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JRaröutg, Sonnabend, 24. Oktober 1885.

XX. Jahrgang.

AtthMchk jcitiniii

Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. 6. Kreise Marburg u. Kirchhain. -

______________ Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch

Der Verschuldung der Grundbesitzer ist durch Erlaß des Wuchergesetzes und der Neuordnung des Sub- hastationSverfahrens, welches die Zahl der Zwangs­versteigerungen bereits in erheblichem Maße herabgemtndert hat, soweit dies Ziel im Wege der Gesetzgebung zu erreichen ist, in Etwas gesteuert.

Es bleiben auf dem Gebiete der Fürsorge für die Landwirtschaft die größten Aufgaben der Zukunft zu lösen. ES handelt fich darum, die Wege zu finden, auf denen der gesamte, namentlich der kleinere Grundbesitz, zu einer vollen Entwickelung seiner Produktionskraft kommen kann. Sicherheit der Besitzer und Mittel gegen seine Uebn schuldung durch unkündbare Kredite bei mäßigen Zinsen, Erhöhung seiner intellektuellen Kräfte und Schutz gegen Ueberbürdung durch Kommunalabgaben und Steuern, durch die Kosten der Bodenregulierungen und der Gerichtskosten und Jmmobilienstempel — da- sind die Aufgaben, deren Erfüllung die notwendigste Grundlage des Staates, die Erhaltung eines tüchtigen Bauernstandes allein drill' Dem letzteren selbst liegt eS ob, dabet felbstthätig vorzugehen und durch Zusammenschluß zu Ver- einen sich die Mittel zu verschaffe, von dem Kapitale un­abhängig zu werden. Auf diesen Gebieten wird die Gesetz­gebung einen weiten Wirkungskreis finden. Das dermaltge SrparativnSwesen wird einer gründlichen Revision zu unter- ziehen sein, das Verhältnis des Waldes zum Feldbau wird wichtige praktische Aufgaben zur Lösung vorlegeu.

gesehenen EntschädigungSgelder herbeigeführt werden könne, - und bis dahin, unabhängig davon, ein« dauernden EtaatS- ' zuschuß von mindestens 750000 Mark für die Geistlichen und Kirchendiener den Gemeinden zu gewähren. Schließlich wurde der Antrag v. Wedell angenommen, dem Mangel von kirchlichen Einrichtungen in mehreren größeren Städten abzuhelfen. — Der .Nordd. Allg. Ztg." wird über die ermländtsche Bischvfswahl aus der Provinz geschrieben, das Domkapitel habe seine Vorschläge für die Kandidatenliste der Staatsregierung vorgelegt und werde erst nach einer Verständigung darüber, ob die Kandidaten von der StaatS- regierung acceptiert werden, die Wahl vornehmen, die aber schwerlich Herrn Dr. Kayser treffen könne, der gar nicht auf der Vorschlagsliste stehe. - Gegenüber der Motivierung, welche einige Blätter der falschen Nachricht einer später« Berufung des Reichstages mit der Behauptung geben zu müffen glauben, die Arbeiten für dm Reichshaushalts-Etat stien noch nicht weit genug gefördert, können die ,B. P.

