Einzelbild herunterladen
 

ftr. »67

Marburg, Freitag, 13. November 1885.

XX. Jahrgang.

(Olirrljrf|ifdir Jcitniij

25 Wt-

Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes LsmitagSlilatt.

Expedition: Martt 21. Redaktion, Druck und Perlaa von Job. Aua. So*.

Bo« der valkauhalbinsel.

in

ItotteinM

ße, ods

liudolfS

mletho

i an

«I *

ffeur, .1.

nationale Kommission rach Philipprp-l zu sendens vor welcher Fürst Al xander daS Feld räumen müßte, begegnet mau in Srfia mit dem sehr plaustbler. Einwand, eine solche Kommission sei eine Unmöglichkeit, denn von ihr müßten jedenfalls Rußland und England euSgeschleffen werden, weil beide nur agitatorisch wirken würden, und eine selche Ausschließung würden beide sich nicht gefallen lasten. Man sieht: Schwierigkeiten ohne Ende.

Utber den bulgarischen Ex Krieg»Minister Cantoeuzene werden in Petersburg sehr scharfe Urteile laut, ja mau schreibt den Erfolg der Umwälzung seiner Uvthätigkeit zu, weil nach der Behauptung der nun zurückge kehrt« «russischen Offiziere die bulgarische Armee ganz in ihren Händen war. N. ch den Werten eines russischrn Offiziers b richtet der .Graschdanin", eS sei kaum anzunchmen, daß Cantacuzeue nichts von den vorbereitenden Ereigniflen gewußt habe, zu­mal er ein intimer Freund Karawelows war. Weiter berichtet ein Offizier, die MobilisierungS Ordre, gezeichnet von Cantecvzene, fei seinem Re^imente in folgendem Wort- loute zugegangen: .Allerhöchst wird sofortiger Besinn der Mobilisierung besohlen." Die Offiziere bezogen dos .aller­höchst" auf einen Befehl des Zaren, doch zwd Tage später kam die Täuschung an den Tag.

Wie weiter vcrlant-t, ist die Einberufung btt gern«in­famen bulgarischen und ostrumelischcn Nationalversammlung beschlosst ne Sache. Wahlen finden zu diesem Zwecke jedoch nicht statt, sondern e« werden die augenblicklich tu beiden Ländern bestehenden Volksvertretungen zu einem großen Parlament vereinigt. Wenn die Konferenz die Wieder­herstellung des früheren Zustandes beschließen sollte, so wird dieser Beschluß der VvIkSvertreiurg vorgelegt werden. Der Beschluß der Nationalversammlung kann natürlich nicht zweifelhaft fein. Die persönliche Ansicht einiger Bot­schafter in Konstantinopel soll übrigens dahin gehen, daß der SuÜan, um die Schwierigkeiten rasch und am sichersten zu lösen, den Fürsten Bl xander nach Konstantinopel be« rufen und ein direktes Abkommen mit ihm tr.ffen solle.

Die Pforte hat übrigen- die Botschafter benachrichtigt, daß sie eine serbische Invasion von Bulgarien als einen Casus belli betrachten würde.

er Idee, wenn die Türkei nicht eirschreite, eine inter-

H ritz er Siu«.

Roman von Theodor Küster. (Fortsetzung.)

eim

em Zu>

zella«,

, bei |O tbenf» M

N

>e* bat» P-e » tmlhul« a n durch M DreLde»

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte», fowied.Annoneen-Bureaux von Haasenstein undBogler in Frankurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien: Rudolf Moffe in Frankfurt e M, Berlin,München xnfc

Köln: 8. L. Daube und Co in Frankfurt « TL# BerlimLanuover u Pari-

Erscheint täglich außer an ygerktagen nach Som>- und Feiertagen. Quartal- SbonnementS-PreiS bei der «rpedition 2A Mk., bei tz« Postämter 2 Mk. 50 |Hg (ercL Bestellgeld). -»nsertiouSgebühr für die

tt*

frzirkt

rdt, dlg.

zu ver

i 31.

