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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. BlatteS, f owied.Annoncen» Bureaux von Haasenstein undVogler in Frankurt a. M., Gaffel, Magdeburg und Wien: Rudolf Stoffe in Frankfurt <l M, Berlin,München und

Köln: 8. 8. Daube und Lo m Frankfurt «. SL, verlin.-annover u. Bari».

Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg n. Kirchhain.

, Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

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Amtlicher Anzeiger

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Auf dem Lande nehmen sämtliche Landpostboten Be- stellungen entgegen. In Marburg die unterzeichnete __Exped. der Oberh. Zeitung. Die Niederlage der Frauzvse« i« Tovktug uud Auam.

Unter die Summe der mehrjährigen Kämpfe in Ost- afikv zwischen Franzosen einerseits uud Chinesen, Toukinesen, Anamittn, Seeräubern rc. andererseits kann man jltzt einen dicken Strich mach«n und dann aus allem das Fazit ziehen. Und das letztere lautet sür die Franzosen durchaus un- erfteulich. Sie haben in einer ganzen Reihe von Gefechten gesiegt, und schließlich, sobald das Gesamtresultat in Be­tracht kommt, doch eine Niederlage erlitten. Millionen über Millionen find aufgewendet, mehrere tausend Mann haben infolge von Gefechten uud Krankheiten daS Leben lasten müssen, und erreicht ist nicht», als der Besitz einiger Stätte, die mit Waffengewalt erobert worden sind. Alles, was außerhalb dieser Städte liegt, ist dem französischen Einfluß völlig entzogen, dort herrscht d<r Helle Aufstand, der sich selbst auf die alte französische Kolonie Cochinchina auSzu- dehveu droht. Trotz mehrjähriger Mühen haben also die Franzosen ihr Werk, Touktng uud Anam zu erobern, nicht fertig gebracht, und darin beruht eben ihre Niederlage, die dem französischen Namen in Ostasien gerade keinen Vorteil brtnstt.

Die Pariser Regierung hat in dem ostastatischen Kriege, denn von einem sttchen kann mau recht wohl reden, von vornherein einen schlimmen Fehler gemacht, der sich hinter­her bitter rächte: Sie hat den Gegner unterschätzt und namentlich die Chinesen gleich Null geachtet. Und waS haben die französischen Truppen thatsäch'-ich den Söhnen de« himmlischen Reiche« gegenüber erreicht? Die frarzö« fischen Panzerschiffe haben in der chinesischen Festung Futjchu einige Arsenale in Brand und Trümmern geschossen, aber sie vermochten schon nicht einmal die Chinesen auS ihren Stellungen auf der I"fei Formosa zu vertreiben. Dort erlitten die Franzosen eine thatsächliche, wenn auch nicht eingtstandene Niederlage. In Tonkiug wurden den Chinesen verschiedene feste Stätte abgenommen; als aber die Lang­zöpfe einen Generalangriff unternahmen, mußten dir Wett­

bosen weich«, erltttm eine ganz offenbare Niederlage. Ja Paris war man nach diesem Vorfall von Herzen froh, Frieden mit China schließen zu können, um endlich dieser peinlichen Sorge überhoben zu sein. Daß die Sorgen nun doch nicht zu Ende gegangen, ist eingangs schon gesagt.

