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Anzeigen nimmt entgegen die Erpedition b. Blatte-, s owied.Annoncen-Bnreaux von Haasenstein undVogler in Franlnrt a. M., Gaffel, Magdeburg und Men; Rudolf Moffe in Frankfurt ♦ a M.,Berlin,M1>uchev und
R5ln; W. L. Daube und Ko. in Frankfurt a. Mt, BerlimHanuover u. Paris
Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger s. d. Kreise Marburg n. Kirchhain. -^ZünstriertcS Lonntagöblatt.
Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
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Brett«, 20. Nov. Der Kaiser arbeitete heute mit dem ßhef des ZivilkablnettS und empfing darauf den Minister wn Puttkamer uud den Gesaudten von AlvenSleben; um 3 Uhr erschien der UnterstaatSsekretLr Graf Bismarck zum Bortrage.— Die Besierung tu dem Befinden des Kaiser« nimmt von Tag zu Tag in merklicherer Welse zu und «atm die Aerzte nur auf gelindes Welter, um dem Monarcheu zu gestatten, die täglichen Spazierfahrten, aller« diogS nur im geschlefleuen Wagen, wieder aufzunehmen. Die starke Erkältung wird, anderen Nachrichten evtgegen« ges.tzt, darauf zurückgefüh t, daß, als der Kaiser am Tage vor der Jagd in Letzlingen dem Fürsten Kotschabey im russtschen BotschastShetel dien W such abfiaitete, die Zimmer daselbst überheizt waren uud bet der Rückfahrt nach dem PalaiS, die im offenen Wage« erfolgte, ein kalter Nordost geweht habe. Eich von dem Befinden de« Kaisers zu überzeugen, haben alle diejenigen Gelegenheit, welche sich um die Mittagszeit vcr dem Palais eivfinden, um das Vorüberziehen der Wache zu sehen. SowoLl am Montag, als zur V reidigung der Rekrutm die Föhnen abgeholt wurden, als auch am Mittwoch und Donnerstag, als die neue Wache mit Musik unter den Fenstern des Monarchen defilierte, erschien letzterer zur größten Freude des Publikums am historischen Eckfenster, mit stürmischen Hochrufen begrüßt, für die er durch mehrfache Verneigungen dankte. — Der Oberst Ziegler, Kommandeur der Militär-Schießschule zu Spandau, L la suite de« 3. Garde Grenadier-Regiments Körigin Elisabelh, ist m ttelst allerhöchster Kabinettsordre in den Adelstand erhoben. Jedenfalls dürfte mit dieser Auszeichnung auch die Verleihung deS Adels an seinen Bruder, den bisherigen Cbef des Generalstabes des 2. Armeekorps, welcher jüngst z m Kommandeur des 4. Ostpreu- ßischen Jnf.-R-glS. Nr. 5 ernannt ist, verbunden sein. — Die Zuversicht auf die Erh- llung des Friedens und deS Einvernehmens der Mächte konnte durch die gestrige Eröffnungsrede im Reichs: ag nur bestärkt werden. Du ch die jetzt erfolgte Unterwerfung deS Fürsten Alexander ist die Hauptschwierigkeit im Orient gelöst. Tie Räumung OstrumelienS ist wahrscheinlich schon erfolgt. ES dürfte nun, wenn alles ruhig verläuft, ein türkischer Krmmiffar als vorläufiger Gouverneur in Ostrumelim erscheinen, wo alSdann durch türkische Gendarmen oder in ähnlicher Weise die Ordnung aufrechterhalten würde. Daß alSdann eine ähnliche Aufforderung an Serbien ergehen dürfte, wurde; wie erinnerlich, schon am Sonntag vermutet, und fügt fich auch Serbien, so würde alles auf den früher« Zustand iurückgfführt sein und der Wille Europas hätte seine Macht «wies»n. Mau muß aber natürlich mit Zwischenfällen
rechnen, die eine solche gewiß wünschenswerte Lüiung hinaus- Ichieben und, wenn bulgarische Wünsche trotz alldem irgendwelche Befriedigung erhalten, die serbischen Ersatzforderungen
Heißer St««.
Roman von Theodor Küster.
(Fottsetzung.)