Einige Augenblicke noch schien der alte Musiker un- birectel 'Essig» überlegte er; bann brachte Selma Licht. Der Großvater sah das liebliche, schöne Gesicht seiner Enkelin, «och auch die bleiche Farbe, welche von Entbehrungen .... d Ate, unb er mußte sich sagen, daß Reichtum und all' [484 r®*» waS sich mittels bt ff eiben erlangen läßt, Selma

gaben), mehr g,gen das Vorjahr 54883444 Mk. Die HerauSzahlungen an die einzelnen Bur desfiaaten sind gegen das Vorjahr um 53 565000 Mk. höher. Es wird be- antragt, den kaiserlichen DiSpostliontfond, für Gnadenbe­willigungen um l/2 Millionen zu erhöhen. Die fort­laufenden Ausgaben der königlich preußischen Militär- Verwaltung verteilen sich nach dem dem BundeSrate bot» liegenden EtatSentwurfe folgenkermaße'-: K'iegSministerium 1705930 Mk., Mili tät kaffen wesen 229498 Mk., Militär- Intendanturen 1506593 Mk., Mlitäraeiitlichkcit 600510 Mark, Militär - Justizverwaltung 565 322 Mk., höhere Truppe«,BefeblShacer 2 273 724 Mk., Gouverneure, Kvm- mantat tetr, Platzmajore 599453 Mk., Adjutantur-Offiziere und Offiziere in besonderen Stellungen 851412 Mk^ Generalstab und LanbesvermeffungSwesen 1617 301 Mk., Ingenieur- und Pio ierkorps 1655828 Mk, Geldver- pflerung der Truppen 87674712 Mk., Naturalver- Pfl-o»ng 72056476 Mk, Bekleidung und Ausrüstung der Truppen 18809160 Mk., Garnison VerwaltungS- und ServiSwesen 29 697 222 Mk., Garnison B-mwefen 355 228 Mark, Militär-Mebiztnalwcsen 5415612 Mk., Verwaltung d«r Train-Depots und Instandhaltung d-r Feldgeräte 693906 Mk., Ver pfleauna der Ersatz und Reserve-Manu- schaften u. s. w. 2 27 6 726 Mk., Ankauf der R-monte- pferde 4768954 Mk., Verwaltung der RemontebepotS 1563837 Mk., Reil« kosten, Tagegelder, Vorspann- und Transportkosten 4833177 Mk., Militär ErziehungS- und BildungSwefen 4 657 538 Mk., Militär - Gefängniswesen 688570 Mk, Ar werte- und Waffenws n 11771709 Mk., technische Institute der Artillerie 521039 Mk., Bau- und Unterhaltung bet Festungen 2547554 Mk., Wohnung-- stkld-Zuschüfle 6500614 Mk., Unterstützung für aktive Militärs und Beamte 97875 Mk., Z.schuß für die Milttär-Witwenküffe 814 642 Mk., verschiedene Ausgaben 110 225 Mk., zusammen 267 460347 Mk., also mehr gegen vorigen Voranschlag 5659 722 Mk. Die einmaligen Ausgaben verteilen sich: Geldverpflegung 221349 Mk., Militär Eisenbalmwesen 565000 Mk., Mag. zin - Verwal- tunaLwesen 2546200 Mk , Garnison. BerwattunASwesen 3 390 452 Mk , Militär - Medizivalwesen 1344600 Mk., Trainwesen 30000 Mk, Remoutewesen 257000 Mk., Militär-Erziehung»- und BildungSwefen 667800 Mk, Militärgefängk'iswesen 250000 Mk, Artillerie- und Waffen­wesen 8529200 Mark, Ingenieur- urd Pionierwesen 192230 Mk, zusammen 17993831 Mk, demnach gegen daS Vorjahr mehr 8016069 Mk. Beantragt ward auch die Errichtung einer dritte,- Lanbwchr-Jnspcklton lür Berlin und in besonderer Denkschrift begründet. Die Etats- Ectwürfe der königlich sächsischen und der württemb^rgischen Militär - Verwaltung für 1886/87 schließen mit einem Mehrbedarf von 904106 Mk, bezw. 1020 626 Mk.

»Sie hat sich mit ihrem Mann gezankt, Frau," srgte Herr v. Recklingrn.Der erste Streit, die erste häusliche Differenz: Du lieber Gott man kennt das ja und 's bleibt in btt besten, gemütlichsten Ehe nicht aus! Dergleichen steht Immer w-it gefährlicher aus, als es ist, und es sollte mich sehr wundern, wenn mit bet nächsten Post nicht der Herr Gemahl von der Eis »Zahnstation mit sehr besorgter Miene hier einttäfe l M^ßt daS nicht so tragisch nehmen, mein Jdcheni"

Und lächelnb kniff und streichelte der gutmütige Papa bet Tcchtet Wange.

