Einzelbild herunterladen
 

Marburg, Donnerstag, 29. Oktober 1885-

ffr. »si.

XX. JihlMg.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal» «bonnementS-Preis bei der Spedition 2*/t Mk., bei bcn Postämter 2 Mk. 50 «fg. (excl. Bestellgeld). qmsertionSgebühr für die Aaltene Seite 1» Mn. Kellame» für die Sette 15 Pf«.

Oliechtssisllic Zcitiliis.

Anzeigen, nimmt entgegen die Expedition d. BlatteS, sowied.Annoncen-Bureaux von Haasenstein undVogler in Frankurt a. M., Castet, Magdeburg und Wten; Rudolf Moste in Frankfurt a. M, v-clin,München und Kvlnr ». 8. Daube und To. in Frankfurt a.

Berlin,Hannover u. Pari-.

Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg». Kirchhain. - Illustriertes Sountagsblatt.

Expedition: SDiartt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

Auch für die Monate November und Dezember werden Bestellungen auf die

Oderhesfische Zeitung

nebst deren-Beiblättern

Amtlicher Anzeiger

für die «reise Marburg uud Kirch h«i« und

Illustriertes Sountagsblatt , von allen Poftanstatten angenommen.

Aus dem Lande nehmen sämtliche Landpostboten Be­stellungen entgegen. In Marburg die unterzeichnete __Ex-ed. der Oberh. Zeitung.

Die touservative Partei im Abgeordueteuhause uud ihre Ausgaben.

VI.

Die Leistungen und Aufgaben der konservativen Partei im Landtage ließen sich nicht ohne einen Blick auf die RetchStagsverhaudlungen vollständig würdigen, allein die letzteren haben noch weitere Gebiete der Thätigkett umfaßt, die wir hier auch nicht einmal gestreift haben. DaS aber müssen wir am Schluffe noch sagen: Für die vergangene Zeit ist eS ein sehr bedeutungsvolles Zeichen, daß die kon­servative Partei nicht bloß den Vorlagen der Staatsregie- mng zugepimmt und fie zur Annahme gebracht, sondern daß die wichtigsten Errungenschaften die Erhöhung der landwirtschaftlichen Zölle, die Ueberwetsung derselben an die Kreise und Gemeinden, die Pensionierung der VolkSschul- lehrer, sowie die Börsensteuer aus der eigeueu Initia­tive der konservativen Mehrheit in dem Parlamente her­vorgegangen und einen glänzenden Beweis liefern, wie Re« gierung und Volksvertretung nach dem einen großen Ziele streben die Wohlfahrt des deutschen Volkes nach allen Setten zu fördern.

Gegenüber der Thatsache, daß die konservative Partei in erfreulicher Uebereinsttmmung mit der König!. StaatS- regieruug, im Reichstage mit dem Fürsten Reichskanzler die eben kurz zujammengestellten Resultate erreicht hat und diese Thatsache so wenig wie die wohlthätige Wirkung der errungenen Erfolge für unser Volk geleugnet werben tarnt sehen wir täglich, daß die TageSprefle, die sortschrittltche bleibt natürlich ganz beiseite, selbst die größten national- liberalen und auisälltgerwetse auch das fteikouservattve Organ uud die für offiziös gehaltene Presie sich tu einer K.ttik der konservativen Partei gefällt, die mit der von ihnen anerkannten Thatsache einer tüchtigen Leistung derselben Partei in einem auffallenden Widerspruche steht.

Man darf, und deshalb fei dies erwähnt, auf diese Preß» stimmen kein allzu großes Gewicht legen. Stände der

Heißer Stau.

Roman von Theodor Küster.

(Fortsetzung.)