"rstch-w, daß in Wirklichkeit der Etat binnen kurzem vollständig dem Bundesrate vorliegen wird, so daß gar kein Zweifel besteht, daß die Gepflogenheit, dem Reichstage alsbald bei feinem Zusammentritte im November dm Reichs- Haushalts-Etat vorzulegen, auch in diesem Jahre festge­halten werden kann. Bekanntlich wurde bisher der Modus beobachtet, die einzelnen Spezialetats nicht erst an das Plenum des Bundesrates, sondern sofort an die AuSschüffe gelangen zu lasten; wie man hört, dürsten noch in dieser Woche die Etats für den Rechnungshof, die Reichskanzlei, die Justizverwaltung, das Reichseisenbahnamt, die Retchs- druckerei, die Zölle und Verbrauchssteuern und die Reichs- stempelabgabeu den Bundesrats - Ausschüssen zugehen. — Aus dem den Ausschüssen des Bundesrats soeben zuge- gangenen Etat der Zölle und Verbrauchssteuern für 1886/87 mtuehmeu wir folgendes: Es sind veranschlagt die Ein- »ahmen aus Zöllen mit 245 720000 M., um 45 900 000 M. "ehr «iS der Ansatz für den Etat des laufenden J.hreS betrug; Tabaksteuer 7656000M. (wenigerum3017300 ^^'^übepz^ckeisteuer 37286480 Mark (weniger um 967520 Mk.), Salzsteuer 38306000 Mk. (mehr um 529000 Mk.), Brannkwetusteucr und UebergangSabgabe von Branntwein 36527000 Mk. (mehr um 697450 Mk.), Brausteuer und UebergangSabgabe von Bier 17 213 570 Mk. ("ehr um 821370 Mk.), zusammen 383406500 Mk. demnach beträgt der Ansatz für 1886/87 um 43 954 000 Mk. "ehr als der Ansatz im Etat deö lausenden J.hreS. Die Aversa für Zölle und Verbrauchssteuern, an welchen sämt­liche Bann esst raten teilnehmen, sind für »ölle und Tabak auf 5224000 Mk. (mehr um 737 300 Mü) Rübenzuck " stmer und Salzsteuer auf 1556150 (weniger um 65 940 Mk.) veranschlagt; die Aversa, an welchen Bayern, Württemberg

^en teilhaben, betragen bei der Branntweinsteuer 953750 Mk. (weniger um 14 670 Mk.) bet der Brau- ^steuer, an welcher auch Elsaß Lothringen nicht teil hat, auf dmn sie selbst war j, die eifrigste Bewundererin Avelen'S, k B jung , um nach Mänuerherzen fahnden

! ber Eifersucht empfinden zu können. Dies Gebiet erkannte Ella als der älteren Schwester be- K! ^e Domaine an und hatte oft erklärt, daß sie neben Adele ebenso verschwinden müsse, wie ein Gänseblümchen gegenüber der wonnigstolzen Zentifolie.

So befangen, verwirrt, mit gesenkten Augen hatte Adele «Hrf r 1 * ” K dagesesten wie jetzt unter dem n^ber«?u?teIn Augen Brunner'- — und diese uowill- lürliche VerlegmheU verlieh ihrer Schönheit einm noch * Reiz- Sie erschrak selbst über den Eindruck, dm bewundernden Blicke des AffeflorS machten, ^ckd warm ihr durchaus nicht neu. Adele war gewohnt zu herrschen und zu bezaubern. —

.S'e schalt sich insgeheim, selch, daß sie wie ein Schul- mäb($en enitete, daß ihr sonst so geistvoller Kopf im Augenblick kein paffende- Thema finden konnte, um damit d« Unterhaltung aufzunehmen. —

n, Ob eS wohl wahr ist, daß zwei Menschen, bestimmt, sich zu lieben, beim ersten Erblicken erbeben, in der Ahnung des Kommenden? — daß sie, indem ihre Augen sie znm ersten Mal im Leben begegnen, sich erkennen, al- für einander bestimmt als wären sie altbekannt und begegneten sich nicht zum ersten Mal -? Und wenn so: ist das eine ?anin”<8—?U”8 P 18 ttoe Wirklichkeit--Offen- ber6S.??,nM®t0bken?Sk "°hl auch schon einmal von flrÄ bK?t^r sauzes Wesen, ihr Seelenleben ßr&ubte sich gegen diesen Glanbrn — hatte sich bisher dagegen gesträubt. lSortsetzungfolgt.)

Anzeigen nimmt entgegen die Expeditton d. Blatte-, sowied-Annomen-Bureaux von Haasenstein undVogler in Frankurt a. SR., Gaffel, Magdeburg und Wien: RudolfMoffe in Frankfurt ♦ aM., Bert, »München und

Köln: G. 8. Daube und To. ii Frankfurt «.

B«Iin,-anaover u. Pari-.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal- KbonnementS-Prcis bei der Expedition SV. Mk., bei den Postämter 2 Mk. 50 Pfa. (erd. Bestellgeld). InsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf,. Aellamen für die Zelle

*5 Ps».

Le«tsche» «eich.

