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Ur. 2T7.

Marburg, Sonntag, 27. September 1885.

XX. Ja-rgMg.

grscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal- Monnements-Preis bei der Expedition 2*/. Mk., bei den Postämter L Mk. 50 vsg. (erd. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Ps,. Kellameu für die Zeile 85 Hfl.

WklhkM AitiiW.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte-, sowied.Annoncen-Bureaux von Haasenstein undVogler in Frankurt a. M.„Caffel, Magdeburg und Men: RudolfMoffe in Frankfurt e DL, Berlin,München and RMn: ®. g. Daube and So in Frankfurt <u DL, B«rlin,Ha«m>ver u Pari».

Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. Kreise Marbnrg u. Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.

__________________________________ Expedition- Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

68^" Wir ersuchen die Bestellungen bei der Post auf das vierte Quartal der

Oberheffischeu Zeitung

nebst deren Beiblättern

Amtlicher Amnger

für >ic Kreise Marburg und Kirchhain und

Illustriertes Sonntagsblatt

recht bald machen zu wollen, da vollständige Exemplare nur geliefert werden können, wenn die Bestellung recht­zeitig erfolgt.

Anfang Oktober erscheint im Feuilleton ein großer höchst spannender Roman von

Theodor Küster: Heister Sinn.

Neuzugehevde Abouvevteu hiefiger Stadt erhalten die „Oberhessische Zeitung' vom Tage der Bestellung bi- zum 1. Oktober grattk ______________Die Gxped. der Oberh. Zeitung.

Wochenschau.

Unser Kaiser hat seine Manöverreisen in Süddeutsch­land beendet. Wie in Baden ist der greise Held auch in Württemberg in enthusiastischer Weise gefeiert und donnernde Jubelrufe haben ihn empfangen, wo er sich nur sehen ließ. Die Manövrranstrengungeu hat der Kaiser gut überstanden und wird nach wenigen Tagen der Ruhe in Baden-Baden mit der Kaiserin und dem Kronprinzen dem Einzüge des ErbgroßherzogS und der Erbgroßherzogin von Baden, die letzten Sonntag ihre Vermählung gefeiert, in Karlsruhe beiwohnen. Bekanntlich hält der Kaiser sehr viel von den Kindern seiner einzigen Tochter, der Frau Großherzogin von Baden. Prinz Wllhelm von Preußen, der vom Kaiser von Oesterreich zum Chef eines Husaren- RegimentS ernannt ist, hat sich nach Wien zum Besuche des Kronprinzen Rudolf von Oesterreich begeben. — Mit den Leistungen der süddeutschen Truppen hat sich der Kaiser wiederholt sehr zufrieden erklärt. Auch die Manöver der deutschen Flotte haben ihren Abschluß mit einen Landungs- wanöver in Eckernhörde erreicht und vorzügliche Resultate in Bezug der Leistungsfähigkeit von Schiffen uns Mann­schaften ergeben.

In diesen Tagen dürste auch die RegeutschaftSfrage von Braunschweig definitiv geregelt sein. Minister Grat Görtz Writzberg ist beim Fürsten Bismarck in Berlin ge­wesen und dürfte hier wohl die endgilttge Entscheidung getroffen sein. Im nächsten Monat läu t daS Trauerjahr

Die Schloß hexe.

Eine Erzählung von Max Viola.

(Schluß.)

Wieder ertönte Schellengeläute, wieder nahte ein Schlitten dem Schlöffe. Schon wollte er vorbeifliegen, da scheute da» Handpferd, der Schlitten erhielt einen Ruck, bog nach rechts in den Straßengraben, und die Znsaffeu lagen im tiefen Schnee.

„Daß doch ein höllisches Donnerwetter in diese» ver­maledeite Hkxevnest geschlagen hätte, bevor e» den Pferden Schrecken eivzujageu begann', flugte eine männliche Stimme, deren Besitzer sich zuerst aus den Schneemaffen herouSge- wühlt hatte.

„Lieber Rittmeister, Helf« Sie mir lieber au» dem Schnee, als so uuchrtstlich zu fluchen', bat eine Dame.

