S.i»nnt!ü«Iich oufier an , nadj Soun-un» A.iertageu. - Quartal- ^o»nemeuts-P«'-dri der Äxt-on 3‘/. " k . bei ^Postämter 2 Mk. 50 £ («td. Bestellgeld),
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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b- Blattes, sowie dUnnvncen-B ureaux vonHaafenstein undBoqler in Feantfurt a. M, 6affd, Magdeburg unb Wien, Rudolf Messe in Franksnrt ♦ a M, Beriin,Münchenunb «Bin; G. L. Daube »nb öo. in Frankfurt a. M-, Berlin, Hannover u. Poris
svnlazaretts zu Thorn und zur Beschaffung von dreißig Feldbackvfen die geforderten Beträge; lehnte dagegen die Forderungen für den Kasernenbau in Minden, den Bau eines Landwehrdienstgebändes in Reuß, sowie den Bau einer Kavatleriekaserne in Darmstadt ab. Ter Kriegsminister trat für den letzten Posten auf das lebbafteste ein, die Mehr- heil der Kommission machte aber geltend daß die mit Herstellung einer neuen Kaserne in Darmstadt beabsichtigte Aufhebung der Garnisonen in Butzbach und Babenhausen große wirtschaftliche Nachteile für diese Städte herbeiführen werde. — Die Kommifsion des Reichstags für die sozialistischen Anträge nahm den Antrag des Abg. v. Herling, die einzelnen Materien gesondert zu behandeln, an. Zunächst würbe der Titel über die Organisation des Reichsarbeitsamtes zur Diskussion gestellt. Im Verlaufe der Debatte erklärte Staatssekretär v. Bötticher, die Fertigstellung der Enquete über die Sonntagsruhe werde erst zu Ende des Jahres niöglich sein und dann werde die Enquete dem Bundesrate zugehen; die Enquete über die Frauenarbeit werde jetzt bearbeitet; die Zusammenstellung der gesetzlichen Bestimmungen in den einzelnen Bundesstaaten über die Sonntagsarbeit und über die Sonntagsruhe befinde sich im Drucke und werde in den nächsten Tägen verteilt werden. — Die „Rordd. Allg. Ztg." ist aus bester Quelle ermächtigt, die Nachricht der „Germania", daß Papst Leo von der Behandlung der deutschen Missionsfrage durch die deutsche Regierung schmerzlich betroffen und daß der offiziellen Dei- lretung Preußens in Rom deshalb schon das Bedauern des päpstlichen Stuhles ausgesprochen worden sei, als Erfindung der „Germania" zu bezeichnen. Die ganze Diskussion über die Missionsfrage sei in Rom spurlos vorübergegangen , dieselbe habe weder im Vatikan, noch außerhalb desselben Besprechung oder Beachtung gefunden. — Die Nachricht, daß die Schulamtskandidaten künftig mit den Ersatzreservisten zugleich zu einer zehnwöchentlichcn Uebung eingezogen werden sollten, weil die sechswöchent- liche Dienstzeit eine ungenügende war, ist der „Kreuzztg." zufolge verfrüht, da über diese Frage rioch Verhandlungen zwischen dem Kriegs-Ministerium und dem Knltus-Mini- steriuni schweben. — Der Tischler Schunicht ist wegen der von ihm offen eingesiandeneir Ermordung der Frarr Johanne Weber vom Schwurgerichte zum Tode verurteilt worden.
— Das Pensionsgesetz für die Zivil-Beamten des Reichs lautet nach den vorgestern gefaßten Beschlüssen dritter Lesung folgendermaßen: Artikel 1. Hinter § 34 des Reichsbeamtengesetzes vom 31. März 1879 wird
Derrtjches Reich.
