XL Jahrgang
Marburg, Freitag, 9. Oktober 1885.
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kannte Freiheitsstrafe vollstreckt werden kann, dem Krtminal- fonds, vorbehaltlich der Wiedereinziehung von dem Verurteilten, zur Last. Hat aber der Letztere nur aus Gründen privaten Charakters tie Aussetzung der Strafvollstreckung beantragt, so sind von ihm auch die Kosten des zur Unterstützung seines Antrages etwa ersorderlichen Ältestes zu tragen, bezw. vorzuschteßm. — Der Herr Ftnanzminister hat unterm 3. d. Mts. sich mit der Ansicht der Hauptverwaltung der Staatsschulden dahin einverstanden erklärt, daß für den aus Grund deS Gesetzes vom 4. März d. I. 88 2 und 8 erfolgenden Umtausch von Schuldverschreibungen der 4t/,prozenttgen konsolidierten Staatsanleihe gegen Verschreibungen der 4prozentigen konsolidierten Staatsanleihe ein Stempel nach Nr. 4 des Tarifs zum ReichS- stempelgesetz vom 3. Juni d. IS. nicht zu entrichten ist, da es sich hierbei weder um ein nach dem Inkrafttreten des letztgehachten Gesetzes abgeschlossenes Geschäft, noch überhaupt um ein Anfchaffungsgefchäst handle. — Wie die „Norhd. Allg. Ztg.* bemerkt, hat der konservative Parteitag in Hannover die nattonalltberalen Organe um alle Faflung gebracht, so daß sie dafür von der „Germania* sich verspotten lasten wüsten. DaS Zentrumblatt schreibt: „Die Poss der beiden Blätter ist köstlich. DaS Hannoversche Blatt ruft den Fürsten Bismarck zu Hülfe, dem hiesigen nationalliberalen Organ genügt der Reichskanzler noch nicht, eS ruft dämm das Taktgefühl der ganz« „konservativen* Partei in die Schranken. Wie rühmten die nationalliberalm Blätter seither bei jeder geringfügigen Kleinigkeit den „Ausfchwuvg* ihrer Partei Und da errangen sie bei den letzten ReichStagSwahlen gar keinen Zuwach«, bei den jetzigen LandtagSwahleu aber fühlen sie ftch, trotz der „bahnbrechenden* Rede des Herrn v. Bennigfen, über welche die „Neue Ztg.* täglich ein Lied stngt, so schwach, daß sie Angst haben, vor einem „konservativen* Angriff auf ihre nationalliberale Hochburg in Hannover. DaS zu beobachten, macht natürlich den ZentrumSwählem die meiste Freude, denn eS ist die Strafe für den Kulturkampf.* Jedenfalls gehen die Ausführungen der angedm- teten Blätter in ihrem Eifer gegen die Konservativen über das Ziel hinaus. Man kann recht gut über die Opportunität verstärkter konservativer Propaganda in Hannover im gegenwärtigen Augenblick verschiedener Meinung sein, aber das Recht hierzu kann doch keiner Partei bestritte« werden. Ist für die Konservativen in Hannover kein Boden, dann werden sie ihre vergebliche Arbeit bald selbst einstellen; sind aber Anzeichen vorhanden, welche eine innigere Amalgamtrung der hannoverschen Bevölkerung mit Preußen und dem Reiche auS der konservativen Arbeit erhoffen lasten, dann könnte nur das einseitigste Koterie- Jntcreste darin eine Vergewaltigung deS eigenen Strebens erblicken. — Der „Hannov. Cour.* schreibt: DaS mit dem 1. Oktober in« Leben getretene Börsensteuergejktz wird nach der Ansicht sachverständiger Kreise einen weit höheren Ertrag liefern, als angenommen worden war. — I«
wurden, werden bis jetzt gar nicht erwähnt. Die Stimmung der französischen Regierung ist natürlich eine sehr gedrückte. Präsident Grsry wurde telegraphisch nach PaüS berufen. Die Radikalen machen Feriy für die Niederlagen der Repu- blikaner in dm jetzt ausschließlich durch Reaktionäre vertretenen 22 Departements verantwortlich und erklären bestimmt, gleich nach Konstituierung der Kammer feine Der- fetzung tu Anklagestand zu beantragen. Ferry, de Mun, Herzog von Larochefoucault-Bifaccia und Lambert de Saint- Croix sind gewählt. Der KonfeilSprästamt Briston ist im Cherdepartement, Clemenceau im Bar-, Paul Bert im Yonne-, Herzog von Broglie im Cure-Departement in der Stichwahl. Die republikanischen Blätter rechnen auf 200 bis 220 „Reaktionäre* in der neuen Kammer. In Paris haben sich drei Viertel bis vier Fünftel der Wähler an der Wahl betelligt.