„Zaroschetzkt! Zarvschetzkil Lieber Freund Zaroschetzkt, helfen Sir mir au» dem Graben, sonst ersticke ich unter diesen Schneemaffen', schrie ein dicker Herr, der sich nicht auf die Füße zu helfen vermochte.

Endlich war die ganze Gesellschaft wieder beisammen: zwei Damen und drei Herren, und zu ihnen trat verzweif­lungsvoll der Kutscher und meldete, daß eine der Schlitten­schienen entzweigcsprungen sei.

„Eine schöne Bescherung', sagte der Rittmeister Baron Paul von Zaroschetzkt. „ES bleibt unS nichts übrig, al­bet der Schloßherrin um Hilfe zu bitten; vielleicht vermag sie uns zu helfen. Wer wagt sich mit mir zur Hexe?'

„O, Alle, wir Allel' rief eS durcheinander.

„Nun denn, so vorwärts!' und die kleine Gruppe drang, mit dem Rittmeister an der Spitze, in die verödeten Hallen de» SchloffeS rin.

Elve dumpfe, eisige Luft wehte ihnen entgegen. Die Gesellschaft war plötzlich verstummt unter dem gespenstischen «indmck, welchen die tödlich still«, verödeten Gemächer hervorbrachten. Sie gelangten allmählich i« da- erste

für den verstorbenen Herzog von Braunschweig ab und ist also dann der Regent zu wählen. — Der zum Statthalter von Elsaß-Lothringen ernannte deutsche Gesandte in Paris, Fürst Hohenlohe, hat sich von der deutschen Kolonie in der französischen Hauptstadt verabschiedet, die ihm ein glän­zendes Festmahl gab.

Der Wahltermin für die preußischen Landtagswahlen ist noch immer nicht publiziert, aber von den Bezirks- Regierungen werden bereit- die notwendigen Vorbereitungen getroffen. Von einer eigentlichen Wahlbewegung ist immer noch wenig zu sehen, über Partettage ist man noch nicht hinauSgekommen.

An Ueberraschungev fehlt« in diesem Jahre in der That nicht! Erst der rusfifch - englische KriegSlärm, dann die bekannten Liebenswürdigkeiten der stolzen spanischen DonS, und nun zuguterletzt noch ein tüchtiges Kapitel orientalischer Frage. Die Annexion der türkischen Provinz Ost-Rumelieu durch den Fürsten Alexander von Bulgarien ist doch nicht der kleine Putsch geblieben, sondern hat in unendlich kurzer Zeit die weitesten Kreise gezogen! WaS daraus werden wird? Vielleicht gar nichts, vielleicht eine kleine Kctzbalgerei, vielleicht ein allgemeiner Krieg auf der Balkanhalbinsel! Hier etwa- prophezeien zu wollen, wäre Thvrheit, denn da unten sitzen die Überraschungen so dick, wie die Kirschen in tirem gesegneten Jahre. Zunächst und für den Augenblick ist Rnmelien mit Bulgarien vereint und Herr Alexander, der seinen Einzug in Philippopel bereits gehalten unv die Huldigungen seiner neuen Unter« thanen entgegengenommen hat, nennt sich jetzt stolz Fürst von Nord« und Süd-Bulgarien! WaS nicht alles werden kann! Jndeflen daS ist nebensächlich, und eS kommt vor allem darauf an, ob das neue Bulgarenreich bestehen bleibt. Dem Fürsten find eine große Menge Adreffen zugegangen, in welchen sich die Absender bereit erklären, „mit Gut und Blut' für die Uuabhängi teil des Landes einzutreten; aber dieser Patriotismus allein macht« noch nicht. Zunächst hat die Türkei ein Wort mitzureden. Sie hat an die Großmächte ein Rundschreiben gerichtet, in welchem sie gegen die stattgehabten Ereizniffe protestiert und da- Vorrücken einer Militärmacht gegen Bulgarien und Rnmelien an» kündigt. Was daraus wird, muß man abwarten. Weiter haben die Großmächte ihre Billigung zu Fürst Alexander« Staatsstreich, zu dem dieser selbst wieder halb und halb gezwungen ist, zu geben. Soweit bis jetzt ersichtlich, wird da« Vorgehen der Bulgaren, das dem Berliner Vertrage von 1878 strikt zuwiderläuft, allgemein verurteilt, selbst der Kaiser von Rußland hat in unzweideutiger Weise zu erkennen gegeben, daß er mit dem Geschehenen nicht ein- v-rst nd-n ist. Das hindert nun freil ch nicht, daß die sehr Slrckwerk, der Rittmeister öffnete eine Thür, die fünf Petsonen befanden sich in ein-m Zimmer mit Marie von Szentirmay

