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XL Jahrgang.

Marburg, Sonntag, 13. September 1885.

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beendet ist, der Herzog und die Herzogin von Chartres u. s. w. Kaiser Alixandet wird erst Im Oktober nach Petersburg zurückkehreu; verdenken kann mau es ihm nicht, daß er Kopenhagen Petersburg vorzieht. Im ersteren fließt es wenigstens keine Nihilisten. Die russische Regierung hat einen abermaligen Schlag gegen die Deutschen in den Ost­seeprovinzen gerichtet. Nicht genug, daß sie unter gröb­licher Verletzung der bestehenden Privilegien in die Er­ziehung der aus Mischehen entsprosienen Kinder eingrifs, hat sie nun auch noch strenge Strafbestimmungen für jede Uebertretuug dieser Anordnungen festgesetzt. Das stellt sich ebenbürtig den Leistungen der österreichischen Regierung zur Seite, die nicht weiß, was sie anfangen soll, um die Czechenskandale in Böhmen zu verbieten. Daß die Deut­schen nun auch in Wut geraten und zur Waffe greifen, ist zwar nicht tu der Ordnung, aber erklärlich bleibt eS immer. Jede Geduld hat schließlich ihre Greuzeu.

Von der Wahlbeweguug für die Parlamentswahlen in Alteugland ist noch wenig zu bemerken; Gladstone ist heiser und kann nicht reoen und damit fällt vorläufig ein Haupt­faktor für eine flottere Agitation fort. Ein Lebenszeichen haben die Radikalen von sich gegeben, die früher mit Glad­stone zusammeugingeu, jetzt aber ein besonderes Programm aufstellen und eine Unterstützung der Liberalen bei den Wahlen von besonderen Bevingnngen abhängig machen wollen. In der afghanischen Angelegenheit kommt die Be­stätigung, daß die Einigung zwischen Rußland und England glücklich erzielt ist. Die BertragSunterzeichvung wird bald erwartet.

Lebhafter als in England stehtS mit der Wahlbeweguug in Frankreich. Sogar Se. Exzellenz der Herr Minister­präsident Henry Briffon haben sich veranlaßt gesehen, bei einem Wahlbankett in Paris zn sprechen. Der Premier wies ziemlich bekümmert auf die riesige Schuldenlast Frank­reichs hin und betonte im übrigen, daß Frankreich den Frieden wolle und daß er wohl wünsche, es möge mit den teuren Kolonialkriegen bald vorbei sein. Geld genug haben die letzteren Frankreich wenigstens gekostet. Auch die monarchischen Abgeordneten tagten in Paris und hielten der Republik ihre Sünden vor. Man muß nun abwarten, welche Erfolge die Herren bei den Wahlen erzielen.

Ans Aegypten heißt es, daß die Stadt Kaffala sich doch noch hält und daß ein abessinisches Heer zu ihrem Entsatz aufgebrochen ist. ES hieß auch, die Italiener wollten eine neue Expedition nach Egypten schicken, um die Stadt zu befreien. Die Nachricht wird von Rom an« frellich für unbegründet erklärt, aber den Italienern kann man nicht mehr zutrauen, als einem FuchS. Wo sie im Trüben fischen können, sind sie bei der Hand.

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Wochevscha«.

