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Marburg, Freitag, 20. November 1885.

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XX. Jahrgang.

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1 Theodor Küster. (Fvrtsetznug.)

®o, «ein Herr Neffe, hier kannst Du Beinen zu­künftigen Wirkungskreis so ziemlich in seiner ganzen Aus­dehnung überschauen. All diese Besitzung«, welche um den Kurgarten her zerstreut lieg«, beherberg« die Fremd«, die zum Gebrauch unserer Quellen hierher kommen. Einige dieser Landhäuser und Gärten, die schönst« derselben, find Privateigentum und in Privatbenutzung. Biele Fremde haben fich hier angekauft, des müd« Klima» halber.'

So sprach ein alter, weißhaariger Herr zu einem jungen Mann. Dieser Letztere war der Doktor Walter Grell. der Andere der SandätSrat vnd Badearzt Doktor Grell, Walter'» Oheim, der seinem Neffen seine Praxis zu über­geben im Begriff stand, da fich das Alter bei ihm geltend zu machen begann und er infolge deffeu seine Pflicht« nicht mehr wie früher in ihrem vollen Umfange erfüllen konnte.

Mit Rat und That stehe ich Dir natürlich so lange bei, lieber Walter, bis Du mU all den wirklichen und

Augenblick!'

Dem Frühling entgegen?' dachte traurig Adele, ihr Herz, ihr Leb« war der Frühling vorbei, in ihr es still und trostlos, öde und leer!

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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte», fowied.Annoneen-Bnreanx von Haasenstein undBogter in Frankurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wreu: Rudolf Masse in Frankfurt »M., Berlin,München nud I Adln; ®. 8. Daube und io. in Frankfurt a.

Berlin.Hannover u Part»

Und nun seid vergnügt, Kinder!' sagte Herr v. Soden, als der Zug sich in Bewegung setzte.Schüttelt ' Sorgen und allen Kummer von Euch ab und lebt

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«rfdbeint täglich außer an Erftogcn nach Sonn- und vertagen. - Quartal- Bsffisrs ^Postämter L Mk. 50 (era Bestellgeld).

Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. -. Kreise Marburg u. Kirchhain. Illustriertes Sonntagsblatt.

Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

ÖtW' ».2» gleicher Zeit konnte sie auch nicht umhin, eiuen v (i P1*4 in die Zukunft zu werfen, und da mußte fie erkenn«, 76 diese für fie nicht» Andere» in ihrem Schooße barg, 00 Schmerz, Leere, Einsamkeit. Doch diese Erkenntni» weiss?B Adele aleichgiltig. Teiluahmlo« wandte fie der ce vnmat d« Rücken nnb ging in die Ferne; ließ fie doch Ut» dort zurück, wa» ihrem Herz« themr «ar, da fie BerlÜ »*.bOn Reinhard vergeffm glaubte. W-na ihr geliebter «"er, ihre fie schwärmerffch verehrende Ella nicht gewesm, würde fich mit Freud« in der einsamsten Gegend der WW «eft vergraben und von ihm und ihrer kurzen Liebe-zeit *"ium haben.

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»«stsche» Reich.