Wie aus Paris gemeldet wird, beschloß der Ministerrat gestern, daß die Minister, welche ihre Demission eingereicht habm, bis zur Eröffnung der Kammern weiter amtieren sollen. Der „TempS* sagt: Wir wüsten überall republikanische Wohlfahrtslisten bilden, denn wir haben zu be- hinten, daß selbst dort, wo wir der Mehrheit sicher zu fein glauben, diese unS unter dem Einfluste unserer Niederlage vom Sonntag entgehen kann. — „Paris* erklärt, eS sei Pflicht der Gambettisten, sich überall vor den Radikalm zurückzuziehen, wo diese an der Spitze der Liste stehen. DaS ist die Antwort auf eine Aeußeiung ClemmcrauS, daß die Gambettisten lieber für Reaktionäre als für Radikale stimmen würden. — Die „France*, gestern noch ein offiziöses Organ, läßt heute das Ministerium und die Gambettisten eklatant fallen. Ferryö Politik, sagt sie, ist verurteilt; ste ist an keinem Punkte Frankreichs gutgeheißen worden. DaS „Journal des TsbatS* bestreitet die Ansicht, die Opportunisten und Radikalen feim schuld an ihrem Mißerfolg; denn wo die Monarchisten die größten Erfolge errungen, fei überall nur eine einzige republikanische Liste gewesen. Die opportunistische Finanz- und Kolonialpolitik allein sei schuld.
In leitenden Pariser Kreisen verhehlt man sich auch keineswegs, daß die Situation sowohl der Republik als der Regierung durch den WahlauSfall eine ernste geworden ist.
Herz WildorfS, wenn er überhaupt eins besitzt, ist hart wie Stein. Er hat feinen Zweck erreicht, uns zu Grunde gerichtet und feine Rache gekühlt!*
Noch kurze Zeit verweilte der Maler bei den besteundetm Fraum, dann verabschiedete er sich, um mit dem nächsten Zuge der Heimat zuzueilen. Eine halbe Stunde nach Georg« Abreise wurde ein Billet an Gabriele abgegeben; es enthielt die Wort« „Da« Glück hat mich in Italien begünstigt, meine Arbeiten find gut bezahlt worden. Ein gütiges Geschick führte wich in dem Augenblicke zu Ihnen, wo über das Schicksal Ihres kleinen Erbes entschieden werden sollte; ich erstand es in Ihrem Namen und bitte Sie. daffelbe als HochzeitSgeschenk annehwen zu wollen — es ist Ihr unbeschränktes, schuldenfreie« Eigenthuw. Keinen Dank — wohl aber eine Einladung zur Hochzeit erwartet
Georg Walter.*
Sprachlos fielen Mutter und Tochter sich in die Arme und die Thränen der Freude und Dankbarkeit sagten mehr, al« diese Worte vermocht hätte. Der höchste Schmerz und unverhoffte« Glück find stumm; nur in Thränen strömen die Gefühle über, welche die Bmst bewegen, —---
Otto Rathenau ist jetzt Prvfeffor am Konservatorium seiner Vaterstadt und Gabriele seine reizende kleine HauS- stau. Georg Walter ist zum zweiten Male nach Rom gegangen und steht mit den Freunden in der Heimat in fleißigem Briefwechsel; er ist auf dem besten Wege, einer der tüchtigsten Maler der Gegenwart zu werden. Frau Werner aber konnte stch nicht entschließen, der Tochter in die fremde Stadt zu folgen; ste schaltet und waltet noch immer in Hau« und Garten in der klein« Landstadt und
Die Wahle« In Frankreich.