Berlin, 11. Dez. Dem Vernehmen der „B. P gt." nach hat die Zuckersteuernovelle die Genehmigung Sr. Majestät des Kaisers bereits erhalten und dürfte somit alsbalv im Bundesrate eingebracht werden. — In der gestern unter dem Vorsitz des Staatsminisiers, Staatssekretärs des Innern, von Bötticher, abgehaltenen Plenarsitzung des Bundesrats wurde zunächst über die geschäftliche Behandlung mehrerer Vorlagen Beschluß gefaßt. Der zu Berlin am 30. Januar 1885 unterzeichnete Handelsund Schiffahrtsvertrag mit der dominikanischen Republik wurde dem Ausschuß für Handel und Verkehr, der Entwurf eines Gesetzes über die Bürgschaft des Reichs für die Zinsen ec. einer egyptischen Staatsanleihe dem Ausschuß für Rechnungswesen und dem Ausschuß für Justizwesen, die Vorlage, bett, die Abänderung der Prnfungsvvrschriftcn für Zahnärzte, Tierärzte und Apotheker dem Ausschuß für Handel und Verkehr und der Gesetzentwurf über die Besteuerung des Zuckers den Ausschüssen für Zoll und Steuerwesen, für Handel und Verkehr und für Rechnungswesen überwiesen. Hierauf wurde in die Beratung des Entwurfs eines Gesetzes über die Herstellung des Nord- ostseckanals eingetreten und beschlossen, demselben die Zustimmung zu erteilen. Von der Denkschrift über die deutschen Schutzgebiete und der Uebersicht über den Stand der Bauausführungen und der Beschaffung von Betriebsmitteln für die Eisenbahnen in Elsaß - Lothringen nahm die Versammlung Kenntnis, genehmigte die Berechnung der nach dem Entwnrse des Reichshaushalts - Etats für 1886 87 zur Deckung der Gesamtausgaben aufzubringenden Matri- kularbeiträge und erklärte sich mit der durch den königlich preußischen Herrn Kriegsminister bewirkten ander- weiten Aufstellung des Koslenuberschlages zu den Motiven des Kascrniernngsplans einverstanden. Rach der Erledigung von Eingaben über die Zollbehandlung verschiedener Gegenstände wurde noch in Gemäßheit des § 3 des Gesetzes vom 16. Juli v. Zs. über die Form des Stempelzeichens zur Bezeichnung des Feingehalts der Gold- und Silberwaren Bestimmung getroffen. — Die Budgetkvmmission bewilligte für Kasernenbauten in Münster, Kölnr und Karlsruhe, sowie für die Erweiterung des Barackenlagers in Lochstädt, die Reuanlegnug von Schießständen in Mainz, zur Bestreitung der Kosten von Schießstandsanlagen anläßlich der Einführung weittragender Handfeuerwaffen, zur Verbesserung der Trinkwasser - Verhältnisse bei militärfiskalischen Gebäuden, ferner zu der Erweiterung des Garni-
folgcnder neue § 34a eingestellt: Bei denjenigen aus dem Dienste scheibenden Beamten, welche das fünfundsechzigste Lebensjahr vollendet haben, ist eingetretene Dienstunfähigkeit nicht Vorbedingung bes Anspruchs auf Pension Artikel 2. An die Stelle beb § 41 Absatz 1 bis 3 und des § 48 Absatz 1 des Reichsbeamtengesetzes treten folgende Vorschriften: $ 41. Die Pension beträgt, wenn die Versetzung in den Ruhestanb nach vollendetem zehnten, jedoch vor vollendeten: elften Dienstjahre eintritt, 15/so und steigt von da ab mit jedem weiter zurückgelegten Dienstjahre um ’./eo des in den §§ 42 bis 44 bestimmten Dienst- einkvmmens. lieber den Betrag von 451 so dieses Einkommens hinaus finde: eine Steigerung nicht statt. In deni im § 36 erwähnten Falle beträgt die Pension 14/«o im Falle des 8 89 höchstens is/«o des vorbezeichneten Diensteinkommens. 8 48. Die Dienstzeit, welche vor den Beginn des einundzwanzigsten Lebensjahres fällt, bleibt außer Berechnung. Artikel 3. Hinter § 60 des Reichsbeamtengesetzes wird folgender neue § 60a eingestellt: Sucht ein Beamter welcher das fünfundsechzigste Lebensjahr vollendet hat, seine Versetzung in den Ruhestand nicht nach, so kann diese nach Anhörung des Beamten unter Beobachtung der Vorschriften der §§ 53 ff. in der nämlichen Weise verfügt werden, wie wenn der Beamte seine Pensionierung selbst beantragt hatte. Artikel 4. Den Beamten, welche in der Zeit vom 1. April 1882 bis zum Inkrafttreten dieses Gesetzes in den Ruhestand eingetreten sind, wird die Pension, den Witwen und Waisen, welche innerhalb dieses Zeitraumes den Anspruch auf Witwen- und Waisengeld vom 1. April 1886 nach Maßgabe des Artikels 2 dieses Gesetzes erhöht. Artikel 5. Ist die nach Maßgabe dieses Gesetzes bemessene Pension geringer als die Pension, welche dem Beamten hätte gewährt werden müssen, wenn er am Tage vor dem Inkrafttreten dieses Gesetzes nach den bis dahin für ihn geltenden Bestimmungen pensioniert worden wäre, so wird diese letztere Pension an Stelle der ersteren bewilligt. Artikel 6. Dieses Gesetz tritt mit dem Tage seiner Verkündigung in Kraft. Artikel 7. Dieses Gesetz findet auf die Diitgtieber des Reichsgerichts keine Anwendung.
