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MerheUlhe jfitimg

Rutzlaud und England.

Wrvn die Orientwitr« nicht schon längst ihr Ende «nicht haben, so liegt die Hauptschuld daran an dem Gegensätze, welcher zwischen den Regie, uvgen von Peters­burg und London besteht. Daß diese MeinungSvrrschirdrn- kst existiert, wissen die mehr pfiffigen als genialen StaatS- Minnrr in Belgrad, Sofia Md Athen recht wohl, und deshalb pfeife» st« sich eiuS trotz aller EnnahuMgru der Großmächte. Sie geben ihre Fliedens - Unterwürfigkeit-« Versicherung-n mit dem Hintergedanken ab, daß alle- nur eia Matt Papier sei, da- leicht vernichtet werden könne. Namentlich in Griechenland ist deshalb der Mut noch fefc «roß, wobei die Nachkommen der alten Hellenm freilich tzrrg.sien, daß sie eS nur zu großen Lüftungen in politischm Kaonegießereien gebracht haben, während ihre Vorfahren da- Siegen vortrefflich verstanden. Vom Steg hängt in ter Politik alle« ab; da- Schwert versteht doch noch, dir Federn vom grünen Tische zu zerhauen, aber auf einen Steg im Waffentanz rechnen die Griechen weniger, haben iS auch gar nicht nötig, so lange die Uneinigkeit der Mächte dies« eine diplomatische Niederlage verbürgt. Die Sache würde tm Handumdrehen ein andere- Gesicht gewinnen, wenn da- wirklich einige Eurrpa seine Befehle erließe. Die Einigkeit, daran hapert- aber; denn daß fir nicht so tot« handen ist, wie e« der Fall fein sollte, beweist die Saum« seltgkeit in Konstantinopel am beste«, und mag dagegen so viel geredet werden, wie da will.

Rußland- Pläne find rff nbar: Tie kleinen Balkan« staaten find ihm sehr angenehm, fie mögen fich mehren, wachsen und gedeihen, Krieg mit dem Türken führen, ihn gar auö Europa htnauSschlageu, aber alle- nur mit hoher rassischer Bewilligung. Serbien mag ganz Albanien nehmen, Griechenland Macedonien und Bulgarien am Ende Kon­stantinopel, alle« wird den Ruffeu recht sein, wenn nur die drei Regierungen unbedingt und ohne Widerrede für j tzt md alle Zeiten so tanzru würdm, wie die Petersburger Pfeife ihnen aufipielte. An solche Willfährigkeit ist aber nicht zu denkm, die bösen Serbe« und Bulgaren haben r« ganz vergeffeu, daß sie vom heiligen Rußland au- der türkischen Knechtschaft beseelt stad und deshalb regnet au» dm Spalten der Petersburger und Moskauer Zeiiungen rin Donnerwetter nach dem anderen über den Bulgaren- fürsten Al-xander, der bekommt immer dcppelte Portionen, Md den Serbenköuig Milan herab. Nebenbei bekommt auch Oesterreich seinen Denkzettel, da» die panslawistischen Blätter fortgesetzt im Verdacht haben, e- begünstige Serbien heimlich, um damit eine Handhabe zum selbständigen, küvf- tigen Eingreifen in die Balkanvrrhältuiffe zu gewinnen. Serben und Bulgaren könnten undankbar gqgen Rußland scheinen; aber ist die Maus UvdanSar, die, nachdem fie von der Katze, welche st« fresfm wU, eine Zettlang gehegt Md geschont wordm, davonläuft? Die bnlgarischm Mäuse besonders kennen den rusfischen Kater gar zu gut, al- daß fir lauge auf seine Liebkosuugm achten würden.

Zöcheiitliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.

Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. Loch........ ...........

Marburg, Freitag, 6. November 1885.

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Lettische- Reich.

