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jjr, TSV. Marburg, Sonnabend, 3. Oktober 1885. ^llyrgMg.

(Obciijcfftfdic ZkltW

nebst

recht nut

kurzer Zeit möglich, und wenn Arbeiter klaget nun, so geht es dem Arbeitgeber o't auch nicht viel besser. Die ersteren ! 1cmmen über Sorgen leichter hinweg, ol« der letztere, und namentlich die Besitzer kleiner gewerblicher Betriebe haben, wie zur Genüge bekannt, häufig genug recht, recht schwer um das tägliche B:ot zu käwp'en. Eine Verbesserung der Einnahmen kann nur ein allgemeiner und tiefgehender Jndusirieausschwuug bringen; da helfen keine phrasenreichen Redensarten, die keinen Hund hinterm Ofen hervorlockev, sondern nur einsichtsvolle Thätigkeit und Energie, festes Zusammenhalten von Arbeitgeber und Arbeitnehmer und der Arbeitgeber untereinander. Ein leistungsfähiger, ge- fchickter Arbeiter sichert sich viel eher ein genügende« oder doch größere? Einkommen, wenn er seinen Arbeitgeber recht­schaffen unterstützt, als wenn er auf die Worte von Agi­tatoren hört, die nur darauf auSgrhen, sich eine treue, will­fährige Gefolgschaft zu bilden.

ES ist ganz besonders zu bedauern, daß es unter den gegenwärtigen Verhältnissen dem Kletnhandwerker und Ar­beiter ungemein erschwert wird, sich eigenen kletnru Grund­besitz, ein eigenes Hau« zu erwerben. Man wende nicht ein, das sei überflüssig; im Gegentell, hätten wir unter den deutschen Arbeitern uuhr .Eigentümer", die Zahl der Sozialdemokraten würde gewiß bedeutend abnehmen. Eigener Besitz hebt und kräftigt den Menschen und eS ist so klar, wie zweimal zwei gleich vier, daß ein Arbeiter, der sich ein eigenes Heim errungen, nicht die geringste Lust zeigen wird, dasselbe nunmehr, nach sozialdemokratischen Prinzipien, seinen Parteigenossen zur kostenfreien Mitbenutzung anzu- bieten. Wer durch eigene, rechtschaffene Arbeit zu etwas gekommen, der steht nur zu bald rin, daß die besten Ge­hilfen im Kampf umS tägliche Leben nicht großartige Per- sprechungen, sondern der eigene Kopf, die eigene Hand sind. Und mit solchem Gefühl kommt auch Zufriedenheit und Behaglichkeit, und wer sagen tun: ,DaS ist mein!', der empfindet keine Lust mehr, phantastischen Gebilden nachzu­jagen. Er hat etwas Reelles gefunden und wird sich ganz von selbst bemühen, auch anderen den Weg zu weisen, den er gegangen.

Natürlich, nicht alle Klein-Handwerker und Arbeiter können ein eigenes Heim besitzen, aber eS könnten doch mehr sein, als bisher. Schon längst sind Forderungen erhoben, welche sich nach dieser Richtung hin bewegen, und sie haben auch vereinzelten Erfolg gehabt, der aber nur klein ist, im Vergleich zu dem, was geleistet werden kann. Daß eine Vereinigung, deren Zweck eS ist, in geeigneter Weise {(einen Leuten ohne großen Verdienst einen eigenen Besitz zu schaffen, wohl bestehen kann, lehrt daS Vorgehen in verschiedenen Städten, namentlich in Westfalen. Seitens der StaatSregicrungen und des Reiches ist für diese Zwecke bisher wenig oder nichts gethan, und doch würde ba<i Geld nicht umsonst angelegt und überhaupt nicht verloren sein. Ja Deutschland ist noch Platz für ungezählte Ar- beiterhrime und es giebt noch Millionen Morgen Land, die

wertlos daliegen und ihrer Bestellung harren. Jede« ener­gische Vorgehen in dieser Richtung schafft dem Deutschen Reiche viele seßhafte tüchtige Bürger, leistet der AuSwan- terung Widerstand und Hilst den Einfluß der Sozial­demokratie brechen. WaS wir oben gesagt, wiederholen wir nochmals: die Lösung der sozialen Frage ist sehr schwer, aber eS ist unsere Pflicht, nach Kräften dazu hetzutragen, daß dereinst die« Ziel erreicht werde.

