Marburg, Dienstag, 17. August 1885.
Nr. 19*
XL Zahrgmg.
GerhrMe jcitmiß
rwet
obilr
kr.8(ft
telis köl
)n Will
2817 9=
tr. 6,
)r ab:
st™
andererseits die gemäßigten Organe, wie »Journal des DöSatS*, „National"' u. s. w. Herrn Feny wegen seiner Neigung zu einem Wahlbündnis mit den Radikalen scharf tadeln und hieraus kann man sich schon einen VerS darauf machen, wie es mit der Einigkeit im republikanischen Lager bestellt seiu mag. Daß die Monarchisten und Bonapartisten aus diesem Zwiespalt in den republikanischen Reihen großen Vorteil ziehen sollten, ist indessen nicht anzunehmen. ES fehlt ihnen—und zwar den Parteigängern des Kaiserreichs wie den Anhängern des Königtums-au einem geschickten und begabten Führer, der die Masten mit stch fortzureißen und der auch zugleich die feindlichen Blößen auSzubeuten weiß, überdies bietet das Listenwahlsystem den Monarchisten aus verschiedenen Gründen gerade nicht viel Chane n. Jeden« falls wird stch der Hauptkampf zwischen den Opportunisten unter der Führung FerryS und den links-radikalen Elementen unter der Führung ClemerceauS evtspinnen, letzteren gilt eS tu erster Linie, die in Frankreich noch immer vorherrschende Partei des früheren Diktators mehr und mehr aus ihren Stellungen zu drängen, und hierzu muß diesmal Herrn Clemevcau und seinen politischen Freunden die Ferrysche Kolvnialpolitik mit allen ihren Fehlern und Ueberstürzungen behilflich sein. Ob diese Taktik den Radikalen große Vorteile bringen wird, läßt sich zur Zeit noch nicht ermesten, sollten indessen die bevorstehenden Wahlen die Verschiebung deS allgemeinen politischen Standpunktes in Frankreich noch weiter nach Links ergeben, so würde speziell Deutschland ein derartiges Resultat nicht mit Gleichgültigkeit aufnehmen können, die Gründe hierzu liegen auf der Hand. Hoffentlich wird indessen der AuSgang der jetzigen Wahlbewegung beweisen, daß die französische Nation in ihrem überwiegenden Teile fest zur Fahne deS gemäßigten RepubltkantSmu» steht, andernfalls würden Frankreich schwere innere Krisen nnd vielleicht auch auswärtige Verwickelungen nicht erspart bleiben.
wegS, daß es deshalb zu Weiterungen mit der spanische» Regierung kommen werde. Die letztere hat schlechterdings nichts gethan, um entsprechend den von der vorjährigen Kongo-Konferenz gefaßten Beschlüssen ihre vermeintlichen Rechtsansprüche auf die Inselgruppe zur Geltung zu bringen. ES ist auch bekannt, daß die spanischen Ansprüche niemals von den anderen Mächten anerkannt worden sind. Wenn eS stch bestätigen sollte, daß die spanische Regierung zwei Kriegsschiffe nach deu Karolinen gesandt habe, so dürfte diese Maßregel nur den Zweck haben, den von Deutschland nicht besetzten Teil dieser Inselgruppe für Spanien zu sichern und dadurch zugleich die leicht erregbare öffentliche Meinung in Spanien zu beruhigrn. Nicht zutreffend ist es, wenn einige deutsche Blätter die Karolinen als wertlos hinstellen. Abgesehen von der üppigen Vegetation derselben, die besonders das Gedeihen derKokoSnuß- unv der Brotbäume sehr begünstigt, würden die Karolinen- Inseln ganz oder zum Teil als eine vortrefflich geeignete Vorstation für Neu-Guinea einen großen Wert für Deutschland besitzen. Auch ist die allerdings nur spärliche Bevölkerung dieser Inseln sehr arbeitsam und könnte deshalb für die Kultivierung von Neu - Guinea und Samoa von größtem Nutzen sein. — Sicherem Vernehmen nach steht die Ernennung des Generalleutnants von Albedyll zum Minister des Königlichen Hauses an Stelle des verstorbenen Grafen Schleinitz für die nächste Zeit zu erwarten. — Wie es heißt, soll Herr v. Bleichröder während seines jüngsten zweitägigen Besuchs in Varzin dem Fürsten Bismarck eine Denkmünze überreicht haben, die er zur Erinnerung an den 70jährigen Geburtstag des Reichskanzlers anferttgen ließ. Sie ist von Professor Schwerzer ge« fchviiten und in der Stuttgarter Münze geschlagen worden. Auf der Vorderseite