8 erlitt, 4. Nvv. Au» den dem Bundesrat vorlie­genden Etat- der Reich» - Finavzverwaltuug bringen die ,B. P. 91." folgende weiteren Angaben: Der Etat für die Verwaltung der kaiserlichen Marine auf da- Etatsjahr 1886/87 enthält an fortdauernden Ausgaben 37 398 928 Mk., au riumaligw AuSgabm 11073900 Mk.; da» find gegen das Vorjahr mehr an ersteren 4318334 Mk. und au letzteren 1814500 Mk. DaS MehrbedürfuiS an fort»

Daß Rußland sich schließlich in dm direkten oder in­direkten Besitz Konstantinopel» brivgeu resp. dm Zugang zum Schwarz« Meere wenigstens fich allein sichern »ifl; kann natürlich den Engländern nicht angenehm sein. Mög­lichst weit fort mit den Russen von der indischen Grenze unb von Konstantinopel. daS ist ihre Parole, und darnach richtet sich die ganze brittfche Politik. Die Wirren um die afghanische Grenze find beigelegt; ja, aber kein Mensch, weder in Rußland noch in England, glaubt, daß damit der Friede sür all« Zetten gesichert ist. ES kann zwanzig auch dreißig Jahre dauern, aber edle» Tage- wird der Kampf um die Teilung von Asim doch beginn«. Hat Rußland das Schwarze Meer unbedingt sicher, ja gewinnt eS viel­leicht sogar direkten Ctt fiuß auf die Verhältniffe im Mittel­ländischen Mer, dann sind die Engländer geliefert, und der russische Sieg ist ohne eine Schlacht entschieden. Die einzige Sttlle, wo England die RussM empfindlich treffm kann, ist die Küste de- Schwarzen Meeres; ist der Zugang zu diesem gesperrt, so kann Rußland alles in Ruhe ab« warten. An der Ostfeeküste können die Briten nichts aus- richtm und in Asten kann ihnen selbst ein Sieg über die russische Landarmee keinen Nutze« bring«. Schlagen htn- grgen die Ruffen die Engländer, so kann leicht das ganze brittfche Reich in Indien in die Lust stiegen. Denn dl Asien find die Ruffen die populäreren.

Dir evglifche Regierung würde e» deshalb gerne sehen, wenn vammtlich Bulgarien durch Erweiterung seine- Ge­bietes festgestellt würde, daß e» aus der Unabhängigkeit von Rußland vollständig herouSkäme. Die Botschafter« kmrfermz in Konstantinopel wird ja nun allerdings die prinzipielle Wiederherstellung des frühere« Zustande- in Ost-Rumeli« beschließe«, und wenn die Bulgaren parierten, Serben und Griechen fich zufrieden gäben, so wäre ja alle- gut. ES sei aber gestaltet, die Frage oufzuwerfeu, waS sollte werde«, wenn, auf die Verschiedenheit der rusfisch- englischen Anschauung« bauend, die Kleinstaaten bei ihr« Ansprüchen beharrten und sich nicht fügten? Die Türkei ist wohl bereit, zur Wiederherstellung ihres Ansehens Waffra- gewalt anzawrndru, aber fie zeigt unacmeiu wrutg Lust, auf ihre Kost« einem Beschluß der Mächte Achtung zu verschaffen. DaS liebenswürdige Rußland wäre sofort bereit, die Exekution-rolle zu übernehmen, aber dazu sagt England nein! Und was bann? Bisher ist also der Orieutkuvteu noch nicht ganz zerhauen.

-jAeint Mich-ußer an

SL (ejtL Bestellgeld).