Berlin, 18. Nov. Der Kaiser Hüt t zwar noch da» Zimmer, ist aber von der Heiserkeit und Erkältung nahezu genesen. Er nahm auch Hinte Vorträge entgegen und et» kdigte andere RegierungSgeschäfte. Die beim Militärrtat in den BundeSratSauSschüffen vorgenommer en Abstriche «mdm durch dm Bttrag von 146000 Mk. bei den ein­maligen Ausgaben und unter Zugrundelegung der Oktober­preise bei der Ve'pfleanng herbeigeführt, wodurch ein Weniger- ErforderntS von 3 386 000 Mk. fich ergab.Der Bundes­rat erteilte in der gestrigen, unter dem Vorsitz de» königlich bayerischen Gesaut t«, Grasen von Lerchenfeld - Köfering, abgehaltenen Plmarfitzung nachstehend aufgesührten EtatS- mtwürfev, nämlich bim Etat der Verwaltung de» Reich». Heere», dem Etat über den Reich» - Jnvalidcufonds, dem Etat des Auswärtigen Amt», dem Etat de» ReichSschatzamtS, dem Etat des ReichSamtS des Innern und dem Etat der Reichsschuld, ferner dem Entwurf eines Gesetzes wegen Feststellung de» ReichShanShcltSetat für 1886/87, und dem Entwurf eine» Gesetzes, betriffend die Aufnahme einer An­leihe für Zwecke der Berwaltungen des ReichsheereS, der Marine und der Reichs Eisenbahnen seine Zustimmung. Die Uebersicht der ReichS-AuSgaben und -Einnahmen für da» Etattjrhr 1884/85 nnb die Vorlage, betreffend dir Revifion der in den Motiven zum KaserrierungSplan an­geführten Kostenüberschläge würd' n dem Ausschuß für Rechnungswesen bezw. diesem Ausschuß und dem Ausschuß für das Landheer und die Festungen überwiesen. Behuf» Wiederbesetzung einer erledigen Ratsstelle beim Reichsgericht wurde beschlossen, Er. Majestät dem Kaiser einen Vorschlag zu unterbreiten. Endlich wurde über die geschäftliche Be­handlung von Eingaben verschiedenen Inhalts Beschluß ge­faßt. DieC. C.' äußert fich betreff» der Mehrforde- rnngen für die Flotte !m nächst« Etat folgendermaßen: Die auf 4 300 000 Mk. bez fferlm Mehrforderungen für die Flotte werden im Reichstage ohne Zweifel anf den be­kannten Widerstand stoßen.... Gleichwohl bezweifeln wir nicht, daß die Forderung bewilligt werden wird, will fie Mr die Kons- quenzen einer Lage zieht, die wir al» Groß­macht anerkennen rnüffm. Wollten wir unsere Flotte auf dem bisherigen Stande laffen, so würden wir einen Schritt zurück thun müflm, was viel schlimmer wäre, al» diesen Schritt gar nicht getha» zu haben. Davon kann keine Rede sein, wir müflen und wollen vorwärts; nur so werden wir die Früchte der hohen Politik de« Jahres 1884 reif« scheu, die anderenfalls unseren Nebenbuhlern zufaven würden. Auf dem kolonialen Gebiete laffen sich plötzliche Erfolge Bluij noch weniger erzielen al« auf irgend einem anderen. Jetzt Mal, wo der Mitbewerb der Nationen ein so ungeheurer P. daß der Gewinn des Einzelnen dadurch mit Notwendig, kett auf ein sehr bescheidene» Maß h rabgedrückt wird,

beiträge immerhin etwas niedriger al» in dem Voranschläge sich gestalten, sind im wesentlichen keine erheblichen Ver­änderungen au dem Entwurf vorgenowm« worden, und es wird obzuwarten bleib«, ob und in welchem Umfange der Reichstag Verkürzungen de» Etat« beschließ« wird. Wenn der Reichstag sämtliche ihm zugedachten Vorlagen etletigen soll, so wird er reichlich bl» gegen Ostern be­schäftigt fein. Da» gleichzeitige Tagen der Landtage ver­sa jeden er Einzelstaaten wird noch zu mauchm Lücken im Reichstage führen. Unter dm Abgeordneten will man von ganz besonder» reichem Stoff für allerlei Anfragen au die ReichSregicruvg wiffen. Neben der Angelegenheit über die Versagung der Jesuitenmifstonen in den deutschen Schutz­gebieten Afrikas soll auch der Abschluß von Auslieferungs- Verträgen zwischen Rußland und deutschen Einzelstaatm zur Sprache gebracht werden. Das Zentrum wird feinen Antrag über Aufhebung de» Gesetzes über Verhinderung der unbefugten Ausübung von Kirchenämteru, den der Bundesrat abgelehnt hat, alsbald wiederholen. Bezüglich des Erlaffe» gleichmäßiger polizeilicher Strafvorschrift« zur Verhütung der Gefährdung militärischer PulvertranS- pvrte hat der Bundesrat beschlossen, die Bundesregierungen nm Erlaß folgender Straf Vorschrift zu ersuchen:Wagen­führer, Schiffsführer-, Retter und andere Personen hab« den an fie von den BeglelikommandoS militärischer Pulver- tranSporte behufs Verhütung der Gefährdung der Trans­porte gerichteten Aufforderungen zu Handlung« ober Unter­lassungen insbesondere zu langsamem Vorbeip-ssteren, zum Ausweichen, zum Uuterlafleu von Tabakrauchen, zum Auslöschen von Feuer ungesäumt Folge zu leist«: Zuwiderhandlungen werd«, nnbeschadet de« nötigenfalls von den Begleitkommandos zur Anwendung zu biiugendeu unmittelbaaren Zwange», nach § 367 Nr. 5 des Straf­gesetzbuch» bestraft.'

