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Marburg, Freitag, 30. Oktober 1885.
XX. Jahrgang
Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger s. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.
———______________ Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
Geh' fort von hier, Reinhard," sagte er, .Dein Herz
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wird dann wohl ruhiger werd«. Kehre zu 'Deiner Frau zurück und versuch es noch einmal: Dein Pflichtgefühl miib ftfirFw k.I» Ma Kl.t. .....xi. vi.t. ?
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muB stärker sein, als diese unrechte, diese verbrecherische
denkbar großartigsten Markt und selbst der radikale Charles Dille war kürzlich, als er in einer Landoner Versammlung diesen Gegenstand besprach, ganz hingeriffen. .China, im Frieden unser Absatzgebiet, im Kriege unser Alliierter, ist uns", so rief er, .mehr wert, als zehn türkische Reiche. Hoffentlich macht fich die Regierung energisch daran! Btrmah muß ja doch fallen, denn es liegt an unserer indischen Grenze, und daß eS nicht in Frankreichs Machtsphäre gerate, ist eine Lebensfrage für uns, wichtiger noch als die afghanische."
In der Hauptsache ist also das Schicksal Königreichs Birma besiegelt, und um den König Thtbo, der schon eine ganze Reihe der schSußltchsten Menschenschlächtereien auf dem Gewissen hat, ist eS nicht groß schade. Nimmt er, wozu aber bisher wenig Aussicht, das englische Ultimatum an, so zwängt dieser Entschluß seine Machtbefugniffe doch so ein, daß er sein Land nur noch dem Namen nach regiert. Lehnt er andererseits die englischen Fordrrungeu ab, so giebt eS einen kurzen Krieg und Birma ist englisch: In Pari» erkennt man übrigens die Ziele der englischen Politik Birma gegenüber recht wohl und gambettistische Blätter fordern die Regierung dringend auf, sie solle die Annektion nicht dulden. Ja, was kann aber die französtsch« Regierung machen? In Annam und Tonking hat str alle Hände so voll, vaß sie sich nicht im entferntesten noch um Birma bekümmern kann.
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Co. in Kraukftlrt e. B«lto,-au»ov« n. Paris.
(Fortsetzung.)
Ich hatte ihn schon längst umarbeiteu zu laffeu beabsichtigt, suhr Herr Brunner fort, jedoch eS verschob sich das von Tag zu Tag; nur soviel kann ich Dir sagm, daß eine Absicht bei mir nicht Vortag. Im ersten Taumel — nenne eS Sinne«tauwel, wenn Du willst'— habe ich gar nicht daran gedacht, von meinen Privatwrhiltnifsm zu sprechen — Doch, um eS kurz zu wachen, Walt.r — ich will weder, noch kann ich zu meiner Entschuldigung Triftiges, Entscheidendes anführen: mdne Llrbe, für dir ich nicht kann — denn ich bin eben nur rin Mensch wie Du und Andere auch! — hat mir die klare Uederlegung, die berechnende Besinnung geraubt. Sie möge sür mich eivtreten, für mich antworten auf die Anschulstgungen. die Du, die — mein Gewissen mir vorgt halten! — Wenn Du Adele v. Sodm gesehen haben wirst, dann wirst Du Dir auch erklären können, daß und wie sehr ich sie liebel — Nie vorher habe ich eine Andere geliebt; ich habe mir selbst vorgelogru, ich liebe Joa, aber ich wußte ja nicht, was Liebe ist, bevor ich Adele gesehen I--
.Das ist Leidenschaft, nicht Liebe," unterbrach der Doktor ihn fast rauh. Seine Züge drückten tiefen Kummer aus; er kannte Reinhard zur Genüge und wußte, daß derselbe nie zurückkehren werde zu seiner still zufriedenen Ehr; er wußte auch, wie sein Freund jahrelang einem weiblichen Ideal nachgestrebt, eS aber vergeblich gesucht und dann endlich die Idee cwfgegebeu hatte, ein Weib zu finden, wie « r» sich geträumt, um eine von len beiderseitigen Eltern
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Deutsche» Strich.