Selbst den kräftigen, männlichen Körper de« Rittmeister« durchlief es eisig, al« er die am Fenster sitzende, bräutlich geschmückte Matrone sich zu ihm wenden sah. Leise, feier­lich wandte sie den Kopf zur Thür. Da begannen sich plötzlich ihre Augen weiter zu öffne», doch nur eine Sekunde laug währte der starre Blick, dann schnellte sie mit Blitzes­schnelle empor und flog der Gruppe entgegen, welche sprach­los, wie gebannt, an der Thür stand.

Einen einzigen Schritt stand sie noch vom Rtltweister entfernt, da öffneten sich ihre welken Lippen und mit einer Stimme, aus welcher da« Weh und der Kummer, die Bitternis und da« Leid, der Schmerz und die Qual eines Jahrzehnte und Jahrzehnte hindurch erduldeten, tödlich schmerzenden Gefühle« sprachen, tief sie:

»Paul! Paul! Wie spät bist Du gekommen!'

Sie breitete die Anne aus, um tem wie gebannt da­stehenden Rittmeister an die Bmst zu sinken, schon berührten ihre Hände seinen Nacken, da sank sie plötzlich vor ihm zur Erde nieder. Stumm, regungsio« lag sie da. Ein Herz- schlag hatte sie getötet.

Die kleine Gesellschaft stand wie gelähmt unter dem erschütternden Eindruck, welchen der Tod de« alten Fräu­lein« hervorgebracht hatte. Erst nach einigen Minuten er­hob« sie sie von der Erde uud legten sie auf ihr Bett.

Ein Herr bückte stch und reichte dem Rittmeister ein Medaillonbild, welches der Verstorbenen aufl den Händen gefall« war. Der Rittmeister betrachtete e« lange schwei­gend; dann sagte er: „Unerklärlich, wie die Seme, welche dem Tode dieser Dame voronzing, ist e« mir auch, wie dieses Medaillon hierhergekommen fein mag.--Es

enthält das wohlgetroffene BUd meines längst verstorb«en Großvaters.'

mächtige panflawistifche Partei in Rußland vollständig mit dem Aufstande der Rumelier einverstandm ist, daß sogar schon Freiwillige an« Rußland nach dem Balkan abgegangm find, um gegen die Türken zu kämpfen. Der Zar hat diesen Zuzug zwar untersagt, aber es fragt stch, ob die exaltierten Panslawisten darauf hören werden. Natürlich hat das, was geschehen, auch die übrigen Staaten der Balkan­halbinsel nicht unberührt gelaffen: Die Könige von Serbim, Rumänien, Griechenland sind schleunigst nach Hause gereist. Serbien hat bereits mobilistert, Griechenland steht auf dem Sprunge, e« zu thun und Rumänien wird als dritter dann wohl folgen. Alle drei Regierungen beobachten eifersüchtig Bulgarien; behält dieses Rnmelien, nun, so verlangen sie ebenfalls ihr Teil vom Türkenreiche. Um die Kopfschmerz« der Hohen Pforte noch zu vermehren, ist in Albanien und ans Kreta, daS schon lange nach Griechenland strebt, eben­falls ein Ausstand ausgebrochen, in Makedonien herrscht ungeheure Gährung, alles zusammen ein recht niedliches Gericht, wenn die Türkei verurteilt sein sollte, eS auSzulöffeln.