— Die nationallliberale Fraktion des Reichstags hat in ihrer letzten Sitzung beschlossen, den Antrag auf fünfjährige Legislaturperiode anzunehmen. — Es hat sich jetzt herausge- stellt, daß die Nationalliberalen bei den Landtagswahlen nicht ein einziges Mandat gewonnen und nur ihren früheren Bestand behauptet haben. Nach der neuen Fraktionsliste hat sich der frühere nationalliberale Abgeordnete Rade-
Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.
Expedition Markt 21. — Redaktion, Druck und Berlag non Joh. Ang. Koch.
Heißer Sinn.
Roman von Theodor Küster.
(Fortsetzung.)
„Du bist wirklich eine brave kleine Frau, Ido, und es macht mich glücklich, daß Du so und nicht anders denkst: Du hättest veidleut, redji glücklich zu werben!" —
„Ich bin zufrieden, Papa; wenn ich nur wützte ob auch er glücklich und zusrieoen ist.....— Ich glaube es
aber nicht — und dies allein bedruckt schwer mein Herz. Ich habe meinen lieben, herzlichen Knaben, aber er — was Md wen hat er?* —
„Hat er es denn nicht so gewollt, Ida? — Hast Du ihn denn fortgetrieben? — Was auch immer zwischen Euch Beile getreten fein mag, soviel glaube ich fest: Du bist rein und ohne jeden Vorwurf! —Vielleicht hanbelt es sich nur um ein Mißverständnis, wie dergleichen in einer jungen Ehe st so leicht vorkommen.....*—
„3< lieber Papa,* unterbrach sie ihn, „ein Mißverständnis spist dabei allerdings die Hauptrolle; so leicht jedoch, wie Du gi glauben scheinst, läßt sich das nicht gut machen.*
Ida Ifltte sehr ernst gesprochen und wandte sich jetzt, das Zimmr zu verlassen, um dies Gespräch zu enden. Ihr Vater blicke ihr kopfschüttelnd nach und murmelte vor sich hin:
„Was es mr eigentlich sein mag?! — Sie ist in diesem Punkte verschviegen wie ein Grab, trotzdem es am Ende besser wäre, st zeigte sich offen gegen uns; die Sache könnte daun leichter h Ordnung gebracht werden. — Eines wirklichen Vergehens halte ich Brunner gar nicht fähig; es muß irgend ein Vorko,arnis im Spiele sein, wie es in jeder Ehe mehr oder wniger, früher oder später vorzukommen pflegt, aber eine gc»z junge Frau, die noch im Streit mit ihren Idealen liegt, >jcht verstimmen und Aergernis zwischen beiden erregen kann. - So junge Leutchen,* schloß er fein lächelnd, „kennen das uch nicht — nehmen derlei gleich zu ttagiich.....*
Ja diesem Augenblick rQt Frau v. Recklingen ein und unterbrach das Sclbstgesprch ihres Gemahls.
„Eben hat die Paketpost «och eine Kiste mit Büchern gebracht; hast Du sie bestellt, Alexander, und find sie noch
für den Weihnachtstisch bestimmt, oder nur für Deine persönliche Benutzung?" f agte die Gutsherrin.
„Na, wie Dus nehmen willst, liebe Elise,* erwiderte Idas Vater; „bestellt habe ich sie, natürlich, aber wir können gemeinschaftlich sehen, was bte Kiste enthält, und ist Etwas dabei, was Dich besonders anspricht — nun so nimm» Du Dirs einfach und denkst, ich hält es Dir unter den Baum gelegt.*
Herr v. Recklingen drückte auf die Tischglocke.
