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erftbeint »«glich außer an Mrktogen nach Sonn- und Quartal- tbonnementS-PreiSbeider «rpebition 2*A fflit., bei bat Postämter 2 Mk. 50 G»a. (excl. Bestellgeld), «»nsertiousgebühr für die Llt-ne Zelle 10 Wg. Mtfiemen für die ßeü- 25 »fg.

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Marburg, Mittwoch, 4. November 1885.

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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. BlatteS, fowied.Annoncen- Bureaux von Haafenstein undVogler in Frankurt a. M-, Gaffet, Magdeburg und Wien; Rudolf Mosse in Frankfurt a M .Berlin,München und Stivix, 8. DaeLe und

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Wochentlichc Beilagen: Aintlicher Anzeiger s. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. Illustriertes Sonutagsblatt.

Expeditione Dtarkt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

MU- Auch für die Monate November und Dezember »erden Bestellungen auf die

Oberhesfische Zeitung

nebst deren Beiblättern

Amtlicher Anzeiger für Vie «reise Marburg und «irchhai« und <-» '»*

Illustriertes Sonutagsblatt

von allen Popanstaltm angerommen.

Auf dem Lande nehmen sämtliche Landpofiboten Be­stellungen entgegen. In Marburg die unterzeichnete

Expeb. -er Overh. Zeitung.

Der «öniginhofer Prozeß.

In der letzten Session des österreichischen Abgeordneten- Hauses wurde öffentlich Klage erhoben, daß die Deutschen in Böhmen in den überwiegend tschechischen LandeSteilen vogelfrei seien. Die politischen, wie die Gemeindebehörden seien parteiisch und der Rechtsschutz unsicher geworden. Die Gerichtsverhandlung über die Königivhofer Vorgänge dient leider nur dazu, diesen AvSspruch zu bekräftigen.

Schon die Aukiag schrist, so schreibt dieKöln. Zig.*, kann als Beweis sür die Behauptung angel ührt werden. Sie befläiigt, daß der Beziikshcuptmann und die Stadt- gemeinde, welchen die Handhabung der öffentlichen Sicher­heit oblag, nicht ihre Schuldigkeit gethau haben. Aus der Anklageschrift geht urzwiiselhast Herder, daß die Unruhen in Königliches aus Arlaß der Anweser,h«it der deutschen Turner im Hotel Kopp gegen 5 Stunden anhielteu, daß während dieser Zeit wi'derhrlte Aufforderungen an die Menge ergingen, sie wöge sich entfernen; daß diese Auf­forderungen ohne Erfolg blieben; daß kein ernstlicher Ver­such gemacht wurde, der Aufforderung Nachdruck zu geben; daß während dieser fünf Stunden nicht eine einzige Ver­haftung vorgencmmen wurde, um bm Befehle der Behörde Achtung zu verschaffen. Aus der Ar klageschrift geht ferner hervor, daß der Bezirkshauptmanu und der Bürgermeister, anstatt die Entfernung des Pöbels zu erzwingen, sich in Verhardlungen mit demselben einließ; der Pöbel lärmte die Behörden befahlen das Auslvschen der Lichter in den vorderen Räumen des Gasthosts,um das Volk nicht noch mehr zu erregen*. Das Volk verlangte, daß die Turner die Stadt verließen; die Behörde fchickte an >ie Turner die Aufforderung dazu. Das Volk wartete förmlich auf den Cprechri art deS Turnvereins, den Fabrikanten Mandl, der sich im Gasthofe befand; die Behörde verenlaßte Mandl, den schützend en Gasthof zu verlaffen und sich tbätlichen An­griffen, welche auch wirklich erfolgten, auSzusttzen. Das Volk* mißachtete jede Ermahnung; dagegen wurde allen

Wünschen, wie Befehlen desselben von feiten der Behörden Folge geleistet.