Berlin, 28. Okt. Der Reichstag ist zum 19. 9t o= bembet einberufen. — Anläßlich der morgigen zweihundert- jährigen Jubelfeier der französischen Kolonie wurde heute mittag auf dem Platze, wo das „Hospice pour les enfants de löglise des refugies“ steht, ein in Bronze gegvffeneS Calvin-Denkmal feierlich enthüllt. Nach einem Chorgesang hielt Rechtsanwalt d'HargueS die Festrede, in welcher der Aufnahme der vertriebenen Hugenotten durch den großen Kurfürsten gedacht wurde und in der er als Reformator Calvin feierte. Prediger Neßler übernahm das Denkmal namens der Verwaltung der französischen Kolonie und brachte ein dreifaches, begeisterö ausgenommenes Hoch auf den Kaiser aus. Nach abermaligem Chorgesange schloß die erhebende Feier. — Die nächste Sitzung drS LaudrS- Oekonomie-KollegiumS wird am 9. k. MtS. hier eröffnet. An Vorlagen des Ministers für Landwirtschaft stehen auf der Tagesordnung: Begutachtung des von dem Professor v. MtaSkowSki ausgestellten MusterblattS für eine Untersuchung der landwirtschaftlichen Berhältniffe des preußischen Staats, Gutachten über den Verkehr von Dampfpflug- Maschinen auf Kunststraßen und sonstige Aenderungen der verkehrSpoliz-ilichen Vorschriften, Bericht der Kommission üb-r die Anträge auf Einsetzung einer Landeskulturbehörde, auf Belebung der Thätigkeit der landwirtschaftlichen Vereine. Mit dem ersten Gegenstände der Tagesordnung wird die Erörterung der mitgeteilten Dmcksachen verbunden werden,
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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b. BlatteS, f owied.Annoncen» Bureaux von Haasenstein undVogler in Frankurt e. M., Cassel, Magdeburg und Wien: Rudolf Moste in Frankfurt a iR,,ikerltn,Müuchen und
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-Al- mein Herz, Walter? - Niel — Aufg'beu meine Liebe, die erste meines Lebens, verlange das nicht von mir, ! ich tonn eS nicht! — Es ist ein böses Verhängnis, das über uns waltet — über uns Dreien; doch sollen wir Alle unglücklich werden, wenn das Uaglück eines Einzigen von uns genügt? — Iva ist vernünftig, sie liebt nicht, to 1JÄ' to*e Adele liebt, sie wird sich in das Unvermeidliche fügen; bester, daß ich von ihr getrennt bin, als ; mit ihr zusammenbleibe und ihr nichts sein kann, vielmehr 1 pct« in ihr Diejenige sehen muß, die meinem Glück im i Wege gestanden hat! — DaS Leben ist so kurz, daß während seiner Dauer jeder Mensch ein heiliges Anrecht haben muß auf feinen Anteil an dem reinen, hehren Glück, das es zu bieten vermag; eS Ist auch wieder lang genug, um endlich alle Wunden, auch die empfindlichsten vernarben zu lasten!"
Er sprach so leidenschaftlich, so glühend für seine Liebe, daß Walker fühlte, jeder Versuch, an die klare Vernunft de» Freunde« zu appellieren, würde vergeblich fein.
Richard fuhr fort:
.Sieh' hier tiefen Brief habe ich an Ida geschrieben: w?. dctn großen Schmerz empfinden, ich wliß das, ich habe aber vergebens gekämpft gegen diese Liebe und bin
^kommen, daß ich nicht zu Ida zmückcehrcn kann!. (Fortsetzung folgt.)