Berlin, 22. Ott. Der Kaiser hat da- Abschiedsgesuch des Polizeipräsidenten Madai genehmigt und denselben zum Wirkt. Geh. Rat mit dem Prädikate „Ereeücnz" ernannt. Die Abendblätter veröffentlichen ein an die Bürgerschaft Berlin- gerichtetes Abschiedsschreiben MadaiS. — Der Empfang der braunschweigischen Deputation bei dem Prinzen Albrecht in C rmenz findet Sonnabend statt. — Der italienische Bot- schaster L unay ist heute nachmittag nach Friedrichsruhe 9i K-T (® n-ralsynode.) Die Vorlage, nach welcher eine Fu-bitte für die Marine in daS allgemeine Kirchen­gebet soll eingeschalten werden, wird in zweiter Lesung an- genommen; ebenso das Kirchenaesetz über daS Dienst- Einkommen der Geistlichen mit der Resolution v. Levetzow, wonach vor d m Inkrafttreten dieses Gesetzes die rötigm Zufchüffe aus Staatsfonds zur Durchführung der Bestim­mungen des Gesetzes stchergest.llt werden müssen. Die Ge- etze über den Beitritt zum P-nsionSfondS und über daS Piarrwadlrccht werden in zweiter Lesung ebenfalls genehmigt. Bei der BeriLterstattn^g über die Denkschrift deS Obcr- lrch nrales, betreffend die Stolgebühreu, werden mehrere Ulf die Regelung der Stolgcbühren-Angelegenheit bezügliche Inträje angenommen, darunter auch folgender: DrOber­kirchenrat möge den Kaiser ersuchen, Mittel za finden, wo- durch der Erlaß der im Ges tze vom 9. März 1874 vor­würdiger angenehmer Herr, sein Hans als ein gastliches bekannt, seine Gesellschaften waren als ebenso zwanglos, wie die intereffantesten Persönlichkeit« der groß« Stad vereinigend gerühmt.

Einem solchen Manne gegenüber mußte denn auch bald die anfänglich beobachtete Zurückhaltung des RegierungS- AflefforS v. Brunner weich«, und beide Herren befanden sich schnell in der anregendsten Unterhaltung, zu der die Erinnerung an gemeinsame Bekannte nicht wenig beitrug.

Die für eine erste Visite j, bekanntlich kmz gemefsine M war längst verstrichen und der Affeflor erhob sich, um sich zu empfehlen.

»Aber erst, mein lieber Affeflor, muß ich Sie doch mit meinem Töchterchen bekannt machen/ sagte in jovialem To° Herrv. Soden. .Wollen Sie mich nach dem Gart« begleiten?' —

Der Assessor verbeugte sich.

Beide Herrrn schritten durch den schönen, wohlgepflegten Garten nach jener Laube hin, an- welcher zuvor der Mädchen­kopf neugierig gelugt hatte.

Dieser hübsche Mädckenkopf gehörte Adele v. Soden, der älteren der b-iden Töchter des AppellafionS Gerichtsrats; sie stellte dieser jetzt dem Afleflor vor, dann Ella, die Jüngere. '

®le "'bannt hina« Bmnner's Blicke an der herrlichen Mädchengestalt Adele«; zerstreut nur hörte er die Worte deS ltede-.-würdizen alt n Herrn. Endlich sammelte er seine G- auken und nahm an der Unterhaltung Teil.

Hebet Ella v. Sode-S Züge »ar ein leichtes Lächeln geflogen. Sie hatte den Triumph von ihrer Schwester Schinhsit wohl bemerkt, doch sie neidete ihr denselben nicht,

Die konservative Partei im Abgeorvnetenhanse und ihre Ausgaben.

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Die weitaus wichtigste der wirtschaftlichen Aufgaben ist und bleibt die Sorge für die Landwirtschaft. Der Grundbesitzer, namentlich der Bauernstand, 20 Millionen Einwohner des deutschen Vaterlandes, bildet da« Fundament, auf welehem allein sich eine wirtschaftliche Blüte nuferes Volke« entwickeln kaum W W

Mit vollem Rechte aber sagt die Thronrede, sowie andere bedeutungsvolle Kundgebungen von ihm, daß er sich in einem anerkannten Notstand befinde.

