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JTtaröurg, Sonntag, 15. November 1885.
XX Jahrsang.
Eckdeint täglich außer an AKagen nach Sonn-und -«vertage». — Ouarlal» W^nnementS-Preisbe, der Edition 2*/t Mk., bet §PoMmter S Mk. 50 £. («Fl Bestellgeld). TArtionSgebühr für die Miene Zeile 1» Bl«. W.E» für di« Zelle
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GklMlhe AitilW.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b. Blattes, fowied.Annoncen-Bureaux von Haafenstein undVogler in Frankutt a. M., Casiel, Magdeburg und Men; Rudolf Moffe in Frankfurt «. M.,BerlinMünchen und Mu: S. L Daube anb Lo m Frankfurt e. SU Berlin.Honuover u Paris
Köchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. -. Kreise Marburg u. Kirchhain. — Illustriertes Lonutagsblatt.
Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Vertag von Joh. Aug. Koch.
LrxtfcheA Reich.
Berlin, 13. Nov. Der dem BundeSrct zugegangene KelchdbauSda'tS - Etat beziffert die Gesamtausgaben auf 626 929 302 Mk-, die fortdauernden Ausgaben aut 82 339 558 Mark und deS Plus der einmaligen GefamtauSgabn geaen das Vorjahr auf 82145060 Mk., worunter ein Mehr« betrog der Ueberweisuugen an die Eivzelstaaten vor 53 565 000 Mark aus Zöllen rc. Von dem demnach 28580060Mk. betragenden Mehrbevarse des Reiches sind 24960498 Mk. durch MatrikularblttrSge zu decken, um welchen Betrag sich die MatrikularbcitrSge erhöhen werden. — Der Oberlandes« gerichttpräst ent Breithaupt zu Naumburg ist zum Wirk« lichen Geheimen Rat mit dem Prädikate Exzellenz ernannt worden. — Das „Militär-Wochenblatt" veröffentlicht die Melduno, daß dem Prinzen Battenberg, SekouooL u'nart ä la suite deS ersten Garderegimerts der ncchgefuchte Abschied bewilligt morden ist. — In der g, sterv unter dem Vorsitz des StaalöministerS, Staatssekretärs des Innern v. Bötticher, abgebaltenen Plenarsitzung erledigte der BundeSrat die Eiuzel-EtatS für die Verwaltung der Kaiferl Marine, für die Post- und Telegraphenverwaltung, für die Verwaltung der Eisenbahnen, für das Reichs - Eiseubahnamt, den Rechvw gShof des Deutschen Reichs und die ReichSsrnckerei. Der Entwurf eines Gesetzes über dir Unfall- und Krarken- Versicherung der in land- und forstwirtschaftlichen Betrieben beschäftigten Personen, der Entwurf von Bestimmungen Über die Besch ä'tigung von Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeitern in Drahtziehereien, der Entwurf eines G setzeS über die Rechtspflege in der deutschen Schutzgebieten und der BesoldnngS- und PenflvvS Etat der ReichSbank-Leamten für 1886 wurden den zubändigen Ausschüssen überwiesen. Dem Entwurf eines Gesetzes über die Fürsorge für Beamte und deren Hinterbliebene inolge von Unfällen, sowie den neu gefaßten Bestimmungen, betr>ff nd die zollfreie Sb- lasiung von Petroleum sür gewerbliche Zwicke, erteilte die $ttfamm'ung ihre Zustimmung. Zur Anschluß an den letzteren Beschluß wurde über mehrere, ans den zollfreien Emlaß von Minna öl bezügliche Eingaben Entscheidung getroffen. Die Beschlüsse des Reichstages zu der Petition des früheren Holzhändlers Frar cots Sianvl zu F xe in Lothringen und zu der Petition des Philipp ArmbrÜster und Geuoffcn zu Ludweiler, betreffend die Gewährung von Schadenersatz, wurden dem Reichskanzler überwies n. Nachdem noch auf das Rekursgesuch eines Beamten gegen seine zwangsweise Versetzung in den Ruhestand Beschluß gefaßt worden war, wurde die Sitzung mit der Vorlegung von Eingaben verschiedenen Inhalts geschlossen. — Das preu bische StaatSmivisterium trat gestern zu einer Sitzung zusammen. N^ch Schluß derselben hat sich der Finai zminister v. Scholz nach Friedriü Sruhe begeben. — Beim Kultus
minister p. Gcßler fand gestern au» Anlaß der Artwesenheit deS Bischofs Roos von Limburg rin Diner statt, zu welchem auch Propst Aßmavn geladen war.