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Die eigentliche Badesaison hatte in Bergenau — so *outn wir den reizenden Badeort nennen — noch nicht »u?onnen» vur einzelne Freunde waren bereit«, de« Dunst ioo*ii ^großen Städte entfliehend, ihre Häuslichkeit und ihre Aufs-Geschäfte hinter fich loffend, dort elngetroffen, um *®9ttnb einiger Wochen in vor herrlichen, würzigen Berg-
80 reuiger -urva-rn in rrr yerrinven, würzigen Berg- 303 WaldeSluft frei zu othmen und zu versuchen, ob sie
: 03 kleinen Leiden des menschlichen Leben- verarffen könnten 22", * der köstlichen GoltcSnatur.
. Waller Grell hatte also noch freie Zeit genug, am in * ort-angesessenen Gesellschaft bekannt zu werden. Ja
! Hl Adele ahnte nickt, daß der der Familie durch seinen iwi* vheim vorgestellte junge Arzt der beste Freund Reinhard« uvd der Mttwiffer ihre- Eehtlwn ffcs sei. — Herr v. Loden Wer ganz der alle, liebenswürdige Herr geblieben, al« ^lchtn er sich früher stets gezeigt hatte. Ella war eine mben-wertr anmutige junge Dame geworden und ihre Mst freundlich blickenden, aber auch schelmischen Augen hatten Walter bald gefangen genommen.
Der alte SauitätSrat Grell war ein sehr gern ge» schener Besucher in der Villa Soden und diese freundliche definnung übertrug sich auch sofort auf feinen Riffen, «n einem bestimmten abend jeder Woche sah Herr v. Soden r®* näheren Freunde und B kannten gern um sich ver- la®welt und alle, welche zu diesen GesellschaftSabmden ein-
ioi--r k ^tn toaten» freuten sich im Vorau« auf den Genuß, iE ihnen zweifellos bevorstand; Niemand pflegte dann zu i03*/t yu®. Zu diesen Abenden hatte auch Waller eine ständige 10SA awladuvg erhaltm.
wieder zur Spreche btingen könnten. Tie .Times' weiß schon von einem serbisch «türki'chen Abkommen zu melden, des Serbien von der Türkei eine Grinzberlchtigung auf Kosten Bulgariers in Aussicht stellte. Abgesehen indes von der fragwütdigen Natur einer solchen Verabredung in der gegerwättften Lage, übersehen die Urheber der Meldung, daß die Pforte zu einer einstiiigen Grenzbetichtigung im Widerspruch mit dem Berliner Frieden gar nicht berechtigt wäre, sich ovch gewiß in solchem Falle vcn den Mächten so wenig trennen würde, wie sie r« wöhrend deS Verlaufs der Krisis bis jetzt gethen hat. Dagegen bestehen verschiedene Ansichten darüber, ob, die Möglichkeit einer solchen spätem Grenzberichtigung einmal angencmmen, ein Kongreß bozu erforderlich wäre, ob nicht die Konferenz durch erweiterte Weisungen der Bevollmächtigten dazu «mäcktict werden könnte. Ein Kongreß ist jedenfcllS nicht in Sicht «vd die in den Blättern darüber verbreiteten Gerüchte stoßen hier noch immer auf Zweifel. Tie Konserer z könnte sich auch, wie man hört, mit den Touaufestungen vielleicht zu beschäftigen haben. Rumänien soll den bekannter! Schritt bei den Mächten bis j>tzt nur insofern unternommen haben/ al« eS zu verstehen gab, daß die rumänische Regierung im Jnterefle der Sicherheit des Landes die NichtouS ührung de« Art. 11 des Berliner Fri- der-S bei der Konferenz in gegebener Zeit zur Sprache bringen könnte. DaS in englischen Blätter» erwähnte Gerücht, Rumänien wolle Silistria besetzen, ist durch Rumäniens neutrale Haltung widerlegt und selbstverständlich unbegründet. — Ter erste Sekretär der hiesigen englischen Botschaft CH. Scott war seit einiger Zeit mit Urlaub in England und ist gestern abend bier wieder eingdnffcn, um Sir E. Malet während dessen kurzer Abwesenheit als Geschäftsträger zu vertrete». Ter Botschafter wollte, nie erwähnt, in acht Tagen zurück!-hren, sich aber später zum Besuch seiner Gemahlin, welche einige Zeit in England verbleibt, nochmals dortbin begeben.
