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Marburg, Donnerstag, 10. September 1885.
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Das Hau« de« Müllers lag einsam und still am N-raeöbanae. beleuchlet von der niedergehenden Sonne, die ?ÄÄbc?mit Wen ^eine «ein Saut auf dem Hofe, aus dem klein« Flur, den Liesbeths leichter Fuß betrat, die Leute mochten teilweise auf dem Plan sein, den jungen Hochzeiter zu sehen, tellS mochten sie das neue Häuschen bei der Wasiermühle in Augenschern nehmen, da« der alle Müller seinen Kindern hergerichtet, nicht ohne sehr stark auf daS Erbtell LteSbethS zu rechn«, das dieser ja nun binnen kurzem zusallen mußte. ,
Mit gesenktem Kopf, gefalleten Hömden ^harrte die junge Frau einen Augenblick vor der Thür deS Zimmers in dem sie die alte Mutter wußte, die ihrem Herzen doch noch so gar nicht näher getreten, dann drückte sie die Klinke mit einem plötzlichen Eutschluffe ui-der und stmd gleich darauf auf der Schwelle, die In da- innere Ge-
^Die ^Abendsonne drang auch hier hinein, streifte die Dielen, die mit gelbem Sand bestreut waren, den viereckig« Tisch in der Mitte, die Bank am Ofen und dm weißen Katers der dort mit blinzelnden Augen hockte. Am vollsten umfing aber ihr Licht noch die Greisin, die «m Fenster saß , mit welken, zitternden Fingern au einem Blättchen Papier heruwzupste und mit blöd«, inm Augen der Ein- tretend« mtgegeu lächrste und winkte.
.Komm, setz Dich zu mir, Kind.. Liesbeth zog einen Stuhl dicht zur Seite der Kranken. .Leist mir Gesellschaft,
weißt Du?*
«Ich «etß,* hauchte Liese unhörbar und schauerte leise tu sich zusammen.
.Nur der Kater blieb bei mir," fuhr die Alte klagend fort, .und der Sonnenschein, der mir in die Augen stach, bi« der Kopf zum Zerspringen weh that und Alle« rund herum mit mir ging. Rund herum, denn ich hörte, wie der Andreas den Vater auging, Wagner« Liesbeth zum Weibe nehmen zu dürfen, wie e« der Vater ihm verbot, von der Lettelvtru zu sprechen, wo er sich eine BSuerta ausfuchm könnt, und wie der Jung schwor, in aller Ewigkeit nicht von dem Mädchen zu lasten. Wort für Wort drang hier in mein Ohr und dazwischen vernahm ich die Fiedeln, auf dem Plan, die Fiedeln, nach denen sie tanzen. Bist Du nicht dageweseu, Kind, und hast durch die Fruster gesehen?*
.Alles sah ich, Mutter, Alle«, aber soll ich Euch nicht da« Bett machen, daß Ihr Euch hiulegt und zur Ruhe kommt, jetzt, wo Ihr so außer Euch seid?'
