uni
«r
Ile
pen 18| n
:h a. ] lland), 1 Uri
a 30 t, [48
ffl.
M.1^ rbukj [oie^ llzkaß, 8 zu»
[48
K
Vo? |
[48
zer R< Verla« ir. 19, ermietj lasse L tat süs nether. üchr i »ehörii s.d.itz
[43
)ohu« r 1. As e zu «
[47 nt, treppe
läuSlich erden j der Et
[44!
ocisung ig von en ierlin,
ucht-L« u Waffe es Mit« en 3 N L-StrJ r
*/4 '/»
103 104 102’!
104 104*6 103'j
67 79*
100*j 104 V 100*f 56 78 81
299. 94*’
219* 116*
64*
urg,
St. »65.
JRarÖUCfl, Mittwoch, 11. November 1885.
XX. Jahrgang.
«S Vll.
^scheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- unb £ vertagen. — Quartal« onnementS-PreiS bei der
greebition 8*/* «Bit., bei
Postämter 2 Wt. 56 «fg. (excl Bestellgeld). JAsertionSgebühr für bte
©lirrljtffifdit ZkitilW.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte-, sowied.Annoncen-Bureaux von Haasenstein undVogler in Frankurt a. M., Caffel. Magdeburg und Wien; RudolfMoffe in Frankfurt a. M., Berlin,München und Adln; V. 8. Daube und io. in Frankfurt a. SDL, Berlin.Hannover u Paris.
Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg n. Kirchhain. — Illustriertes Sonutagöblatt.
Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
Die ZivSherabsetznvgea.
Der Notstand des Privctkcpitals ist in neuester Zeit vielfach dir Gegenstand von Bespreü ungen gewesen; für den Rückgang des Zinsfußes sind veischiedenr Gründe und Erklärungen aufge stellt, sowie auch Mittel zur Abhilfe vor- g«schlagen. Börsenblätter meinen, Handel und Industrie stocken zu sehr, um deS vorhandene Geld zu beschäftigen, und das Kapital, welches fast ausschließlich in festverzinslichen Werten Anlage fuche, treibe durch seinen W'ttbewerb dir Kurse oder, waS dasselbe ist, drücke die Verzinsung herab. Daß dieser Grund nickt vollständig znlriffe, kehrt ein Blick auf daS letzte Jahrz>hrt: als gegen die Mitte derselben Handel und Industrie stark darnieder lagen, be*. dang das K> pital in sicheren Anlagen gute, in weniger ficherev Pcpieren sogar recht hohe Zinst n. Jetzt ist aber der Zinsfuß zurückgegangen, trrtzdem wesentlich größere Kapitalien als vor zehn Jahren in Handel und Industrie beschäftigt sind. Der einzige pich hallige Grund für die erwachsende Schwierigkeit, Geld s ut zu verzinsen und sicher anzulegen, ist, daß thatsächlich in Deutschland und im ganzen westlichen Europa mehr Kapital eiz ugt und erspart wird, alS die alten Kulturländer lohnend beschäftigen können. Siu dauernder Umschwung in der weichenden Richtung des Zinssatzes ist daher so lange licht zu erwarten, als nicht einer vorteilhaften Verwendung neue Wege eröffnet sind; bis dahin dürfte der Zinssatz — vielleicht mit Unter» brechvngen infolge politischer Beunruhigungen oder irgend eines neuen Börsenschwiudels — weiter zurückgehev.
Der ZinSrückgang würde sich jedoch nicht mit der Schnelligkeit vollzogen haben, welche gerade in den letzten Jahren den ruhigen Kapitalisten in andauernder Aufregung erhält, wenn nicht die Kouvertierung von den Beherrschern der Börsen mit derselben Geschicklichkeit und gleichem Erfolg auSgebeutit wäre, wie seit jeher tie Emission. Auch auf diesem Gebiete hat sich die Macht deS Großkapitals als alles beherrschend und unüberwindlich erwiesen. In England scheiterte der Versuch, die Zprozentigeu KonsolS in 2Vs- und 23/aprozentige zu verwandeln, weil die Bankiers dagegen waren; in Ungarn gelang einer einzigen Finanz, gruppe der Umtausch der unkündbaren bprozentigen Goldrente in 4vrezei tige — bekanntlich eine eigentlich ganz vn- gesetzliche Operation, welche wegen ihres Umfanges und wegen mancherlei Gegnerschaft in Bölsenkriisen besonders schwierig war. Die Umwandlung einiger Dutzend Milliouen Mark 5« und 4i/2ptcjen tiger Pfandbriefe in 4- und 31/»« piozevtige vollzieht sich schon ganz im stillen. Während die Ausgabe neuer Papiere überall auspoftunt wird, werden die Bedingungen, unter denen tie Konveitierungen statt- finden, meistens nur in den statutenmäßigen Blättern bekannt gemacht. Da aber gerade Besitzer solcher festver- |
zinSlichen Werte oft weder Börsenblätter lesen, noch mit Bankiers in regelmäßiger Verbindung stehen, so haben sie neben dem Aerger, eine gute Anlage zu verlieren, härfig noch ZinSeinbußen und Unkosten.