Die französischen Truppen in Ostasten haben mit den Mannschaften der Eingeborenen, von der Flotte noch ganz abgesehen, mindester S 40000 Mann gezählt. Das war also kein Expeditionskorps mehr, sondern eire Armee, und mit dieser hätte ein energischer General recht wohl etwas aufangen können. Aber da kommt der zweite Haken: Die franzvfischr Armee in Ostasten hat thatsächlich nicht einen einzigen General gehabt, dessen Kriegführung nicht zuletzt durch ein Malheur unterbrochen worden wäre, und daß sich die Oberbefehlshaber namentlich nicht durch besondere Fähigkeiten ausgezeichnet haben können, beweist der Umstand, daß Gtneral de Cow cy jetzt der fünfte französische Genera- ltsflmur in Ostasien ist. Die ersten Generale waren ganz unfähige Leute, General Billot war nicht bester, Admiral Courbet unterlag auf Formosa, schob allerdings die Schuld auf seine mangelhafte Ausrüstung, General Bris:e de l'JSle trägt die Hauptschuld an dem siegreichen Vordringen der Chinesen, bei dem sein Untergeneral Notier über den Hänfen geworfen und selbst verwundet wurde. Mag in der Armee auch nicht alle» so auSgesehm haben, wie eS am s hen sollt«, ein einsichtiger Obergeneral hätte die Dinge doch nicht so weit kommen lasten, wie sie jetzt gekommen sind. Die Unfähigkeit der französischen Befehlshaber hat auch die Massenmorde der Christen in Tovking und Anam, die sonst gar nicht möglich gewesen, auf dem Gewisten.

In Poris begim t man zu behaupte», daß an der neuesten ungünstigen Lage der Tinge General Comcy die Hauptschulv habe. Seine Aufgabe war eS nach dem Frieden mit China, vorerst Tvnking zu beruhigen und dann konnte er die ftar zvseufeindlichen Minister des Königs von Anam beim Schopfe nehmen. Bedachtsamkeit besitzt der General aber jedenfalls nicht, denn er trieb die Dinge in Anam fofcrt zum äußersten. Statt die Anamilen zu versöhnen mit dem neuen Stande der Dinge, zeigte er ihnen nur den Herrn, dadurch entstand die Revolution, und das G-waltmittel, welches der General dann an- wandte, die Absetzung des Königs und die E.Hebung einer französischen Kreatur auf den Thron, gab dem Aufstande die ji tzige Verbreitung über daS ganze Land. Der General wußte, daß er richt die Mittel hatte, einem allgcmeinen VolkSausstaud siegreich gegenüber zu treten und trotzdem provozierte er ihn. Hier liegt zum mindtsten Unüber­legtheit von

Französische Fachmänner sprechen die Srstcht auS, daß zur siegreichen Niederschlagung der Rebellion ein Heer von mindestens 50000 Mann europäischer Truppen gehöre. DaS Ministerium Briston weiß zu gut, daß an die Be­

willigung einer solchen Forderung durch die jetzige Kammer nicht zu denken uud deshalb hat eS den Beschluß gefaßt, in Tvnking und Anam nur einige feste Plätze zu hehaupten und erst dann wieder zum Angriff überzugehen, wenn eine Armee von Eingeborene« gebildet ist. Und das kann lange dauern I Durch diesen Beschluß aber bestätigt Frankreich seine vorläufige Niederlage.

Lextsche» Reich.