Unterbrich meine Berichte nicht, fuhr der Affeflor fort bis sie zu Ende sind. Als ich mich verheiratete, da hielt ich mich für glücklich geborgen tm ehelichen Hafen; ich liebte meine Frau wenigstens glaubte ich es damals. Wir hatten uns schon seit der Kinverzett gekannt, wie Du weißt, uud ich ging ganz willig auf den Vorschlag meiner Eltern ein, welche sie so sehr zur Schwiegertochter wünschten.*

Uud wir würden ohne Zweifel auch ganz glücklich geworden sein, wären wir zusammen geblieben; als aber weine Versetzung nach hier mir mitgetrilt wurde, da bat Iva, fie zu ihren Eltern reisen zu laffen, um dort bis zum Herbst zu bleiben. Bis dahin, so meinte fie, würde ich mich hier eingewöhnt und unsere Einrichtung hier vol­lendet haben. Dann sollte ich meine Frau abholen. Ich war ohne jeglichen Hintergedanken mit diesem Plaue Ida'« einverstanden. Nach meiner Ankunft hier machte ich natürlich die erforderlichen Besuche, auch unter anderen bei dem AppcllattooS- GerichtSrat v. Soden, dem ich durch meMru Onkel au,'s Wärmste empfohlen war. Kennst Du Adele v. ©eben?*

«Ich habe sie noch nicht gesehen, aber von ihrer Schön- heit sehr oft gehört,* erwiderte gedankenvoll Doktor Grell; auch über ihre geistigen Vorzüge und Talente ..... Ich ahne, armer Freund, was Dir passiert ist und weshalb Du mir diese Frage vorgelegt hast1 Du hast Dich verliebt in die vielgepriesene Schönheit, Du att Ehemann: DaS ist schlimm, sehr schlimm, Reinhard! Doch Du mußt e» überwinden «ad wird alles wieder tu Ordnung

Name der Vrrfaffer unter den Zeitungsartikeln, so würde mancher, dem das gedruckte Wort imponiert, die Zeitung mit Lächeln oder Achselzucken auö der Hand legen. Diese EintagSpolttiker verfolgen in ihrer anonymen Unverant­wortlich keit oft wesentlich andere Ziele, als ihre Partei, die mit den Rücksichten auf ihr Lesepublikum zusammenhängeu.

Nur daS größte nationalliberale Blatt leistet in seinen Darstellungen wesentlich dasselbe, wie die Führer dieser Pattei. Folgt man sttner Darstellung der parlamentarischm Verhandlungen, so sollte man oft glauben, die National- liberalen beherrschtm heute noch die Situation wie vor 10 Jahren und der erstaunte Leser findet dann, daß die Sachen ganz anders gemacht werden, als ihre Lieblinge es gewünscht haben. Während diese Liberalen sich immer mehr vor den Erfolgen der konservativen Politik haben beugen leruen, lasien fie keine Gelegenheit vorübergehen, wo fie nicht die Schale ihres Zorns über die Klerikal - Feudal- Extrem»Kreuzzeitung« - Konservativen ausgießen, als ob sie nicht geuan wüßte«, daß die konservative Partei die etuztge zuverlässige Trägerin der Reformpvlitik ist, welche unserem Volke nach allen Richtungen hin Segen gebracht hat. Wenn die Nationalliberale Partei diese kon­servative Reformpvlitik durch eine entschiedene Trennung von den Freisinnigen und ein zuverlässiges Eintreten für die Reformpvlitik in den Parlamenten zu der ihrigen ge­macht hat, daun allein kann sie die Stellung wiedergewiunen, die sie durch den Bruch von 1880 so gänzlich verloren hat.

Unfern Lesern aber legen wir diese kurzen Berichte mit der Aufforderung vor, daß sie nach den Thatfachen ihr Ul teil fällen die Phrase hat ihre Macht verloren!

Knttsches Keich.

Berlin, 27. Okt. (Generalsyaode.) v. Diest (Merse« bürg) macht Mitteilung über dir Restaurierung der Schloß­kirche zu Wittenberg und bittet, die Lutherversammlung des dotttgeu LutherhauseS möglichst zu unterstützen. Schultze (Magdeburg) zeigt an, daß die Generalsupertntendenten in der Frage der Sonntagsruhe einen Hirtenbrief erlasien werden. Der Antrag von Kleist-Retzow, betreffend die Zusammensetzung des Vorstandes der General'ynode aus einem Vorsitzenden, dessen Stellvertreter, 5 Beisitzern und 5 Ersatzmännern, wird angenommen. DaS Kirchengesetz über die Fürsorge für die Witwen uud Waisen von Geist­lichen wird in zweiter Lesung im ganzen genehmigt. Die Generalsynode nahm ferner den Antrag von BodelschwinghS an, die Konsistorien zum Einschreiten gegen solche Gemeinde­kirchenräte zu veranlaffen, welche die gegen evangelische Nupturienten, die das Versprechen katholisch r Kindererziehung geben, gebotene Kirchevzucht nicht üben; sowie in Erwägung zn nehmen, unter welchen Umständen der Geistliche und die Gemeinderäte zu ermächtigen sind, evang. Ehegatten, welche trotz aller angewandten Kirchenzucht ihre Kinder der