Der jüngste Wahltag, den die eintreffenreu Nachrichten von Stunde zu Stunde schärfer kennzeichnen, dürfte kaum etwas Andere« bedeuten, als einen neuen Wendepunkt in der Geschichte Frankreichs. Die alte Kammer bestand bekanntlich aus 557 Mitgliedern, welche das Listenwahlgesetz auf 584 erhöht hat. Von den 584 Sitzen kommen 570 auf die Departements Frankreichs, die übrigen auf die Kolonien Algier (drei Deport.), Guadeloupe, Martinique und Guyana (je em Depart.). Kandidaten find aufgestellt: Opportunistische 596, Konservative 551, Radikale 440, Sozialisten 167, Arbeiter 144, Unabhängige 103. Der Gewählte muß bei der ersten Wahl nicht bloß die absolute Majorität der abgegebenen Stimmen, sondern auch den vierten Teil der eingeschriebenen Wähler auf sich vereinigen. Bei der Stichwahl entscheidet die relative Majorität; eS können daher alle Kandidaten sich wieder stellen und sogar noch neue austreten. Eigevtitch ist dies also keine Stichwahl wie in Deutschland, wo beim zweiten Wahlgange nur die zwei hochstbestimmtm Kandidaten in Frage kommen. In der alten Deputiertenkammer saßen neben 475 Republikanern 82 Monarchisten, und von den 557 Deputierten, aus denen die alte Kammer bestand, kandidieren 468 Mitglieder auch diesmal, so daß die jcht gewählte Kammer mindestens 116 neue Männer zählen wird. Statt der bisherigen 84 Sitze haben eS die Konservativen bereit« aus nahezu die oretsache Anzahl gebracht. Offiziell werden zwar erst 174 konservativ- Wahlen zugestanden, in Wirk- llchkit soll aber die Ziffer 200 bereit« überragt sein. Mehr at« 20 Departement«, in denen früher nur republi- kauifch gewählt wurde, haben diesmal ausschließlich monar- chtsch gewählt. In zahlreichen Stichwahlen wird der Ausfall gleichmll« von den Monarchisten abhängen. Selbst wenn die gemäßigten republikanischen Fraktionen, wa« keineswegs außer Zweifel steht, in der neuen Deputiertenkammer hie Mehrheit behaupten sollten, so daß nicht durch eine aus ben Mitgliedern der Rechten und den Radikalen zusammengesetzte Mehrheit hie gegenwärtige Regierung von Anfang au lahmgelegt wird, wäre ein solcher Ersolg doch nur ein bedenklicher Pyrrhussieg. Die „Times* bespricht die fran- Mch-n Wahlen nnd berechnet, daß au« denselben 230 Opportunisten, 200 Konservative und 150 von Clemenceau geführte Radikalen hervorgehen werden; diese drei Gruppen haßten einander, würden eine Regierung unmöglich machen unu die R publik in Gefahr bringen. Die Kandidatur Paul LsrouiveeS hat in Paris vollständig Fiasko gemacht. Die Stimmen, welche für den „Revanchedichter* abgegeben
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Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. Ö. Kreise Marburg u. Kirchhain. — Illustriertes Sonntagsblatt
Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch. ______
Im Haus« »er Witwe.
Erzählung von Moritz Lilie.
(Schluß.)
„Wie gut Sie sind!* entgegnete die Mutter,. wiederholt seine Hand ergreifend. „L'ider finden Sie hier nicht alle« so, wie zur Zett ihrer letzten Anwesenheit.*
Nicht leider — glücklicherweise, wollen Sie wohl sagen,* fiel der Künstle? ein. „Unsere Neine Gabriele ist inzwischen die Brant meines liebsten FrevndeS geworden, nnd ich wünsche von Herzen Glück. Eine wunderbare Fügung hat ste zusammengesührt und schwere« Leid in Freude verwandelt.* ...
ES ist ein Trost für mich, mein einzige« Kind glücklich zu sehe«.* sagte Frau Werner mit einem zä'tlichm W auf WM. .Stern» wto M b.« klbuibra Zu,and. Dito«, ba »-> nicht «liubt, M M« «NN» mit ganzer Hingabe zu widmen, noch eine lange Zeit vergehe«, «he die Liebenden an« Ziel gelangen, «vf mir aber lastet die schwere Sorge, wie wir unser Leben friste« sollen, nachdem man un« da« Heine Befitzthum, da« mrS ernährte, ^.Ertnnirn Sie sich noch bet Wortt, die Sie am Tage meiner Abreise zu mir sprachen ?' sragte Walt-r die W twe welche da« Unglück ganz muthlo« gemacht hatte. „Nur nicht verzagt, vielleicht wird alle« bester, al« wir denken! riefen Sie mir damals zu, und dieses tröstmde Wort ist in Erfüllung gegangen.*
Die tote schüttelte wehmüthig daS Haupt.