DaS RelchsverstcherungSamt erließ unterm 3. No­vember a. c. nachfolgende» Rundschreiben an die Genvffen- schastSvorstände, betreffend die älteren Unfallversicherung». Verträge. Infolge der Anfragen und Anträge, welche von feiten der Vorstände der BerufSgenoffenfchaften und der GenoffenfchastSsiktionen, fowie von feiten einzelner Betrieb»- Unternehmer hinsichtlich der älteren Unfallverstchermigsver- träge an da» RelchsverstcherungSamt fortgesetzt gerichtet werden, fleht sich das letztere zu der nachstehenden Mit- teUuug veranlaßt: Streitigkeiten über Rechte und Pflichten aus VerstcherungSverträgen, welche vor dem 1. Okt. 1885 von Unternehmern verstcherungSpflichtiger Betriebe oder von den in denselben beschäftigten Personen gegen die Folg« der im UnfallversicherungSgesetz bezeichneten Unfälle mit VerflcherungSanstalten abgeschloffen und nach dem Inkraft­treten deS genannten Gesetzes gemäß § 100 desselben auf eine Berufsgenrffenschast übergegangen sind, unterlieg« eingebildeten Leiden der stet» wiederkehrenden Fremd« oder der ortsangesessenen Bedölkerung hinreichend bekannt bist. ES ist übrigen» eine dankbare, lohnende Praxi» die eine» Badearztes hier, besonders wenn der Arzt ein so junger schmucker Manu ist wie Du,' sagte lächelnd der EanitätSrat und klopfte zutraulich dem Neff« auf die Schulter.Im Sommer, während der hohen Saison, da wirst Du allerdings alle Hände voll zu thun haben, Walter wirst kaum zu Athem komm« können; im Winter hingegen kannst Du Dich hier gemächlich vou den Strapazen de» Sommer» auSruh«, und man lebt im Winter hier sehr angenehm. Die Frewden-Kolonie ist auch dann noch zahlreich genug, an interessanten jungen Damm k in Mangel, Bälle und andere Festlichkeit« auch ein Liebhabertheater werden arrangiert, und ein junger Manu wie Du, Walter, dazu Badearzt, kann fich da» Leben hier Im Winter recht angenehm machen. Unter unfern jung« Damen find manche, bei denen e» sich wohl der Mühe lohnt, chn« ernstlich die Kur zu machen . .

Walter Grell lachte herzlich.

Na, lache nicht, mein Junge!' fuhr bet alte Herr fort, bedächtig eine Prise nehmmd.Ich selbst thu'» noch hin und wieder und ganz gern; Hobe ja auch al» an» erkannter aller und freier Hagestolz in dm Siebzigen keine Berantwoitung mehr zu fürchten.'

Die beiden Herren standen anf einem Gebirg «Vorsprung einer Art Belveoere, ton wo au» man da» ganze reizende Thal mit dem Badeort, dm Quellm, dem Park well hinan» übersah. Ein sogenannterChampignon' breitete sonnenschirmartig sich über Bänken nnb Waldfesseln au» und auf diesen letzter« halt« die beidm Aerzte jetzt Platz S'UEM«. (gortf**, folgt)