„Zu Bettl* kreischte die Alte aus und lachte dann, daß es unheimlich von den Wändm de« stillen Gemaches wtderklang, .al« ob ich schlafen könnt, al« .ob ich nicht wachen unv erzählen müßt, bi« die Lerchen singen und der Hahnenschrei ertönt. Warum ließen sie mich auch allein,* kicherte sie in sich hinein und rin Zug der Befriedigung glitt über ihr Gesicht, .nun hat mir oer Kater Alle« offenbart, der weiße Kater dort auf der Oseubauk, eine lustige Geschichte von der lusttgeu Lies, gieb mir Dein Ohr her, dann sollst Du sie auch schon erfahr«^
satzkorvette Viktoria* in Wilhelmshaven lautete: „Mit dankbarster Freude trete ich heute der Marine gegenüber, um im Auftrage Sr. Maj. des Kaisers die« schöne Schiff zu taufen. Dem alten preußischen Wahlspruch gleich, rufe ich: .Gott mit dir*, wohin du auch ziehst! Meine Gedanken, die gewohnt sind, dem geliebten Bruver in sorgender Liebe auf fernen Meeren zu folgen, fie werden auch dich mein Taufkind, aller Wege begleiten. Dein Ruhm und deine Ehre bleibt mein Stolz. Auf Befehl Sr. Majestät de« Kaiser« und Königs taufe ich dich.Charlotte*. — Die Kommission zur Ausarbeitung et«es bürgerlichen Gesetzbuches hat ihre Beratungen im Juli d. I. zum Zweck der Erholung ihrer Mitglieder für mehrere Wochen unterbrochen. Am 3. d. M. hat sie ihre Beratungen wieder ausgenommen. Ueber den gegenwärtigen Stand der letzteren ist der ,8t.- u. St.-A.* in der Lage, folgendes mitzuteüen: Bon Den fünf Teilen, aus welchen das Gesetzbuch vestehen wird, sind nicht allein die drei ersten Teile (der Allgemeine Teil, daS Recht der Schuloverhältniste und das Sachenrecht) dergestalt vollendet, daß ein von der Gesamttommifstou genehmigter Entwurf in erster Beratung abgeschlossen vorltegt, fondrrn e« ist auch bereits die Beratung des FamtlienrechtS nicht unerheblich vorgeschritten, so daß auch deren Beendigung in naher Zett zu erwarten ist und nur noch der Entwurf des Erbrechts aufzustellen fein wird. Hiernach darf mit Sicherheit erwartet werden, daß der Zeitpunkt der Vollendung eines vollständigen, zur Publikation geeigneten Entwurfs nicht weit mehr aussteht. Wenn bisher der Abschluß deS wichtigen Werkes, welches der Kommission anvertraut ist, sich verzögert hat, so sind nicht allein die großen Schwierigkeiten zu würdigen, die sich der Ausstellung eines das gesamte bürgerliche Recht umfassenden, für daS ganze Deutsche Reich berechneten Gesetzbuches nach der Natur der Dinge entgegenstellen, sondern eS ist zugleich in Anschlag zu dringen, daß die Beratungen der Gesamtkommisston nach Erledigung der mühevollen und zeiiraubenden Vorarbeiten der zu Redaktoren bestellten und mit der Anfertigung der Vorarbeiten beauftragten fünf Mitglieder erst im Oktober 1881 haben beginnen können, daß ferner manche auf zufälligen Gründen beruhende Hemmungen zu überwinden waren, wohin tnS- besonoere die aus der Erkrankung und dem Tode eines der Redaktoren hervorgegangene Störung zu rechnen ist. Desto erfreulicher ist es, daß der gegenwärtige Stand der Dinge einen fo erheblichen Fortschritt bekundet. — Der Bundesrat hat bekanntlich dem Reichskanzler die Ermächtigung erteilt, behufs rechtzeitiger Inkraftsetzung des Zolltarifs ein provisorisches Warenverzeichnis neu entwerfen zu lasten, welches später durch ein definitives ersetzt werden soll. Wie die ,B. P. N.* hören, tritt die aus höheren Zoll- bcamten bestehende Kommission, welche die definitive Feststellung deS amtlichen WarenverzeichnisteS vorbereiten soll, am Mittwoch, oen 9. v. MtS., im Reichsschatzamt zusammen. — Die Hoffnung, daß die .Augusta* noch er
ste find Alle fort. Alle, mich ließen sie allein, und eS ist doch jder Andrea«, der Hochzeit macht, der Andreas,
Schneeweiß war daS Gesicht der jungen Frau geworden, ihre Lippen bebten, ihre Augen starrten auf die Hände der Greisin, die sich über ein Päckchen Papier im Schoß gebeugt, und dann neigte sie den Kopf dicht zu der Irrsinnigen, die flüsternd begann: .Als mir der Kopf nicht mehr so weh that und ich die Hände vom Gestcht nahm, kam der Kater unter dem Stuhle am anderen Feaster hervor, wo die Caroline de« Morgens gesessen. Immer hin und her tanzte er, al« solle ich auch eine Belustigung haben, wo der Andreas seinen Hochzeitstag hält, machte einen Buckel, miaute und zerrte einen Pack hin und wieder, bi« ich ihn rief und er mir mit den Brief« hier ouf ben Schoß sprang. Grad hierher wo der Packen noch liegt, warf er die Schreiben, und zwei h"be ich gelesen, zwei zerristen, ehe Du kamst. Ach, was e« für ästige Weifen waren, die der Vogel aus Amerika feinem Schatz über- Master sang, ich hab mir die Augen dran verdorben, dmu, daß Da'« nur weißt und dem Andrea«, der Liesbeth wieder sagst, die Söhnerin*) wird von dem Fritz Siebte nicht lass«, unb der Andrea« hält bester gethan, nach dem Will« de« Vater» zu freien.* —
Die Jrstnnige machte eine Pause und wartete, wa« das junge Weib zu ihrem Berichte sagen werde. Aber Liesbeth blieb stumm, ihre Augen starrten durch die Scheib« hindurch grade hinein in den rotglühenden Feuerball der versinkenden Sonne, und auf ihren halbgeöffneten Lippen schien ein wortloser Vorwurf über ein fo erbarmungslose« Schicksal zu stehen. (Schluß folgt)
*) Schwiegertochter.