Unser Kaiser hat im Laufe der letzten Woche den Manövern des 3. preußischen Armeekorps in der Priguitz und denen des Gardekorps unweit Berlins beigewohnt. Für die beteiligte Gegend gestaltete sich der Besuch des Kaisers selbstverständlich zu einem Fest; trachtet die Be­völkerung doch sichtlich darnach, dem ehrwürdigen Monarchen zu beweisen, daß trotz seines hohen Alters immer jung und srtsch bleibt die Liebe des deutschen Volke- zu seinem Kaiser, die Verehrung vor dem kaiserlichen Helden, der so Großes geschaffen. Mittwoch Abend hat sich der Kaiser mit den Prinzen nach Karlsruhe zu den dort statlfindenden Kaiser- manövern begeben, und auch in der badischen Hauptstadt harrte seiner ein begeisterter Empfang. Die Kaiserin Augusta wellt bereits von Beginn dieser Woche ab in Baden-Baden, wohin auch der Kaiser sich noch zu begeben gedenkt. In Begleitung des Monarchen befindet sich auch Prinz Arnulf von Bayern, der zum Chef eines preu­ßischen Infanterieregiments ernannt worven ist. Die Abreise des Kaisers von Berlin nach Süddeutschland be­weist am besten, daß die ReichSregiernug keine ernsten Be- sorgniffe über den plötzlich hereingebrochenen spanischen Kon­flikt hegt, daß sie zuversichtlich hofft, die obwaltenden Differenzen zwischen dem deutschen Reich und Spanien in Güte beizulegen. Der Kaiser hat der Sache jedenfalls große Aufmerksamkeit gewidmet, denn UnterstaatSsekretär Gras Heebert Bismarck, der zur Zeit das Auswärtige Amt vertrllt, ist wiederholt im Palais empfangen worden.

Aus den letzten zwanzig Jahren läßt sich manch starkes Stückchen sinn- und maßloser Leidenschaft gegen Deutsch­land aufzählen, aber ein solches, wie eS daS Volk von Madrid und ganz Spanien fertig gebracht, ist doch noch nicht dagewesen. Weil die spanische Regierung versäumt hat, die Besetzung der Karoliueninseln energisch zu betreiben, well die dort wellenden spanischen Schiffe drei Tage zweck­los verbummell haben, ohne zur Flaggenhiffung zn schreiten, wird da« Hans des deutschen Vertreters in Madrid und des deutschen Konsuls in Valencia in gröbster Weise in­sultiert, finden Krawalle und Skandale in überreicher Zahl statt. Es wäre dem deutschen KanonenbootIltis" qar nicht eingefallen, die deutsche Fahne auf der Insel Yap auszuhiffen, wenn dort die spanische geweht hätte; warum ist eben die letztere nicht gehißt? Die Tollheiten, welche dte Spanier verübt, grenzen an Wahnsinn, sie wären geradezu unerklärlich, wenn man nicht wüßte, daß ehrgeizige Leute in Madrid aus allen Kräften sich bemühen, die gegenwärtige Regierung zu stürzen, um selbst ans Ruder zu kommen. Die Verblendung dieser Leute geht so weit, daß sie selbst einen Krieg mit Deutschland nicht scheuen würden. Glücklicherweise denken alle ruhigen Menschen in Madrid anders, denkt die Regierung anders, denkt vor allem König Alfonso anders. Deuifchland hat auch nach bett Krawallen Beweise größter Versöhnlichkeit gegeben;

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it. 188

[Berechtigter Abdruck j

Von Den Wirkungen Des Lächelns.

Humoreske von Fritz Brentano.

Wir befinvm uns in einer kleinen Residenz. In dem sür Gäste von Stand reservierten Zimmer eines Wirts­hauses saß bei einem Glase Bier ein älterer Mann, deffen Tracht sowohl, wie sein ganzes Aeußete den Jäger er­kennen ließen. Mll stillvergnügtem Gesichte saß er da und blies aus seiner kurzen Pfeife Dampfwolken vor sich hin; da ging die Thüre auf und ein großer hagerer Herr, in den elegantesten Farben gekleidet, trat ein.

.Guten, Morgen, Herr Forstmeister!" rief er.Wie geht eS?*

Danke, Herr Henninger," erwiderte der Andere.Man muß zufrieden sein, wenn die alten Knochen noch mitgehen.'

Se. Durchlaucht hat doch entschiedenes Malheur mit ihren Hunden," fuhr Hmniger fort, sich setzend,gestern wieder den besten Saufävger zu verlieren."

Ja, ja!" seufzte der Forstmeister.ES ist fatal, aber auf so Etwa« mutz man gefaßt fein."

Die Thüre öffnete sich von Neuem.

Guten Tag, Hennigerl Guten Tag, Forstmeisterchen!" Mst diesen Worten tänzelte eine kleine runde Gestalt in das Zimmer,Run, was haben Sie denn zur «mm Diana gesagt?"