sein, bis Deine Frau hier ar kommt. Meide dir Villa Soden uud die Kreise, in denen jene Familie verkehrt, und nimm Deine Vernunft zu Hilfe, um nicht einen Fehler zu begehen, der schwer wenn überhaupt wieder gut zu machen sein würde

Ja, Walter, mit der Vernunft war eS leider ans, sobald ich Adele nur gesehen, noch weit mehr später, nach­dem ich daS herrliche Mädchen kennen gelernt hatte. Ihre SS S cheit ist nur die würdige Außenseite ihres Javem: sie ist das edelste, schönste, reinste Weib, das die Erde trägt; durch sie habe ich Liebe erst lernten gelernt, Liebe auf den erstm Blick, denn was ich bisher für Liebe hielt, das war eben nur Gewohnheit, die Gewohnheit des Kenners von Jugend auf. Jca ist meine Spielkameradin, die ich als älterer Junge beschützte, und bei ihrem Erblicken habe ich nie jenen mächtigen Pulsschlag gefühlt, der vom erstm Moment an, wo ich Adele sah, wir da« Blut fieberhaft durch die Adern jagte. Anfänglich wähnte ich sie nur zu bewundern, wie Jeder eS thuu muß, der ihr naht, aber ich mußte bald genug erkennen, daß das, was ich für Bewunderung gehalten, in der That Liebe war eine mächtige und meine erste Liebe, Walter l MS ich nur einen Augenblick in ihre wunderbaren Augen geschaut, da wußte ich auch, daß wir Zwei zusammengehörten, daß sie da« wir vom Geschick bestimmte Weib sei und, Walter, sei deffrn verstchrtt: auch Adele liebt mich!*---

Reinhard, bist Du toll?!* schrie der junge Arzt auf- springend.Ftäulein v. ©oben liebt Dich, ben Gatten einer Andern ?! Und Du Mensch! Du hast Deine gute, brave Frau vergeflen?!*

Der Ton, in dem Grell diese Worte rief, war ebenso vorwurfsvoll, wie erschreckt.