— In Sachen deS Lederzolls ist der Handelskammer und den Liderivterefsenteu des Bezirkes Siegen nach der »Rh. Wrstf. Ztg." die nachstehende Zuschrift zugegangen: Nachdem der Reichstag in der tot ißtn Session beschlossen hat, den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, die Frage eiurr andrrweiteu Normierung der Zölle sür Leder und Le er- waren (Nr. 21 deS Zolltarifs) einer Prüfung zu unterwerfen und nach dem Ergebnis derselben dem Reichstage in der nächsten Session die entsprechenden Abänderungs- Vorschläge zu machen, erschetaen w-itere Ermittelung' n in Rücksicht auf die mit der Lederindustrie in Zusammenhang stehenden vielseitigen ProduktionS-, Handels- und Konsum- tionSintereffen geboten. Indem ich hierbei auf den anläßlich meines ErlaffeS vom 12. Februar dieses Jahres erstatteten Bericht der Handelskammer vrm 16. Mä z dieses Jahres, betreffend die Zollbehandlung der für technische Zwecke verwendbaren Ledersorten, b'zugnehme, teile ich zugleich mit, daß die Mehrzahl der bei dem heimischen L der- gcwerbe vorzugsweise beteiligten Handelskammern und kaufmännischen Korporationen eine Zusammenfaffung der Tartf- vnmmern 21a (Leder aller Art, mit Ausnahme deS unter b genannten, ungefärbtes): und 21b („Soblleoer rc.") befürwortet hat, um die vielen Klagen zu beseitigen, zu welchen die Bestimmungen im amtlichen Warenverzeichnisse sür die Lederverzollurg in neuerer Zeit Veranlosiung gegeben haben. Während von manchen Seiten die Herbei- sübrung eines einheitlichen Zollsatzes von 36 Maik sür 10( kg (Nr. 21b) mit dem Hinweis auf die große Leistungsfähigkeit der heimischen Gerberei und die bedrängte Geschäftslage der Lederindustrie empfohlen wird, ist von anderen Seiten die gegenwäitige Ebenbürtigkeit der l tztereu gegenüber der durch Rohmaterialienbezug und durch lang- jäh, ige Ausbildung von Spezialitäten begünstigten Konkurrenz Englands und Belgiens bestritten und im Hinblick auf den irländischen Exporthandel mit schweren bearbeiteten Lederarten für technische Zwecke, mit Schuhmacherwaren und feinen Lcd-rwaren eine Zollerhöhung um 18 Mark für 100kg bei dem hierzu erforderlichen Leder, abgesehen von Sohilcoer, als bedenklich bezeichnet worden. Durch die amtlichen SaLverständigen-Untersuchungcn, welche inzwischen auf dir Ermit tlung praktisch brauchbarer Merkmale zur zolltechnischen Unterscheidung des Sohlleders von Treibriemen, Kratzen und dergleichen Leder gerichtet worben sind, haben sich sichere Krnrzstchen nicht ausstellev laffen, um Miß räuche hinsichtlich einer zollpflichtwidrigen Verwendung lohgarer Ledersorten zu verhüten. So erwünscht die Bestimmung eines Satzes für alle lohgaren Leder, wie sie
in der Tarifgesetzvorlage von 1879 seitens der verbündeten Regiernngkn beabsichtigt war, vom Standpunkte der Zollabfertigung ans auch sein mag, so erscheint deren uneingeschränkte Herbeiführung bei der großen wirtschaftlichen Bedeutung der in Rede stehenden ErwerbSthätigkeiten doch nicht ohne Bedenken. Es fragt sich einerseits, ob es nicht zveckmäßiger sein würde, bei einer etwaigen einheitlichen Zollbemessung in dem angeregten Sinne eine besondere Ausnahme zu gunsteu des einzuführenden Treibriemen- lederS derart zu wachen, daß dieses wie bisher dem Satze von 18 Mk. nur dann unterworfen würde, wenn eS durch rcchtickigen Zuschnitt und außerdem durch Einfettung als Treibriemen Koupon kenntlich gemacht ist. Zu einer Aen- derung der Anmerkung zu Nr. 21b deS Zolltarifs, nach welcher die