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täglich außer an Wagen nach Sonn-und SSrMflen. - Quartal- Snement^rasbeiber grpebttwn 2 V» Mk-, "2 «ostümter 2 Mk. 50 KL jftcl Bestellgeld). UrtionSgebichr ftr dir Spalte« Zelle 10 Bta. Eiomen für du Me

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f* Jllaröurg, Donnerstag, 5. November I8d5. * SV jät’...

XX. Jahrgang.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte-, sowied.Annoncen-Bureaux von Haasenstein undBogler in Frankurt a. M-, Gaffel, Magdeburg und Wien; RudolfMoffe in Frankfurt e M,Berlin,MKuLen und JUlu; <L. 8. Daube und Co in Frauifurt c. M., Bkclin.Hannover u Paris.

Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger s. d. Kreise Marburg n. Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.

Erveditton: Martt 2L — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

Leotsche» Reich.

verli«, 3. Nov. Der Reichs karzler erfreut sich nach dew „Homburger Korrelpondevten* zur Z<it titier vor» tz,Wchtu Gesundheit, und ist die Rückkehr des Reichskanzler« ,ach Berlin eng«blich auch zum Zuscmmevtrttt des Reichs­tags auch roch nickt zu erwarten. — Auf den 5. d. M. w bekanntlich die Wahl der Abeeordveten durch di« Wahl- wLrvrr ouberouwt, und rS ist im Hinblick hierauf für alle Beteiligt« von Wichtigkeit, flch die gi schlichen Bestimmungen für diesen Al schnitt des Wahlaktes in Erinnerung zu halt«. Zum Abgeordneten ist jeder Pr-uße wählbar, der das 30. Lebensjahr vollendet hat, im Bcllbesttz der bürgerlichen Rechte ist und bereit« ein Jahr lang dem preußischen EtaotSverkande vngehört. Die Wahikowwissare für die Wahl der Abgeordneten werden von den RegterungSpräfi- deutcn bestimmt. Die Wahlvorsteher reichen die Urwahl- Protokolle dem Wahlkommiffar ein; dieser fertigt ein Ber- zeichni« der Wahimävnrr feines Bezirke« au, welche« öffent­lich avSgelegt und in den amtlichen Blättern veröffentlicht werden muß. Der Kvmmiffar ladet die Wahlwänuer schriftlich zur Wahl riu, dir Behändigung ist dmch «inen vereideten Beamten zu bescheinigen. Die Vorladung kann auch Im Urwahltermine durch die Wahlvorsteher bewirkt werden, welche zu diesem Zweck von dem Kvmmiffar die erforderliche Zahl von Formularen erhalten. Protokoll­führer und Beisitzer werden in der Wahlversavmlung auf Vorschlag des Kowmiflars gewählt. Wenn der Wahl- komwiffar gegen die Gültigkeit der Wahl von Wablmävneru Bedenke» hat, so hat er dieselben den Wahlmävnern zur Entscheidung vorzutragev. Jeder Abgeordnete wird in einer besonderen Wahlhandlung gewählt. Die Wahl selbst er­folgt, indem jeder einzelne Wahkmann aufgrrufen wird und an den zwischen der Wahlveisawmluuz und dem Wahl- kvmmiffar ausgestellten Tisch tritt und den Namen dec« jenigen nennt, dem er seine Stimme giebt. Hat stch auf keinen Kandidaten die absolute Stimmenmehrheit vereinigt, so kommen bei der zweiten Abstimmung alle diejenigen in Betracht, welche bet ter ersten Wahl mehr al« eine Stimme gehabt haben. Jede Stimme also ist rngültig, die einem Kandidaten gegeben wird, der bei der ersten Abstimmung keine oder nur eine Stimme gehabt bat. Ergibt auch die zwrite Abstimmung keine absolute Mehrheit, so fällt in jeder der folgenden Abstimmungen nur immer einer, und zwar derjenige, der die wenigsten Stimmen hatte, aus der Wahl, bis sich endlich die absolute Mehrheit auf einen Kandidat.» vereinigt hat. Stehen sich mehrere in der ge­ringsten Stimmenzahl gleich, so entscheidet das LoS, welcher von ihnen aus der Wahl fällt. Das Gleiche gilt, wenn rS sich nur noch um eine Wohl zwischen zwei Kandidaten handelt, von denen jeder die Hälfte ter gültigen Stimmen erhalten hat; Daraus folgt, daß flch kein Wahlmann vor