Jntereffant und lehrreich ist eS nun, sich zu vergegen- trärtigen, welche Verbältnifle und waS für Mittel gerade in der neuesten Zeit diese teilweise recht großartigen Operationen ermöglicht und gestützt haben. Die Ueberschüffe an Zinsen und andern Erträgnissen, welche allein in Deutschland alljährlich zu kcpitolifleren find und meistens dem Effekte» markte zugeführt werten, umfaffen mehrere Milliarden Maik. Da nun z. B. im laufenden Jahre bisher noch für keine Milliarde Mark neue Werte an die hülfet en Börsen gebracht sind, so ergiebt sich schon hieraus ein bedeutender Betrag Anlage suchenden Kapitals, welches bei nur bescheidenen Anforderungen an den Zinsfuß befriedigt werden kann, oder waS dasselbe ist, deffen Käufe die Kurse der Papiere in die Höhe treiben. Ferner verfügen Deutschlands große Emissionsinstitute wohl über eine Milliarde eigenen Kapitals, und ein noch weit g> ößerer Betrag wird ihnen vom Publikum im Depositen- und Kontokorrent- Verkehr zu G-bote gepellt. Dabei spielen auch die großen Guthaben fremder Länder eine hervorragende Rolle; so hatte Rußland noch vor kurzem 60 bis 80 Mill. Mark in Berlin zu fordern und erhielt nur 2 Prozent Zinsen vergütet Auch sind schon Stimmen laut geworden, welche eine Elmäßigvng der gewöhnlich Zprozentigen Verzinsung im Kontokorrent verlangen. Nun ist eS freilich nicht richtig, waS die Spekulation gern glauben machen möchte, daß, da so viel Geld zu zwei bis drei Prozent zu haben ist, auch die Verzinsung der Papiere allmählich auf diesen Satz sinken müffe, und die Kurse so lange weiter steigen. Das ist falsch, weil daS Großkapital überhaupt keine festen, sondern nur vorübergehende Anlagen sucht, bei denen eS ihm nur auf ZwifLengewinne, auf eine Ausbeutung deS Privatkapitals durch Provisionen, Kursgewinne, Differenzen n-dergl. ankommt, aber durchaus nicht auf rubigeu ZinSgenuß. Sicher ist aber, daß sich mit so vielem billigen Gelbe leicht jede gewünschte Gewähr für daS Gelingen einer Konvertierung bieten läßt. Erleichtert werden dieselben ohnehin durch gewiffe Unterstützungen seitens deS Pui likumS selbst: fast jeder Kapitalist hält feine Anlagen trctz einer Zmzsußherabsctzung fest; schon weil ihm für den Augenblick oft ein Vorteil durch eine bare Zuzahlung; oder durch den anscheinend niedrigen Preis des neuen Papiers geboten wird; auch nachher verkauft er selten, weil eS eben schwer ist, ein. anderes gleich gutes Papier zu finden. — Wa« für Erftlge auf diesem Gebiete bisher ergibt find, hat jeder Kapitalist an seinen ZirSeingängen zur Genüge selbst erfahren; deutsche drei-
einhalkprozentige KonsolS und Pfandbriefe sind zu 99 bis 100 am Markte; eine russische Priorität der MvSkau- RsSsan-Eisenbahn, die nur vier Prozent hfi^t, ward kürzlich zu 88 untergebrackt unb steht jetzt 94, während noch die vorjährige f ünfprozeniige russische Staatsanleihe nur zu 89 aufgelegt wardl
