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Marburg, Freitag, 27. November 1885.

XX. Johrgailg.

grfieint tüzlich außer an zg^ktagen nach Sonn-und Feiertagen. - Quartal- «bonnements-Vrel- bei der «rvedit on 2'/« . bei

ben Postämter 2 Mk. 50 Pfg. (ejcl- Bestellgeld). Fnlertionsgebabr für die gespaltene Zeile 10 Ptg. «ellam n für die Zeile 25 Pfg.

ObklhHschc jcitnnii

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d Sllaites, sowie d.Annoncen-Bureaux von Haaienstein undVoaler in Frankfurt o. M-, Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Messe in Frankfurt a M, Berlin,Manchenund Köln; G. L. Daube und >'o. in Frankfurt a. M, Berlin, Hannover u.Paris.

Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger s. 6. Kreise Marburg n. Kirchhain. - Illustriertes Tonntagsblatt.

Expedition! Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

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Ans Spanien

melden heute morgen eingetroffene Telegramme nicht nur die Erkrankung des Königs Alfons, soudern auch dessen Tod. König Alfons Lll. war geboren am 28. November 1857, Sohn der Königin Isabella und des Königs Franz d'Assisi, wurde nach der Flucht seiner Mutter aus Spanien 1868 in Wien und England erzogen und nach dem Ver­zicht derselben auf den Thron (1870) im Dezember 1874 von einem Teil des Heeres zum König ausgerusen, landete 9. Januar 1875 in Barcelona und hielt 14. Januar seinen Einzug in Madrid. Februar 1876 leitete er die letzten Kriegsoperationen gegen Don Karlos. Alfons vermählte sich am 23. Januar 1873 mit Maria de las Mercredes, der dritten Tochter des Herzogs von Mont- pensier, die aber schon im Juni starb. Zum zweitenmal vermählte sich der König am 29. November 1879 mit der Erzherzogin Maria Christina von Oestereich; aus dieser Ehe stammen zwei Töchter. Im Jahre 1883 be­suchte Alfons den deutschen Kaiser, welcher ihn zum Chef eines Ulanen-Regiments ernannte. König Alfons kränkelte viel, und wiederholt sprach man davon, daß er nicht lange leben werde. Sein Tod ist daher niemanden unerwartet gekommen.

Die bezüglichen Telegramme sind folgende:

Madrid, 24. Nov., abends. Der König ist heute morgen unter diphcheritisartigen Erscheinungen erkrankt. Die Mitglieder der königlichen Familie, die Minister und Aerzte begaben sich nach el-Pardo (dem königlichen Lust­schlosse bei Madrid. Die Red.) Oeffentliche Fürbitten wurden angeordnet. Nach den letzten Depeschen ist eine merkliche Besserung eingetreten. Gegenwärtig findet ein Ministerrat statt. Marschall Martinez - Campos hat sich nach el-Pardo begeben.

Madrid, 24. Nov. Der Zustand des Königs, welcher sich gestern morgen verschlimmerte, hat sich abends elivas gebessert.

Madrid, 25. Nov., früh. Nachrichten aus El-Pardo zufolge war gestern nachmittag um 3 und um 6V2 Uhr der Zustand des Königs ein wenig besser.

Madrid, 25. Nov., morgens. Das eben erschienene offizielle Bulletin lautet: Der Zustand des Königs ist be­ruhigend, kein neuer Diphtheritis-Anfall hat sich eingestellt.

Madrid, 25. Nov. Die gesamte Garnison ist in den Kasernen konsigniert. Die Minister begaben sich nach El-Pardo, ausgenommen Canovas del Castillo und der Kriegsminister, welche in Madrid blieben.

London, 25. Nov. Ein heute nachmit­tag dem Auswärtigen Amte aus Madrid zu­gegangenes Telegramm meldet, König Alfons ist heute morgen 9 Uhr an durch Dystenterie beschleunigter Schwindsucht gestorben.