Halbgaren, sowie die bereits gegerbten, noch nicht gefärbten oder weiter zugerichteten Ziegen- und Schaffelle mit nur 3 Mk. für 100kg zu verzollen sind, wird ein Bedürfnis nicht vorliegen. Aut der anderen Seite wird zu erwägen fein, inwieweit jene Maßnahme eventuell ihre Nachwirkung auf eine andere Bemeffung der Zollsätze von 50 und 70 Mk. für grobe und feine Lederwaren (Nr. 21c und 21d a. a. O) äußern und eine entsprechende Erhöhung derselben nach sich ziehen würde. Ob sie auch das Verhältnis zu dem in Nr. 21c auf 100 Mk. für 100kg bemessenen Zollsätze für Handschuhe wesentlich beeirfluffeu würde, ist unwahrscheinlich, lieber das Maß der eventuellen Erhöhung ter Sätze für grobe und fein« Lederwaren würden mir eingehende Erörterungen mit Rücksicht auf die gegenwärtigen ProduktionS- und Absatzbedingungen der hierbei beteiligten Gewerkt zweige, besonders der Schuhmacher-, Sat ler-, Riemer- und Täschnerwarenfabrikation, erwünscht sein. Ich ersuche die Handelskammer, nach den angedeuteten Richtungen Erkundigungen unter Zuziehung von sachverständigen Vertretern der beteiligten Gewerbe oder von Fachvereinen einzuziehen und mir das Ergebnis der selben, zugleich mit Ihrem eigenen Gutachten zur Sache bald mi zuteilen. Für dm Minister für Handel und Gewerbe, flkz v. Bötticher.
Wolfenbüttel, 13. Nov. Prinz Albrecht ist heute vormittags 11 Uhr hier ange kommen und enthusiastisch emptargen worden. Die Stadt ist feßlich geschmückt.
München, 13. Nov. Die Kammer der Abgeordneten setzte die Beratung des Etats des Ministeriums des Aeußern fort. Stamminger fragt an, ob Bayern in der Sache der römischen Propaganda durch seinen Gesandten beim Quirinal etwas gethan habe. Der Minister des Aeußern erwidert: Auch er betrachte die Propaganda für ein hochbedeutendeS Kulturinstitut; die Regierung habe in keiner Weife ihr Juterrffe an demselben verändern wollen, allein es erheische große Vorsicht, da eS stv um den Vollzug italienischer
Heißer Siu«.
Roman von Theodor Küster.
(Fortsetzung.)
Auch als Ida das Bett wieder verlaffen und der Hausarzt kopfschüttelnd beiden Eltern die Versicherung gegeben hatte, die junge Freu leide nicht an einer ausgesprochenen Krankheit, blieb sie bleich und augenscheinlich leidend und die mehr sah man Ida wie sonst fröhlich, lächelnd, voll heitern Uebermut«, sondern ernst, nachdenklich und vor allem schweigsam.
Es war daS ein trauriger Anblick für die liebenden Eltern und sie konnten es sich nicht länger verhehlen, daß ba» Herz schwer getroffen worden sein müffe. Iva hatte Later nutz Mutter anfS Neue gebeten, sie nicht mehr mit Fragen zu qSstn. Mit toteStraurigem Gesicht batte fle «klärt: »Mit Reinhard und mir ist'S mit allem Glück zu 6abe! Was unS getrennt, — erlaßt mir die Mitteilung; sie würde mir wie Euch schmerzlich und dazu noch nutzlos !«in, denn eine Aendernng deS einmal Bestehenden könnte fle ^vch nicht herbeiführen. Also quält mich nicht unnötig."
Iva hätte nicht vermocht, den Mann, den fle so Herz- wnig geliebt — ja, noch liebte, vor ihren Eltern bloßzn- stell«,. Sie kannte Reinhard — bester, tiefer vielleicht,
er eS bei ihrem ruhigen Wesen glauben mochte—und ste hatte ihm verziehen. Aber fle wußte sich auch sagen, *6 ihre Ellern die Sache ganz von einem andern Gesichts- druckte ausfafleu mn dem Schwiegersöhne seine HamlungS- totife nicht verzeihen würden, wie die Ga'tin eS gethan, «uu Id« liebte Reinhard in ganz anderer Weist uns be- Urteitie ihn ganz verschieden von Vater und Mutter.