dauernden Ausgaben umfaßt zunächst eine Reihe von For­derungen, welche in der organischen Fortbildung der Marine ihr« Grund hab«; im w-tteren wird dasselbe durch die Anforderung« der überseeischen Politik bedingt. Entfalle» unter den erster« Gesichtspunkt der Zugang an veamteu- stelleu bet der Zentral VerwaltuvgSftclle unb den Provinzial« rc. Behördw, Aufbeffernugen im Gebiete der Seelsorge u. dergl. tu-, so entspringen der Hauptsache «ach aus dem an­deren Gesichtspunkte die Forderungen für ein« Kontre« Admiral, die Vermchrung de» See-OffizierkorpS, der Deck« Offiziere und der Mannschaftsstärken der Matrosen- und WeHdivistou«; sowie die Mehrforderungen sür die In- dienfihaltnng der Schiffe und Fahrzeuge und für die Naturalverpflegungi Die einmaligen AuSgab« enthalt« neben den Ansätzen zur Fortsetzung bereits begonneurr Bauten », Forderungen zum Bau von zwei Krevzem, eines Avisos, zweier Torpedo-DivisionSboote, eines Schlepp­dampfer» u. dergl. m. Der Etot über den Reichsinvaliden« fonts' für das EtotSjahr 1886/87 weist eine GefamtauS» gabe von 26 961588 Mk., um 763917 Mk. weniger al» tm laufenden Jahre auf. Von diesen Ausgaben entfall« auf Jnvalidenpensivnm infolge de» Krieges 1870/71 bei der Verwaltung des ReichSheereS für Preußen 16180000 Mark, Sachsen 1034 550 Mk., Württemberg 566 275 Mk., Beyern 3918402 Mk., bei der Verwaltuna der kaiser­lichen Marine 18604 Mk, zusammen 21717231 Mark, auf Jnvalidenpenstonen infolge der Kriege vor 1870 3713 321 Mk., die Ehrenzulage au die Inhaber de« Eifern« Krerzes von 1870/71 beläuft sich auf 40068Mk., die Pensionen für ehemalige französische Militärpersonen auf 425 000 Mk.; die Ausgaben für die Invalid«. Institute im Deutschen Reiche sind auf 530522 Mk. ver­anschlagt. 4®le Einnahme des ZnvalidenfondS an Zinsen beläuft sich auf 20894000 Mk, so daß fich gegenüber dem Gesamtbedarf ein Kapitalzufchuß ton 6067 588 Mk. ergtebt. Der P«fiouSstand zu Lasten des Retchstnvaltdm« foudS au Pensionen unb Unterstützungen für die Ange« hörige« der vormalig« fchleSwig-helsteiuifch« Armee belief fich Ende Juni 1885 auf 1441 Personen mit einem JahreS- betrage von 388 518 Mk. — Der Gesetzentwurf betreffend die Unfallversicherung der in land- und forstwirtschaftlichen Betrieben beschäftigten Personen dürste fich im wesentlich« dem bereits in voriger Sefston dem Reichstage zugegangen« Gesetzentwürfe anschlteßeu. Jndeß soll die neue Vorlage eine Reihe von Abänderungen aufweisen, welche den in der Kommission deS Reichstag», die mit der Vorberatung der die Ausdehnung der Unfallversicherung betreffenden Gesetz- entwürfe betraut war, zutage getretenen Wünsch« entsprechen. — DaS Landes«Oekonomir«Kollegium tritt am 9. 910»., vormittag» 11 Uhr, im HerrevhauS-Gebäude zur 2. Ses­sion der dritten Sitzungsperiode zusammen. Die Tages­ordnung zerfällt in zwei Hauptabschnitte: Vorlagen de» Ministers der Landwirtschaft und Anträge ton landwirt­schaftlichen Zentralvereinen bezw. Mitgliedern de» Kollegiums.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte-, sowied.Annoncen- Bureanx von Haasenstein undBoaler in Frankurt a. M-, Cassel, Magdeburg und Wien; RudolfMoffe in graitffun ♦ a.«-, Berlin,München «d

Köln; «. 8. Daube und Co. in Frankfurt i. M* Berlin<Hannover n Pari».

aber lebte ein warmes Gefühl de» Wohlwollen« für die ortammte M« fchh.it. ? *

68 ist unmöglich, fi» auSzusprechen; anßzuschreib«, ja selbst au-,«denken üb« diesen Begriff: sei « nun geogra- phtsch, echnogrophisch oder statistisch genommen.

ES giebt nicht ttarn Droschkenkutscher tu London, der wtt gutem Gewiffe« sagen kann: .Ich kenne London." — Kaum dürfte e» rin« Sicherheit»-Polizeibeamtm geb«, der dies« AnSsprvch berechtigt thuu kau«. Da» unter dem Kollektivnamen .London" begriffene moberae Babel mit feinen fast vier Millionen Einwohnern spottet jeder zuver- lässigen Statistik, jeder wttkltch zuverlässig« Beschreibung. Man kennt dort nicht An« noch Abmeldung« in Unfetei hausväterlich-polizeilich« Sinne und Jack MlleS kann fich, »tun eS ihm fo konveniert — morgm Tom Brewer oder sonstwie, Kate Miller fatn fich Jane O'Lri« nenn«, ohne daß irgend jemand — dk Behörde am allerwentgstev — daran auch nur dm mindest« Anstoß nimmt.

