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Jllaröurg, Dienriag, 27. Oktober 1885.
XX. JahrMg.
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Die kousttvative Partei im Abgeorbueteuhause uud ihre Aufgaben.
IV.
Der dritte Berufsstand, welchem fich das Interesse ter Partei in der Gesetzgebung wesenllich zu-endete, ist der der Handwerker.
Die konservative Partei hat eS stet- anerkannt, daß die Gewerbeordnung dir Existenz des Handwerks, welches sich in einer schweren Konkurrenz mit dem Fabrikbetriebe befindet, gefährdet und einer Revuen dringend btdü-ftig sei. Unabläsfig ist die konservative Partei *8t eine solche und die Reorganisation eeS Handwerks cu' Grund der Innung eingetreten rvd hat in jeder Session Erfoige zu verzeichnen.
Sflt den Landtag teilt die Aufgabe heran, durch eine Neviston der Gewerbesteuer die gerechtere Verteilung der Lasten herbeizuführrn und den kleinen Handwerkerstand von drückender Steuer zu befreien und dem Großbetriebe gegenüber widerstandsfähig zu machen.
Ausschließlich beschäftigten den Landtag Avgelege! h.itcn von der größten Wichtigkeit. Die VerrvaltungSreform in Preußen, auf den Grundsätzen der Selbstverwaltung cw> gebaut, halte tu bet KrciSordnung von 1872 eine Grundlage geschaffen, welche den Anforderungen des praktischen Lebens in der Hauptsache enlsp ach. Der Ausbau der i bereu Derwaltungrinstanzen durch die Prcvinzialordnung und die BerwaltungSgerichte, sowie das ZufiändigkiitSgesitz dagegen waren unter dem Einflüsse ein-S theoreftschen liberoliflerenden Schematismus erfolg», so daß die künstlichen Unterschei- düngen zwilchen Slreit« und BeichlußsaS en, die zeitraubende Umständlichkeit bei den BerwaltungSstreitse chen, die völlige Verwirrung In der Frage der Zuständigkeit, da« ganze Reformwerk in seiner Brauchbarkeit in Frage stellte. Die bei der Selbstverwaltung dcppelt notwendige Autorität der staarlichen Organe für die Aufsicht und Ausführung der
Heißer Sin».
Roman von Theodor Küster.
(Fortsetzung.)
Und so wie heute tu der v-rschLmien Mädchenhaftigkeit, hatte — außer Assessor vrn Brunner — noch niemarw Adele zu beobachten Gelegenheit gehabt; ihr Bild hatte sich festges tzt in seinem Herzen, nur an ste mußte er fast ununterbrochen denken, und das um so mehr, als er wohl bemerkt hatte, wie auch er einen tiefen Eindrrck auf ste gemacht, denn eine Dcmr wie Stele ton Soden erscheint «icht so befangen, namet tlch nicht einem Herr» gegenüber, wenn dieser ihr gleichgiltig.
Reinhard von Brunner »ar acktr ndzwanzig Jahre alt, vollendeter Weltmann, tel alledem voller fugen lichen Feuer, vud sitdenschaftlich angelegt. Er gab sich ganz der Macht hin, welch: Adele out ihn übte; er hielt ti.fen Sinnentaumel — in de« er sich tatsächlich befauv nicht für Aebe, er glaubte die hehre Schönheit d«S jungen Mädchens nur zu bewundern, wie er clle« Schöne in Welt, Kunst, Natur bewunderte; er wußte nicht, wie gefährlich eS ist, der Bewunderer einer schönen, geistreichen Dome zu sein, wie schnell Liebe und Beehren cu, solcher Bewnuderrnz Wtsteheu. —
ShmmsSioS rab Brunner fich den Gedw ten au fie hin, und wenn «in andere«, auch liebe«, aber bescheidene« tob mischet« b«tS Fronen bild in seiner sanstm Milde vor sein g-istige» Auge trat, in der Erinnerung ihm erschien ** ** wußte weichen vor der Uendeudeu Erscheinung Arelt'e, mb kein E lbstvorwurf quä tr ihr: »ar er ja doch üb qergt, hier nicht zu lieben, svmeru nur efa Meist-f *erf der reichöpfmig, ein unerreichbare« Jreal fifcet dhantast reich-N trtame zu verehren 1
(‘in‘at i frt.warn v- p n.-ea s» r >eS Pfi <fit< »estem
BerwaltungSmaßrahmen war in vielen Punkten völlig lahm gelegt.