Was läßt sich da sagm?" erwiderte der Forstmeister und fein Gesicht fing an sich zu umwölleu.Das ist rbm ein Unglück 1".

Guten Morgen allerseits, meine Herr«!' tönte die

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Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. 6. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Svnntagsblatt

Expedition:- Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.___________

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte-, s owied.Annoncen- Bureaux von Haasenstein undBogler in Franturt a. M., Kassel, Magdeburg und Wien: Rudolf Mosse in Frankfurt a-M., Berlin,München and

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25 Pfß.

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Dextsche» Reich.

Berlin, 11. Sept. Es verlautet, die preußischen Land­tagswahlen würden wahrscheinlich im ersten Drittel deS

der sich schon 50 Jahre im Dienste der Kirche und der Menschheit bemühet hat, Anlaß zum Lachen geben könnte, oder sollte überhaupt mein Erscheinen an diesem Orte ?

So will ich sogleich--"

Halil" rief jetzt der Forstmeister dem der Thüre zn- schreitenden Geistlichen nach,Du bist im Irrtums Ich behauptete, Du seiest vernünftig--"

Willst Du spezielle Beleidigungen zu dm allgemeinen hänfen?" unterbrach ihn der Konflstorialrat.

Laß mich anSredenl" rief der ForstmeistersIch be­hauptete, Du seiest vernünftig genug, um nicht, wie diese Herr« hier, gleich beim Eintreten des Hundes zu erwähn«! Und sieh da, Dein erstes Wort:Se. Durchlaucht" und der SausSuger"l Entschuldige, aber eS ist, um die Schw---zu krieg«!'.

Ich sehe jedoch nicht ein," sagte der Geistliche. be­gütigt in die Stube zurückkehreud und sich an den Tisch setzend,was für eine Unvernunft darin liegt, wenn man ein Malheur erwähnt, welches unseren LandeSfürsten--"

Thue mit den einzigen Gefallen und schweige von Durchlauchten, Säuen and Hunden still, so lange ich hier bin!" unterbrach ihn der Forstmeister. Ich habe seit gestem g«ug davon gehört."

Recht gern! Reden wir von etwas Anderem!" sagte der Geistliche, und sich zu den Uebrigen wendend, begann er:Ich muß Ihn«, meine Herren, gestehen, daß Ihr Lächeln mich im ersten Augenblicke auf das Peinlichste be­rührt hat. Ich habe schon häufig darüber nachgedacht, welch« gewaltig« Einfluß das Lach« überhaupt ausübm

einigen Eindruck hat das in Spanien doch gemacht und nicht minder die Thatsache, daß alle anständigen Organe in aller Herren Ländern sich auf Deutschlands Sette stellen, uns Recht, den Spaniern Unrecht geben. Die Madrider Regierung fürchtet am meisten eine Revolution und deshalb wird sie sich gerade nicht beeilen, die Sache zum Austrag zu bringen. Erfreulicherweise ist die Haltung in Deutsch­land ebenso ruhig und würdig, wie es in Spanien da- Gegenteil war. Dem greifen Feldmarschall Moltke wird ein Wort zugeschrieben, dem man nur beistimmen kann: Mir thut der König von Spanien leid!" Der junge König hat sich ganz allein in dem aufgeregten Madrid ge­zeigt. ES hat das guten Eindruck gemacht. Aber wer kann dauernd für das wankelmütige Volk garantieren?

