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Jllarfiurg, Donncrsi«g, 8. Oktober 1885.

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bj« Landes in Stand gesetzt. — Nach dem Unfallver- stcherungs - Gesetz ist bekanntlich für die Zeit von der fünften bis zur dreizehnten Woche nach Eintritt des Unfalls das Krankengeld von der Krankenkasse, der der vom Un- Betroffene angehört, zu zahlen. Gewährt die Kranken­kasse nicht einen so hohen Betrag, wie die Unfallverstcherung ihn vorschreibt, so ist die Differenz von dem Arbeitgeber zu erstatten. Das ReichsverstcherungSamt erläßt jetzt eine Ordre, welche die AuSiührungSbestimmungen zu dieser Bor­

Zur Arbeiterlage i« Nordamerika.

Daß ote ErwerbSvechältnifle für den Arbeiter in den Beremtgt«» Staaten von Noromerika sehr trübe sind, ist schon längst bekannt und diesem Umstand hat auch wohl nicht zum geringen Lell dazu beigetragen, daß die Aus­wanderung über den Ozean sich vermindert. Zeitweise treten da drüben aber noch besondere Ereignisie ein, welche be­weisen, daß der Arbeiter, welcher auf gut Glück nach Amerika geht, oem Hunger geradezu tu die Arme läuft. Die Preise vieler Zndustrieartikel find tnsolgr Urberproduklion so außer- ordentlich gedrückt, daß die Fabrikbesitzer große Lohnherab- sktzungrn haben vornehmen müffen. Teilweise sind sie auch noch weiter gegangen und haben chinesische Arbeiter ein­gestellt, die für viel geringere Preise arbeiten, als die Wechen. Bekannt ist, daß durch solche chinesische Konkur­renz in den Kohtendlstriktcn von Wyöming die weißen Ar­beiter sich zu blutigen Ausschreitungen gegen die Chinesen haben htnretßen lasten, tnsolgr deren militärische Kräfte herbetgezogen werben mußten. DaS unter den Cstnesen von reu Weißen verübte Mastakre beweist, baß die Ber- hültniste außerordentlich traurig sein müssen, denn zur Waffe zu greifen kann man doch nur als letztes Mittel in dem Kampf umS Leben ansehen.

Weeder liegt ein sensationeller Bericht vor. Unter der Ueberschrist .Schlimmer als Sklaverei" findet sich in der .Nebraska - Tribüne" eine Darstellung der gegenwärtigen Lohn- und Lebensverhältnisse der pennsylvanischen Berg­arbeiter. ES heißt darin: .Die gegenwärtigen Löhne der pennsylvanischen Kohlen- und Etsenbergwerkaroriler (cte übrigens aus Stück berechnet werden) velausen sich auf

Dollars den Monat. 14 Dollars monatlich ist das Höchste, was die gewöhnlichen E«senerzgräber verdienen könnten. Damit ist aber noch lange nicht die ganze Wahr­heit gejagt. Die Zeit, wo diese Arbeiter den ganzen Mo­nat über zu thun hatten, ist längst vorüber. Günstigen­falls wtro 20 Tage jeden Monat gearbeitet — ost genug aber nur 10 oorr 1b Tage. Dadurch sinkt der Lohn that- sächtich noch viel tiefer herunter und kommt in vielen Fällen nicht Uber 40 Cents den Tag. Die meisten dieser Arveiter stad verheiratet; weun mau, was eine sehr bescheidene Schätzung ist, auf jede Familie vier Köpse rechnet, so kommen also auf den Kopf 10 Cents täglich I Dafür müssen die Wohnung, das Esten, die Kleider, vie Medi­zinen — kurzum alles, was zur LebenSnoldurft gehört, bezahlt werden. Und die Wohnuagspreise sind durchaus nicht so besonders niedrig. Ein Manu, der 10 Dollars monatlich verdient, zahlt mindestens 4 Dollars WohnungS-

Im Hause der Witwe.

Erzählung von Moritz Lilie.

lFortsetzung).