Die konservative Partei hatte urunterbrochen dir Ausbildung der Verwaltw gSrefvrm als eine ihrer wese; tlichsten Aufgaben erkannt und ten Gesetzvorlagen wegen Umformung der Organisation ter allgemeinen Landesverwaltung im Jahre 1880, der Einst tzung des Regierungkprästdenten als Mittespunkt der Bezirke ve waftung und der Reform der BerwaltungSgn ichte ihre volle Unterstützung gewährt. Sie vermochte es jedoch nicht zu verhindern, daß die G fttzvor« läge von 1881, welche die Zuständigkeit der Verwaltungsbehörden und -Gerichte und der Einzelbeamten neu zu reg In bestimmt war, an dem Verlangen der Liberalen und fr 8 ZentmmS das BestätipungSrecht ier Magistrate und die Aufsicht der Landräte über die Gemeindeverwaltung zu be- fettiger, fcheitertx. Allein die 'ühlbarcn Mängel der Verwaltung, die neuen endlosen Instanzen, die Trennung der Vnwaliung in zwei Instanzen, in Bezirks- und Verwaltungsgericht, der gm zr scharfsinnig aber unpraktisch ausgeklügelte Formalismus gab im Lande die Veranlassung zablreicher Beschwerden. Demer tsprecheud rrure der zweiten Vorlage des Oks-anisationS- und Zustäudigk itögesrtz-s von kenserva- tirer Seite die n ärmste Unterstützung zu teil. Durch die Bereinigung der beiden seither getrennten Behörden der Mittclinstanz in den .Bezirksausschuß' wurden >ie Zu- ständigklitsstreitigkiten im w.ser tlichen beseitigt, die Aussicht über dir kommunalm und genossenschaftlichen Verbände wurde in die Hände bet Einzelbeamten statt bet Verwaltung Skör per gelegt.
Tie hiernach wesentlich vereinfachte und verbesserte Der- waltunpsorganisatiou wurde für die Provinz n Hannover uud Hissen Naflau durch Gesttze ein «führt uud den : aseldst bestehenden Verhältnissen insofern Rechnung getragen, alS von der Einführung teS Jnststuts ter Amisvotstehir Ab- Bonb genommen, an deren Stelle die Wahrnehmung der OrtSpvlizei in Hannover den Lrndrättn, in Hcflrn Raflau den OrtrVorständen belassen wurden. ES war w sit tlich die konservative Partei mit der Unterstützung deSZewtumS, welche diesen Gcsttzm wegen Re'orm der Verwaltung die M'hrheit verscheffle. Noch bleibt eS eine Arfgabe der nächst-n Zukunft, die Selbstverwaltung in Rheinland und Westfalen einzuführkn und die in bet ganten Monorchie gewonnenen Erfahrungen zu einer immer größten Vereinfachung der Verwaltung zu verwenden.