zeigt sie den wohlgeirvffenen Kopf des Fürsten, auf der Rückseite das Bismarcksche Wappen. Die künstlerisch vollendete Ausführung dieser Münze soll den vollen Beifall deö Reichskanzlers gefunden haben. Ob die Reife deS Herrn v. Bleichröder nach Varzin ausschließlich hierdurch veranlaßt war, bleibt dahingestellt. — Als im vorigen Herbst der Reichstag mit etwa zweidrittel Majorität den fortschrittlichen Antrag auf Gewährung von Diäten für die RetchStagSabgeordneten annahm, kamen auch die Prtvatdtäten der Fortschrittspartei und Sozialdemokraten zur Sprache. Der Reichskanzler wies auf den Wtverfpruch hin, in welchem dieselben zu der Reichsverfassung stehen und meinte, daß ein solcher Abgeordneter, wenn es amtlich konstatiert ist, daß er Diäten bekommt, seine Eigenschaft als Abgeordneter verliert und wenn es sich bei der Wahl- Prüfung herausstellt, die Wahl kassiert werden muß. Wie jetzt der „RetchSfreund* mitteilt, sind in den letzten Tagen des Juli Klagen deS preußischen FiSkus, vertreten durch die betreffenden BezirkS-Regterungen, vor den Landgerichten auf die HerauSzahiung angeblich aus PartetfondS fett 188 L bezogener Diäten an den FiskuS angestrengt
fNachdruck verboten-!
Ei« Väder-Abtureuer.
Eine lustige Geschichte.
(Schluß.)
Ich überließ mich auf meinem Lauscherposten allerlei Betrachtungen,, gerade nicht der erfreulichst« Natur! So etwas kann Ein« immer verdrießlich stimmen, denn niemand weiß ja, waS ihm im Leben noch bevorstehen kann. Diese Fraueuhändel Ob sie wirklich — natürlich bildlich genommen — sammrtwrichev Katzenpfötchen gleichen? Da wäre wirklich eine praktische Untersuchung von längerer Dauer am Platze. Aber wo das geeignete Objekt dafür finden? Fraueu-Schlauheit dreht schließlich doch allen Männern eine Nase, und der, welcher stch am klügsten dünkt, wird gerade am meisten zum Narren geholt«. Darüber war eS dunkel geworben; klapp, zu mit dem Fensterl Mir ging die Sache drübm gar nichts au, aber geärgert hatte ich mich doch.
Sieh' doch, steh' doch, dir kleine Hexe! Recht vorsichtig trat Madamchen eben drüben aus dem Haase heraus uud huschte im Schatten der Häuser hinüber zu einer Seitenstraße, die aber, wie ich wußte, ebenfalls zum See führte. Jetzt war es auch im Augenblick mit meinem Aerger vorbei. Laut und herzlich lachte ich auf! Schau' einer die Spitzbübin! Sie schleicht ihrem Manne abends auf den Fnfeu nach,! Eifersucht.! Nun, neugierig bin ich gerade nicht, aber in diesem Falle war ich doch so interessiert, daß ich, ehe ich «S selbst recht wußte, mtt Hut und Ueberrock zum AuSgeheu fertig dastaud. WaS gehen dich fremde Sach« an? sagt, ich mir dann selber. Wer stch zwischen streitende Eheleute steckt, mag seinen eigen« Kopf wahr«.
Die französischen Wahle«.
Am kommenden 4. Oktober finden, wie bereits bekannt, in F-aukreich die Neuwahlen zur Deputiertenkammer und zwar zum erstenmal auf Grund des Systems der Listenwahl, nicht mehr, wie bisher, nach den einzelnen Arrondissements, statt. Kaum sechs Wochen beträgt demnach noch der Zeitcaum bis zu dem genannten Tage und die Wahl- bewegung ist denn nun auch allseitig im vollsten Gange, besonders, nachdem durch den Schluß der Parlamentssesston das Feld für die Wahlagitation vollständig frei geworden ist. Der Ausgang der Wahlen vom 4. Oktober ist diesmal von besonderer Wichtigkeit, einmal, weil stch durch ihn erweisen muß, ob die Listenwahl, auf welche die herrschende republikanische Partei so große Hoffnungen setzt, wirklich diesen Hoffnungen entspricht, zum andern, well derselbe Im wesentlichen bestimmend für die Richtung ist, in welcher stch die innere Politik der französischen Republik für die nächste Zukunft bewegen wird. Ebenso dürften aber auch die Wahlen in ihrem Ausfälle nicht ohne Einfluß auf den künftigen Gang der auswärtigen französischen Politik sein uud sie find darum auch für daS Ausland — und nicht zum mindesten für unS Deutsche — von Interesse.