ich in schweren Fieberträumen lag, Sie haben ganze Nächte an meinem Bette gewacht, um mir Kühlung zuzusSchein. Sie und Ihre gute Mutter haben den Tod von meiner Seite gescheucht, der bereit« mit eisiger Hand in meinem Innern wühlte.' t,

.Sprechen Sie nicht so, Herr Rathenau,' bat Gabriele in flehendem Tone. »Ihre kräftige Constitution, die Kunst de« Arzte« und die gütige Versebuvg walteten über Ihnen und gaben Sie dem Leben zurück.'

.Nein, nein,' tief der Kranke, und zvm ersten Male seit, langer Zeit zeigte sich eine leichte Röte auf seinen Wangen, .hätte ich Ihrer Pflege entbehrt, ich wäre längst den großen Weg gewandelt, von dem e« keine Rückkehr ckLt-*

.Ich habe täglich gebetet, daß der liebe Gott Sie nn« erhalten möge, ich hätte e« nicht ertragen, wenn Sie'

Tieferrötend, al« hätte sie etwa« Unrechtes gesagt, unter­brach sie sich selbst. Dir Blicke des jungen Mannes aber ruhten mit dem Ausdrucke inniger Liebe und Dankbarkeit auf dem sanften Gesicht des jungen Mädchen«, dem der Anflug leiser Verwirrung die Rosensarbe der Verlegenheit, doppelten Reiz verlieh. Willenlos folgte Gabriele dem leichten Druck re« Genesenden, und ehe sie sich besten noch recht bewußt wurde, lehnte ihr Haupt an der Bmst de« jungen Manne«» ver sich zu ihr h-rabbeugte und einen langen Kuß auf ihre Lippen drückte.

.Gabriele Otto!' flüstertet und eine Welt von Zärtlichkeit lag in diesen Worten.

Zwei Herzen hatten sich gefunden, rin schwere« Ver­hängnis sie zusammrugrsührt, und die Leiden de< Einen,

die Geduld und Opferwilligkeit deS Andern waren die Prüfsteine, an denen die Liebe de« jungen Paares stch er­probt h-tte.

Lange saßen sie schweigend neben einander, endlich aber wand sich (8: briete mit sanfter Gewalt los.

Bewahren wir unser süßeS Geheimnis noch vor den Augen der Welt,' sagte der Künstler. .Die junge Pflanze unserer Liebe ist noch zu zart, al« daß sie die rauhe Luft de« Alltagslebens ertragen könnte. Auch Deiner besorgten Mutter dürfen wir un« noch nicht entdecken; sie würde sich, so lange ich noch rin Krüppel bin, um unsere Zukunft zu sehr ängstigen.'

Meine gute Mutter soll erfahren, wa« mich so glück­lich macht, ich vermag eS nicht vor ihr zu verbergen,' bat daS Mädchen mit einem Blicke, dem der Jüngling nicht zu widerstehen vermochte. Ein warmer Druck der Hand sprach dir Gewährung au«.

.Sie wollen stch wohl erkälten, Herr Rathenau?' tönte vom Fenster her die mahnende Stimme der Frau Werner. Wer dm Zweig zu grün abbricht, der wird dem Baume schaden.'

Der Kranke erhob stch mühsam, Gabriele reichte ihm die Krücken und mit ihrer Unterstützung wankle er der Wohnung zu. Jede« Stetnchm, das auf dem Wege lag, schob stch zur Sette, auf jede kleine Unebenheit machte sie ihm aufmerksam, und als er mdlich im kleinen, trauten Stübchen Im allen Lehnstuhle saß , da hüllte ste ihm die schwachen Füße wieder in Decken ein und stützte Kops Md Rücken mit weichen Kisten. (Fortsetzung folgt )

deren Beiblättern

Amtlicher Anzeiger für die «reise Marburg uud Kirchhain und

Illustriertes SormtagSblatt bald machen zu wollm, da vollständige Exemplare geliefert werden Wunen, wenn die Bestellung recht-

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Oberhesfische« Zeitung

Deutsches Reich.