Hier muß auch der Pflicht der Volksvertretung gedacht werden endlich die Mttei zu bische fsen, welche erforderlich faib, um ben vecmten, namdn lich den unteren Kkfs-n, eine Einnahme zu gewähren, welche ihnen eine den Ansprüchen deS Lebens entlprcchcnde Existenz sichert, eine Forderung, welche allersi it« als »ine gerechte und dringende Besuch in der Villa ©oben, al« eines Morgen« der Diener de« AppellaticnS-GcrichtSr-te« in der Wohnung Brunners «ine fariftliche Einladung zum Diner für den folgenden Tag abgab, eine Einladung, der der junge Sssissor nur zu gerne folgte.
v't dieser Gelegenheit waren die Beid-n ni<5t mehr stvmm, wie sie es bei ihrem ersten Zusammentreffen gewesen. — Sie sprachen viel, soweit die Gesellschaft e« nlaub'e, fast ausschließlich, mit einander; sie musizierten zusammen, spielte» vierhändig und sangen Duette, denn 'hr herrlicher Sopran unb siin ge'chnlter, angenehmer Tenor- Bariton paßten so wunde bar zusammen — wie auch ihr geistiges, ihr Seelenleben. Beide gaben sich ganz dem Zauber hin, de« die« Zusammen sein auf sie übt-. Adelns schöne Auge» glänzen, sie war t-izender, der lüh-ruscher d-nn je uud in ihrem Herzen jub-lti r« auf: .Es ist bet Recht I* —
Sie wert so glkckOch, wie ste nie geglaubt, daß ein Menschenkind werden könne, und er — R i Hard v. Brvm er — bewunderte diese Schönheit, ben Gift Aoisi's unb glaubte onbdenb vor ihn» He zen, ibr m Geiste nieder- faken zu müffen, web--er vergaß darüber ein Wmt
au«zr-sprechen, ein Wort, so vuhänknitvcll, daß ,« ihn von ihr trennen mußte auf ewig! , . . —--
Oft wollte er e« wohl, wollte di.ser Pflicht nachtemm<n: koch e« t flegle dann tarnet in gerb etwa« dczwt^chu, zu treten. Unb e« hm auch die Z it, wo er dem sich fatal Bmfte, er H b- sitae B ück-u Hüter sich abgehr-che», wo tt zu spät schon »ar zu selche» Erkff mrge«, »ell er — vor Lridenscha t blind — 8 [tat« unb bem sich lt. ‘ seligeudm Bewuhtseta htegad, hiuzeb« fwnle, auch von ihr geliebt p sein« —
Ach »-r Mi Wort, »ed-e ve f noch , bindend, '
anerkannt ist unb bisher nur au bet Unzulänglichkeit bet Staatseinnahmen gescheitert ist.
rextfche« «eich.
©erlitt, 24. Okt. Ter Kaiser ha! zur Vergrößerung der Räumlichkeiten bt« bkUtschen Gouvernanten - Heim« in London 1000 Mark bcigcsteuert. Eine gleiche Summe haben bet beutsche Kro- prirz unb bet Magistrat von Berlin diesem Zwecke gewirmet. — Der diesseitige Gesandte In onßcrordcntlichet Mission am dänischen Hofe, LegationS- rat Stumm, hat fich nach mehrtägigem Aufenthalte heute früh von hier auf seinen Posten nach Kopenhagen zmück- begeben. — Die erheblichen Mehrforderungen, die btt Mililäret t aufweisen wird, sollen dem Vernehmen nach wesentlich durch die Einführung geroifar m-litärtechnischer Vervollkommnungen bedingt sein; auch die ost enge kündigte Berm' hrung bet A tillerie dürfte jetzt zur Thatsache weiden. Ganz abgeschlefan sind die Beratungen darüber noch r icht. — Für den Etat von 1886/87 werd en die Einrehm'N bet Post- und Telegrahen - Verwaltung auf 180300820 Mark veranschlagt, das sind um 10 075020 Mark mehr als im laufenden Jahre. Dieses Plus beruht hauptsächlich auf der höheren Veranschlagung