Beendigung der ganzen Wahlverhaudluvg entfernen darf; denn eine Ettmme kann oft entscheidend sein. Andere Er­örterungen, al« die ans Erledigung des WahlgesckäftS be­züglichen, dürfen nicht flattfinden. Anwesend im Lokal dürfen außer dem Kvmmiffar und den Wahlmännern vor­übergehend nur solche Personen sein, ohne deren Thitigkeit der zweckent'prechende und orduungSmähige Verlauf der Wahlverhaudluvg noch dem Ermeffen des WahlkommiffarS nicht möglich ist. Letzterer setzt den Gewählten von der auf ihn gefallenen Wahl in Kenntnis und fordert ihn zur Erklärung über die Annahme und zum Nachweise seiner Wählbarkeit auf. Avuohwr unter Vorbehalt und das Aus­bleiben der Erklärung binnen 8 Tage« geltm als Ablehnung.

— (Von der Balkanbalbivsel.) Dem Wiener ,Tele« graphev-Korrespoudevz-Bürcau* wird aus Konstantinopel gemeldet: der Zusammentritt der Konferenz sei bisher ledig­lich durch Verzögerung bei der Ernennung des zwetten Delegierten der Pforte verhindert, für morgen (Dienstag) aber werde die erste Sitzung der Konferenz erwartet. Diese Wiener Meldung e, scheint jedoch etwa« sehr frag­würdig, wenn man ihr folgende Auslassung der offi­ziösen .Berl. Pol. Nachr.* gegenüber stellt. In einem A>tik l über die gestern von mitg'tkilten Erklärunpen de« österreichisch-ungarischen Ministers Grafen Kalntty sagen dieselben nämlich u. a.: „Hebet alles, waS mit der Kon­stantinopler Botschafter - Konierevz zusammenhängt, beo­bachtete der Minister ein striktes Schweigen, so daß dieser Umstand allein schon zu der Schlußfolgerung berechtigt, fei diese Frage zur Zeit noch keineswegs spruchreif. Denn wäre sie doS, so Hütte eS für den Redner doch kaum Be- denken haken könmn, fich die öffentliche Meinung, welche nachgerade den Konferenz Zusammentritt mit Ungeduld her- beisehnt, durch eine Andeutung tu diesem Sinne fick zu verpflichten/ Daraus darf man wohl schließen, daß die Inspirationen deS Blattes in der Wtihelmflraße ihrer seitS bezweifeln, daß die offizielle Eröffnung der Konferenz in Konstanttvepel sobald bevorstehe. Die Schwierigkeiten, eine „Einigung* der Mächte herbeizusühren, die als „reelle* BaflS den Beratungen dienen könnte, dürften sich denn auch neuerdings deshalb vermehrt haben, well namentlich auf selten der Wrstmächte die Erkenntnis immer mehr zum Durchbruch zu kommen scheint, daß eine Wiederher­stellung des Status quo ante, wie solche namentlich von Rußland befürwortet wird, ohne blutigen Widerstand auf selten des bulgarischen Volkes nicht möglich fein werde. Neber die vorgestern beim italienischen Botschafter, Grafen @erti; pattgefundene vorbereitende Sitzung der Botschafter verlautet: Der englische Vertreter sprach fich sehr lebhaft gegen die Wiederherstellung des Status quo ante aus, ohne den vollzogen« Thatsachen irgendwie Rechnung zu tragen und ergriff nachdrücklich Partei für den Fürsten