ES wird uns nicht gelingen, gesunde Verhältnifle her­zustellen, wenn wir nicht im stände sind, die Landwirtschaft wieder zu einem lohnenden Betriebe zu mach«. Die Ur­sachen der heutigen Lage liegen nicht allein in der Ueber- schwemmnng unsere» Vaterlandes mit den Erzeugnissen ftembet Länder, welche dm Raubbau eines jungfräulichen Bodens verschleudern und durch die billigen Transportmittel

-^anb ^hren — nicht allein in den teueren Arbeitskräften und der Ausbeutung durch das Kapital, welches höhere Zinsen fordert als die Bodenrente beträgt, sondern wesenttich in den doppelten und dreifachen öffent­lichen Lasten, welche auf dem Landwirte ruhen. Mag man die unbeschränkte Verschuldbarkeit des Grundbesitzes und die Teilbarkeit der Bauerngüter, wie sie die Aufhebung der alten RechtSverfaffung seit etwa einem Menschenalter her­beigeführt, an sich als eine wohlthäti^e Entwickelung an­sehen, Thatsache ist es, daß seit jener Zeit mehr als Zwei- drttt i!e des Grundbesitzes verschuldet und der Wert deS Grundbesitzes sich zu einem großen Teile in den Händen deS Kapitale- befindet. Die Energie, mit welcher sich eer Bauerustano in d-n letzten Jahrzehnten emporgerafft, ist von bestimmendem Einfluß auf unser politisches L-ben gewesen und hat seinen Ausdruck tu der Gesetzgebung gefunden.

Der Reichstag hat in seiner letzten Sitzungsperiode der weiteren Ucberflutung des Landes mit den Erzeugniffea des Auslandes durch die landwirtschaftlichen Zölle einen festen Damm entgegengesetzt, im Landiage ist durch Erlaß von 20 Millionen der Klassensteuer den geringer bemittelten Lanvbea-ohnern eh e Erleichterung gewährt, die Urberwetsung von 20—25 Millionen der Zolletur-ahmen an die Kreise und Gemeinden hat einen An.ang zur Be­schränkung drückender KommnnaUasten gemacht

Das Abgeordnetenhaus hat eie Güterordnungen, welche bestimmt find, die hergebrachte Erbioge in den läno ttch n Grundbrsttzungen zu erhalten, dieselben vor Be lastungen und Z«sp itterungrn zu schützen, für dir Pro­vinzen Hannover, Westfalen, Brandenburg und Schlesien angenommen und es wird die Aufgabe der nächsten Sessionen sein, dieselben auf wettere Provinzen auSzudehnen, unter sorgfältiger Erhaltung der durch die Bedürfniffe deS Bauern­standes geschaffenen Einrichtungen und Rechtögewohnheiten.

• [Nachdruck verboten)

Heißer Sinn.

Roman von Theodor Küster.

I.

Ein hübscher junger Mann zog die Klingel an der Billa des Appellations«Gerichtsrats v. Soden.

DaS VistteN'Kvflüm ließ erkennen, daß es ein formeller Besuch war, den der Herr zu machen im Begriff stand. Seine Ang« schweiften neugierig musternd Über die statt­liche Villa und den schöngepflegten Garten hin, In dem düse lag.

AuS einer seitwärts gelegen« Laube bog sich ein schöner Mädchenkopf vor, um den Einlaßbegehrendcn bester seh« zu können. Für eines Momente« Dauer nur trafen sich die Blicke der Beiden. Der Fremde zog achtungsvoll den Hut uno die junge Dame vern-igte sich leicht und wie be­sang« errötend.

Endlich ward die Thür geöffnet. Zerstreut stammelte der junge Manu einige Worte, überreichte mechanisch den ihm öffnenden Diener seine Karte und verschwand dann mit ihm im Hausganat, nicht ohne zuvor noch einen indis­kreten Blick nach j-ner Laube geworf« zu haben.

®eh e Geoanken schien« in diesem Augenblick mit etwas fiang Anderem beschäftigt als mit der Visite, die er abzu- patten gekommen. —

»Mein» li ber Assessor l* bewillkommnete Herr v. Soden den Eintretmd«. ,E« freut mich sehr, Sie hier begrüßen ;

kö-neu. Ihr Herr Onk l — mein alter Freund — f

hat mir so viel von J-nen erzählt, daß ich Sie gar nipt Wie ein« Fremden berrachten kann." ।

Da «ppellations-Gerlchttrat v. Soden «ar ein lieben-- <