der Einnahmen ans Porto- und Telegrophengebühren, die mit Mk. 163000000, also um Mk. 9 6(0000 höher alS im Vorjahre, angesetzt stad. Die jottdaunnden AuSacben sind mit Mk. 151728214, da« heißt um Mk. 8466408 höher als im laufenden Jahre veranschlagt, die einmaligen Ausgaben mit Mk. 4 835215, d-S heißt um Mk. 314 843 Häher. Unter den einmaligen Ausgaben befinden sich die Positionen für Herstellung neuer TienstgebSude tn.Küsirin, Celle, Bingen, Kreuznach und WiSmat, sowie sür den Um- und Erweiterungsbau in Stettin, mit zusammen Mk. 536 850 alS erste Bsuraten; außerdem werden neue Dierstgeräude beat tragt für Stealsund, Ludwigslust, W rdau, Allensttin, Brieg, Sonder shausen, sowie die Erwerbung von Grundstücken in Berlin unb Landsberg a. M., mit zusammen Mk. 1096600. — Herr v. Bötticher begiebt sich demnächst nach FriebrichSruh zum Reichrkm zler, um mit ihm übet die Vorbereitungen zur R ichStagös'ssirn zu fcnftileren. Der italienische Botschafter, Graf de Launr y, ist heute auS Friedrichsruhe nach Berlin zurückgek-hrt. — Der Zusammentritt bet Botschaft-rkonserenz wird nach Kräften beschleunigt. Die »Rordd. AUgrm. Ztg.- spricht höhnisch rou bet bei der Eröffnung der griechifaeu Kämmet kmchgegebenen obligaten Maffenbeg-istttung unb findet, daß d«S T'levtamm, daS übet die Eröffnung berichtet, demonstrative Zwecke habe. Dann fährt d-S Blatt fort: „Einen ähnlichen Eindruck fcheinm die Vorgänge in btt gestrigen Kammersitzung auf da» diplomatische Korps in Athen gr-
zwischen ihnen gewrS s lt worden, aber sie wußten -S Bei-, l — Auch Herr v. Soden wußte cs unb war erfreut dwüber. Und Ella jubelte, ihr war das ja längst kein Geheimnis- gewesen. —
Doch auch Andere wußten e«, die ^tmze Stadt hatte Ktnuini« von diesem neuen Herzenilurid» und man flüsterte sich die Nachricht bet kuzenfcheirlich bevorstehend, n Ver» lobung AbeleS v. Ssden mit dem Regien nz« - Afl ffot vi Brunner cuf der Straße einander zu.
Nur wenige Wcchen waren vergangen, für Reinhard ein Rausch, ein Traum. DeS Erwachen kam denn aber doch: nur kam eS zu spä I Sein leibn schasilich «rregteS Blut kämpfte iie Stimme dtS Gewisser« nieder, überiönte seine kteste Mahncna; aber large konnte er ste doch richt ganz überlörrn una schwere Sunden brachen au für ihn, S'unden vellet Kamp«, Schmerz unb Elend. Er liebte »del« mit wahnstmsiget Glut, er konnte ihr nicht entsagen, da» füh'te und wußte tr. Nut Ein« kcn te seine Liebe retten, die« Eine aber ihr zu sagen, dazu fehlten ihm Herz und Mut. —
3mmnc lautet rief ihm die Siimme seine« G-wissin« z». daß er nicht gehandelt wie ein Mann von Ehre handeln soll, dcß fie ihn b-lb verachten Bet’* — sie unb Mel .— Wohl manch«- Msl war siin Entschluß der Sühee gefaßt und et auf dem Wege glws-i, ihr Alle« zu be- kenner; wrnn ste ihm aber barm entgegen!rat. da» Auge strahl:», von Glück uns 8bbe, wenn ihre schö e Hand leise |ttterab in b?t feinen lag, dmm wollt« e« richt i'ber sii« 8ttpr, da« Sto-.t, bat fa trennen maßte für tamer, de« plttznch trab graut an »en ta-len T'anm eine» jungen, »ertrfuenttR Mixhenherzrar «bg schll sfo, haben wü<l e.
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