,SS gescheh« heutzutage keim Wunder mehr, und da«
Dexlfche» Reich.
Berlin, 7. Ott. Der Aufenthalt de« Kaisers in Baden-Baden dürste sich bi« zum 20. Ottober auS- dehnen. — Der Kaiser hat die von dem Vorstände deS Zentral - Dombauverein« in Köln erbetene Genehmigung der Fortsetzung der Kölner Dombau-Lotterie behufs Eclangung bet Kosten zur Freilegung de» Kölner Doms« erteilt. Seitens be« Ministeriums war das Gesuch abschlägig beschieden worden. — Nach einem Spezial-rlaß der Minister d-S Innern und der Justiz fallen die Kosten bet ärztlichen Untersuchung von Verurteilte«, welche ge- tichtSseitig anxeordnet wird, um festzustellen, ob eine er
scheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal» zponnementS-Preis bei der Expedition 2*/« SRI., bei ben Postämter S SRI. 50 Bfa. (excl. Bestellgeld). qnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf,. Mauren für die Zelle 85 ft«.
Anzeigen nimmt entgegen die Spedition d. Blatte«, s owied.Annoncen» Bureaux vonHaasenstein undBogler in Frankurt a. M., Caffel, Magdeburg und Wim; Rudolf Moffe in Frankfurt ♦ aM., Berlin,München tmb
Köln: S. L. Daube und Co. tu Frankfurt a. M* Berltn,-auuover uPari«.
das vierte Quartal werden Bestellungen ö auf die „Oberh. Zeitung nebst Amtlichem Anzeiger und Illustriertem SonutagSblatt" noch angenommen, auswärts von allen Postämtern, sowie hier von der Expedition (Markt 21.)
hat sich fest vorgenommen, dereinst dort zu sterben und au der Seite ihre« Gatte« zu ruhen. Durch ihre Mutter erfuhr Gabriele auch in einem ihrer Briefe, daß Wlldors sich rem Trünke ergeben habe und, gemieben und verachtet, ein trauriges Dasein dahinschleppt. Der Profesior aber hat ben schweren Eisenbahnunfall glücklich überwunden; nm eine Verkürzung des doppelt gebrochenen Beines, die ihm da« Gehen ein wenig erschwert, ist zurückgeblieb«, sonst ist er kerngesund.__________________________
— (Ein weißer Rabe.) Da in der letzten Zeit die Überhandnehmende Adels-, Titel- nnd Ordenssucht oft genug in der Presse gerügt wurde, so möge, schreibt die „Voss. Ztg.-, bemerkt sein, daß es respettable Ausnahmen gibt. Wie viele von den Schwärmern für Franz Liszt wissen wohl, daß er vor dreißig Jahren vom Großherzog von Sachsen- Weimar geadelt, ja zum Kammerherrn ernannt wurde? Niemals hat er von diesem Adel Gebrauch gemacht, ebenso wenig, wie vordem von dem ihm vom Fürsten von Hohen- zollern - Hechingen verliehenen Titel „Hofrat". Nur den Doktortttel, er ist Ehrendoktor der philosophischen Fakultät in Königsberg, hat er geführt. Seine zahlreichen Orden legte er nur an, wenn er vor Fürsten zu erscheinen hatte. Doch trug er bei seinem ersten Auftreten in Jena (1843) in dem Konzert, dem der damalige Erbgroßherzog von Sachsen beiwohnte, neben dem weimarischen Falkenorden den Jenatschen —Bierorden, den ihm eine studentische Verbindung hatte überreichen lassen.
- (Platonische Liebe beim Militär!) „Hast an'Schatz auch g'habt beim Militär, Hans?* —„Das wohl, aber e8 war so mehr ein platonisches Verhältnis, weißt, bloß wegen dem Nachtessen l*
i entgefo >. Blatt« l-Bureai, mdVozl, «., gX d Wie, Frankta» ucheniitz Mibe ku t e. A, n Part, statt