Neben der Orient Angelegenheit haben wir noch un er« deutschen Separat - Konflikt, die spanische Angelegenheit, in Betracht zu ziehen. Die Sache steht noch genau so, wie vor acht Tagen, eS ist bisher kein Fortschritt gemacht worden. Spanien pocht nach wie vor auf seine vermeintlichen Rechte, die auch von England jetzt wieder mit großer Entschieden­heit zurückgewiesen find, und will von dem deutschen Schieds­gerichtsvorschlag nichts miffen, den jetzt alle Großmächte ohne Ausnahme befürwortet haben. Uebrigen« ist der Reichs­kanzler, der sich sehr wohl befindet, ans Varziu in Berlin etvgetrvffm und hat bereits mit dem spanischen Botschafter eine Unterredung gehabt. Etwas Feuer wird eS nun wohl geben. ES läßt stch annehmen, daß Spanien in der einen oder anderen Weise von seinen Anschauungen zurückkommt, die alles andere eher, als in der Ordnung find. Die Kriegsbegeisterung hat jetzt auch die spanischen Kolonien angesteckt, und die ehemaligen Garibaldianer in Jtalim wollen im Notfälle ebenfalls gegen „die nordisch« Bar­baren' kämpfen. Und doch verdank Italien feine Einheit nicht dies« garibaldianischen Hanswursten von heute, sondern den „nordischen Barbaren'.

Auch eine neue Kolonialerwerbung haben wir wieder zu verzeichnen. Eine Expedition der deutschen ostafrikanischm Gesellschaft hat daS Gebiet der letzteren bis an das gleich­falls deutsche Witu, das einer von den Afrikareisenden Gebrüder Denhardt gegründeten Gesellschaft gehört, aus­gedehnt. Damit hab« die Besitzungen der ostafrikanischen Gesellschaft — von Norden nach Süden gerechnet — eine Ausdehnung von 100 geographischen Meilen erlangt.

UeberouS still stehts in England aus. Für einige Tage verursachte daS Wahlmanifest, welches Herr Glad­stone, der durch ein Halsleiden daran verhindert ist, Wahl­reden zu halten, erließ, eine ziemlich lebhafte Bewegung, dann ist aber alles wieder still gewordm. In der Aus­wärtigen Politik zeigt stch der alte Herr noch als derselbe KonfustonariuS, der er früher war, dagegen findet fein Pro­gramm der inneren Politik, das viele Reform« verheißt, leb­haften Beifall. Mit den Unterhandlungen zwischen dem eng­lischen Botschafter Wolff und den türkischen Ministern io Kon­stantinopel will eS nicht« gefcheidteS merken. Wahrscheinlich wiro Herr Wolff die rumelischen Unruh« al« Vorwand benutzen, um nach England zurÜSzukehrm.

In Paris ist man wieder recht verdrießlich; eS klappt alles nicht so, wie eS klappen soll. Zwar daß stch die »Roth«' in Paris unter einander beim Kopfe gmomm« und rechtschaffen verwalkt haben, macht dm ander« Parteieo Spaß, aber in Madagaskar haben die neu ausgenommen« Feindseligkeiten mit einer Schlappe für die Franzosen ge­endet. Viele Truppen und viel Geld werden dort noch nötig fein, um einen Sieg herbeiznführeu. Nicht besser steht'« in Asten. Der neue König von Aunam, eine französische Drahtpuppe, ist gesalbt und gekrönt, aber Im Innern von Aunam ist der Aufstand noch lange nicht erloschen, in Tonktng leisten die Schwarzflaggen (Pirat«) nach wie vor Widerstand und im benachbart« China nehmen die Christenmetzeleien ihren blutigen Verlauf. In Paris sagt man schon von dem französischen Obergmeral Courcy: Als General ist er nicht viel wert und als Diplo­mat taugt er gar nichts.

Größere Unruhen waren auf der Insel SizUim infolge der Ausdehnung der Cholera ausgebrochen, die jetzt aber glücklicherweise schon wieder nachzulaffen beginnt. ES war so weit gekommen, daß die Bevölkerung in cholerafreim Städten das Einlauf« der Züge au« CholerastLdten mit Gewalt verhindern wollte. Die italienische Regierung ist aber recht mergisch eiugeschritt« uud nach divers« heftig«