Daheim bei uns ist eS im Großen und Ganzen noch immer reckt still; die Wahlagitation für die Landtags- wählen bietet noch zu wenig geeignetes Material zur Er­örterung und im übrigen ist nicht- von Belang zu ver« zetchuen. Der Buude-rat hat zwar seine Arbeiten wieder ausgenommen, inbeffen haben die Verhandlungen noch kein allgemeineres Jnterefle. Hin und her diskutiert wird über den Umfang der Ausweisungen der Polen aus den preu­ßischen Ostproviuzen. Amtliche Daten fehlen vollständig und eS ist deshalb schwer zu ersehen, wer Recht hat. Zu wünschen wären deshalb sicherlich offizielle Publikationen. Die Aufnahmen über die Sonntagsarbeit dauern im ganzen Reiche fort. Immer mehr stellt sich heraus, daß ein ab­solutes Verbot der SonutagSarbeit nicht durchführbar ist, daß die große Mehrzahl der Gewerbetreibenden und Ar­beiter sich dagegen erklärt. Die ganze Agitation für die absolute Sonntagsruhe jagt einem Phantastebild nach, baS für Deutschland nicht zu verwirklichen ist. Einiges Auf­sehen hat eS gemacht, daß dem ReichStagSpräsidenten von Webell ein hoher spanischer Orden verliehen worden ist, gerade jetzt verliehen ist. Herr v. Webell stand s. Z. an der Spitze der Sammlungen für Spanien. Der preu­ßische VolkSwirtschaftSrat wird nicht eingehen. Von ver­schiedenen preußischen Oberprästdenten sind schon Wahlen für die Januar 1886 beginnende neue Session ausge­schrieben worden. Von der verschwundenen Korvette Augusta" ist noch immer keine Nachricht eingegangen; eS kann also wohl kein Zweifel mehr obwalten, daß daS Schiff mit Mann und Maus untergegangen ist. Gleich­falls gesunken ist an bet bänischen Küste ein beutscheS Torpedoboot infolge Zusammenstoßes mit einem anderen gleichen Fahrzeug. Eiu Manu ist ertrunken.

Zu einem vergnügten Familientag ist im Schlöffe Fredensborg bei Kopenhagen das dänische KönigSpaar mit allen seinen Angehörigen vereint. Da sind der Kaiser und die Kaiserin von Rußland, der König und die Königin von Griechenland, Prinz und Prinzessin von Wales, die ja nun ihrem kaiserlichen Schwager von Rußland guten Tag sagen können, da die afghanische Grenzsrage völlig Stimme eines Neueingetretenen.Ah, Sie da, Herr Forst­meister! Se. Durchlavcht hat gestern auf der Sauhetze die Diana verloren! Mein aufrichtiges Bedauern!"

Danke, baute, Herr von Hallen!" stieß der Forstmeister mit allen Zeichen beb Mißmutes hervor.

Atzt erschien ein Offizier in der Thüre.

Gott verv!' tief er, noch nicht im Zimmer.Was machen Sie benn Forstmeister ? Gestern wieder ein Hund"

Heilig Kreuzdonnerwetter! Oberst Goldammer laffen Sie mich mit bet toten Bestie in Ruhe!" polterte bet gereizte Jäger heraus. , Keiner von den Herten hier ist elngetretm, dessen erstes Wort nicht dem vermaledeit« Hundevieh galt. Hätte mich der Keuler auf die Zähne ge- nommen, ich glaube, die Herren hätten nicht so viel Worte darüber gemacht. Gott sei Dank, da kommt ter Konsistorial- rat, der erste vernünftige Mensch, der von etwa- Anderem reden wird, als von der Canaille!"

Der Kvnststvrialrat, ein großer, wohlbeleibter Mann mit weißem Ha«, trat eintet verbeugte sich stumm, hing seinen Hut an ein« Nagel und ging händereibend auf die Anwesenden zu.

Se. Durchlaucht," begann er,haben gestern wieder ihr« LieblingSrü---" er stockte, benn et sah Wer

Aug« auf sich gerichtet nnb um Aller Lippen plötzlich ein Lächeln schweben; schnell ließ er einen Blick an seinem Körper hinabgleiteu nnb als er hier nichts Verdächtige-, wa- bk Lachlust hätte reiz« können, «tdeckte, schielte er in den Spiegel. Auch hier bemerkte er nichts Auffallendes.

Meine Herren," sagte et,darf ich Sie bitten, mich den Grund wiff« zu laffen, welcher so seht Ihre Lachlust erweckt hat? Ich wüßte nicht, wie der Anblick eines Manne-,

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