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JRorfiurg, Freitag, 23. Oktober 1885.

XX. Jahrgang.

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ein weiterer Schritt ausgleichender Gerechtigkeit erfüllt und dem Reiche eine Einnahmequelle eröffnet, welche Kreise 6t» trifft, die von der Steuer nicht bedrückt werden. Auch hier jw&en leider die liberalen Parteien sich als die eifrigen Gegner einer prozentuale» Besteuerung gezeigt.

Der Landtag hat zur Entlastung von den direkten feuern die erste Hand angelegt, indem die beiden letzten Klaflensteuerstufeu außer Hebung gefetzt stad.

Noch ist ein großer Teil der Aufgaben, welche sich dir konservative Partei auf dem Gebiete der Steuerpolitik ge­stellt, unerfüllt und die Bemühungen der Regierung haben noch nicht zu einem befriedigenden Abschluß geführt. Die berechtigten Interessen unsere- Volke- erheischen eher eine Vermehrung at- ein Verminderung der Ausgaben, die dringend notwendige Vermindemng der direkten Be­lastungen kann nur herbetgesührt werden, wenn gleichzeitig durch die Entwickelung der indirekten Abgaben die nötigen Mittel beschafft wrrdem Erst dann wird e- möglich ein, durch Ueberwetsung der Grund- und Gebäudesteuer au die Kommunen und Erlaß der Klaffmsteuer in weiterem Um­fange da- gesteckte Ziel vollständig zu erreichen.

Eine gerechtere Verteilung der direkten Staatsabgaben und die Entlastung der weniger begütert« Volk-klassen er­heischt nach wie vor eine Reform und Ergänzung de- direkten Steuersystems in Preußen. Neben der Grund«, der Ge­bäude- und G-wrrbestmer ist eine Kapiialrentensteurr eine Forderung der Gerechtigkeit. Eine einheitliche Einkommen­steuer ist auf Grund der Selbsteinschätzung zu normieren und auf dasjenige Einkommen allein zu beschränken, welches da- Maß der notwendigen LebenSbedürfniffe überschreitet und von den Begüterten ohne Druck getragen werden kann. Die Reform der Gewerbesteuer ist ebenwohl eine Aufgabe der konservative» Partei, welche der Lösung harrt.

Die sozialpolitischen Reformen stnd auf Grund der Kaiserl. Botschaft vom 17. November 1881 mit voller Energie von den Konservativen vertreten und mit Unter­stützung de- Zentrums stnd im Reichstage da» Kranken­kassen' und UnfallverficherungSgesetz zustaudegekommen, während die Vorlage des AlterSversorgungSgesetzes tu Aus­sicht steht und so für den Arbeiterstaud eine durchgreifende Verbesserung seiner Lage eingetreteu ist. Aufgabe des Ar- beiterstaudeS wird es sein, durch gesetzliche Vertretung seiner Jntereflen die Gesetzgebung in dem Bestreb«, den Arbeitern Schutz zu gewähren, zu unterstützen.

rmd ihre Aufgabe«, n.