»3st'S wahr, Iba, hast Du Dich mit Reinhard ge­zankt?" fragte nun auch, durch die Worte des Gatten in etwas erleichtert, tie Mutter.

Ida nickte stumm bejahend.

»Na, flehst Du, Frau, ich hab' Dir'S ja gleich gesagt 17 lachte der alte Herr. Dann setzte er ernster, kopfschüttelnd hivzu: »Aber hör mal, Jdchm, da- hält' ich von Dir nicht erwartet, daS Du wegen einet solchen Lappalie Deinem Manne gleich davonlSufst . . .

«Nun mach' Du ihr auch noch Vorwürfe l" ri<f Fran v. Recklingen entrüstet. .Natürlich, Ihr Männer haltet ja immer zusammen, sobald es gilt, uuS arme, schwache Frauen zu unterdrücken oder unsere Rechte zu schmälern!- Komm nur mit auf Dein Zimmer, Jdchm und erhole Dich erst mal; nachher kannst Du u»S ja erzählm, was e» zwischen Euch gegeben hat Alles, von Anfang au, wir werden ja dann fehm, «er Recht Hali"

W llig ließ Ida sich auf ihre Zimmer führen. Dort bat Iva Ihre Mutter, fle allein zu laffea, well fie vor Allem der Ruh« bedürfe. 'eS-rtsetzn« folgt.)

Er reichte Reinhard die Hand über den Tisch hin, duckte prüfend ziemlich lange in deS jungen Mannes Züge sagte bann, nie erleichtert und mit Ueberzeugung, so, nur Reinhard eS.m konnte:

»Ich willige ein: ich vertraue Ihnen ihre Ankunft anl" »Und ich werde meines Schwur- eingedenk bleiben/

Mette ernst, feierlich Brunner.

. Nur zu bald sollte dieser die Rolle deS Vormunde-, brüderlichen Beschützet- beginnen. Al- et eines Abends da fand er den allen guten Musiker so schwach und Mfällig, daß eS. ihm zweifello- ward, wie deffen Leben «w noch nach Sekunden zu berechnen fei. Der alte Mann ^ute bereit- nicht mehr sprechen. Er gab feiner Enkelin Zeichen zu verstehen, ihm ein Meine» Päckchen au- Want schrank zu bringen. Diese« Päckchen enthielt ^Papiere und trug die Adreffe: »Für Herrn Franz l,. Epavg reichte e« Reinhard hin und wie- auf die Räck« dort stand von seiner Hand geschrieben: .Für den

^stehend genannten Bormuud meiner Enkelin. Nach alt! m T°de zu eröffnen."

£ || einige schwere Stunden verbrachte Reinhard bei be«

Auch die h'uligrn Meldungen von der bulgarisch - ser­bischen Grenze losten erkennen, daß ,eiu klriner Anfang zum Kriege" bereits gemocht ist, welcher den Beginn der Konferenzverbandlungen .postend" legleltet. Die Konferenz hct also alle Ursache, sich zu beeilen, um weiterem Nnheile vorzubeugen, denn eS gewinnt, trotz aller serbischen Dementis, fast den Anschein, als ob die Serben dafür sorgen wollen, daß die Konferenz mit ihrer Dazwischenkunft zu spät kommt. Aber auch die Zustände in Osttumelien erheischen eine dringende Remedur. Wie verlautet, sind nämlich von dort auf der Pforte Berichte eiugelaufen, welche die dortige Lage sehr düster schildern. Insbesondere sollen eS die bulgarischen Freiwilligen fein, dir in den Dörfern Exzesse verübens namentlich on Türken und Griechen. So wären inStarii- maka ein Muselman und zwei Griechen, in Lazkoma ein Muselman getötet und desten Frau geschändet teerten. Bei Tschirnowa, Palaste und PasLtuldje hätten die bulgarischen Freiwilligen ähnliche Vcrbrechm verübt. Auch gegen die sogenannten konservativen Bulgaren k-hre sich der Haß der durch bulgarische Popen auffestachelten Menge. Die Pforte soll die Botschafter von diesen Vorkommnissen verständigt urb dabei wiederholt den Wunsch nach einer .prompten Lösung* der oflrumelischen Frage durch die Konferenz aus-