Einige Wochen später kam Reinhard» Mutter zum Be- auf dem Recklingenschen Gute an. Bis in» tiefste Htpz erschüttert «ar fle, al» sie die vor kurzem noch so
blühende und lebensfrohe junge Frau nun wierersch. I a zog fle mit sich auf ihr Zimmer. Dort sprachen und rminten Schwiegermutter und Schwiegertochter lange — sihr lange zusammen und Ida schüttete Reinhards Mutter ihr ganzes Herz aus, nahm derselben aber auch zugleich da» Versprechen ab, nie von der Schuld ihres Sohnes zu sprechen, am wenigsten ihren — Jda's — Eltern gegenüb r. Die junge Frau wollte ihres Gatten Ehre nicht befleckt sehen, selbst in ihrer Eltern Augen nicht.
»Du bist ein Engel, Ida!" rief die ältere Frau v. Brunner, übermannt von der Seelengröße Jener. .Unb er — Reinhard — hat Dich nicht erkannt um — jener Andern willen?"
„Jene Anderel" — O bättest Du fle gesehen, liebe Mama, wie ich fle sah, Du würdest Reinhard {einen Fehltritt verzeihen, wie ich eS getban habe; Du würdest ihm alle« — alle» vergeben I — A ele von Soden ist mehr al« ein Engel — fle ist eine — ist seine Göttin! — Könnten fle Beide doch glücklich werden mit einander — ich wollte eS ihnen von Herzen gönnen ... und gern sterben," entgegnete J>a mit vnklärtem Ausdruck ihre« jugendlich lieblichen Gestcht«.
„Sterben?! — Kind, ich bitte Dich, sprich nicht von derlei! — Du wirst gesunden und wieder blühend werden, wie vordem, und er wird zurückkehren zu Dir — glaub' eS wir, Ida! — Ihr werdet Beide noch glücklich fein — glück icher vielleicht, al« wnn diese unselige Geschichte nie pasflert wäre! Verziehen hust Du ihm ja schon."
Ida schüttelte traurig da« Haupt; fle glaubte bester zu wisten, rote e« kommen würde. — Ihr Herz war gebrochen und mit einem gebrochenen Herzen kann man nicht mehr glücklich werden.
Den Brief, den Reinhard an sie. geschrieben, hatte fi»
nie erhalten, dämm hatte ste auch nicht geantwortet. Diesen Umstand hatte er bekanntlich ganz anders anfgesaßt, aber ste mußte sich al« von ihm vollständig vergessen erachten. Ida hatte jeden Augenblick seinem ScheidungSantrag ent« gegengesehen: fle hatte ihn ja durch schriftliche Erklärung unter j-nrm Briefe an fle, den fle auf feinem Schreibtische gesunden, rückhaltlos freigegeben. — Sie war erstaunt, in dieser Beziehung nichts, gar nicht« von ihm zu hören; ste begann zu fürchten, dcß er krank, hilfsbedürftig sei, unb härmte unb grämte sich um ihn wie eine geliebte, nie verlassene, nie betrübte Gattin. Ja, sie würbe — so groß unb edel war bet Impuls ihres reinen Herzens — zu ihm geeilt fein, um ihn treu unb aufopfernd zu pflegen, hätte fle gewußt, daß er krank, hätte ste feinen Aufenthalt gekannt.
Auf dem herrlich gelegene« Gute Recklingen hatte sich sonst im Winter stets eine sehr anaenehme unb anregende Gesellschaft, teils au» der Umgegend, teil« au« der nicht allzu fernen kleinen R sideuz, jufamstengefunben unb die ausgedehnte Gastfreundschaft, die prächtige Jagd und die überaus gemütlichen, heitern, geselligen Abende, sowie die gute Küche auf Stichtagen rosten mit Recht ebenso rühmlichst bekannt wie gesucht. Dieser Winter jedoch verstrich höchst traurig unb einsam auf dem Gute; die langen Abevde hindurch ward in den weiten Zimmern, auf den langen Korridors unb den breiten Treppen kein Ton, kein fröhliche« Lachen gehört; die GesellschaftSrLume blieben verschlossen vnb da« zahlreiche Wlld in ben ausgedehnten Forsten mochte stch nicht roecig wundern, so ganz und gar nicht inkommodiert zu werben, denn Herrn v. Recklingen'« zahlreiche Sammlung von Jagdgewehren hing unbenutzt in den Schränken. ES war als habe man dort einen geliebten tobten begraben, so still, so trourta und einsam war e« jetzt auf dem schönen Gute. Hortsetztm« folgt.)