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Besitze der Meeresküste befindlichm Briten. Dadurch, daß sich dann von 1826 an, wohl nicht ohne stille englische Mitwirkung, verschiedene Stämme allmählich unabhängig machten, ist das Königreich Tibet auf seinen j tzigev Umfang zusammengeschmolzen. Das ihm verbliebene Gebiet ist aber ein sehr reiches, namentlich an Mineralien und vorzüglich an Hölzern.
Seit nun die Franzosen die Eroberung TvnkingS und Auams ernsthafter in Angriff genommen, hat fich fron» zösifcherseits auch das Streben bemerkbar gemacht, im Innern Hinterindiens, in Siam, unter den Schanstämmen und auch in dem durch die eben bezeichneten Gebiete von Anam getrennten Birma einen stärkeren, zunächst kommerziellen Einfluß zu gewinnen. In Kalkutta nnd London hat mau diese französischen Pläne, schon als sie als bloße Möglichkeit auftauchten, als eine große Gefahr erkannt, an sich schon bedeutender, als die von der afghanischen Grenze her drohenden russischen Wetterwolken. Um so bedenklicher er- schien daher die Lage, als beide Gefahren zusammentrafen, und Rußland und Frankreich, das eine von Nordwesten, da» andere von Südosten her, das englische indische Reich in die Mitte nehmen zu wollen schienen. Die englische Regierung hat daher stets, toenn auch nicht offen, den Widerstand Chinas gegen Frankreich ermutigt, und was eS hierdurch erreicht hat, das lehrt die Geschichte der inneren Katastrophen und Wirren in Frankreich, welche mit FerryS Stur, ihren Anfang nahmen, und das unausbleibliche Stocken der ostastatischen Unternehmungen der französischen R-publik. Tonking an und für sich ist aber samt Anam ein z'emlich wertloser Besitz und in Loudon wird daher bereits die Meinung laut, wenn dies- Länder für Frankreich nicht mehr der Ausgangspunkt für die Unterwerfung Hinterindiens bilden könnten, so werde da» freiwillige Preis- gebkn TonkmgS durch die Franzosen nicht mehr allzulange °u Jf warten lassen. Diese Hoffnung mag allzu san- puinisch sein, Thatsache aber ist, daß die gegenwärtige Lage Frankreich» den Engländern die beste Gelegenheit giebt, den erwähnten französischen Plänen für alle Zukunft einen Riegel vorzufchieben. Die Hauptsache hierbei ist die Eroberung dkS Königreichs Birma. Die schon jetzt in einem freundlichen Verhältnis zu England stehenden benachbarten EingphoS würden durch eine solche noch mehr au Groß- britannien gefeffelt, und selbst das Königreich Siam könnte sich schließlich dem englischen Einfluß nicht entziehen.
Ein besonderer Antrieb, mit Birma jetzt ein Ende zu machen, liegt noch darin, daß China jetzt eben im Begriff stcht, Eisenbahnen zu bauen, und zwar auch in feinem Binnenlande. Der Ueberlandhavdel von Hinterindien verspricht daher gerade jetzt einen guten Absatz für allerhand Material nach dem Reich der Mitte, und auf die Dauer würde er nach dem südöstlichen China durch eine immer weitere Ausdehnung des englischen EinfluffeS in Hinter- Jndlen einen unberechenbaren Umfang annehmen. Ist aber Chioa einmal mit Eisenbahnen überzogen, so bildet eS den gewünschte Heirat einzugehen, dabei für Liebe hastend, was die Gewohnheit der Jugendfreundschaft gewesen. Und nun mußte er, da eS zu spät, die ganze Tragweite seine» JrrtbvmS erkennen, durch welchen nun drei Menschen un- glücklich wurden, da, wie Reinhard gesagt, Adele v. Soden auch ihn liebte.
Walter Grell, durch all' diese Thatsachen recht trüb gestimmt, fragte den Freund:
»Und was gedenkst Du nun zu thun?"