Berlin, 31. Okt. Der Kaiser ist mit den fürstlichen Jagdgästen abends wohlbehalten hierher zurückgekehrt. Die gestrige Hofjagd in der Schorfhetde bei Eberswalde fand in Abwesenheit deS Kaisers statt, der erst nach abge« stellte« Jagen nm 6 Uhr im Jagdschloß HubertuSstock eintraf. Der König und Prinz Georg von Sachsen werden noch morgen an der Familientafel beim Kaiser teilnehmen und erst am Abend nach Dresden zurückkehren, während der Herzog von Anhalt schon heute Abend nach Deffau weiterfahren wird. Prinz Alexander von Preußen ist von seiner Reise nach Italien heute früh direkt von Rom kommend wieder in Berlin eingctrcffen. Derselbe hat nun­mehr in seinem hiesigen Palaste Winteraufenthalt ge­nommen. Die Großherzogin-Matter von Mecklenburg- Schwerin gedenkt heute abend von bicr nach Mecklenburg- Schwerin zurückzukehren. Prinz Albrecht von Preußen trifft morgen früh von Schloß Kawerz in Schlesien, die Frau Prinzessin Albrecht dagegen schon heute nachmittag 5 Uhr von dort in Berlin ein. Beide Herrschaften werden sich sodann am Montag früh mittel» SonderzugeS nach Braunschweig begeben. Wie der .Schles. Ztg.' berichtet wird, ist eS nicht wahrscheinlich, daß S-.-ijfl. Hoheit der Prinz Albrecht, Prirzregevt von Braunschweig, in nächster Zeit von seiner Stellung cls kommandi render General deS 10. Armeekorps entbunden wird. An maß­gebender Stelle hält man eS sür erwünscht, daß in der alten Königsstatt Hannover ein Prinz des König!. HauftS Hof hält. Ebenso hat indeß die Stadt Braunschweig ge­rechten Anspruch darauf, daß der hohe Regent deS Landes in ihren Mauern residiert. Prinz Albrecht wird deshalb, wie mau hört, für den nächsten Winter eine zwiefache Hof­haltung führen. Er selbst wird in Braunschweig ständigen Aufenthalt nehmen, seine Gemahlin dagegen wird In Han­nover residieren. Es ist diese Trennung ein Opfer, welche- die hohen Herrschaften dem Vaterlande und ihren neuen Pflichten bringen, ein Opfer, daS nm so schwerer wiegt, als, wie bekannt, das Familienleben derselben ein beson­ders inniges ist. Graf Hatz^ldt ist als Botschafter von der Königin von England genehmigt und wird am 4. No­vember in London erwartet. Die Kommunallandtage sür Cassel und Wiesbaden sind auf den 17. No­vember berufen. Berliner Künstler, darunter Menzel, C. Becker, Knau», v. Werner, Hiyden, G. Spangenberg,

Heister Sinn.

Roman von Theodor Küster.

(Fortsetzung.)

An den Wänden sich hintastend so erschüttert war sie verließ sie da- Zimmer ihre» Mannes, sie konnte kaum gehen; doch fort wußte sie um jeden Preis: wa» wollte sie auch hier bet ihm, der ihre Liebe verschmähte, dem sie nicht genügt, der seinen ihr geleisteten Treuschwur nach kurzen sechs Monden gebrochen?

Sie trat auf die Straße hinaus ohne zu wiffev, wohin sie ihre Schritte lenken sollte. Nach einem Hotel mochte sie allein nicht gehen, den fragend-neugierigen Blicken Fremder sich richt anssetzen. Doch eS fiel ihr rin, daß in derselben Stabt eine PenfionSfreuvdin von ihr wohnte; zu ihr wollte sie, dort einige Stund« sich ans- ruh« und bann zn ihren Eltern zurückkehren.

Sie rief eine leere vorüberschrenbe Droschke an nnd erkundigte sich bet dem Kutscher nach der »dreffe jmrr Freundin. Der Mann kannte dieselbe und Fran v. Brunner veß sich dahin fahren:

Bor wenig« Stund« so glücklich und frmdig ange- kommm, nm dm geliebten Gatt« zn überrasch«, hatte sie stch behufs der Reise Verwandt« angeschloffw, welche ein in der Nähe befindliche» Bad besuch« wollten. Sie ge­dachte einige glütkliche Tage mit Reinhard in der Stadt zu verbring«, bei dieser Grleg«hett in Gemeinschaft mH ihm die zukünftige Wohnung aufzusuch«, und nun war alle» vorbei: Glück, Liebe, Zukunft!--

Der Wagen hi-lt. Wie dne Träumende stieg Fran v. Brunner an», lohnte d« Kätscher ab und fragte nach ihr« Schulfreundin. Man wie» fie nach einem Zimmer der erst« «tage der Billa, an der« «artmringang die

Droschke sie abgesetzt batte. Sie stieg hinauf langsam, müde, zum Tode getroffen.