Alexander. Der frarzösische Botschafter neigt derselben An­sicht zu und betont die Notwendigkeit, den bulgarischen Aspiranten irgend riu Zugeständnis zu machen, um die Ruhe in den Balkanländeru zu sichern. Der italienische Botschafter nahm eine versöhnliche Haltung riu und er­klärte, daß seine Regierung, bet aller Anerkennung der Zweckmäßigkeit, einige Konzessionm zu machen, doch dar­auf halte, in dieser Frage vereint mit den dr-i Kaiser« mächteu vorzugehen. Die Haltung Englands verursacht der Pforte und der Diplomatie lebhafte Beunruhigung und läßt darauf schließen, daß im Schoße der Konferenz ernste Zwiespältigkeiten vusbrechen werden. Eben deshalb macht auch die Rückkehr deS vom englischen Konsul begleit, teu Fürsten Alexander nach Philippopcl in Konstantinopel einen sehr ungünstigen Eindruck. Welche Bedeutung diese Rückkehr deS Fürsten Alexander nach Philippopel hatte, wird denn auch bereit« durch eine andere Meldung er­läutert. Dieselbe besagt: „Die RegieruugS • Archive sind (von Philippopel) nach Sophia in die betreffenden Mini­sterien geschafft worden. Die Verwaltung fungiert seit Verschmelzung der beiderseitigen Institutionen sehr gut. Das Kommissariat ist aufgelbst; Dr. Stransky ist gestern nach Sophia abgereist und wird wahrscheinlich zum Minister des Innern ernannt werden. Gestern entsen­deten sämtliche Gemeinden der Provinz Deputationen an den Fürsten, um ihn der unwandelbaren Ergebenheit der Nation zu versichern und ihren fisten Entschluß kund- zugrbcv, bi« zum Aeußersten für die Rechte des Volkes zu kämpfen. Der Fürst dankte und versprach, stets im Ein- vernehmen mit der Nation bleiben zu wollen. ES herrscht absolute Solidarität zwischen dem Volke, dem Fürsten und der Regierung. Seiten« der Bulgaren finden neuerliche Tu ppensevdungen nach der türkischen Grenze statt; fie haben dorr bereits nahezu 70000 Manu stehen, die gut ausge­rüstet und befehligt, sowie reichlich für einen langen Winte.- feldzug verproviantiert sind.* Diese Meldung, welche auch anderweitig bestätigt wird, dürste ziemlich getreu die Stimmung des bulgarischen Volkes wiederspirgeln. Sie läßt ober erkennen, daß, was auch die Botschafter-Konferenz beschließen mag, kein Zweifel mehr darüber besteht, daß da« bulgarische Volk in der Frage der Vereinigung nicht ohne blutigen Widerstand oachgebeu wird. War die Haltung Serbiens anlangt, so besagt eine offizielle Mitteilung de« bulgarischen Ministers des Auswärtigen, die bulgarische Regierung habe mit gutem Grunde ein Einrücken der Serben auf bulgarisches Gebiet als vollendete Thatsache betrachten können, denn die Serben Härten in der Nacht vom 24. Oktober einen Teil des auf bulgarischem Gebiete gelegentn Dorfes Klifsura besetzt und sich erst wieder am Morgen deS 25. Oktober wieder auf serbisches Gebiet zurückgezogen. Die Erklärungen KaluckyS sollen übrigen«

Heißer 6ton.

Roman von Theodor Küster.

(Fortsetzung.)

Adele von Soden kehrte r ack ihrem Voterhause zurück. Ihre Augm waren umschleiert, fie ging mechanisch den ge­wohnt« Weg, sie war bleicher, noch al« gewöhnlich und ihr Muud sestgefchlossm. Sie sah nicht die Grüße, welche Vorübergehende ihr spendeten: fie dachte nur an ihre ver­lorene — verschwendete Liebel

81« sie zu Hause onlavgte, da löste flch ihr Schmerz in einem Strom von Thränm auf, die fie mit übermensch­licher Gewatt bis dahin zurückgehalt« hatte. Ella «ar nahe daran zu verzwetfilu über das herzbrechende Weinen der geltetten Schwester; was sie auch sagen mochte, wie sie auch Reinhard zu «tschuldigm sucht — eS ward ihr keine Antwort von Adele.

Ella teilte ihrem Vater mit, daß Adele unwohl sei und der Rahe bedürfe. Die ältere Schwester wollte und mußte eit flch allein fein und wüufchte namentlich, daß der Vater Ächt- erführe von dem, wa« vorgegangen — wenigstens jetzt noch nicht.

Schon früh am ander« Morgm kam ein Brief von Reinhard au — für Adele.

