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Marburg, Sonnabend, 17. Oktober 1885.

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O-nabrück, Wiesbaden und Köln eine recht gute und nur in den Bezirken Marienwerder, Frankfurt, Breslau, Kassel, Hildesheim und Trier eine nicht recht befriedigende. Die Kartoffelernte war im großen und ganzen gut, nur in Königsberg, Danzig und Köslin nicht ganz befriedigend. Die Zuckerrüben ergaben in den Regierungsbezirken Liegnitz und Magdeburg eine gute Mittrlernte, sonst war die Ernte nur gering. Heu und Futterkräuter lieferten fast durchweg mittleren bis guten Ertrag.(Generalfynode.) Vom Ober­kirchenrate sind eivgegangen: ein Kirchengefetz über dir Für­sorge für die Witwen und Waisen der Geistlichen und ein Kirchengesetz über Abänderung der Synvdalvrdnung vom 10. Skptcmber 1873. Der vom Generalsuperintendeuten Rebe, anschließend au den Erlaß des Oberkirchenrates vom 15. Dezember 1884, betreff» der sektiererischen und separa­tistischen Bewegungen in der evangelischen Landeskirche ge­stellte Antrag wird mit unwesentlichen Abänderungen an­genommen. Es folgt die Beratung der Anträge Hegel und Schiottmann bezüglich der Revision der Lutherbtdel. Der Antrag Hegel wird mit einem Anträge Ritfchel ange­nommen. Der Antrag der rheinischen Provinztalsynode, betr. die Wahrung des Rechts der Gemeinden bezüglich des Umlagemodus der Kirchensteuer, wird für erledigt erklärt. Jetzt, wo der juristische Terminkalender vorliegt, läßt sich erst übersehen, wie schlecht die Aussichten für die Juristen im preußischen Staatsdienste sind. Bon Jahr zu Jahr hat sich die Ueberfüllung gemehrt, geht die Wahrscheinlich­keit der Beförderung zurück. DaS Normalgehalt von 4200 Ml. wird in der Mehrzahl der Gcrichtsbezirkc erst zehn Jahre nach dem Affesioren - Patent, in vielen sogar erst nach vierzehn Jahren, Im Bezirk Frankfurt am Main sogar erst nach zwanzig Jahren erreicht und selbst das Ge­halt von 3600 Mk. erhält ein Richter erster Instanz im Durchschnitt erst nach achtjähriger Dienstzeit. Von RatS- stellen bei den OberiandeSgertchtcn sind nur 13 gegen 23 im Vorjahre frei geworden; die Beförderten hatten ein durchschnittliches Dienstalter von über 19 Jahren, während die zu Laudgerichtsdirektoren Beförderten rin DurchschnittS- Dieustalter von 20% Jahren hatten; im ganzen find seit den sechs Jahren der Jnstizorgavisatiov von nahezu 3400 Richtern erster Instanz nur 159 in höhere Stellungen befördert worden. Die Zahl der Afiefioren ist in den letzten fünf Jahren um 578 gestiegen, während seit der Justtzorgauisation über tausend Afiefioren in die Liste der Rechtsanwälte eingetragen stad. Von 607 neu ernannten Afiefioren sind nur 138 bei der Justiz angestellt worden und 82 wegen UebertrtttS in andere Stellungen auSge- schieden. Von 1029 Assessoren waren 342 über zwei Jahre, 135 über drei Jahre, 53 über vier Jahre, 16 über fünf Jahre und 6 über sechs Jahre Afiefioren. Die Zahl der Referendarien beträgt noch immer gegen 4000; sie ist in den letzten Jahre« etwas, aber nicht beträchtlich zurück- gegangen. Die meisten Referendarien, 693, hat das

äußerten diese sich in etwas anderer Art.

Sophie zerbrach sich noch den Kopf, waS eigentlich mit dem Vater vorging, als Frau Strippet den breiten Mittel­weg des Gartens heruntrrkam, um ihre Tochter aufzufucheu, der ste ihre Beforgnifie wegen des Vaters mittelleu wollte.

Mau kann stch ungefähr das Erstaunen der guten Frau denken, als sie den eben stattgehabten Vorfall die neue Narrheit ihre« Alten erfuhr und von Sophie hörte, daß er wieder wie aus Rand und Band davongrlaufe» fei.