.Aorsiebenbes würbe durch Extrablait bereits heute morgen mitgeteilt.

Deutsches Reich.

Berlin, 25 N o Fürst Bismarck ist heute nach­mittags hier wieder eingetrvsien. Wie dieSchles. Ztg." hört, wird der Deutsche Kriegerbuud, die bedeu­tendste Kriegervereinigung im Deutschen Reiche, die mehr als 200000 Mitglieder zählt, dem Kaiser aus Anlaß seines Regierungsjubiläums als König von Preußen zum 3. Januar einen Unterstützungsfonds für hilfsbedürftige Kameraden, für den bereits über 60000 Mark aufge­bracht sind und für den noch weiter gesammelt wird, dar­bringen, und ihn bitten, daß der Fonds den Namen des Kaisers tragen dürfe. Der Abgeordnete Junggreen brachte, unterstützt von den Polen, im Reichstage einen Antrag ein, betreffend die Gleichberechtigung der dänischen und deutschen Sprache als Gerichtssprache in gewissen Distrikten des Herzogtums Schleswig. Reichensperger und Rintelen brachten, von der Zentrumspartei unterstützt, eine Interpellation ein, ob es begründet sei, daß die Aus­schließung der Jesuiten, sowie der katholischen Missionen überhaupt in den deutschen überseeischen Schutzgebieten durch die Reichsregierung beschlossen worden sei. Das Zentrum bereitet einen Antrag vor, das Strafgesetzbuch dahin zu ergänzen, daß derjenige, welcher einen Wähler an der Ausübung des Wahlrechts hindert, bestraft wird. In dem Prozesse der Marquise Rita di Candia verur­teilte der Gerichtshof dieselbe zu anderthalbjährigem Ge­fängnis. Im Militäretat für 18861887 sind be­kanntlich 9 272 996 Markzur Komplet!erung des Wasien- materials" gefordert, die aus der Anleihe gedeckt werden sollen. Eine Motivierung ist dieser Forderung nicht bei- gcgeben, sondern es ist nur darauf hingewiesen, daß be­reits im vorigen Jahre unter demselben Titel 2200000 Mark bewilligt worden seien. Diese letztere Summe war, wie in der Budgetkommission mitgeteilt wurde, hauptsäch­lich dazu bestimint, einige in den Reichslanden befindliche bayerische und sächsische Regimenter auf die Etatsstärke der zum XV. Armeekorps gehörigen preußischen Regimenter, sowie 16 Feldbatterieen, je 8 im Osten und im Westen, auf den Etat von 6 bespannten Geschützen zu bringen. Es ist wahrscheinlich, daß ein Teil der jetzt geforderten

9 Millionen zu ähnlichen Zwecken bestinrmt ist. Aber schon die Höhe der diesmaligen Forderung weist darauf hin, daß dies nicht ihr alleiniger Zweck ist. In diesen 9 Millionen stecken, wie man zuverlässig zu wissen glaubt, auch die Kosten für eine Vervollkommnung unseres In­fanterie-Schießgewehres. Daß man gerade von der Angabe dieses Zweckes und einer speziellen Motivierung^ desselben abgesehen hat, ist leicht zu begreifen und auch zu billigen. In der Kommission des Reichstags werden gewiß nähere Erläuterungen, aber auch nur vertraulich, gegeben werden. Der Kommandant von Berlin, Generalleutnant von Spangenberg, ist zum Kommandeur der 12. Division und der General-Major von Derenthal, Kommandeur der 2. Garde - Infanterie - Brigade, unter Belassung in dem Verhältnis als General ä la suite, zum Kommandanten von Berlin ernannt worden. An dessen Stelle ist dem Vernehmen nach der Generalmajor von Kaltenborn-Stachau zum Kommandeur der |2. Garde-Jnfanteeie-Brigade und der Oberst von Holleben, Abteilungschef im großen General­stabe, zum Chef des Generalstabes des Gardekorps ernannt worden. Der Kommandeur der 12. Division, General­leutnant Freiherr von Schleinitz, ist auf sein Abschieds­gesuch zur Disposition gestellt worden. »DerReichs- Anzeiger" meldet, daß der Oberlandesgerichtsrat Engländer zu Frankfurt a. M. zum Reichsgerichtsrat ernannt ist.