Wir haben hier diese alle Privatkapitalisten so sehr beschäftigende Frage der Zinsfußermäßigung nur im Hinblick auf die Verhältnisse unb Entwicklung des G-lbmarktS behandelt. Die soziale Bedeutung, welche teils in der Hcrabdrückung des Einkommens manchen kleinen Rentier besticht, sowie aber auch in btt Entlastung der Schuldner, mögen dieselben nun bei Pfand- und Hypothekenbriefen Grundbesitzer und Landwirte, oder bet Staatsanleihen der Staat fein, ist schon wiederholt besprochen. Als Schutz gegen eine weitere Entwertung des Privatkapitals hat man von den verschiedensten Seiten gefordert, daß der Staat keine Konvertierung unter 4 Prozent vornehmen dürfe. Diese Forderung erscheint vorläufig durchaus berechtigt; aber ihr Zugeständnis wird keineswegs hindern, daß Städte, Landschaften und Hypothekeust stitute stch immer mehr Geld zu 314 Prozent beschaffen, und ist schließlich der Kredit deS Staates schlechter, als der von Privatleuten? — Aloin anderes Mittel gegen den Rückgang des Zinsfußes wird vorgeschlagen, die deutschen Staaten sollten die Schuldentilgung einstellen uns das dadurch dem Kapitalmärkte vorenthaltene Geld auf Kanalbauten verwenden. Wenn die Gläubiger damit einverstanden sind, ist auch gegen diese Vorschläge nichts eirzuwenden. Da aber der Betrag, um welchen so der Wettbewerb des Kapitals erleichtert würde, für Preußen auf 33 und nur auf 80 Millionen für ganz Deutschland berechnet wird, so dürfte die Maßregel kaum einen Einfluß auf den Geldmarkt haben, zumal ba bem« selben ja doch die Summe auf anderem Wege wieder zu- geführt würde. Größere Beträge find oft den Börsen durch eine Anleihe oder durch eine Ultimoliquidation entzogen, und doch zeigte stch nur eine unwesentliche unb rasch vorübergehende ZinSfußoeräuberung. Künstliche Mittel können bie augenblicklich tu so raschem Fluß befinbltche Bewegung schwerlich aufhalten.
Dennoch können wir nicht schließen, ohne auf die Gefahren hingewiesen zu haben, welche bie immerhin nicht ganz ausgeschlossene Möglichkeit eines Umschwunges am Gelomarkte in sich schließt. Sobald die Gelbnachfrage steigen oder der Geldzufluß aus irgend einem Grunde ab» nehmen sollte, fallen die durch den Geld Überfluß so stark gestiegenen Kurse der Börsenpapiere, und die Inhaber derselben, welche bei zwar abnehmenden ZinSerträgnissen immer noch durch eine Vermehrung ihres K pitals erfreut wurden, werden mit KurSeinbußcu zu rechnen haben. Bei ganz
Heißer St««.
Roman von Theodor Küster.
(Fortsetzung.)
Eie hatte mit trauriger Stimme gesprochen; noch trauriger setzte ste jetzt hirizu:
.Grotzp pa möchte so gern in Deutschland sterben, sogt er immer; aber ich glaube nicht, daß dieser fein Herzenswunsch in Erfüllung gehen wird: er ist schon alt nnv — schr krank. — Wenn Großpapa stirbt, bann hab ich feinen Menschen mehr auf der Welt — bann siebe ich ganz allein >wd Niemanb kümmert stch mehr um mich!"
Reinhard hörte, wie Thränen bie Stimme de» Mädchens erstickten. Von tiefem Mitleid ergriff n fragte er:
«Wer und was ist Ihr Großvater und weshalb können Eie nicht nach der Heimat, nach der Sie stch sehneu, zu- rückkehreu?”
«Großvater war ein Musiker/ entgegnete sie; .jetzt aber ist er alt und kann nichts mehr leisten. Wir leben ausschließlich von meinem Notenschreiben und das ist ein soures, ein kärgliches Brod. Großvater konnte nie so viel «übrigen, um die Reife nach Deutschland zu bestreiten, «r hat noch einen Sohn dort, allein wir kennen unsere N'nseitige Sdreffe nicht, und ich glaube, daß Vater unb «vhn einander — entfremdet sind.'
Sie blieben in diesem Augenblick vor einem großen, ollen Gibänbe stehen.
»Hier wohnen wir,' fuhr ste fort. .Nochmals herz- uchsien Dank für Ihren Schutz und Ihre Begleitung."