Einige Zett nach dem Besuche WlldorfS im Hause der Wittwe war eine auffallende Gesellschaft In der kleinen be­haglichen Wohnung versammelt. Hinter einem Tische am Fenster saßen einige Herren, verschiedene Papiere und Schreibmaterialien vor stch liegen habend, in dem alten Lehnstuhle, die Füße wett von stch gestreckt, hatte die breit­schultrige Gestalt WildorsS Platz genommen, und noch einige andere Männer saßen uuv standen in dem Zimmer umher. Auf bet Gartenbauk aber, wo Gabriele die süßeste Stunde ihres Lebens verbrachte, wo ste dem Manne, für den ihr Herz in süßer Liebe schlug, rückhalllos gestehen durste, tete unendlich theuer er ihr sei, saßen hinter einem Gebüsch still und in stch gekehrt die oeiden Frauen; denn drinnen tu dem traulichen Südcheu kam ihre einzige Habe, ihr kleines, von GabrielenS längst verstorbenem Baier er­erbtes Bcsttzthum, unter den Hammer. Alle Bitten der alten Frau, den hartherzigen Gläubiger zur Nachsicht zu bewegen, blieben erfolglos; wie Shylcck im Kaufmann von Bentdig bestand Wildorf auf feinem Schein, der ihm das Recht gab, das Grundstück der Wlltwe subhastieren zu lafleu.

.Bierhundertuudfünfzig Thaler sind von Herrn Wildorf geboten, wer bietet mehr?" ertönte die Stimme des Auktionators.

«Da bleibt für die Witiwe Weener und ihr« Tochter ftrUich Nicht« übrig,'s sagte leise einer der Bitter zu seinem

Nachbar. .Vierhundert Thaler beträgt 'die Hypothek d,S HauptgläubtgikS, da« Andere verschlingen die Unkosten."

.Vierhuudertuncfünfzig Thaler zum Ersten," rief der Beamte, stch im Kreise der Anwesenden umblickend, .Niemand mehr?"

„Fünfhundert Thaler I' schrie eine Stimme plötzlich vakig, als fürchte sie, zu spät zu kommen. Die Blicke Aller wandten stch dem Bieter zu, der in canz außerge­wöhnlicher Weise den Preis sofort um fünfzig Thaler fteigertc; aber Alle schienen enttäuscht, denn Niemand kannte ihn.

Aus dem kleinen Orte war er nicht, das leuchtete Jedem sofoit ein, wenn der Fremde auch nicht eine Ledertasche über die Schultern getragen hätte; um so mehr überraschte fein Erscheinen.

.Der hat sich die baufällige Hütte gewiß nicht ange­sehen,' meinte ziemlich laut und ungeniert Wildorf zu dem Auktionator. „Wenn mir nicht daran läge, die alte Bude ru »stehm, würde ich nicht die Hälfte dafür geboten hahen. Noch fünf Thaler."

.Fünfhundertundsünf Thaler," rief der Auktionator in feiner monotonen Weise.

.Fünfhunderiundfünfzigl" avtwortttr der Fremde, ohne auf oas Gemurmel des Erstaunen- zu acht«, da- durch die Anwefendm ging.

o c d" «erl toll ?" sagte uvmuthig der Mann im Lehrstuhle. .Was will denn der mit dieser Mißgeburt von Haus anfangen? Mag er eS behalten, ich bin ae- deckt ; auf diese Weise bekommt aber die Alte noch «ine hübsche Summe tu die Hand, wa« ich ttgentltch hinter­

treiben wollte. ES wäre mir eine Genugthuuna gewesen Shna%HW0C S^en pH «och hätte au mich wenden müffen, um nicht zu verhungern."

Er sagte das zu stch selbst, so leise, daß e- niemand verstand. Der Hammer war gefallen, und die Bieter hatten sich entfernt. Nur der Ersteher war zurückgeblieben, um die vorschriftsmäßige Anzahlung zu leisten und das Protokoll zu unterzeichn«. Dann trat er in dm Garten hinaus wo Alles in üppigem Wachtt-ume stand. Kaum ver­mochten die beiden Frauen ihre Fassung zu behalten, als ste die nahenden Schritte vernahmen; wußten ste doch, daß es der Urheber ihres Unglückes fei, der gekommen war um ste aus dem jetzt ihm gehörigen Besttzthum hinaus«!

< ?ber seltsam, die Schritte kamen nicht näher, und al« Gabriele endlich aufzuschauen wagte, erblickte ste eine hr fremde Mannesgestalt, die rücksichtsvoll In einiger Eut- fernung stehen geblieben war, um die Frauen nicht zu stören. Erst als sich das junge Mädchm erhob, trat « "Her, und mit einem Freudenschrei stürzte eS ihm mtgegm. ~ Sie hier?" rief sie und schüttelte dem

8L. Ä'w toa"“ "■» * „Sit Sie sehen, bin ich eS wirklich, und hier ist auch noch die Erinnerungsmedaille, die vor anderthalb Jahren zum Andenken au unser erstes Zusammentreffen geschlagen roa.rbel. sagte Georg scherzend, inbtm er dm Hut lüftete uud auf eine deullich bemerkbare Narbe auf der Slim We. .Ich komme eben aus Italien zurück und konnte ” mir nicht versagen, Sie auf der Durchrttse auszusucheu."-

(Schluß felgt)

Hexische, Reich.