halten fein könnte, wird schwächer und schwächer, schon durch die sich täglich mehrmden Unfälle, welche au« dem Roten Meere gemeldet werden. Der Dampfer .Donar , Kapitän Knhu, welcher den furchtbaren Cyklou, der vom 2. zum 3. Juni am Eingänge des Roten Meeres wütete, überstanden hat, hat der .Danz. Zt,.' zufolge verschiedene Nachrichten gesammelt. Danach muß in jener Schreckeu«- nacht eine große Anzahl von Schiffen, darunter mehrere Dampfer, untergegangen sein. Der Kapitän des Dampfers .Duke of Devonshire* berichtet Wenfalls über den entsetzlichen Orkan, daß er unterwegs ein anderes Schiff gesprochen habe, welches ihm mitteilte, daß es eine Menge Wrackstücke aufgefifcht. Der Kapitän de«. Duke hat zwei große Dampfer finken feheo. Bon den Offizieren au Bord der .Augusta* ist, wie man der Rat. Ztg. mit- tellt nur ein einziger verheiratet. — Gestern hat eine Sitzung de« preußischen Staatsministertums stattgefundem Man sieht der Anberaumung de« Wahltermins täglich entgegen. — Dem Präsidenten des Reichstages, Herrn v. Wedell-Piesdorf, ist vom König von Spanten da« Grobkreuz de« OrvmS Isabellas der Katholischen verliehen worden. ^Herr v. Wedell war Vorsitzender des Komitees «r Unterstützung der durch das Erdbeben in Spanien Be- wS Bk wu«g » O-dm- f*n
längere Zeit beschlossen gewesen. — Aus Königsberg wird Lchtchdaß d?r Herr Oberprästdeut auf Reklamation« betreff« der Ausweisungen die wohlwollendste Berücksichtigung des Königsberger Handels wiederholt zugesagt habe. Zede Schädigung deS Handels von Königsberg soll vermieden werden und wem unter Hefen Gesichtspunkten der weitere Aufenthalt zu gestatten ist, darf darauf rechnen, auch weiter geduldet zu werden. Personen, bet denen dies zutrifft, die aber bereits den AuSmrifuugSbefehl erhalt« haben, fallen dagegen reklamieren uM ihre Nützlichkeit für den Königsberger Handel nachweisen.
— Aus Brüssel wird der „N. Pr. Zig.' geschrieben. .Soeben hat Stanley Brüssel verlaßen, nachdem er hier etwa drei Tage verweilte und mit dem König eine längere Begegnung in Ostende hatte. Diese Reise steht indes in keiner Beziehung zu der Rückkehr de« großen Forschers nach Afrika, wegen derer ein Beschluß noch nicht gefaßt ist/ Stanley, der sich fehr wohl befindet, hat sich ohne besondere« Ziel nach dem Süden begeben, wie es heißt nach der Schweiz. In einigen Monaten dürfte näheres über die Regelung feiner Stellung bekannt werden.' Demgegenüber erhält jedoch die .N. Ztg. folgende Mitteilung: „Die Meldung, daß Stanley sich hier befindet, um fein Verhältnis zur Affociation internationale du Kongo zu regeln, ist eine jener Unwahrheiten, die feit einiger Zeit über den neuen Kongostaat verbreitet werden. In Bezug auf Stanley ist noch keine Entscheidung getroffen worden. König Leopold hat soeben dem französischen Botschafter in Berlin, Baron be Courcel, baö Großkreuz seine« Orden«
Lettische» Reich.