Der Drmokrateubart de- Herr» Strippe!.

Humoreske von Fritz Brentano.

(Fortsetzung.)

Die Frauen plauderten in aller Gemüthlichkeit zusammm über dir Freuden und Leiden ihres bevorstehenden Ehe­standes, denn auch Lene, die Magd, sollte tu kürzester Zett Hans, dm Großknecht, heiraten, als Herr Strippe! am Eingang des Gartens erschien.

S-M spähendes Auge hatte nicht sobald die Beidm entdeckt, ai« er behutsam und ungesehen heranschlich und plötzlich mit verschränkten Armm zwischen fie trat, sie ebenfalls, wie vorher seine Frau und bett Hausfreund, schweigend anstarrend.

,Warnt,* sagte Lene, und ,

.Vater, wie siehst Du denn au«?*, rief erschrockm Sophie. , _

.Vater?" sagte dumpf Herr Strippel und ein Zug schmerzlichster Enttäuschung glitt über seine Züge, »hast Du Mich denn gleich erkannt?'

.Erkannt," fragte erstaunt Sophie, währmd die Lene dumm hinauslachte,erkannt? Weshalb soll ich Dich nicht »kennen? Mer Du hast ja Detnm schöom Bart fast «an, abgeschnttten, das kam mir seltsam vor «ud deshalb erschrak ich..

Und es war so.

Herr Strippe! hatte stch zum zweitm Male barbiert. Wied« ab» hatte et sich nicht zu dem vollen Opfer seine» Lieblings entschließen können. Er hatte stch denselben so wett abgeschnitten, daß ein ganz kurz» Backenbart, sowie bet Schnurrbart stehen geblieben waren, wa» allerdings eine große Veränderung in seinem Gtstcht hervorgebracht

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verdutztes Gesicht.

Wie.kommst Du denn dazu, Vater," fuhr Sophie fort,solche Geschichten zu machen, Dein Gesicht so zu verändern?"

Es ist j tzt so Mode," antwortete Herr Strippe! zum zwei en Male,und da dachte ich aber sagtest Du nicht, ich sei veränk-ert. Findest Du mich wirklich verändert?"

Gewiß sehr."

S'hrl Du glaubst also, daß ein Fremd», bet mich früher so einmal en passant gesehen, mich nicht wieder »keunm würde?"

Aber, Väterchen l"

Ich bitte Dich, Kind, gieb mir daraus eine bestimmte Antwort r« hängt wir viel sehr viel davon ab! Bet diesen Worten machte Herr Strippel wieder die ver­dächtige Bewegung nach dem Hals, die ihm seit seiner Rück­kehr von Hamburg schon sehr geläufig geworden war.

Väterchen, Du machst mir Angst ich" Sprich, bin ich so verändert, daß ein Fremder mich nicht mehr erkennen würde?" e

Da« will ich gerade nicht behaupten ab»

Dm« ist es noch nicht genug," sagte dumpf H«r Strippel, drückte seinen großen Strohut tief tu da» Gesicht und weg war er. x

Kopfschüttelnd sah ihm seine Tochter nach, und die Lme »achte ein Gesicht, wir eine Katze, wenn ei donnert; dergleichen war ihr H ihr'm Han» n'ch nicht vsrg.kcmm:r.

Kammergericht, 424 daS OberlandeSgnicht in Köln. Die größte Mehrzahl aller Referendarien besteht die Assessor- Prüfung erst nach fünf Jahren, doch gtebt es 111, die über sechs Jahre und zwei, die über zehn Jahre Referen­darien sind. Sehr bedenklich ist auch bet Zuwachs bet Anwälte in den großen Stäbten. Beim Landgericht I tu Berlin sind zur Zeit 260 Rechtsanwälte eingeschrieben gegen 111 im Jahre 1880. Die größte Zahl der Anwälte hat nach wie vor das OberlandeSgericht Köln, in diesem Jahre 473 gegen 444 vor fünf Jahren, dann folgt da« Kammrrgericht mit 420 jetzt, gegen 266 vor fünf Jahren. Diese gewaltige Zunahme läßt leider für die Zukunft de« Anwallstandes schwere Bedenken entstehen. Viele derselben sind außer Stande, stch a«S ihrer Stellung zu ernähren, und was noch schlimmer ist, vielen geht die reiche Erfahrung verloren, die stch lediglich aus einer großen Beschäftigung zum Nutzen der Rechtspflege ngiebt.