»Wie heißt Ihr Großvater? — Ich möchte ihn morgen beuchen, nm zu sehen, wie es ihm geht und ob ich ihm «irgendwelcher Weise nützlich sein kann: einen Laubsmavn °arf man nicht im Stich lassen, wenn er tu Not ist.»
.Sie sind sehr gütig, mein Herr, nnb ich bin überzeugt, daß Großpapa stch sehr freuen wird, mit Ihnen vom lieben Deutschland sprechen zu können. Er heißt Spang und hier wohnen mir.”
.Ich werde morgen zu Ihnen kommen.”
.Gute Nacht, mein Herr!”
Reinhard rief eine leere Droschke an unb ließ sich nach seiner Wohnung fahren.
DaS kleine Abenteuer hatte ihn wieder in Berührung mit Menfchen gebracht und bald legte er täglich ben Weg zurück bi» zur Wohnung de» kanten alten Musikers. Reinhard wußte, welche Freude j-deSmal fein Erscheinen irr dem traurigen Dasein deS hinfälligen ©reift» schuf, wenn er einige Stunden bei diesem zubrachte, sich von ihm erzählen laflenb. Und er verstand zu erzählen, der alte Mann; R tnhard war verwundert über seine gewaltige Sprache. — Welcher Stolz, welch' edle Ansichten sprachen an» feinen Worten!
Al» er zuei st ben Greis und feine E- klirr besucht, da war die- vornehmlich in der Absicht gefchehm, sich über bie materielle Sage der beiden augenscheinlich vereinsamt dastehenden Landsleute Aufschluß zu verschaffen und nach Kräften, fall» nötig, diese zu verbessern, ihre Not zu lindern, ihnen in bilktteftet Weise Geldmittel zur Verfügung zu stellen. Al» irbtfien Herr Spang, eine hohe, doch schon sehr gebeugte Gestalt mit edlen Zügen, Reinhard in weltmännischer Weise entgegentrat und ihn empfing, al» wäre da» kleine dürftige Stübchen ein Salon ba war er verblüfft nnb mit Interesse lauschte er ben Erzählungen des alten Manne», der mit Begeisterung von seiner Hcimat sprach.
Selma, de» Musiker» Evk liu, war kaum sechzehn Jahre alt. Sie war ein liebreizende» Geschöpf: Die hohe,
schlanke Gestalt, die Sicherheit unb Grazie ihrer Bewegungen hatte sie vom Großvater geerbt, ober sie mußte sich solche Vorzüge, wie bie letztgenannten unwillkürlich ungeeignet haben. Selma war trotz ihrer materiell mißlichen Lage ein fröhliche», auf Gott vertrauenbe» Kind; ste that durch ihre herzliche Liebe und Fürsorge n^ endlich viel, um dem kranken Großvater seine Lage zu erleichtern. Sie hatte eine gute, gediegene Erziehung erhalten, und in dem gegenseitigen Verkehr zwischen Beiden machte sich fortwährend der gute Ton der besten Gejellschafi bemerklich. All' diese Umstände unb seine sonstigen Beobachtungen gaben Reinhard viel zu denken.
Im Anfang war der alte Mann sehr zurückhaltend feinem Landsmann gegenüber, wenngleich unter steter Beobachtung der ausgesuchtesten Artigkeit; nur allmälig erst schien er Vertrauen zu ihm zu gewinnen und feine guten Eigenschaften zu würdigen; er zeigte sich he-zlich dankbar für die Stunden, welche Reinhard ihm nnb feiner Enkelin widmete. Bon sich selbst und seinem Vo leben sprach Herr Spang nie.
Eine» Tage» saß Reinhard v. Brunner auch wieder in bem Stübchen des Musiker». Sie batten schon lange mit einander geplaudert und als der Abend hereinbrach und e» zn dämmern begann, ba sagte der Greis zu stimm Gast:
.Diese Dämmerstunde ist mir so lieb znrn Denken, noch lieber aber zum Plaudern, wenn ich so angenehmen Besuch habe, wie den Ihrigen, Herr Fontaine; das Liebste von allem aber ist mir um diese Zeit bie Musik: Selma, gieb mir dock meine Geige und singe un» Mendelssohn'» schöne» Lied: .Es ist bestimmt in Gottes Rat, daß man vom Liebsten, wa« man $at, muß scheiden.”
__________ «Fortsetzung folgt)
» - - > i i i t ..'3