römischen Kirche zuführen, die kirchlichen Ehren beim Be­gräbnis zu versagen. Nach der hierauf erfolgten Wahl deS Synodalvorstandes und SynodalrateS, sowie nach DankeSwortev deS Präsidenten v. Arnim an den Ober­kirchenrat, ferner Schraders an das Synodalprästdium, schließt die Geueralsynode mit einem dreimaligen Hoch aus den Kaiser und dem Schlußgebete des Generalsuperinteu- denteu Brückner. Das Reichs - VerstcherungSamt hat denBerl. Pol. Nachr.* zufolge über die Frage, welche Behörde in Preußen tm Sinne des Unfallverstche- rungSgesetzeS als Zentralbehörde anzusehen ist, nachstehendes Reskript erlaffen:Im Anschluß an das Rundschreiben deS ReichSverstcherungSamteS vom 15. d. MtS., betreffend das JnSlebentreten der Unfallversicherung, die Organisation der Schiedsgerichte re., haben mehrere GenostenschaftSvor- stände die Frage hierher gerichtet, welche Behörde tu Preußen als diejenige Zentralbehörde anzusehen sei, welcher in dem gedachten Schreiben die unter Ziffer 1 erwähnte Mitteilung über Name und Wohnott der von den Ge- noffenschaftSorganen gewählten Beisitzer zum Schiedsgericht und ihrer Stellvertreter zu machen ist. Das ReichSver- stcherungsamt ist behufs Hebung dieser Zweifel mit der königlich preußischen Regierung in Verbindung getrttm und teilt auf Grund der erhaltmen Auskunft dem Vorstände ergebenst mit, daß die gedachten Mitteilungen an den Herr« Minister für Handel und Gewerbe, Fürsten v. Bismarck Durchlaucht, zu richten sind.* Der greise General­feldmarschall Graf Molkte vollendete am 26. Oktober sein 85. Lebensjahr. Wie er von jeher jeder ihm zugedachten Ovation an diesem Tage aus dem Wege gegangen ist, so verlebte er auch diesmal seinen Geburtstag in aller Stille mit seinem Neffen, dem Hauptmann von Moltke vom großen Generalstabe und deffen Gemahlin, einer geborenen Schwedin, auf seinem Gute Creisau. In bezug auf die polizeilichen Brottaxen hat der Strafsenat des Kammer­gerichts in der Revistonsinstanz zwei wichtige Entschei­dungen gefällt. Die erste bezieht sich auf eine Verordnung der Poltzeiverwaltung zu Bottrop, wonach die Preisver- zetchniffe der verschiedenen Backwaren der dottigen Bäcker mit dem polizeilichen Stempel versehen und alle Monat erneuert werden sollen. Da« Kammergericht als höchster Landesgerichtshof (sog.Kleines Obertrtbuaal*) erklärte diese Verordnung für gesetzmäßig, da sie nach vorheriger Beratung mit der Gemeindebehörde zustande gekommen war. Die zweite Entscheidung betraf die Frage, ob die Polizei- Behörde berechtigt ist, bestimmte GewtchtSgrößen für Back­waren festzusetzen. DaS Kammergertcht erklärte tu dem der Entscheidung deS betreffenden Falles beigefügten Mo« ttvenbericht: Der Polizei ist nicht verwehrt, zu bestimmen, daß Backwerk nach einem GewichtS-EinhettSfatz auSgebacken werde, um so das Publikum In den Stand zu fetzen, eine Kontrolle auszuüben. Wenn die Polizei dagegen darüber

Reinhard hatte fein Gesicht in beide Hände vergraben und antwortete dumpf:

Sie liebt mich, ohne zu ahnen, daß ich eine« Weibe« Gatte bin!*

Unglückseliger!* rief jetzt der Arzt empört, kaum seinen Ohren trauend.Du verschweigst ihr die Baude, welche Dich feffeln?!

Verdamme mich nur Du, der ja nicht weiß, was eS heißt: zu lieben!* entgegnete Reinhard, indem auch er »un aufstand und mit, schnellen Schritten das Zimmer ] durchmaß.Ich fühle eS gleich, schon bet meinem zweiten Besuch, daß ich ihr nicht gleichgiltig sei. Wir unterhielten unS viel und eS kam immer nicht dazu, daß ich ihr sagen konnte, ich sei verheiratet: nenne eS Feigheit, Walter, wenn Da willst, aber so war e«. Ich weiß e« ja selbst, daß ich unverantwortlich gehandelt habe, doch ich vermochte ihrem Zauber nicht zu widerstehen; hätte ich ihr gesagt, daß ich eine Frau habe, bann mußte dieser Verkehr zwischen unS, der mich entzückte, sofort aufhören. ES ist wahr, ich hätte mich gleich mit dieser Mitteilung einführen sollen, aber man fragte mich nicht, man schien e« für selbst­verständlich zu halten, daß ich al« junger Assessor noch unvermählt fei,*

Uud, Reinhard, warum sehe ich Dünen Trauring nicht an Deiner Hand?* fragte Walter Grell ernst.

Ich habe cha schon kurz nach meiner Verheiratung abgelegt,* entgegutte Brunner, sich wieder in einem Sessel staken lastend.ES geschah daS keineswegs absichtlich, meine Hand ward stärker und der Ring, den ich nur mit Mühe und unter Schmerze« abstreifm konnte, geniert mich, machte mir Pttn; außerdem ist dieser Rinz ja nur ein äußerliches Symbol. (Fottfetznua folgt)