R'inhard saß immer noch dumpf vor sich htnstarrend da. Nach minutenlanger Pause erwiderte er:
„Ich muß frei werden, Walter!'
.Durch Scheidung?! — Reinhard, b-denke um Gottes Willen, was Du thun willst!« rief Grell, wie beschwörend die Hand erhebend. .Weißt Du, ob Adele Dich liebt — genug liebt, um den Trug Dir zu vergeben?"
.Sie liebt mich - o ja l - Ich fühle e-, sie wird mir verzeih«, daß ich ihrem Zauber erlegen, daß ich sie -zu spät gefondeu. ----Meine arme Ida, wie sehr
bedauere ich sie l" ’
Seine Stimme war weich geworden, seine Au;eu, wie umflort, glänzten feucht.
-D°ch was soll ich bei ihr," fuhr er fort, .mit der allverzchrendeu Liebe für Adele im Herzen, mit der Glut, die meine Sinne umstrickt?! — Ob sie mir verzeihen wird, ich w-lß es nicht — sie, die mich unendlich geliebt, mich nie auch nur mit einem Gedanken gekräckt hat, muß ich i° elend, so über alle Begriffe unglücklich machen!"
Aus» Neue barg er sein Gefleht in den Händen. Milleidig ruhte Walter» Blick auf ihm.
Auch für die Monate November und Dezember werden Bestellungen auf die
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Illustriertes Son utagsblatt
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Auf dem Lande nehmen sämtliche Landpostboten Bestellungen entgegen. In Marburg die unterzeichnete __________________Gxped. der Oberh. Zeitung.
England und Birma.
Kolonialkriege sind die modernste Art der Kriege und nachdem Frankreich darin so .Großes" geleistet, kann es auch England nicht mehr «ushalten und kehrt zu ihnen zurück; eö droht ein Krieg zwischen dem britischen Reiche und dem König von Birma in Hinter-Jndien, zu welchem die trrtzige Haltung des Königs England gegenüber die Ursache giebt! Die .offizielle Ursache", muß man hinzu- fügen, denn die eigentlichen Gründe, welche diesen Konflikt herbeigesührt, sind ganz andere, und wird auS London darüber folgendes mitgeteilt:
Der Konflikt mit Btrma ist, so wird der Welt erzählt, durch eine vertragswidrige Haltung des Königs Thibo von Oberbirma — denn auf einen verhältnismäßig kleinen Teil des ehemaligen Oberbirmah ist das ehemals so große, den ganzen Westen Hinterindiens umfassende birmanische Reich zusammengefchrumpft — hervvrgerufen worden. König Thibo ist ein astatischer Despot schlimmster Sorte un) an der Richtigkeit der wider ihn erhobenen Beschuldigung daher nicht zu zweifeln; man würde aber das Vorgehen Englands wider ihn doch gar zu harmlos beurteilen, wollte man in demselben lediglich die Exekutive einer zivtlifierten Macht gegen einen durch gütliche Vorstellungen nicht zu bändigenden Halbdarbaren erblicken. Die Vorgeschichte des der Entscheidung rasch entgegmretfenden Konflikts, die frelltch in Europa wenig brachtet worden ist, läßt erkennen, daß eS sich um ganz andere Zwecke, als um die bloße Züchtigung eines störrischen Herrschers handelt, und daß die englische Regierung bei der energischen Verfolgung des Unternehmens gegen das Königreich Birma sich von sehr umfaffcnden Gesichtspunkten letten läßt.
Schon 1826 und 1852 haben die Engländer einen großen Teil BlrmaS annektiert; im erstgenannten Jahre die Küstenprovinzen Arrakau und Tenafferim, sowie die auf beiden Usern des Brahmaputra, zwischen Bengalen und Tibet, gelegene Provinz Assam; im zweiten die südlichste Küstenprovinz TtbetS, Pegu. Tibet wurde dadurch ein Binnenland und als solches natürlich abhängig von den im
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