Dir Entwickelung deS öffentlichen Lebens nach allen Richtung« hin hat der Volksvertretung die Verpflichtung auferlegt, dem Staate die Einnahmen zuzuführen, welche ihn im Reiche und den Eiuzelstaate» befähigt, dir Ausgaben für die Bedürfnisse de» Volkslebens zu bestreiten. E« ge- hört eine ungemein kurzsichtige Politik dazu, nur in Ver­ringerung der Ausgaben, nur in Beschränkung der Ein­nahmequellen das finanzielle Hell des Staate» zu sehen. Ordnung und Sparsamkeit und die Beschaffung au-teichm- drr Mittel ist das Ziel einer verständigen Politik. Ansprüche treten, nachdem eine Reihe von wirtschaftlichen Pflichten auf die Kommuneu abgelagert stad, sowohl seitens der Gemeinde und Kreise, als seitens des Staates und Reiches an die Steuerzahler hTtan. Auf dem Gebiete des SteuerweseuS ist die Wechselbeziehung des Reiche» und der Eiuzelstaate» die lebendigste und uotweudigste und die Steuerpolitik der konservativen Partei.verfolgt die Entwickelung der indirekten im Reiche, und die Beschränkung und Reform der direkten Steuern in den Eiuzelstaate». Auf diesem Wege allriu find reichliche Mittet ohne fühlbaren Steuerdruck zu be­schaffen, deren richtige Verwendung jedem einzelnen Staats- bürger zu gute kommen. Bei dem Umfange, den die Bel- tragslasteu der Kommunen erreicht haben, ist e» eine der weseuttichsten Aufgaben, die Gemeinden und Kreise zu ent­lasten unv die Ausgaben in gerechter Weise zu verteilen. Im Reichstage war f« bereits gelungen, durch die Auflage von Zöllen bedeutende Einnahmen zu beschaffeu und «s ist einer der besten Erfolge, welchen die konservative Partei errungen, durch die in der letztveifloffeurn Sitzungsperiode durchgesetzten landwirtschaftliche» Ulld industriellen Zölle nicht alleiu die Einnahmen des Reiche- vermehrt, sondern auch der heimischeu Industrie unv der Landwirtschaft gegen die erdrückende Einfuhr ausländischer Erzeugnisse Hilfe zu gewähre», während die Erfahrung gelehrt hat, daß die Zölle nirgends zu einer Verteuerung der Lebensbedürfnisse geführt haben.

Dem Landtage war es Vorbehalten, auS diesen vermehrten Einnahmen deS Reiches den Kreisen und Gemeinden eine unmittelbare Entlastung zu verschaffen, indem die Einnahmen au- den neuen landwirtschaftlichen Zöllen direkt den Kreise» überwiesen wurden. Die Initiative zu diesem Anträge ist auS dem Zentrum hervorgegangen, die konservative Partei hat bei deffen Gestaltung sich in erster Linie beteiligt und demselben die Mehrheit gegen die libe­ralen Parteien verschafft, welche leider nur Phrasen aber keine Thaten für die gedrückten Kommunen hatten.

Nachdem im Reichstage es den Bemühungen der Äon» snvattven gelungen, mit Unterstützung des Zentrums die prozentuale Börsenfteuer zum Gesetze erhoben zu sehen, ist

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b. Blatte-, fowied.Annoncen>Bureaux von Haasenstein undBogler in Frankurt e. M., Cassel, Magdeburg und Wien; RudolfMoffe in Frankfurt ♦ 1M., Berlin,Müucheu mb

Win: ®. 8. Daube *nb Ao. »« Frankfurt tu ®L, Berlin,Hannover u Pari».

grscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — vuattal- -bonnements-Pi gxpedition 27«

Der Demolratettbart de» Herr« Strippe!. Humoreske von Fritz Brentano.

(Fortsetzung unb Schluß.)

«Es «ar in dem Lokal eine kleine, aber ziemlich erregte Gesellschaft, welche einen runden Tisch okkupiert hatte, an dem hauptsächlich ein dicker, sichtlich angeheiterter Herr das große Wort führte."

«Die Unterhallung drehte sich um Politik und er sprach recht viel dnmmes Zeug, der Alte. Ich habe selten solches Blech gehört. Der Mann war anscheinend in ganz be­schränkten, politischen Begriffen aufgewachseu und mit seinen Anstchte» um sünfundzwanrig Jahre hinter seiner Zeit zu­ruck. Unter Anderem km» er aach auf die Türkei zu sprechen."

Herr Strippe! wurde bald rot, bald blaß unb spitzte bit Ohren, daß sie chm ordenllich vom Kopfe abstanden.

,Er schimpfte über den Sultan, über die liederliche «pitzbubenwirtschaft — nannte de» türkischen Kaiser eine» «auner, der un» mit seinen Anleihe» gewaltsam das Geld au« der Tasche stehle, sprach von finanziellem Straßen- r»»b rc. und das alles mtt solch aufdringlicher Ueber- imgung, daß ich in hellerer Weinlaunr beschloß, ihm eine kleine Lektion zu geben.