In den Anfängen der gegenwärtigeu Wahlbewegung hatte eS eineu Augenblick den Anschein gehabt, als ob sich die republikanischen Parteien aus den Boden eines gemeinsamen Programms zusammenfinden würden und hierdurch hätte stch der Wahlkampf natürlich sehr vereinfacht. ES war bekanntlich der Versuch gemacht worden, die verschie- denen Fraktionen der ehemaligen Mehrheit der Kammer, also die Opportunisten, die gemäßigten Republikaner und einen Teil der radikalen Linken, zu einem gemeinsamen Vorgehen zn vereinigen, aber dieser Versuch scheiterte an den Gegensätzen, die unter deu Republikanern vorherrschen und welche stch nicht beseitigen ließen. Die gemäßigten Republikaner konnten sich mit den Opportunisten, den ehemaligen Gambettisten, über verschiedene Punkte nicht einigen und diese werden wiederum von einem Teile der Radikalen, sowie von den Ultrarasikalen und Jutranst reuten, deu „Rötesten der Roten"' in heftiger Weise angefeindet und eS werden demnach die verschiedenen republikanischen Parteien getrennt marschieren uud nicht nur die Monarchisten, sondern auch einander selbst bekämpfen.
Einen stchrren Beweis hierfür liefert die Aufnahme, welche die große Programmrede FerryS, die er jüngst zu Lyon gehalten hat, in der republikanischen Presse findet. Den Gruudton dieser Rede bildet neben der nochmaligen B-rteieigung der Ferryfchen Kolvnialpolitik die Verstcherung, daß die Opportunisten nach wie vor bereit seien, mit den Radikalen zu gehn, daß sie aber die Ultraradtkalen energisch bekämpfen würden. DteS hat dem früheren Konseilpräst- deuten natürlich wiederum die heftigsten Angriffe der tn- traustgenten Presse, ja selbst radikaler Blätter, wie der „Justier* M Herrn Elemencrau, zu gezogen, während
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte-, sowied.Annoncen.Bureaux von Haasenstein undVogler in Franturt a. M., Kassel, Magdeburg und Wren; RudolfMoffe in Frankfurt ♦ a. M., Berlin,München und
Köln: <8. L Daube und So. in Frankfurt a.
Berltn,Hanuover u. Paris.
unglückliche Frau! Aber ich hätte darauf achten sollen, waS mir vor der Hochzeit gesagt ist! Nie hätte ich Dich heirat« sollen. Geh', Du bist schlecht, zu schlecht! Viel schlechter noch, al« ich gedacht! Wie oft sagst Du mir jeden Tag zu HauS, daß Du mich liebst! Und jetzt treffe ich Dich hier am späten Abend, hier, Franz, Franz denkst du d«n gar nicht an mich?
Der Herr Gemahl hieß nun allerdings nicht Franz, sondern — eben anders. Also hier war die reizende kleine eifersüchtige Frau uud mich hatte ste im Dunkeln weg« der Aehnltchkeit „von weitem" für chren Franz erwischt. DaS war denn doch etwas, was einige Ueberlegung erforderte. Wie sollte ich diesen Schlingen entrinnen, ohne die kleine Frau zu beleidigen. Sie that mir leid. Während dieser Reflexion muß ich unwillkürlich eia paar Schritte nach dem nahen See zu gethan haben, denn ste stellte sich plötzlich zwischen mich und deu See und flüsterte halb ängstlich : „Franz, was willst Du thun? Denkst Du denu gar nicht daran, wie glücklich wir geweseu sind?" Dabei sank daS Köpfchen an meine Brust uud das Schluchzen wurde immer stärker. Fatale Sitoattou! Aber so konnte es nicht bleioen, und deshalb versuchte ich die Trostlose zunächst aus diesem Dunkel heraus; »führ« und ihr daun deu Irrtum aufzuklären. Ich muß aber wtedemm merkwürdig langsam gedacht haben, denn plötzlich fühlte ich ein« heißen Kuß auf meinem Munde und dann noch einen, und zitternd flüsterte eS mir ins Ohr: „Aber Du kommst mit nach Haus, Franz, und alles soll vergess« sein. Aber nie wie- der! WaS ich in diesem Augenblick dachte? „Wie ist doch dieser Franz zu b«eideo!" Ich für meine Person hätte mich — offen gesagt —- gegen ein weiteres halbes Lutzenh
iilmef
ich zu ° fe Nr. S alöKei
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal« Sbonnements-Preis bei der Expedition 2*/. Mk, bei den Postämter 2 Mk. 50 Bfg. (excl Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Bfg. Reklamen für die Zeile 85 Pf».
Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg n. Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.
Expedition- Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
imt
•ckhofst.
nstmiidl ht. 13 «ller, L Stock
ger Mo
Gärtuck vedlefi llee 13.
T- -
Lettischer Reich.
Berlin, 15. Auz. Herr von Schlözcr befindet sich noch immer in Varzin, wo er gleichzeitig mit dem öfter« reichischen Minister des Aeußern, Herrn von Kalnoky, verweilt. Wie verlautet, wird er auch mit diesem Varzin wieder verlassen. Die Mitteilungen eines Hamburger Blattes, wonach Herr v. Schlözer gar nicht nach Varzin abgercist wäre, sind unrichtig. — Die amtliche Anzeige des Geschwaderchefs Paschen von dem glücklichen Erfolge seiner Sendung in Zanzibar ist erst gestern mittag auf der kaiserlichen Admiralität etnzetroffen und von dieser natürlich sofort an das Auswärtige Amt we'tergegebeu worden. Eine Bestätigung der Reuterschen Meldung, daß seitens des Deuffchen Reichs ein Teil der Karolinen Inseln besetzt sei, liegt noch nicht vor, doch bezweifelt mau die Richtigkeit dieser Nachricht in hiesigen unterrichteten politischen Kreisen nicht, da entsprech:ndr Pläne der Reichsrezierung schon lange bekannt waren. Auch befürcht t man keines-
Aber ich ging doch und zwar denselben Weg, den die hü.sche Eifersüchtige eingeschlagen.
Drunten am See, in den Promenaden war eS recht menschenleer. Hin und wieder ein einsames Pärcken, das in Natur- und Liebes genuß schwelgte, ein einzelner Gast aus irgend einem WirtShause, der auf diesem Wege heimkehrte, aber weiter nichts, und namentlich von meinen Flüchtlingen keine Spur. Hier war ich aber doch nun einmal, also vorwärts. Immer stiller ward eS um mich her, endlich war ich ganz allein. Einen dichten Laubgang hatte ich noch zu durchwandern, dann winkte daS Freie und ich beschloß, nun doch nach Haus zurückzukehren. Doch fleh', aus einem Seitenwege huschte eine schlanke Frauengestalt herau»! Ob das meine eifersüchtige Nachbarin war? Ich beeilte meine Schrittte, um an ihr vorüberzukommm und dabei einen Blick auf ste zu werfen. Zwanzig Schritte, fünfzehn Schritte waren es noch, zehn jetzt — alle--,
Ja, da gab'- nicht- mehr zu rufen! Eine Hand hatte mich fist am Rock gepackt uud zog mich seitwärts in eine fast völlig dunkle Laubnische. DaS war doch wahrhaftig eine schöne Geschichte und ich so perplex, daß ich gar nicht daran dachte, auch nur den Mund aufzuthuo. Als wir erst fort vom Wege warön, ließ eS mein Entführer nicht mehr beim Rock bewenden, sondern faßte meine beiden Hände. ES waren weiche, feine Finger, aber ich muß gestehen, ste preßten die meinigm doch ziemlich scharf. Ich machte natürlich einen Versuch, mich zu befreien, eS gelang aber nicht und ich hörte nur eine halb von Thränm uud Zorn erstickte Stimme:
»Franz, Franz, so ist'- doch wahr, so läufst Du ihr doch noch nach? Du hast mich vorhin bflogen. Ach ich
ittttet,
Ö
>PPe.
pferdekch 3, 3'/,
[3 zahlrei zugesarm
indem
________13
lerer Gl
>creS Grün Ä
rothj
ster.
I. Sepie« «enhause bestehende üche. [3i
Wohn: in sch u vermie! >l. [$
efüßerstr »»gen, i- :hen.
Daubtt
nit Cabi anderweit »wedler, aller 1 ort oder en laufen 18
r auch jpi hergerich 3 SÄ chekamm«