Ju diesem Briefe schilderte er ihr sein ganze« Herz, die Leidenschaft«, die e« durchwählt, die Hoffnung« und Be- fürchtuug«, die e« erfüllt hatten; er sprach von seiner be­geisterten Liebe für Adele, dem Innern mächtig« Kampfe, d« diese herausbefchworen, und dem endlichen Entschluß, seine Freiheit stch wieder zu endrgeu. Zuvor aber mußte rr doch toiff«; ob auch fie ihn liebe. — Zwar habe er daran nicht gezweistlt, doch sei ihm Gewißhett nuerläßvch, bevor er wettere Schritte thau könne; und dazu habe ihn

der Rat seine« besten Freunde« veranlaßt, der ihn be­schworen, nicht nm einer vielleicht unbegründeten Hoffnung willen sich und seine ttene, edle Gattin unglücklich zu machen. — Wetter bat er Adele flehentlich, ihm zu ver- zeihen, ihm nicht jede Hoffnnng abzusckneiden, daß er einst, wenn er frei geworden, zu ihr zurückkehr« dürfte. — Er beklagte seine Freu aufrichtig, die ihn ja bereit« sreigegeben hatte. Nach dem Borgesalleneu könne diese Ehe ja so wie so nie mehr eine glückliche, gedeihliche werden. — Er haderte mit dem Geschick, well e« ihn sie — Adele — zu spät hatte find« lass«.

Adele v. Sodm la« mit zitternd« Händm, klopfendem Herz« und durch Thräneu verschleiert« Augm diesen lang« selbstquälerischen und zum großen Teil selbstan- klagend« Brief. Sie fühlte erst jetzt, daß und wie sehr fie Reinhard liebe. — Auch fie mußte schwer kämvf«, um da« Rechte zu thuu. Ein« Augenblick wollte fie wohl alle« vergeff«, nur au diese, auch ihre erste, Lieb« denken; e» zog fie hn zu dem unglücklich« geliebten Manne mit maaischer Gewellt; doch dann trat Jda'S verstörte«, trauriges Gesicht da,wisch« und Adele war überz«gt, niemals ein Glück ruhig genieß« zu tonn«, welcke« auf Kost« der Frwudin ihr geworden. — So raffte sie denn ihre ganze Kraft zusammen, um Reinhard'« Brief zu beantworten. 8« «ar uur ein kurze« Lillet, und al« fie e« nochmal« Überla«, da wollte e« ihr selbst zu kalt, zu herzlo« erscheinen; aber e« mußte sein: er durste nicht ahn«, wie schwer sie stch die Kraft der Eotsagurg nkämpft hatte. — Sie hatte ihm da« Wort der Verzeihung geschickt, um da« er fie gebet«, jedoch nur unter der ausdrücklichen Bedingung, daß er uiemal« dm Versuch wache, fie wiederznsehm, vielmehr ohne Säum« zu seiner Gattin zurückkehre uud bemüht sei, zu vergeff«, wie sie e« auch thuu würde.

Hätte Reinhard geahnt, wie vetzweiflungsvoll Adele die Hände gernngm, nachdem fie diese« Bißet abgesandt und damit uuwideruflich ihre Brücken hinter flch abgehrochm hatte, er würde fie nicht kalt und herzlos genannt haben, was er that, nachdem er ihren kurzen Brief gelesen — die Antwort auf seine au« wunder Seele mit unsagbaren Schmerz« geschriebenen Zeilen.

„Sie liebt mich doch nicht in dew Maße wie ich ge­glaubt I* murmelte er düster vor fich hin. „Ich bin ein Thor, daß mein Herz allein an die Liebe stch zähe an­klammert, die einmal Besitz von ihm geuouuum hat!*

Sein Freund Walter Grell, der ihn nicht verlaffen wollte in diesen dunklen Stunden, gab ihm Recht. Er suchte Reinhard zu bewegen, die Statt zu verlassen, well ihm in der Zwischenzeit so manche« zu Ohren gekommen war. da« den Freund dort gesellschaftlich unmöglich machen mußte. E« war nicht unbekannt geblieben, daß Brunner« Frau dagewesen und wieder abgereist war. E« giebt überall so unendlich viele bereitwillige Ohren und Zungm und ein ganzer .Klatschroman' wtfteht meist durch eigen, mächtige Zusätze und Vermutung«, durch willkürliche Folgeruugeu über Nacht.

Weit fort wollte er, nicht« mehr seh« noch hör« von all« Bekannt« und ölten Verhältnissen. Er reichte sein EntlaffungSgesuch ein und nahm stch vor, die Entscheidung auf daffelbe nicht abzuwarteu. Er wollte nach einer neuen Wett ziehen, in ganz andere Verhältnisse etntreten, wollte dahin, «o Niemand ihn kannte. Er schrieb an seine Mutter und bekannte ihr seine Berttrung; von ihr — da» wußte et — wurde er verstanden und fie war die Einzige, die um ihn, uw sein verlorne« Glück und Leb« »ein« würde. «Fortsetzung folgt.)