Ausland.

Wien, 25. Nov. DieWiener Zeitung" schreibt: Der Kaiser verlieh dem Statthalterei-Rat Freiherrn von Krauß anläßlich der Bestimmung zur einstweiligen Leitung der hiesigen Polizeidirektion den Titel und Charakter als Hofrat.

Rom, 25. Nov. Die Kammer wurde gestern wieder­eröffnet. Heute - werden Santonofrio und Sanzintiano über die Balkanfrage interpellieren.

Paris, 25. Nov. Ungeachtet des gestrigen Beschlusses der Büreaus der Kammer, an welchem Parteierwägungen einen bedeutenden Anteil hatten, hält man es in parla­mentarischen Kreisen keineswegs für sicher, daß die Kam­mer die Räumung Tonkings beschließen werde. Die Journale konstatieren einstimmig, durch die Ernennung einer der Räumung Tonkings günstig gestimmten Kom­mission sei die Lage eine ernste geworden; viele Journale sehen eine ministerielle Krisis voraus.

London, 25. Nov. Dilke ist in Chelsea mit 4291 Stimmen gewählt; der konservative Gegenkandidat Whit- more hatte 4116 Stimmen erhalten Bis jetzt sind 36 Konservative, 35 Liberale und 2 irische Nationalisten ge­wählt. Nach den bisher bekannten Resultaten der Wahlen zum Unterhause wurden 33 Liberale, 32 Konser­vative und 2 irische Nationalisten gewählt. In sämtlichen Arrondissements Birminghams siegten die Liberalen mit großer Majorität. Der Staatssekretär für Indien, Lord Churchiff, unterlag in einem Wahlbezirke des Zentrums mit 4216 Stimmen gegen den ehemaligen Minister und

Heißer Sinn.

Roman von Theodor Küster.

(Fortsetzung.)

Darum lieben Sie auch wohl diese Blumen so sehr, Ella," meinte er,weil sie so einfach und anspruchslos schön fuib ?

Ich liebe alle Blumen, welche wild und frei wachsen, Herr Doktor; es ist mir, als ständen sie näher zu Gott denn jene, welche von kunstfertigen Händen gehegt, gepflegt und veredelt werden. Diese wilden Blumen kommen unver­fälscht ich wollte sagen: unverändert aus der Hand des Schöpfers, den Menschen, welche die unverkümmerte Natur lieben, eine große Freude. Leider werden sie oft gar nicht gesehen oder nicht beachtet, meist gertngschätzk, nur deßhalb, weil sie nicht mit Mühe, Sorge und Arbeit erzeugt wurden!-

Ella hielt inne und blickte sinnend auf den Zweig mit wilden Rosen, den Walter ihr gereicht. Nach kurzer Pause sprach sie weiter:

Ein Sttauß von Feld- oder Kornblumen macht eine größere Freude als ein noch so schönes Bouquet der theu- ertzen Treibhaus-Pflanzen, an Stengel gebunden, welche uns so schnell der Vergänglichkeit alles irdischen eingedenk sein lassen!"

Sie haben Recht, Ella, und ich kann eS jetzt verstehen, warum Sie die wilden Blumen lieben," erwiderte Walter gedankenvoll.Ich werde es jetzt auch thun, nachdem Sie mir ftomm und und poetisch den Bierth dieser wilden Kinder Flora's anschaulich gemacht haben."

Er sah Ella innig in die Augen und sie senkte die ihren errötend, bebend. Walter sah ihre große Verwirrung

und konnte sich diese nur in einer Weise denken: rasch ergriff er ihre beiden Hände und sagte leise zärtlich:

Ella ich liebe Sie! ich liebe Sie so innig und treu, wie nur ein Mann ein Weib lieben kann. Wollen Sie mein geliebtes Weib werden, Ella?"