2 Haus- gedrückt haben. Ob dieser Wunsch jedoch .prompt" in .30$ Erfüllung gehen wird, muß stark bezweifelt werden. Denn was heute noch über die Konferenzsitzungen verlautet, ist keinesfalls sehr befriedigender Natur. Es heißt darüber: In der Rede, mit welcher der türkische Minister deS Aeußeru die Konferenz eröffnete, bezeichnete er die Herstelluug des Status quo ante als Ausgangspunkt und Zweck der Kon­ferenz. Die Vertreter der drei Kaisermächte, denen sich Italien vollständig anschloß, verlasen eine Erklärung in ähnlichem Sinne. Der englische Vertreter, unterstützt von dem französischen, erhob Einwendungkn; die Konferenz könne vielleicht auf die Herstellung des Status quo ante abzielen, dies dürfe aber nicht als Zweck und Ausgangs­punkt der Konferenz bezeichnet werden. Es entstand nun eine längere Debatte, die vorläufig refvllatlvS blieb. ES verlautet weiter, daß die Konferenz bloß die Einsetzung einer Kommission zur Prüfung der Situation OstrumelienS beschließen, zu einem sorstigen Ergebniste aber nicht gelangen werde, lieber daS Vorgehen deS englischen Kabinetts ist folgende Version im Umläufe: DaS Ministcrium Salisbury wolle vor den Wahlen keine antibulgarische Politik machen, würde sich aber später, wenn es im Amte verbliebe, dem > Status quo atite nicht widersetzen.

Herrsche» Reich.

Lerlitt, 11. Nov. Der Kaiser erteilte nachmittags um I V, Uhr dem Bischof RooS auö Limburg Audienz Nachdem der Zusammentritt des Reichstages auf ben 19. d. MtS. angeordnet worben ist, hat der Minister der geistlichen Angelegenheiten für die neuen Laube und der evangelische Obedirchemat für die alten Lande den Konsi­storien aufgegeben, die Geistlichen zu veranlaffen, während der Dauer der Sitzungen bei den öffentlichen Gottes­diensten im allgemeinen Kirchengebete die vorgeschriebene Bitte für den Reichstag zu halten. Der Etat des RkichSlch-tzamteS b-z ffett die Gesamt Ausgaben auf 162834666 Mk. (davon 7300000 Mk. einmalige Aus-

alten Musiker, bi» dieser sanft und auf Seinen' schmerzlos hinübergeschlummert war. Von diesem Augenblick an über­nahm Reinhard ausschließlich die Sorge für alle». Er brachte Selma in der Familie unter, bei welcher er selbst wohnte, besorgte die Beerdigung ihres Großvaters und ver­ständigte sich mit dem Vermieter der mehr als bescheidenen Wohnung de» alten Musikers. Alle Habseligkeiten, die ganze Hinterlaffevschaft SpangS nahm er halt ihm von dies m noch bei deffen Lebzeiten erteilter gerichtlicher Voll­macht an sich. Und Selma selbst, vor ihres Großvater- Tv" e du'ch diesen angewiesen, wen sie als ihren Vormund zu betrachten habe, ordnete sich Reinhard wie einem älteren Bruder unter.

IV.

Wohl Über ein halbe- Jahr war verflossen feit den Vorgänge», welche den Beginn dieser Erzählung bilden. Ida v. Brunner hatte sich die ganze ZeU hindurch bd ihren Eltern aufgebalten; was hätte sie auch in ihrem bad'» samten eigenen Heim gewollt eine Verlassene, wie fie war?

Al- sie damals so plötzlich, so ganz unerwartet und wider alle Abrede auf dem väterlichen Gute nach jener improvisierten Reise zu ihrem Gatten anlangte, die sonst so hester-glückliche junge Frau nun bleich und tobeS traurig; da waren ihre eitern in höchster Besorgnis um sie gewesen.

.Aber Kind, liebes Kind, warum kommst Du schon zurück-" fragte bestürzt die Matter, Frau v. Recklingen. ,Wa» ist geschehen- Hast Du Reinhard nicht getroffen ober bist Du krank- Deinem Aussehen nach sollte man e» fast glauben. Aber so spricv doch nur, Ida!"

Weinend warf Fran v. Brunner sich in tie Arme der Mutter, war e» doch das erste Mal, daß ungehindert ihn Thräna» floss«, daß fie nur von den liebenden Eltern beobachtet ihrem herb« Schmerz Lust «ach« komtte.