während die Anstrengung ungleich größer ist al» sonst. Für nn» handelt e» sich aber nicht darum, aus dem neu» erworbenen Gebiete etwas zu machen, sondern auch unsere alte Stellung ouf dem Weltmärkte festzuhalten. Namentlich gilt da» von Ost-Asim und Süd-Amerika. Hier wie dort sind neuerdings besonders die Vereinigten Staaten bestrebt, 'uns den Rang abzulaufen. Ohne die Unterstützung einer jederzeit bereiten Seemacht wird dieser Wettkampf aber schlechterdings nicht siegreich durchgefrchtin werden können.' Für die Anwälte ist eine Entscheidung des Reichsgericht» von weittragender Bedeutung: Bekanntlich führen viele An­wälte die Prrzeffe vor den Amtsgerichten, b«i deren kein AmtSzwang besteht, nicht selbst, sondern laffen sich durch Referendare, die sie al» Hilfsarbeiter hatten, vertreten. Ost werden auch Filial-Expeeitioven in kleineren Städten vou Referendaren selbständig geleitet. Da» Reichsgericht hat nun entschieden, daß für diese Vertretung die tcxmäßigen Gebühren nicht berechnet werden dürfen. Nur wenn dem Anwalt durch das Justizministerium wegen Krankheit, Ab­wesenheit rc. ein Referendar als Stellvertreter bestellt wird, soll diese Berechnung der Anwaltsgebühren gestattet fein. Würde diese Ansicht auch von den Amtsgerichten und Land­gerichten, welche in den meisten Fällen über die Kostenfrage entscheiden, anerkannt werden, so dürsten fich in der Ge- schLftSaussührung von vielbeschäftigten Anwälten vielfache Aenderungen notwendig machen.Der Justizwivister läßt sitzt daS Erkenntnis d-s EhrengerichtShofeS in Leipzig über die Strafbarkeit der Beihilfe eines Rechtsanwalts zu recht­lich und moraliD verwerflichen RechtSgefchäften bekannt wachen. In den Gründen wird unter anderem ausgeführt: Der Rechtsanwalt hat fich der Mitwirkung bei den vor­erwähnten Geschäften zu enthalten. E» könne zugegeben werde»; daß derselbe in der Regel die Bertraaschließenden nicht Über ihre ökonomischen Zwecke anSzuforschen und sich nicht zu ihrem Beausfichtiger in dem Maße aufzuwerfen tot, daß er in ihre inneren Gedanken einzudringen sucht. Dagegen körne der Annahme, daß der Rechtsanwalt auch bann, wenn ihm die Möglichkeit verwerflicher Zwecke der Vertragschließenden einlenchtet, den Ve> such der Ermittelung der wahren Absichten der Beteiligten zu unterlassen habe, wenn nicht schon bestimmte, gegebene VerdochtSgründe für ihn vorliegen, nicht beigepflicktet werden.Gerade in einem solchen Falle ist e» seine Pflicht, alle ihm bekannten und zu seiner Kerntvi» gelangenden, auf das Geschäft Bezug habenden Umstände mit ganz besonderer Sorgfalt darauf hin zu prüfen, ob sie nicht den Verdacht erwecken, daß e» sich um ein rechtlich oder sittlich verwerfliches Geschäft handle.' Die EtatSberatnng im Bürde«rote hat zwar niemals einen besonderen Umfang angenommen, ist aber diesmal doch schneller erledigt worden al» früher. Abgesehen von einer Reihe von Abstrichen, durch welche die Matriknlar-

Lächeln in den Zügen und auf den Lippen, Thräuen im Herz«, erwiderte fie die zahlreichen, mehr ober weniger aufrichtigen AbschiedSgrüße, dankte für die letzten Blumen- spend«, welche ihr noch bi» zum Bahnhof geworden, und dachte sich ihr Tell dabei.

Dann ging» fort fort, dem Süden, dem ewig« Frühling entgegen.

Ein stechender Schmerz beengte Adele» Brust. Sie Mg die Hände wie in Verzweiflung und innerlich rief fie: Warum mußten wir ur« zu spät finden?!

Gewaltsam mußte sie sich beherrschen, um den Ihrig« bie stille Festfeier nicht zu verderben. Im Herzen war'» N so öd, fie hoffte auf nicht» mehr, denn ihr LebenSglück ikttlk-ls »ite fie ja begraben, noch ehe e» voll erblüht war. Bl» iutttii j" Reinhard v. Brunner noch nicht gekannt, wie hatte fie )[. [i! von der Liebe geträumt, welch große» Glück hatte sie : M von ihr gehofft! Hatte fie ja doch ober glaubte fie Sllw vknigstcn» da» vollste Anrecht darauf zu haben. Nun »gl eS vorbei damit, vorbei mit all ihren Jugmd-, LiebeS- » id GlÜckSträumev: die Liebe war an ihr vorübergezogen, Mite ihr nur ein kleines Teilchen ihrer Blütenpracht ge- 81 Mten, unter der verräterisch die spitz« Domen gelauert, "v sie zu verletzen; die Liebe hatte Adele, anstatt fie zu Utofcmen und zu beglück«, mit kaltem Nachthauch berührt fle namenlos elmd gemacht.