Sie war so verwirrt, das entscheidende Wort war so rasch, so plötzlich gesprochen worden und was sie so lange ersehnt, es kam jetzt über sie unvorbereitet, ungeahnt: sie wagte nicht, ihn anzublicken, nur seine starke Hand hielt sie mit ihren zitterten Fingern umschlungen.

Er sprach weiter:

Ella, lieben Sie mich nicht, habe ich mich getäuscht, indem ich an Ihre Liebe zu mir glaubte? Ich muß es aus Ihrem Munde hören mein Schicksal! Sagen Sie es mir, es klingt io schön, das Geständniß der Liebe ich bitte darum, Ella, sag' mir, daß du mich liebst!"

Muß ich es denn erst sagen, du böser Mann? Nun denn; ja, ich liebe Dich liebe Dich über Alles!"

Für einige Augenblicke vergaßen Beide Alles um sich her und schauten sich an in trunkenem Liebesglück; ehrer­bietig fast drückte er einen Kuß auf die reine Stirn und seine Hand preßte die ihre so fest und innig, daß es heiß zu Beider Herzen drang. Dann traten sie heraus aus dem Schatten des wilden Rosenbusches und schritten langsam, Hand in Hand, dem Garten der Villa Soden zu. Auf diesem Wege verabredeten sie, daß erst im Herbst ihre Ver­lobung öffentlich werden solle; nur Vater und Schwester Ella's sowie Walters Oheim sollten sogleich von dem neu­geschloffenen Hcrzensbunde wissen.

Adele sah eS gleich, als die Beiden auf die Terrasse traten, daß eS zwischen ihnen im Reinen war, denn Ellas Gesicht leuchtete und Wolter blickte so glücklich, wie sie ihn

noch nie gesehn. Schweigend doch bedeutungsvoll lächelnd, drückte sie Beider Hände und freute sich des Liebesfrühlings ihrer geliebten Schwester, der keinen vernichtenden Nachtfrost zu fürchten hatte!

Walter blieb, bis Herr v. Soden von seinem Morgen­ritt zurückkehrte, mußte er doch erst mit ihm gesprochen haben, ehe er Ella als seine Verlobte betrachten konnte.

Ida v. Brunner hatte die Wahrheit doch auch bald errathen: sie lächelte nur fein und drückte dann den Beiden warm die Hände, als sie sich bald nach Walters R -ckkehr empfahl, um nach ihrem Kinde zu sehen, welches sie nicht lange ohne rhre Beaufsichtigung lassen wollte.

Der Gerichtsrath war nicht wenig überrascht, als Walter ihn um die Hand der jüngeren Tochter bat, und ihm sagte, daß bis auf seine Einwilligung bereits alles in Ordnung sei. Er hatte noch gar nicht daran gedacht, daß Ella ihn jetzt schon verlassen sollte; er war gewöhnt, sie immer noch halb und halb wie ein Kind zu betrachten, weil sie im Vergleich zu Adele noch so heiter und kindlich sich zeigte.

Mit Freuden jedoch gab er zu dem neuen Herzeusdunde seinen väterlichen Segen; er schätzte Walter Grell sehr hoch und der junge Arzt war ihm schnell lieb und wert geworden.

Er drückte Walter herzlich die Hand und sagte heiter, launig:

Aber, lieber Doktor, bis zum Herbst wollen Sie warten mit der Veröffentlichung der Verlobung?! Das wird ja kaum angehen; denken Sie doch, daß so junge LiebeSleut' sich fast ickmer nur zu bald und zu leicht verrathen. Unseren näheren Bekannten wenigstens muß die Verlobung doch mitgeteilt werden, dann dürft ihr offen zärtliche Blicke wechseln und Euch die Hände drücken, was Ihr ja doch nicht lassen könnt." (Fortsetzung folgt.)