Im bedenNichsten Augenblick des ganzen Tumultes be­finden sich die geängstigten Turner in den Hinterzimmern des Gasthofes und vor dem Haufe tobt dir durch Getränke und Geschenke aufgestachelte Menge. Was thun die Be­hörden- Anstatt nun mit allen Mitteln darauf hivzu- wirkeu, daß endlich der Platz geräumt werde und die Turner so lange im Gasthause fesizuhalten und zu beschützen, bis fie endlich völlig gefahrlos die feste Burg verlaffen könnten, werden die Turner, förmlich auf Befehl des nicht «eichen­den Pöbels, aufgefordert, die Wagen zu rüsten und durch den Pöbel hindurch die Abfahrt anzutreten, um sogleich vor dem Thore des Gasthofe« geschmäht und angegriffen, hinter der Stadt jedoch gesteinigt zu werden.

Der Pöbel ist nicht zufrieden, die Opfer seiner Wut im Gasthofe zusammengedrängt und bei verlöschten Lichtern geängstigt zu haben; er will dir Verhaßten gedemütigt durch seine Mitte ziehen sehen; der Pöbel will den An­geklagten Mandl, den er vor allem haßt, unter dem kau- dinischen Joche pöbelhafter Verwünschvngen haben, er will sich an MaudlS Erniedrigung laben. Die Behörden gehen verständnisinnig darauf ein und schicken einen tschechischen Hetzer zu den Turnern, um mit ihnen zu unterhandeln und daS vom Pöbel gewünschte Schauspiel in Szene zu sttzem

Und nun kommt der merkwürdigste Teil jener Anklage­schrift: Die Turner, b sonders Mandl, erklären, bleiben zu wollen, bis Militär kommt, da fie sich im Gasthof am sichersten fühlen. Mandl sogt:Des wollen wir eben, daß Militär kommt, wir weichen justament nii t vom Platze.* Und deswegen, weil Mandl so zu dem abgesandten tschechischen Hetzer gesprochen, wird er der öffentlichen Ge- waltthätigkeit angeklagt. Denn, sagt die Anklage, die Aeuße- rung MsndlS hätte, wenn sie demVolke* verkündet worden wäre, dasselbe bei der herrschenden Stimmung zu G.walt- thaten hinreißen können. Man greift sich au den Kopf und sagt: Ist so etwa« möglich? Es ist der Fall in Böhmer 1

Wie sehr die Anklageschrift andererseits b< flössen ist, die Schuld der Tschechen herabzumindern, davon ein über­zeugendes Beispiel. Zwei der Turner suchen zu Fuß ihre Wohnung in Königinhof zu erreichen. Sie stoßen auf tschechische Volkshaufen und die Anklageschrist selbst giebt an, daß die beiden vou mit Stöcken bewaffneten VolkS- haufen gezwungen wurden, ihnen je einen Gulden zu geben. Man hatte mehr verlangt, aber die Betreffenden hatten nicht mehr bei sich. Deshalb ist Anklage auf Erpressung erhoben; es ist aber doch offenbar Raub und nichts als Raub, wenn jemand auf offener Straße unter Bedrohungen gezwungen wird, sein Geld herzugeben.

Der ganze Königinhofer Vorfall aber ist ein Wetter- zeicheu für die böhmischen Verhältniffe. Die Tschechen in

Böhmen sollen unter allen Umständen in ihren Ansprüchen unterstützt werden. Die Deutschen jedoch sollen kleingemacht; gedemütigt und wenn eS zu gerichtlichen Verhandlungen kommt, weniastenS mit verurteilt werden.

Hexische» Reich.