. ,3ch trug vom Maskenball her einen türkischen Fez, «ntn schwarzen Vollbart und auf meinem Frack einen geheimnisvollen Orden, Plötzlich aus der Ecke, in welcher wir bisher unbeachtet gesessen hatte», hervortretend, ®atf ich meinen Mantel ab und pflanzte mich gravitätisch »r bM dicken Blechrevner auf, der schon bei meinem stark ^»ischeu Anblick einen gehörig« Schrecken kriegte, den ich kurch meine energische Anrede nicht wenig erhöhte.

Gesinnung treuer Anhänglichkeit für Mich und die Meinige» einen beredten Ausdruck verleiht. Zu wahrer Befriedigung gereicht Mir das Bewußtsein, in Freud und Leid Meine« Hause« wie bei allen für das Land bedeutungsvollen Er- eigniffen auf die verständnisvolle Teilnahme des MagistratS rechne» zu können. Diese Ueberzeugung hat eine neue, Meinem Herzen besonders wohlthuende Bestätigung in ben warmen Worten gefunden, welche dem Andenken meines verewigten Vetters gewidmet stnd. Sie legen Zeugnis dafür ab, daß die hervorragendm Verdienste, welche Sich Prinz Friedrich Karl durch soldatische Gaben und Tugenden, durch treue Hingabe an den militärischen Berns wie vor allem durch die siegreiche Führung der In drei Feldzügen Seinem Befehle unterstellten Armeen um Vaterland und Heer erworben hat, allseitig richtig erkannt und voll ge­würdigt werden. Gern verbinde Ich mit Meinem Dank die aufrichtigsten Wünsche für da- fernere Wohl der Haupt­stadt, deren gedeihliche Entwickelung Ich mit Meinem leb­haften Jntereffe begleite." — Das der Stadtverorduetm- Versammlung zugegangene Dankschreiben des Kronprinzen lautet: »Die Stadtverordneten haben Mich durch ihre freundlichen Glückwünsche zum 18. Oktober aufrichtig er­freut. Diese erneute Kundgebung treuer Ergebenheit seitens der Vertreter der Berliner Bürgerschaft ist Mir eine will­kommene Geburtstagsgabe gewesen, deren Wert Ich wohl zu schätzen weiß. Mögen Berlin- Bürger Meiner warmen Erkenntlichkeit wie der gleiche» Gesinnung Meinerseits ver­sichert und zugleich davon überzeugt fein, daß Ich auch in dem beginnenden Lebensjahre bestrebt fein werde, Meine warme Teilnahme an der Entwickelung der Hauptstadt wie dem Wohle ihrer Bewohner bei jedem Aulafle zu bethätlgen." — Der Minister des Innern hat auf eine Beschwerde entschiede», daß die poliz-iliche Zwangs­vollstreckung im Unterschiede von bet gewisse Handlungen oder Unterlassung« allgemein erzwingenden Pvlizeiverord- nung dazu dient, eine einzeln bestimmte Person z« einer bestimmten Leistung, zu welcher dieselbe im öffentlichen In- tereffe für verpflichtet erachtet wird, zu nötigen. Der Aus­führung der polizeilichen Zwangsvollstreckung hat als ein­leitender Schritt stets die Androhung vorherzngehen, welche, dem Wesen und Zwecke der beabsichtigten Maßregel ent­sprechend, unter Festsetzung einer ausschließenden Erfüllungs­frist gegen diejenige einzeln bestimmte Person zu richten ist, hinsichtlich deren die im ZwangSwege herbeizuführende Verpflichtung feststeht. Eine nur allgemeine Warnung, welcher die vorstehend näher bezeichneten Etforderuiffe einer polizeilichen Zwangsverfügung fehlen, kann die rechtliche Wirkung einer solche» nicht haben. — Die ,Berl. Poltt. Nacht." verwahre» die Regierung gegen den Vorwurf der Intoleranz, der au die Mitteilung im österreichischen Reichsrate geknüpft worden ist, der zufolge die Ausweisungen in Preußen „auf konfessionellen und sprachlichen Gründen"

AlS Gustav geendet, sprang er plötzlich auf: „Sie kriegen meine Tochter nicht!"

Man kann sich das ungeheuere Erstaun« der ganz« Gesellschaft denken, als Herr Strippe! dem jungen Mann diese Worte mit möglichster Vehemenz an den Kopf schleuderte.