Bekanntlich hatte die Regierung behufs der Er­richtung vonGewerbekammeru" den Versuch gemacht, die Provinziallaubtag- zur Bewilligung der erfordnlichen MDl zu veranlassen. Einige Provinziallandtage, wie die von Hannover, Westpreußen, Pommern u. s. w. habm stch bneit finden lasten, finanzielle Mittel zu gewähren, zum Teil, wie in Hannover, nur auf Zeit, oder, wie in West- preußm und Pommern, uur für eine Proviuztal-Gew»be« kämm». Andere Provinziallandtage, tote diejenigen von Posen, Nassau uud Hesteu haben die Vorschläge der Re­gierung abgelehnt, well ste der Ansicht waren, daß die ge­meinsame Vertretung der Jnteresten der Landwirtschast, des Handwerks, der Industrie und des Handels, durch eine gemeinsame Beratung in einem und demselben Kollegium, dem praktischen Bedürfviste nicht entspreche; der Ausgleich der streitenden Juteresten sei Sache de« Gesetzgebers. WaS wan unter Mitwirkung der Proviuziallaudtage nicht in allen Provinzen zustande bringen konnte, soll nach der gib. Korrrsp.", jetzt in den Provinzen, deren Landtage die Bewilligung der Mittel abgelehnt habeu, im Wege soge­nannter wirtschaftlicher Konferenzen durchgeführt werden, welche je nach Bedürfnis von den Behörden berufen werden. In Posen z. B. sollen die Konferenzen auS 25 Mitgliedern bestehen, wovon 10 dem landwirtschaftlichen Berufsstande, je 5 dem Handel, der Industrie und dem Handwerk ange­hören.

Der Ausschuß des deutschen AerztebundrS wird, wie da«B. T." hört, im November in Berlin zu ein« Sitzung zusammeukommen. Sämtliche auf dem diesjährigen Aerztetag verhandelten Fragen sind dekannllich an Kom­missionen zurückverwiesen worden und ist e« Aufgabe de« Ausschusses, die staudeSärztlichen Fragen, welche sür alle Arrzte Deutschland« von großer, weitreichender Bedeutung sind, neu zu formulieren und Direktiven für die Kommission«- beratungcn zu geben. Auch die von der ärztlichen Welt schon so lange angestrrbte Bildung von Aerztekammern, die

DeNtsche» Reich.