Berlin, 6. Oft. Das Befinden des Kaisers, trotzde» n Baden-Baden stürmisches und rauhes Wetter eingetreie, ist, läßt nach Privatnachrichten aus Baden - Baden nichtt zu wünschen übrig. Der an'änglich geplante Aufenthal . a... e ,, ■ v-T---™ । des Monarchen in Wiesbaden ist für dieses Jahr endailti»

^Wcmb schwärzt die aufgegeben worden. Der Kaiser wird Ende der WoL Liraßen und erfüllt alle»tb.,kb,n M«. I hier wieder eintreffen, um dauernd hier zu bleiben -! !ft 6et8bÄ daß bezüglich des künftige« Polizei-Präsidenten von Berlin noch gar keine bestimmt, Bemutung aufgestellt werd« könne. Der RegierungS-

Srscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn und Feiertagen. — Quartal- AbonnementS-Preis bei der Expedition 2*/t Mr., bei den Postämter 2 Mk. 50 Pf«, (erd. Bestellgeld). JnsertwnSgebühr für die Seltene Zeile 10 Pf,.

amen für die Zeile

*5 Wf,.

XI. JahrglMz

Anzeigen, nimmt entgeh die Expeditton d. Blatt« sowied.AnnonceN'Bureail von Haasenstein undVogl» in Frankurt a. M., Caff« Magdeburg und Wie»! RudolfMoffe in Frankste ♦ a.M., Berlin,München u»

Adln: e. L Daube «5

<o. in Frankfurt a.

Aür das vierte Quartal werden Bestellungen O auf die „Oberh. Zeitung nebst Amtlichem Anzeiger und Illustriertem Sonntagrblatt" noch angenommen, auswärts von allen Post­ämtern^ sowie hier von der Expedition (Markt 21.)

miete. Etwas bester Gestellte zahlen bedeutend mehr; die Preise gehen bis zu 30 Dollars. Das Elend, welches sich unter diesen Verhättnisten entwickelt, vermag die Feder kaum zu beschreiben. Die .Wohnungen" dieser Leute sind meist die allererbärmlichsten Hütten, dm schlechtesten Wohnräumen der Großstädte ähnlich. Dabei sind ste noch entschieden ungesunder als diese. 2-.. Vlt

W^ude, bedeckt die Straßen und erfüllt allenthalben die Luft. Der Schmutz ist so groß, daß j-dem der Mut ver- irgend einen Reinigungsversuch zu machen.

t>on dieser Regel, jedoch sehr feiten. I vrrmutnug ausgefreur werden tonne. Der Reaiernna«- ääääxä riXAraS fSta ÄL’ÄÄ N-,1° WWiMhLm ein TrauergotteSdienst^für^diil

,™rSÄÄftS*K brauchen, in kleinen Quantitäten kaufen — und werden I einigung Magdeburgs mit Neustadt-Maadebura aenebmlot SC ftÄC tütf-ssSSS d^tz einzunehmen, und zwar wo möglich noch für schiech- I von ihrem Urlaube rurückaekebvi nnk * cLL , n \ S?RF käääö

Ä L ÄWÄ X Ä’Äfi'Ä’Ää ®ulXe?TÄrStPböbew"are“ b°n ^°kn' Unflora unb ^-reinigt, der zur Bildung von Zweigkomitees und Sammtt-

So das amerikanische Blatt. Hiernach läßt stch be- öffenttichnng'd?S näften

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? gM^Snb«n‘ ®erabf3« aussichtslos sind die Chancen Z ppelin ist bekannt durchsleinenfXnÄmS1 eä »«= üt, a sk- «,s “ESS LMZKMZI SKI uicht in Betracht gezogen werden kann. Unb endlich die landwirtschaftlichen- unb Feld Arbeiter, denen schon mancher industrielle Arbeiter notgedrungen hat beitreten müssen?

Son ihnen werden fast übermenschliche Anstrengungen ge­fordert, zu denen der Lohn in gar keinem Verhältnis sicht. DaS sind die Aussichten für die Enropamüden!