Auf ihr leise« Klopf« erfolgte keine Antwort. Ida glaubte, diese Thür führe zu einem Vorzimmer, und wollte sie ohne Weitere» öffnen, al» sie die Stimme ihrer Freundin erkannte. Sir öffnete nun die Thür, aber fie prallte zurück da» zu sehen hatte fie nicht erwartet, da» war zu viel.

Zu b« Füßen Abele's v. Soden kniete Reiuhvlb v. Brunner, ihr Gatte!

Nun wußte Ida, wa» sie au» ihre» Manne» Bri f nicht ersehen; wer ihr dtffen Herz mtsremdet hatte, und sie selbst stand ganz bett offen vor der nun vollentwickelt« Schön­heit Derjenigen, bie sie seit einig« Jahren nicht gesehen.

Aeußerst verlegen üb« bie Situation, in der fie betroffen worden, trat Adele ba bleich«, jung« Frau entgegen; sie bemerkte nicht den löblich« Schreck Reinhard», der sich «hoben hatte und wie gebannt, ebeusall» plötzlich geister« bleich, dastand.

.Ida v. Reckling« glaube ich zu erkenn«', sagte nun Adele und streckte bte Hand zum Gruß au».

Doch Ida vermochte e» nicht, die ihr dargereichte Hand zu fassen. Tonlo« fast, mit heiser« Stimme «widerte sie:

.Ida von Brunner ist mein Name und ich bin diese» Manne» Gattin!'

.Seine Gattin?' murmelte Adele, mehr al» bestürzt:' gänzlich konsn».

Sie blickte zu Reinhard hinüb«, al» könne fie da», wa» fie soeben gehört, nicht fast«; doch sie «schrak, al» sie sein bl ffe» Gesicht sah: « war wie zerschmettert durch da» plötzliche Erschein« sein« Frau. Bi» zn Ida» An- kunst hatte « ihr noch nicht» bekannt, nur daß n fie liebe üb« Alle» liebe, da» hatte « ihr gesagt. Er «ar ta

der Absicht gekommen, ihr seine ganze Lage auSeioander- zusetzm, und da» konnte « nur, indem er rin unumwun­dene» Geständnis seiner Liebe vorauSschickte. Da» nun hatte er gethon und war im Begriff, dm zweiten, so deli­kat« Teil seiner Bekenntntffe folgen zu laffen, al» Ida» Ankunft alles zerstörte.

Richard sah sehr wohl seiner Frau vnändnteS Aus­sehen; sie mußte schon alle» wiffen und er konnte d« vor­wurfsvoll« schmerzlich« Blick nicht vertrag«, b« sie auf ihn richtete. Ratlos, was zu beginn«, senkte er die Aug«; da hörte er, wie Adele im tiefst« Schmerze sagte:

,O mein Gott! ist eS denn möglich?!'

Sie hatte beide Hände gegen ihre Schläfe gepreßt und ihre schönen Aug« irrten mtsetzt von ReDhard zu deffm Gattin.

Seine ganze, mächtige Leidmschast wurde durch diese Worte und durch d« Anblick dn Geliebten in ihrem groß« Schmerz wachgeros«. Seine Fran vergrssend eilte « auf Adele zu, beugte nochmals seine Kni« vor ihr und bat und beschwor sie, ihn anzuhören, ihn ohne Gehör nicht zu verurtheilm. Adele jedoch wandte ihm den Rücken und führte Ida beinahe gewaltsam au» dem Zimmer, indem sie sagte:

.Komm«Hie! Er weiß nicht, waS« spricht!'

Sie warm vor ihm geflohen Beide. Wie be­täubt starrte er ihnen nach; er war so elmd, so tief gr- demütigt, und mußte sie doch gesteh«, daß« nicht schuldlos litt. Wie leer, wie öde war eS ihm plötzlich in der Brust geworden, welche noch vor wenig Augenblicken von Liebe uwflawmt war! Beide hatten sie stch von ihm gewendet mtsetzt, voll« Bttachtuug geg« ihn '

(Fortsetzung folgt.)