Berlin, 1. Okt. Eine Bekanntmachung de« Minister« de« Innern vom 1. Oktober setzt die Wahlmännerwahl für den Landtag auf den 29. Oktober, die Abgeordneten- wähl auf den 5. November fest. Die Bestimmung de« § 70 Absatz 3 de« GerichtSverfastungS-Gesehe«, nach welcher ver Landes-Gesetzgebung überlasten bleibt, Ansprüche der Staatsbeamten gegen den Staat au« ihrem Dienstverhält­nisse ohne Rücksicht auf den Wert des Streitgegenstandes den Landgerichten ausschließlich zuzuweisen, findet, nach einem Urteil des Reichsgerichts, I. Zivlfenat«, vom 16. Mai und 17. Juni d. Js., auch Anwenoung auf die Ansprüche der Hinterbliebenen verstorbener Staatsbeamten auf Aus­zahlung der sogenannten Gnadenquartale oder Monate. Für diese Ansprüche ist demnach auch die Revision ohne Rücksicht auf den Wert deS Beschwerde-Gegenstandes zu­lässig. ES kann keinem Zweifel unterliegen, daß in § 70 deS GerichtSversaffuugS - Gesetzes nicht den Beamten ein Privileg erteilt, sondern daß die Einheit und Recht­sprechung über die betreffenden RechiSverhältnifle, bet welchen der Staat unmittelbar beteiligt ist, gewahrt werden sollte. DaS Bestreben ging dahin, die Streitigkeiten über dir fraglichen Ansprüche bis in die oberste Instanz bringen zu können. Die Möglichkeit, eine Entscheidung de« Reichs­gerichts zu erlangen, ist allerdings infolge des Grundsatzes der Jrrevistbilität des PartikularrechtS dann auSgeschlvstm, wenn, wie im vorliegenden Fall, der Anspruch auf eine partikularrechtliche Bestimmung gestützt ist. Allein auch in diesen Fällen bleibt der Zweck, die RechtSelnheit herzu- stellen, doch immer dadurch gewahrt, daß infolge der Ver­weisung zur ausschließlichen Kompetenz der Landgerichte die betreffende Sache immer zur Kognition deS im Geltungs­gebiet der partikularrechtlichen Bestimmung höchsten Gerichts gebracht werden kann. Dem entwickelten Grundsatz würde eS aber zuwiderlaufen, wenn man betreffs der Ansprüche aus dem Dienstverhältnisse der Beamten der Einzelstaaten Einschränkungen eintreten lassen wollte, welche betreffs der Reichsbeamten nicht anerkannt sind. Auch bet einem den Hinterbliebenen eines Beamten aus deffen Dienstverhältnis zustehenden Anspruch können die wichtigsten und feinsten Fragen zur Sprache kommen. Hätte man in § 70, 3 G.-B.-G. die Geltendmachung dieser Ansprüche anöschließen wollen, so würde man dafür doch sicherlich einen präzisen Ausdruck gewählt haben, und e« würde stch darüber wenig­stens ia den Vorverhandlungen irgend eine Andeutung

Im Hanse der Witwe.

Erzählung von Moritz Lilie.

(Fortsetzung.)

Monate waren vergangen; tn dem kleinen Garten, der an die WohnMg der Wittwe grenzte, hatten die Blätter stch bereit« mit den Purpurfarben de« Herbste« geschmückt; Sommerrvsen und Aftern, die letzten Kinder de« geschiedenen Sommer«, wiegten sich in der »atmen Oktobersonne, und durch die klare Luft schwebten langsam die grauen Fäden der Wanrerfpinue, die steten Begleiter der letzten sonnigen Tage de« Jahre«, und senkten sich endlich aus die zahl­reichen Stete h-rab, die jetzt freilich nur noch wenig Au«- beute gewährten. v ,, _

Ans einer Bank saß rin Mann mit erschreckend blassen, leidenden GestchtSzügen. Warme Decken hüllten ihn ein, jede« Lüftchen von ihm abhaltevd, die Füße ruhtm auf Polsterkiffen und neben ihm lagen zwei Krücken, die stummen Zeugen seine« leidenden ZustMde«.