— Ter soeben erschienenen Statistik der deutschen ReickS-Post- und Telepraphenverwaltung entnehme» wir folgende Angabe»: Die Zahl der Postanstalten im Deutschen Reiche ixkl. Bayern und Württemberg, welche bekanntlich besondere Postverwaltungen haben, betrug im Jahre 1884 13405 gegen 11646 im Jahre 1883. Darunter befanden sich 517 (1883 523) Postämter I, Klaffe, 564 (556) II. Klaffe und 2702 (2709) III. Klaffe, 4768 (4473) Postapenttrren, 139 (130) selbstständige nicht rtaismähige Stadtpostanstaltev, 251 (242) nickt selbstständige» Post- anstalten und 4400 (2949) Pofihilsstellcn. Die Zunahme geg'n das Vorjahr entfällt also fast ausschließlich auf die kleinen Postanstalten, insbesondere die Hilfsstellen Die Zahl der Telegrapbenar stallen beträgt 7527; sie ist seit dem Vorjahre um 919 gestiegen. Verkarste st. Herr für Prst- wertzeicheu gibt es 11139 gegen 10085 im Jahre 1883. Die Zahl der Brieskasten ist von 53529 auf 56232, keinem Hause jedoch gefiel eö ihm so wohl, a!S bei Soden«, und unter den Bergenauer jungen Damm hatte keine einen so tiefe», nachhaltigen Eindruck auf sein Herz gemacht, als Ella v. Sode». — Auch einen Freund hatte der junge > Arzt sich gewo nen: an dem ersten abende, den Walter Grell im Soden'schen Hause zugebracht, hatte er den Grafen Dernburg kennen gelernt, den bis jetzt erfolglosen Verehrer Adele'S v. Soden.
Das sehr intereffante, einnehmende Aeußere des Grofm, seine feinra Manieren, feine geistreiche Unterhaltung fesselten den jungen Arzt sofort; dazu kam die gänzliche Abwesenheit jedes RargstolzeS oder überbebenden Wesens. Graf Dernburg trat mit der größten Bescheidenheit auf, auch Solchen gegmüber, die an Wiffen, Erfahrung und Weltkenntnis weit hinter ihm zurückstanden, und nur erst im Laufe der ungezwungenen Unterhaltung machten sich ganz von selbst die brillantm Eigenschaften und da« gediegene Wiflm des viel- und weitgereisten Manne« geltenb.
Walter bemerkte wohl, wie Graf Dernburg Adele v. Soden feine Huldigungen dar brachte und wie sehr er durch das zurückhaltende Benehmen der jungm Dame litt. Wen» diese beiden, schon äußerlich so ausgezeichneten Menschen zusammen standen, wußte man unwillkürlich glauben, daß sie zu einander gehörte»; doch konnte Jeder leicht bemerken, wie sehr Adele darauf bedacht war, dem liebenswürdigen Grafm auch nicht de« mindesten Grund zu der Annahme zu geben, als könne er bei ihr auf Gegenliebe hoffen.
Doktor Grell bewilleidete den Grafen aufrichtig, ebenso thot ihm Adele leid; er mußte sich sagen, daß, wäre jene vnsclige Verkettung mit seinem Freunde Brunner nicht gewesen, die« Paar voraussichtlich eines der glücklichsten geworden fein würde. Er hätte e- gar zu gern wiffen
also um 2703 oder 5 pCt. gestiegen. An reichseigene« Post- und Telegraphrngrundstücken find vorhanden 384 gegen 378 im Vorjahre. Die Zahl aller bei der Post- und Telegrophenverwalrung argchrllten Beamten, Unter, beamten, Pvsthalter und Postillone beträgt 77980; ste Hot seit dem Vorjahre tut 3587 zugcncmwen. Die durch die Post beförderte» Sendungen 6f laufen sich auf 1716277125 Stück gegen 1609 651108 Stück im Jahre 1883. Darunter sind 1629180615 (1525873948) Stück Brief- sendungen, nämlich rund 701 Millionen (657 Millionen) Briefe, 213 (195) Mill. Postkarten, 201 (184) Mill. Drucksachen, 16 (15) Mill. Warenproben, 53 (50) Mill. Postanweisungen, 4,30 (415) Mill PoftauftragSbriefe, 2,96 (3,09) Postnachnahmebriefe, 415 (400) Mill. Zeitung-- nummern und 22,4 (16,9) Mill, außergewöhnliche Zeitungsbeilagen. Die Zahl der Päckerei- und Geldsendunae« betrug 