„Strippel! Vater! Alter!" tönte rS von all« Settm. Dieser aber fuhr wüthend fort: „Nein, sage ich, nein, « Iciegt meine Tochter nicht, dieser Jntriguant, der an­ständige Mensch« in Angst unb Schreck« setzt, daß sie tagelang keine ruhige Stunde hab«.".

„Aber, ich bitte Sie, der Mmsch war ja gat nicht anständig," entgegnete Gustav, „er--;

-Nicht anständig! O, daS weiß ich besser," schrie Herr Strippel seinerseits, „ich kenne dm Herrn, er ist mein

Freund - er hat mit die ganze Geschichte erzählt, al- ich in Hamburg war."

„Sie war« — ?7

»Ja, ich war bin auch vor zwei Tagen erst zurück gekommen und sage Ihnen nochmals: Sie krieg« meine Tochter nicht!"

»Aber Strippel! Strippel!' rief die Hausfrau, „wie kannst Du das Glück Deine- Kinde- wegen eine- so Barm» losen Scherze- auf da- Spiel setzen."

„Harmloser Scherz l* antwortete Herr Strippe! fast schlnchzmd; „ein« harmlosen Scherz nennst Du da-. Ich habe mir wegen der Geschichte meinen Bart abaeschnttten.^

»®tt — Sie —1" tönte e- wirr durcheinander.

»Ja, ich! Ich war der „Blechredner," der „dumme Kerl — jawohl dumm, daß ich darauf 'reinste!. Ich lief n« Tage lang in Angst wegen der verflucht« seid«« Schnur umher — ich schnitt wein« Bart ab, um mich

»entfiel Reich.

Berlin, 21. Ott. Auf die au den Kronprinzen gerichtete Geburtötagö-Glückwunsch-Adresse ist dem hiesigen Magistrat folgende- Dankschreiben de- Kronprinzen zuge­gangen: „Ich danke dem Magistrat vielmals für das freundliche Schreiben, in welchem derselbe nach alter Ge- wohnheit Meine- Geburtstage- gedenkt und zugleich der

„Mein Herr, sagte ich ernst, ich Bitte nm Ihre Karte. Mein Name ist Ali ben Wutki; ich habe die Ehre, der Gesandte Sr. Majestät de« Sultan« der Türkei zu fein v»d verlange von Ihnen Rechenschaft über die schweren MajestätSbeleidignugen, die Sie soeben meinem großmächtigen Herrn und Gebieter augethau haben."

„Aber, ich bitte," stotterte mein Mann verleg« — »Ihre Karte, mein Herr, Ihre Karte!" donnerte ich ihn an und zitternd reichte er mit dieselbe. Er war ein Wein» Händler an« Stuttgart, ich habe seine Adresse zum Auge, denken aufbewahrt. „Sie werden Ihrer gerechten Strafe nicht entgeh«,' fuhr ich fort, ich w-rde vom Deutscheu Reiche Ihre Anlieferung verlangen; man wird un« diese Kleinigkeit nicht abschlage». Wisse» Sie, wa« die fdoene Schnur bedeutet? Wa«? Nu», Sie tonn« sich tröste», diese seidene Schnur ist Zhne» gewiß!',

Ich wandte mich zu mein« Gefährten, um ein« Blick de« Einverständnisse- mit ihnen auszutauschen, doch ehe ich mich wieder umdrehte, war mein Alter au- dem Keller «twischt und al« wir lachend unter die Thüre desselben traten, sahen wir ihn im trüb« Scheine der Laternen mit Riesenschritt« davonlaufen, al« ob ihm die ganze Leibgarde de« Sultan« auf den Seinen wäre. Ra, et wird künftig vorsichtiger in sein« politischen Gespräch« fein, soviel ist gewiß.'

Während die Uebrig« herzlich über die Erzählung de» jung« Mannes lacht«, war es sehr interessant, Her« Strippe! zu beobacht«. Sein dicke« Gesicht wurde während derselbe» immer länget — die Auge» immer größer — und mit offenem Munde starrte et dm Redner an, während feine Fäuste sich krampfhaft ballt« und die Röte de« Zorne« feine Stirne färbte.