„Bring bte Kiste herein, Gottfried,* sagte er zu dem eintretenden Livreediener, „die mit der Pou angekommen ist, und Hammer und Zange zum Oeffnen.* —
„Es freut mich, Lieschen,* fuhr der Gutsherr fort, nachdem der Diener sich entfernt, „daß diese Sendung noch rechtzeitig eingetroffen ist.*
„So — und nun laß sehen, was sie enthält.*
Herr v. Recklingen entnahm der Emballage eine ziemliche Anzahl Bucher. Auf dem Gute liebte man die Lektüre und die Bibliothek des Hauses ward immer aufs Neue bereichert.
„Hier sind neue Romane, Lieschen,* sagte Herr v. Recklingen; „unter andern auch von Eurem Lieblingsschriftsteller — von Franz Fontaine.*
Er reichte seiner Frau mehrere elegant eingebundene Bücher.
„Wohl für Ida bestimmt?* fragte sie, „beim sie ist es namentlich, die für diesen Romanschriftsteller schwärmt. Ich weiß nicht, ich verstehe ihn nicht recht: Alles ist bei ihm so glühend gefühlt und geschildert, und Menschen, wie er sie vor führt, giebt es, glaube ich, nicht, wenigstens dürften sie doch zu den größten Ausnahmen gehören. Wenn Viele so empfinden wie er, dann wäre die Weltordnung auf den, Kopf gestellt!* —
Herr v. Recklingen lächelte und erwiderte:
„Wir hier, in unserer ländlichen Abgeschloffenheit, hören und sehen wenig von der großen Welt, namentlich von der wirklichen Welt, und es ist ein Glück, Lieschen, daß wir hier nicht so heiße Naturen haben. Aber draußen in der großen Welt — da geht es recht toll zu, glaub mirs Kind, und ich bin fest überzeugt, daß Fontaines Gestalten nicht Phantasiegebilve sind, sondern nach der Natur gezeichnete
Eharaklere, aus dem wirtlichen Leben gegriffen. Dergleichen Persönlichkeiten erdenkt sich so leist kein Dichter: seine Gebilde würden sonst an dem größten Vorwurf leiben, dm man ihnen machen könnte, an der Unwahrscheinlichkeit.*
„Ida ist ganz schwermüiig, wenn sie etwas von Fontaine gelesen hat, und ich sähe es weit lieber, wenn sie eine leichtere Lektüre wühlte. Und dazu hegt sie eine wahre krankhafte Schwärmerei für den Dichter selbst; mit Jedem spricht sie über ihn, wo er lebt, ob er alt ober jung ist, und Niemand vermag ihr Auskunft zu geben, was ich noch für ein Glück ansehe, denn ich glaube sie wäre sonst wirklich im Stande, an den Mann zu schreiben und ihm zu sagen, wie sehr sie ihn verehre,* bemerkte Frau v. Recklingen.
„Nun, ein Unglück wäre jdas ja nicht, Lieschen!* erwiderte lächelnd der Gutsherr. „Dergleichen ist schon sehr oft vorgekommen und es wird auch in Zukunft der Fall fein, daß Damen — namentlich junge Damen — sich ganz besonders für augenblicklich beliebte Künstler intercffiien und selbst so weit gehen, solchen Herren schriftlich ihre Bewunderung auszubrücken. Daraus entsteht mitunter ein jahrelanger Briefwechsel unb eine — wie soll ich sagen? — geistige Liebschaft, und wenn sie sich bann einmal von Angesicht zu Angesicht sehen, bann sind sie — die Damen nämlich, oft auch die Herren! — in der Regel von ihren Illusionen abgekommen.....— Solch ideale Verhält
nisse sind harmlos, liebes Kind, und ganz ungefährlich; gefährlich können fie nur dann werden, wenn sie Ang in Auge entstehen! Die junge Damenwelt pflegt ihre Dichter, die sie nicht persönlich kennt, mit den edelsten Zügen und Formen zu schmücken, mit langwallendem, lockigem Haar, schwärmerischen Augen — und schließlich zeigt die Wirklichkeit, daß der Betreffende dem geschaffenen Ideal in keiner Weise entspricht. — Es ist auch recht gut so, denn wenn alle Dichter solch ideale Gestalten wären, dann könnten sie sich der Frauenliebe gar nicht erwehren. Das lehren ja auch schon die Beispiele einiger wirklich idealer Dichtergestalten, zu deren Lebzeiten ja kein Mann mehr seiner Frau sicher war: ich erinnere Dich an unseren Altmeister Goethe — und auch Schillers Leben hat derartige Fälle auszuweisen.^
(Fortsetzung folgt.)