87096510 (83777160) Stück, nämlich 77583990 (74 092 560) Packele ohr eWertangabe,2563370 (2 594 370) (Packele mir W rtaugabe und 6 949150 (7090230) Briefe mit Wertangabe. Der Gesamtwertbetrag der durov die Post vermittelten Geldsendungen betrug rund 15543 Mill. Mark gegen 15368 Mill, im Vorjahre. DaS Gesamtgewicht der durch rie Post beförderten Päckereisendungen wird auf 331 Millionen Kilogramm angegeben, d. i. 11 Millionen mehr als 1883. Die Zahl der mit der Post beförderten Personen ist in steter Abnahme begriffen; ste betrug im Berichtsjahre 2287510 gegen 2370124 im Jahre 1883. WaS die Finanzergebniffe der RdchSpost- und Telkgraphenverwaltung betriff', so betrugen die Gesamteinnahmen im EtatSjahre 1884/85 166207128 Mk. gegen 158190405 Mk. im Etatk jrhre 1883/81. Die Gesamt- ausgaben beliefen sich auf 142165496 Mark gegen 137017998 Mk. im Vorjahre. Es remitiert sonach ein U berschuß von 24 041632 Mk., welcher den des Vorjahres um 2869226 Mk. übertrifft. Die Einnahme an Porto- vnd T legraphmgebühre» betrug im letzten EtatS- jahr 150096 896 Mk. gegen 142342621 Mk. im Vorjahre.
Wit«, 20. Nov. Die Nachricht der „Times' über ein lürk-sch-serbischeS Separatabkommen bezüglich deS künftigen FriedenSschluffeS wird von hiesigen unterrichteten Kreisen entschieden in Abrede gestellt: Solche nehme» vielmehr an, daß es sich etwaigen serbischen Ansprüchen gegenüber bei dem FriedenSschluffe um die Zustimmung der Cignatarwächte des Berliner Vertrages handeln müsse.
Paris, 19. Nov. Daß das Kabinett Brisson dabei beharrte, über fein Schicksal bei Gelegenheit der Tcngking« und Madagaskar-Kredite durch eine Kammrrabstimmung entscheiden zu laffen, ist Folge der im Großen Orient von 140 Deputierten besuchten Versammlung, in welcher mit etwa 80 Stimmen der Beschluß gefaßt wurde, für die mögen, ob Adele Reinhard noch liebe oder ob feine Täuschung ihr Herz erkältet, ihr die Möglichkeit einer zweiten Liebe geraubt, ob Adele'- Herz für jede Liebe abgestorben fei.
Da- war tun wohl eine Frage, welche der junge Arzt fich selbst vorlege», mit der er natürlich aber an Adele nicht herantreten konnte, und so mußte sie eben unbeantwortet bleibe»; und da- um so mehr, al- in der Tbat di« älteste Tochter de- Herrn v. Sode» — hätte ste diese Frage auf ihr Gewiffen beantworten sollen — selbst in die größte Verlegenheit gekommen wäre, denn — Avele wußte sich selbst nicht zu sagen, ob sie Reinhard von Brunner noch liebe, ob nicht.
Die Zerstreuungen der Reise, der längere Aufenthalt in Tyrol- herrlichen Thälern, in Meran, dann in Italien, später in der Schweiz, In Interlaken, endlich in Berchtesgaden und schließlich der gemeinsam gifaßte Entschluß von Vater und Töchtern, sich in tem lieblichen Bergenau dauernd niederzuloffen; der Bau der neuen Villa, deren Einrichtung, die Anlagm de- großen Garten-; die Besuche im Ort und in der Umgegend uud die davon unzertrennliche Anknüpfung von neuen Beziehungen und Bekanntschaften — all' die- hatte da Adele'« Schmerz wohl gelindert, doch vergeffeu hatte sie ihre Liebe nie. Sie wußte selbst nicht, ob e- immer noch Liebe war, was ste au Reinhard denken ließ, ste an ihn feffelte; nur da« war ihr klar, daß ste nie wieder einem Andern baS Gefühl weihen könne, welche« ste einst für Reinhard beseelt. — Manch edler Mann war ihr seitdem begegnet und hatte fich um ihre Liebe, um ihr Herz beworben; manchen unter diesen hatte sie hochgeschätzt, aber da-, waS sie für Walter« Freund gefflbtt, da« konnte ste nicht mehr, nicht für eine« Andern empfinden. (gortfefcmg folgt)