3# diesem mächtigen, riesengroße«, nnmdltch« Sondon -Ott» Reinhard v. Brunner sich «ine Ruhestätte gesucht und sie auch gesund«. Zu einem deutsch« .Boardtug House" tu Cecll-Strert, einer südlich vom .Stründ" — einer der Hauptverkehrsadern London'S — beleg«« ruhig«, an­ständig« Straße hatte der dmtsche Affeffor fich zwei äbne? m fich alttk in

Rinnand kümmerte sich «, IhB. wie er ebenso «mtg sich

Hettzer St»«., - # .... .

Roman von Theodor Küster. D S grsammte Mens, (F«tschm>^ I f

Auch die Antwort sein« Mult« wartete er nicht ab; er ging fort, eine» Abend», fuhr wtt dem Schnellzuge die Nacht hindurch und beinahe noch dm ganz« folgend« tag; bis er im Auslände an'» Meeresufer kam. — Dann ritte er einer fremden, ihm selbst ganz neu« Welt und durchaus ander« Lerhältuiffen mtgegm: in seiner brutschen Heimat hatte er ja ellle» verlor« — seine Aeoe, seine Ehre, die Ruhe der Gerte urtd ben Fried« bt» Gemüt« 1

Watter Grell, sei» aufrichtiger Md tewehmmder Freund, war besorgter nm ihn, al» er sich ben Anschein geb« mochte; r» bangte ihn um bm verbitterten, mit seinem Geschick grollmdm Mann, der fich nun in den Strubel eine« ihm gänzlich fremd« Sebra» hineinwarf. Er hatte Reinhard eine ansehnliche Strecke seine» Wegr» brgleitet. M M, n *

.Geh' zu Ida; Walter," sagte Brauner; Dl» fie fich zum letzt« Abschied die Hände drückt«, .md sa^ ihr, daß ich jetzt noch nicht zu ihr zmückkehrra käme. Biellricht komme ich nach einigen Jahren mied«, warn ich — der» uünftiger geworden bin!" setzte et Mer lächelnd hinzu; »wenn ich alle» vergeff« hadra werde, wo» hier gescheh» ist. — Du wttst von mir hör« — sonst Niemand — über Kurz oder Lang. Wdtrnl"

So schied« die Freunde: der Eine um ein verloren«

irgend Jemandem anfchloß oder aozuschließen Lust ver­spürte. — An» dem hettern, liebenswürdig« juug« Manne war ein ernster, verschloflener, beinahe menschenfeindlicher Grübler gewordm. Die Unruhe, d« nicht endende Lärm de« immensen London that« ihm wohl; da« Häufermeer, in deff« Mitte er fich vergrab« hatte, berauschte ihn, betäubte ihn und — ließ ihn vergessen!

Anfänglich blickte er ganz epattsch, ganz anteillo« auf feine Umgehung, betrachtete fich die ihm so ganz urae, fremde Wett vollkommen gletchgiltig; allmählig jedoch ge­stalteten dir Berhättniffr fich ander». — Redlhard war zu jung, zu thatkräftig, um lauge ein fol$e® grübelnd« unthätige« Leb« ertrag« zu können: nach und nach ge­wann er Jutereffe an eben dieser fremd- und eigraartig« Umgebung, an dem Treiben nm ihn her: er begann Lou­don, seine Bewohner und da« Leb« dort zu studieren.

E« war eine dankbar« Ansgichr» dl« er sich ihre Verfolgung machte ihn wieder lebenSmuttg und drückte die selbstquälerisch« Gedanken, die ihn plagten, nieder. — An feine Frau hatte er einige Wochen nach seiner Ntrder- lafiung in London geschrieben, sie nm Vergebung für dra herb« Schmerz btttrad, den er ihr bereitet. Al« ettr anderer, besserer Mensch hoffe er zu ihr zurückzukehren, schrieb er; wolle sie fich indeffra endgllttg von ihm trennen, könne fie nicht vergeff« noch vergeben, wa« et in blinder, unzu­rechnungsfähiger Leidenschaft gesündigt, bann «olle auch er ihr bic Freiheit zurückgeben, fie nicht an ein« Unwürdig« gefesselt hatten. — Die Entscheidung legte er ausschließlich in Ida'» HmdDt Ä-rtsetzemg folgt.)