»erlitt. 8. Sept. Die .Nordd. Allg. Ztg.' schreibt: Mangel an Besonnenheit, mit welchem die spanische
und die spanische Bevölkerung die Landung de« Mi0* auf der Insel Yap aufgefaßt hat, hat bet uns, wo gewohnt ist, den Weg oer diplomatischen Verhand- ,® ,n“ hei Meinungsverschiedenheiten zwischen den Regie- Een nicht zu verlassen, wesenllich überrascht. Da« 2ouevboot hatte den jetzt ausgeführten Auftrag schon ^mehreren Wochen erhallen. Niemand konnte damals Karten daß eine Thatfache, wie ste bei den neuerlichen J“ta[Cn Ausgleichungen wiederholt vorgekommen ist, die vanifche öffenttiche Meinung um ihre ganze Ueberlegung Sen würde. In dm Beziehungen mst dm anderen Nationen wäre ein solches Vorkommnis undenkbar. Selbst «mn die deutsche Regierung die unberechtigte Erregbarkeit btt fcanltoen Nation hätte in Anrechnung bringen und ouf dm Karolinen das res Integra für spätere Verhand- lnvaen offen halten wollen, so wäre es wegen des Mangels teer Verbindung nicht mehr möglich gewesen, den „Iltis
erreichen. DaS Kanonenboot erhielt seiner Zeit die Ordre, nach erfolgter Besitzergreifung Manila auzu- ufen und mittels des spanischen Telegraphendrahts das Veranlaßte zu melden. Auch hieraus ist ersichtlich, daß man bei uns nicht im entferntesten geglaubt hat, in Spanien eher Aufnahme unserer Mitteilung über die Hiffung der deutschen Flagge zu begegnen, wie sie jetzt dort platzgegriffen bat Die latenten Kreise Spaniens find angelegentlich bemüht, jede weitere Verjchärsung der Situation, tote sie bnrck neuerliche Ausbrüche ungezügelter Volksletdenschaft
S Um'-, 3» di-Im W
find umfassende militärische Vorkehrungen getroffen; auch onst fehlt es nicht an Symptomen dafür, daß König Aino und -ine Regierung aufrichtig bemüht sind, die schwebende Kraae möglichst innerhalb der Grenzen streng sach- L- Sw M hE-n.
bra nun gewünschten Erfolg haben werb«, bleibt freilich abzuwarten; in dm Provinzialstädten scheint die Anregung jedenfalls noch sehr groß, wenn auch di- der „Köln. Ztg. aus Varis zugegangene anderweit noch nicht bestätigte Nach- ttcht,v°ß verdeutsch- Konsul in Saragossa ermordet worden ist, nur symptomatisch gedeutet werden soll. Außer Zweifel fcheint nur, daß die konzilianten Erklärungen von deutscher N zunächst an ihrem unmittelbaren Bestimmungsorte günstig gewirkt haben, und infolgedessen wesentlich zur Er- leichttrun» des diplomatischen V.rkehrS zwischen den Kabi- Ä« LaM dürften. DaS ist auch bU Ansicht be«
Zournal de St. PsterSbourg*, welches sein Urteil über die deutsch- spanische Differenz dahin abgiebt, daß dieselbe einen gütlich« AuSgang nehmen und höchstens für die Urheber der tumuituarischen Zvischenfälle unangenehme Folgen haben werde. - Die Ansprache der Frau Erb- Prinzessin von Sachsen-Meiningen bei der Taufe der „Er-
Die lustige LieS.
Eine Geschichte aus dem Posen'schen von A. Gnevkow.
(Fortsetzung.)
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte«, sowied.Annoncen-Bureaux von Haasenstein undBogler inFrankurt a. M., Kassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt ♦ tu M., Berlin,München und
Mn: S. L. Daube und do. in Frankfurt a. SL, Berliu,Haunover n. Pari».
«.scheint täglich außer an
Kpedltlon 8‘/. »W., bei
Postämter S Mk. 50
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Wcheittliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. D. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.
™ Expedition-, Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch. ______-—m»