Bertt», 15. Ott. In militärischen Kreisen plant man zur Feier des fünfundzwanzigjährigen RegierungSjubiläum« des Kaiser« Wilhelm eine besonder» großartige Huldigung. ES sollen stch nämlich, soweit al« irgend thunlich, die Kämpfer aus den Kriegen 1864, 1866 und 18701871 hier verfammeln und in einem großen Festzuge stch nach dem Königlichen Palais begeben, um dort durch eine Ab- or-nung den Kats» beglückwünschen zu lasten. Die Ein­leitungen zu dieser jedenfalls imposanten Kundgebung sind bereits getroffen unv lasten, trotz mancher Schwierigkeiten, die zuvor zu überwinden sind, eine glänzende Ausführung erwarten. Die kconprinzliche Familie wird Freitag Mittag im Neuen Palais bet Potsdam eintreffen uud daselbst bis zum Dezember Aufenthalt nehmen. Der Minister des Innern, von Puttkamer, der zum Beginn dies» Woche mehrere Tage in Baden-Baden vcrwetlle, hat daselbst dem Kaffer Vorträge über die Frag- der inneren Polllik, speziell über die bevorstehenden Abgeordnetenwahlen gehalten. Dem scheidenden Grafen Münster widmen die Londoner Blätter Worte des lebhaftesten Bedauern« und größter An­erkennung. So bezeichnet dieMorniug-Post" den Abgang des Grafen als ein Ereignis in der politischen und gesell­schaftlichen Welt:Kein and»e« Mitglied dn Diplomatie war beliebter in London und keine andere Veränderung hätte tieferes und allgemeineres Bedauern hervorgerufem Kurz nach der Beendigung deS französischen Krieges nach London geschickt, hat er mit gleichem Takt uud Verständnis die Beziehungen zum englischen AuSwirttgm Amte geführt, als Marquis von Salisbury uud als Lord Granville dort die Leitung hatten." Der Bundesrat htell am Donners­tag eine Sitzung ab, in der nur wenig bedeutende Gegen­stände erledig! wurden. Der Reichstag soll, wie es jetzt heißt, um den LO.Nwember in Berlin zusammentreten. DenB. P. N." zufolge ist dem Bundesrate eine Vorlage gemacht, in welcher beantragt wird, die im lanfenden ersten Vtertetjahr d-.S Inkrafttretens des UnfallvnstcherungSgesetzr» von der Postverwaltung vorschußweise auSgezihlteu Beträge erst mit den im kommenden Rechnungsjahre 1886 zur Aus­zahlung gelangenden Entschädigungen zur Verrechnung zu bringen. Die Genostmscha'ten werden daher im Jahre 1887 die Vorschüste für fünf Vierteljahre zu erstatten haben. Für die Genostenschaftea hat diese Fristverlängerung eine besondere Bedeutung dadurch, daß ste hinreichende Zeit g:- wilmen, um die Gefahrenklassen - Tarife gründlich durch- arbeiten zu können. DerRetchS-Anzetger" veröffentlicht das Gesamt - Ernteergebnis in der preußischen Monarchie, wor-ach Weizen und Roggen eine gute Mittelernte, in den Bezirken Osnabrück, Wiesbaden, Koblenz und Köln sogar eine recht gute und nur in den Bezirken Königsberg, Pots­dam, Frank mt uud Stralsund, besonders für Roggen, eine kaum mittelmäßige Ernt- gehabt haben. Gerste und Hafer ergaben eine gme Mtttelernte, in den Bezirken Erfurt,

Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger s. d. Kreise Marburg n. Kirchhain. Illustriertes Sonutagsblatt

* Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch. __________

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Ab», um GcttrSwillen," rief fie auS,wa« ist denu mit dem Mann vorgegangen. Er ist ja rein wie auSgr« wechselt, seit er von Hamburg zurück ist. Ich w»de ganz ängstlich die Sache ist mir unheimlich da muß etwa» ganz Besondere« vorgefallen sein.

Meinst Du nicht, Mutter," sagte Sophie, dn die Geschichte ebenfalls nicht geheuer erschim,wir sollten Grumpel besrageu, vielleicht weiß der etwas Näheres?"

Grumpel! Der weiß so wenig wie wir. Hat doch Dein Bat» ihm und mir vorhin dieselbe Scene gemacht, ohne daß wir sein Benehmen »gründen konnten. Doch wollen wir ihm wenigllen» die neue Schrulle erzählen, möglich, daß er Rat schafft, wie wir e« anfangen, um bet Narrheit auf die Spur zu komm«.

Und ste gingen, den Vertrauten btfl Hause» aufzusuchen, während Lene, die Mag>, spornstreichs ihren Hans aufsuchte, daß s-ine Klugheit ihr das große Rätsel auflöse, da« He» Strippel dem ganzen Hause zu knacken gab uud da» ihr etwas schwach entwickelt« Verstand nicht lösen vnmvchte.

Lene war j, nicht ganz dumm aber bi« atva über

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Matte», sowied.Annoncen-Bureaux von Haasenstein undVoaler in Frankutt e. M., Cassel, Magdeburg und Wie»; Rudolf Moffe in Frankfurt M., Berlin,München und

Köln: ». L. Daube und 6o. in Frankfurt e.

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hatte. Trotz derselben blieb übrigens Herr Strippel immer und der hatte doch auch zuweilen seine Mucken. Freilich noch unverläugbar Herr Strippel, wa« ihn höllisch zu -------- *-, t- - wurmen schien, denn er griff stch bei bett letzten Worten seiner Tochter unwillkürlich an da» Klon und machte ein

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