Berlin, 2. Nov. Der Kaiser erteilte heute eine Reihe Audienzen und arbeitete daun mit dem Zivilkabiuett. Nachmittags empfing der Kaiser den Botschafter Graf Hatzfeldt vor dessen Abreise nach London. Um 4 Uhr fand ein militärische« Diner statt. Der Hofjagd in Springe in Hannover (am 7. November) gedenkt der Kaiser beizuwodneu. DieNordd. Allg. Zig/ kommt auf die Polemik derGermania* wegen Zulassung katho­lischer Missionäre in den deutschen Kolouieen zurück und sagt: Jesuitenmisstouen auf deutschem Gebiete stehen mit unfirtn Gesetzen, französische Missionen mit unseren poli­tischen Jvtereffen, katholische Missionen aber mit keinem von beiden im Widerspruche und sind mit den evangelischen Missionen vollständig gleichberechtigt im Reiche, wie in seinen Kolouieen. Zu der cm 1. April 1886 in Kraft tretenden sogenannten Nctgemeindesteuergesktze oder, wie das am 27. Juli d. IS. vollzogene Gesetz amtlich heißt, betreffs Ergänzung und Abänderung einiger Bestimmungen über Erhebung der auf das Einkommen gelegten direkten G-melndeabgaben ist eine Ausführung« - Verordnung der Minister des Innern und der Finanzen erschienen, wonach dieses Notgesetz keineswegs die Vorschriften des Gemeinde- verfaffungSgesetzeS ersetzen soll, sondern nur insoweit An­wendung findet, als auf Grund dieser Vorschriften eine Er­hebung der auf daS Einkommen gelegten direkten Gemeinde- Abgaben stattfindet oder noch eirueiührt wird. Auf Zu­schläge zur Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuer, auf in­direkte Gemeindesteuern, besonders Real- oder Pcrsonalab- gaben findet daS Notgesetz überhaupt keine Anwendung. Tie Befugnis zur Erhebung der Gemeinde-Einkommensteuer regelt es für alle Gemeinden gleichmäßig. Da sich Zu­schläge zur klassifizierten Einkommen- und Klaffensteuer alö auf das Einkommen gelegte Gemeindeabgaben kand- geben, so ist das Gesetz aut sie anzuwenden. Der die Be­steuerung der Erwerbsges llschcsten und juristischen Personen betreffende § 1 deS Notzesitzcs tritt nicht von selbst in Krafl, sondern bedarf dazu eine« hierauf gerichteten @e« meindebeschluffe«. Infolge der durch das Gesttz bedingten Abänderungen der bestehenden Gemeindesteuer-Ordnungen wird die Aufstellung einer neuen maßgebenden allgemeinen Ordnung in Aussicht genommen. Einen 1871 erschie­nenen Ministerin!-Eilaß haben die Minister de« Jonern; der Justiz und geistlichen Angelegenheiten jetzt wieder in Erinnerung gebracht. Ersterer hatte hervorgeheben, daß da« Bundesgesetz vom 4. Mai 1868 über die Aufhebung der polizeilichen Beschränkung der Eheschließung im König­

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Heitzer Sinn.

, . Roman von Theodor Küster.

(Fortsetzung.)

Ein unsiligeS Verhängnis schalt Reinhard e«, daß ge­rade seine Frau in jenem entscheidenden Moment eintreten wußte; er sann nicht nach, wie und warum sie so plötzlich gekommen: er dachte nur daran, daß er durch ihr Erscheinen AdeleS Liebe verloren. Denn sie hatte ihn geliebt; batte sie eS ihm doch selbst gestanden, doch in seligstem Glück au seiner Brust geruht, und als er im Begriff stand, ihre Liebe in ihrer Kraft und Opfersreudickeit zu erproben, sich zu vergewifferu, ob sie stark genug sei, allem, jedem Vor­urteil uw der Liebe zu ihm willen zu trotzen: da war ferne Gattin zwschen sie getreten, sie sür ewig trennend.

Hätte Adele es durch ihn erfahren, daß er noch richt frei, konnte er eS ihr in liebend schonenden Worten mitteitcn: so mochte seine Hoffnung wohl nicht unbegründet gewesen sein, daß sie ihm nm seiner großen Liebe willen verzeihen würde. Auch ihr Herz schlug ja heiß und feurig und sie konnte daher die Regungen deS seivigeu v-rstehcn. Doch so war die tragische Entwickelung des ganzen Vorgangs zu jäh gekommen und hatte ihn gl brandmarkt als Verräter an feinem Weibe wie an Adelk , i

All diese Gedanken drangen auf ihn ein und durch­wühlten ftin Herz, machten ihn vcmenlo« elend. Still und btt ich saß er noch lange in dem eleganten kleinen Salon, in welchem jene unerwartete Wiedersehen«, und E-kennungS- s,ene sich abgespielt hatte, bi« eine Thür leise geöffnet ward und Ella von Erden vor ihm stavd. Auch sie war ernst und bleich und mit zitternder, bewegter Stimme sagte sie:

Adele bittet Sie, eine Zusammenkauft mit unserp Vater zu vermeiden: sie müßte zu einer Erklärung führen; die Kiffer vermieden wird.*

Und sonst hat Ihre Schwester kein Wort für mich?* fragte Reinhard. Sie schickt mich fort ohne Verständigung, ohne Verzeihung, selbst ohne die Hoffnung, daß sie mich überhaupt hören will?*

Ella blickte mitleidig in das entstellte, um Jahre jetzt älter erscheinende Gesicht drS Affeflor« und entgegnete wehmütig:

Seele läßt Ihnen durch mich Lebewohl sagen.*

Unmöglich I* thf Reichard;sie muß mich hören und mir verzeihen, denn ihr Zauber war e« ja, der wich so beftrickc hat, daß ich alles um ihretwillen vergeßen Habel*

Herr Assessor,* bemerkte Ella nochmals,mein Vater kann j den Augenblick kcmmen und er darf Eie j-tzt nicht hier fiadin. Geben Sie Adele bittet Sie darum!*

Der Ausdruck ihrer Worte war dringend, ängstlich.

Brunner ping. Wie ein Taumelnder entfernte er sich. Ellas Blick voll tiefen Mitleids folgte ihm.

Adele vou Sodru faß mit ihrer ehemaligen Pension-« genoffln, der Frau deS ManncS, den sie liebte, der sie ver­raten, in ihrem kigevcn kleinen Zimmer. Ida hatte er­kannt, wie fäuldloS Adele an dem Betrug ihres Gatten war; sie s.lbst war ja ebenfalls eine Betrogene: fo litten sie beide nm eines Mannes willen!*

Ida war viel za edelgi sinnt, um gegen Adele ein anderes Gefühl als vaS deS Mitleids zn empfinden. Jdre Schönheit, f.tt der gemeinf bastlichrn Peufionkzeit noch be­deutend mehr entfaltet, bestrickie wie alle fo auch die junge Frau, deren Herz dadurch weniger die ihr selbst widerfahrene Beleidigung empfand. Sie kannte Reinhard

und wußte, wie ungemein alles Hohe, Edle und Schöne ihn zu bemeistern vermochte: str begriff seine Liebe zu Adele.

Wie sie jetzt zu Adele von ihm sprach, da waren eS nicht Haß und Rache, die sie bewegten: au« jedem ihrer Worte sprach im Gegenteil ihre aufopfernde Liebe zu Rein­hard. Sie erzählte von dem Glück, daß er ihr schon be­reitet in der kurzen Zeit ihrer Ehe; sie sprach von seinem guten Herzen und beklagte nur sein heißes, leidenschaftliches Blut. Sie war so sanft und edel in ihrer Gesinnung, daß Adele, gerührt von ihrer Großmut, in dieser Stunde sich schwur, alles an'zubicten, um die beiden Gatten robbet zu vereinen. Ihr eigenes Hetz mußte bann allerdings einsam, in unglücklicher Li-be sich verzehren, denn wie sie geliebt, konnte sie nur einmal lieben.

AIS Ida stch erhob, um die Rückreise nach der Heimat anzutreten, da geleitete Adele sie zum Bahnhofe mb ste schieden als die best n Freundinnen. Fräulein von Soden umarmte die sanfte traurige Frau, ihre ehemalige Mitschülerin, und sagte mit Th änen in den Augen:

Er wird zu Dir zurückkcheen, Isar verzeih ihm und vergiß!

FeaU von Brunner schüttette wehwütig den Kopf; sie wvßte bester, wir die Sachen standen: da« Glück, der Frieden ihrer Ehe waren dahivl*

Adele von Soden stand noch auf dem Perron, als der Schnellzug verschwunden war; einmal noch hatten die beiden Frauen stch freundlich zugenickt die Zwei, welche' den« e Maun liebten und stch ihn gegenfeitig nicht neiden in: dann waren sie getrennt für wie lange? für immer?-- ^Fortsetzung folgt.)