Auf seinem Antlitze ruhte eine gewiffe stille Hetterkett, und mit unendlichem Wohlbehagen athmet« er die warme, würzige Luft. ES war der junge Musiker, der endlich nach langem, schwerem Krankenlager soweit hergestellt war, daß er zeitweilig daS Bett verlaffen Md eine halbe Stunde im (Satten zubringen durfte. Neben ihm saß Gabriele, d:a träumerischen Blick mit inniger Teilnahme auf ihn geheftet und mit ängstlicher Sorgfalt jede Verschiebung der warmen Umhüllung deS Kt uken sofort wieder ordnend.

We danke ich Ihnen, Gabriele!' hauchte Otto, die kleine, weiche Hand de« Mädchen« ergreifend. .Sie find mein Schutzengel gewesen, der mein Lager umschwebte, wenn

Änjeigen. nimmt entgegen die Expedition d. Blatte«, sowied-Annoncen-Bureaux von Haasenstein undVoaler in Frankuri a. M., Cassel, Magdeburg und Wten; Rudolf Moffe in Frankfurt a M., Berlin,München und

Adln; 8. 8. Daube uud 6c in Frankfurt <u

Berlimtzanuover u. Paris.

^Aeint täglich außer an Wagen nach Sonn und Vertagen. - Quartal- A^nements-Pretsbet der Bitten SV. Mk., bei WaMWiTHtpr Ä «Bf. 50

zeitig erfolgt.

_____________Die Ex-ed. -er Oberh. Zeitung. Setzhaftmachuug von Kleinhandwerker und Arbeiter.

Schon längst ist erkannt, welche« da« Geheimnis der sozialen Frage ist. E« lautet einfach: Minderung und demnächsttge Hebung desNotstandes' in den unteren VolkSllaflen! So einfach da« Programm klingt, so enorm schwierig ist aber seine Erfüllung und es ist fraglich, ob diese überhaupt jemals ganz eintreten wird. Könnte daS der Fall sein, so würde alle die gemeingefährliche Agitation, welche sich unter dem Banner der sozialen Frage birgt, im Umsehen ihr Ende erreicht haben, denn e« fehlte ihr an dm notwendigen Existenzmsachen, uud die Agitatoren würden dann ihr wahres Gesicht zeigen uud eingestehen müffen, welche« ihr« wahrsten Ziele waren: Hebung des vierten Stande« oder Glorifizierung de« eigenenIch'. Jndeffeu wir können nicht hoffen, die« Werk noch erfüllt zu sehen. ES ist eine Riesenarbeit, die ein Menschengeschlecht wohl fördern, dem Ende nähern, aber nicht vollendet hinstellen kann. ES kann unS sogar gelingen, die Flamme der ge- sellschastsfeiudltchen Bestrebungen zu dämpfen, die Glut zu schwachen Ueberresten herabzudrücken, aber völlig versöhnt werden erst die Glieder deS untersten Standes fein, welche unter ruhigen und gesicherten Berhältniffen von Jugend auf herangewachsen find. Uud ist dieser Zeitpunkt erreicht, dann wird man auch nicht mehr von gefährlichen politischen Agitatoren jener Klaffe reden, sondern diese werden stch als kraffe Attentäter gegen das ganze gesellschaftliche Leben hin- steüen; sie werden nicht« weiter fein, al« die Nachfolger von Kommunisten und Anarchisten, aber keine ehrlichen Arbeiter.

Wir arbeiten in Deutschland au« Kräften nach der Linderung der Mißverhäftniffe in den unteren Klaffen hin, die von den angeblichen Arbetterfrennden so gern al« Not­stand bezeichnet werden. Wir können im Deutschen Reiche von allgemeinem Arbeiternotstand wohl kaum reden, wenn auch zugegeben werden muß, daß hier und va die Verhält- niffe wenig erfreuliche sind. Jndeffeu, wer arbeiten kann uud will, der findet heute in der Regel vollauf sein Brot. Reichtümer zu sammeln, ist jetzt überhaupt nicht mehr in

Spaltene Zette 10 ff«.

Maaten für die Sette

25 PsA. _________ ____________________________________________

Kiichcntliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt

** ' Expedition. Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch. .....