission vor schlägt, um eine Situation zu beendigen, welche die Wiedereröffnung der Feindseligkeiten zur Folge haben müßte; der Minister bittet
„So schlimm war es doch wohl nicht," meinte Frau v. bedüngen, und da eben ein Wagen vorfuhr, trat ste ans Fenster, um die Ankommenden zu sehen. „Ah, Alexander, i1inir«| 3das Schwiegermama kommt trotz Schnee und Kälte! — UIU*J Die arme Frau, ste sieht recht gealtert aus! Ste trauert __^»ch immer um den Sohn, den sie — glaube ich — für tihnai m und eigentlich ist das auch meine Ansicht, Alexander. , ’lTi Wenn man nur Beweise dafür hätte, dann wäre Iva doch sttne Wittwe und nicht eine verlassene Frau!" sagte sie trnst und bitter.
bring'! „Wäre Reinhard wirklich tot, Lieschen, so wüßten wir ller J er, er hätte dann jedenfalls Veranstaltungen getroffen, daß rartist ‘eine Mutter Kenmnis erhalten muß, und durch sie dann °«ch wir. So ohne Sang und Klang stirbt heutzutage Niemand, ohne daß feine Angehörigen davon erfahren, selbst «enn er von diesen auch noch so entfernt lebt," erwiderte Herr v. Recklingen und ging mit seiner Frau hinaus, um »te Augkkommene zu begrüßen, welche von Ida bereits em- bfanqeu worden war.
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Deutsches Reich.
Berlin, 12. Dez. Der Kaiser empfing mittags in ftierstcher Audienz den türkischen Botschafter Tewfik, welcher später auch von der Kaiserin empfangen worden ist. Morgen empfängt der Kaiser den Erzbischof Krementz, der heute vom Kronprinzen empfangen worden ist. — Wie der „Hamb. Korresp." erfährt, bestand seitens der deutschen Fürsten der Plan, dem Kaiser zu seinem 25jährigen Regierungsjubiläum als König von Preußen in feierlicher Weise zu gratulieren. Er mußte aufgegeben werden, nachdem der Kaiser seine Beteiligung an jeder offiziellen Feier seitens der Bevölkerung versagt hatte. — Wegen der beim Regierungsjubelfest des Kaisers zu haltenden kirchlichen Dankgebete hat sich der Minister der geistlichen Angelegenheiten mit dem evangelischen Oberkirchenrat, den Bischöfen und den bischöflichen Behörden in Verbindung gesetzt. — Der „Times" wird aus Madrid gemeldet, daß nach den Begräbnisfeierlichkeiten in Madrid der Bruder des Königs von Portugal, Prinz August, nach Berlin reisen werde, um für den Herzog Karl von Braganza, den Kronprinzen von Portugal, um die Hand der zweiten Tochter des Kronprinzen, Prinzessin Viktoria (geb. 12. April 1866) anzuhalten. Der portugiesische Kronprinz ist im September 1863 geboren. — Die Vorlage über den Bau des Nord-Ostsee-Kanals ist dem Reichstage heute zugegangen. Ihr Inhalt ist im wesentlichen schon bekannt. ZI lautet: Es wird ein für die Benutzung durch die deutsche Kriegsflotte geeigneter Seeschiffahrtskanal von der Elbemündung über Rendsburg nach der Kieler Bucht unter der Voraussetzung hergestellt, daß Preußen zu den auf Mark 156000000 veranschlagten Gesamtherstellungskvften desselben den Betrag von Mark 50000000 im Voraus gewährt. § 2. Der Reichskanzler wird ermächtigt, die Mittel zur Deckung der vom Reich zu bestreitenden Kosten bis zum Betrage von Mark 106000000 im Wege des Kredits zu beschaffen und zu diesem Zwecke eine verzinsliche, nach den Bestimmungen des Gesetzes vom 19. Juni 1868 zu verwaltende Anleihe aufzunehmen und Schatzanweisungen auszugeben. § 3. Von den nicht zur kaiserlichen Marine gehörigen Schiffen, welche den Kanal benutzen, ist eine entsprechende Abgabe nach einem vom Kaiser im Einvernehmen mit dem Bundesrat festzustellenden Tarif zu entrichten. § 4. Die vom Reich auf Grund dieses Gesetzes alljährlich zu verwendenden Beträge sind iu den Reichshaushalts - Etats des betreffenden Jahres aufzunehmen. — Die Budgetkommission des Reichstags genehmigte einstimmig 7 Mill. Mk. zur Kompletieruug des Waffenmaterials. — Gestern ist im Reichstage u. a. auch die Einrichtung der Fabrikinspektoren zur Sprache gekommen, wobei verschiedene Mißstände derselben erörtert wurden, so die auch erwähnte Thatsache, daß die Berichte der Inspektoren sehr ungleichmäßig gearbeitet sind, indem
Heißer Sinn.
Roman von Theodor Küster.
(Fortsetzung.)