Einzelbild herunterladen
 

nzlichh unser«, llen btt (350s 1885. Faunlit.

DeuP sherrli^

-ng boc eter. jreungl. Offerte;

the, 16',2.

en erleitmig

g 18.

ttflettjt

;e 36.

38 W ch späte, gerichtet! Stube«, mmerit, Zimmer [3470

kabimt rweit in Her, ee 13.

4s zwei ), sowii tändig«

L. V [3512

tert«, inbtg z« Oktobn FamilK srüherei die Ey.

[3496

Menses irtnerri Her, 13. _ viüller, »lag ver- ende Be- xpedttio« [3489

egen Er- i abzii- [3514

cht oh« n Re>- [3371

t

urg, ».

fcO.8*

<0 -

100

OlJOl 57? 57

784

7«

J8«

66

0 na$ 08, 014 03= 031 03 67* 80i

79»

94, 93* 24«

17

65

103

1011 SO», 1041 1031 88, 80

00,1-

04 10<

fit. 18».

Marvurg, Freitag, 14. August 1885.

XX. MhkMg.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Kiertagen. Quart^'- SbonnementS-Preis bei i grütbition 2'/, 8RT., I den Postämter 2 Wt. I Lg. (exel. Bestellgel! »nsertionSgebühr für I «spaltene Zelle 10 Ps Momen für die Zelle 85 Vfe.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b. Blatte«, fowied.Annoncen-Bureaur von Haasenstein undBogler in Frankurt a. M., Kastel, Magdeburg und Wien: RudolfMoffe in Frankfurt Berlin,München und

Köln: G. L. Daube und

Io. in Frankfurt a. SR*

Berlin,Hannover a Paris

Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.

Expedition-. Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

>saessssssbssm

Die Orlen«-.

Durch den Tod deS Grafen Chambord ist der Graf von Paris, das Haupt der Familie Orleans in Frankreich, auch zum Chef der verwandte« Bourbonen geworden und Vie ganze königlich gesinnte Partei in Frankreich hat damit in dem Prinzen einen einheitlichen Mittelpunkt gefunden. ES ist schon lange Thatsache, daß die orleanistische Partei die stärkste unter den monarchischen Parteien in der fran­zösischen Republik ist. Die Bourbonen hatten gar keine Aussicht, jemals wieder den französischen Thron zu besteigen; Graf Chambord steckte noch so tief Im Mittelalter btto, daß eine Bereinigung seiner Persönlichkeit mit einem Staats­wesen deS neunzehnten Jahrhunderts unmöglich erschien und >ie Bonapartisten hatten durch dm Tod des Prinzen Napo- eon im Zululande etnm Schlag erhaltm, von dem sie sich chwerlich wieder erholen werden. Jerome Napoleon, der -tz'ge CH ff der napoleonischen Familie, ist ein HanSwurst, von dem ein großer Teil der eigenen Partei nichts wiffen will, die dafür des Prinzen ältesten Sohu, Viktor, auf den Schild erhoben hat. Es ist iufolgedeflen zu manchen un­liebsamen Szenen zwischm Vater und Sohu gekommen, in welchen sich der letztere doch eigentlich nur als unreifer Junge gezeigt hat. Der Tod hat inzwischen den Grafen Chambord aus dem Wege geräumt und so ist ott einziger gefährlicher Gegner der Republik der Gras von Paris übrig geblieben.

Die Familie Orleans hat in der Republik unstreitig einen sehr bedeutenden Einfluß und besonders in der Armee, der Aristokratie und aus dem flachen Laude. Der Armee haben verschiedene Prtnzm dieses Hauses angehört; sie haben sich nicht ohne Talent und sehr kameradschaftlich gezeigt, unv daß sie auS der Reihe der aktiven Offiziere gestrichen wurden, hat der Republik bei den Offizieren der Armee nichts genützt, wohl aber geschadet. Oeffentlich ist die Trennung vollzogen, insgeheim wirkt die Agitation der Orleans um so kräftiger. Daß die Aristokratie sich lieber eine Monarchie, denn eine Republik wünscht, ist selbstver­ständlich. Die Zahl der republikanischen Politiker mit vor­nehmen Namen ist auch thatsächltch fast gleich Null. Endlich die Bewohner des platten Landest Hier herrscht der Ein­fluß der Geistlichkeit vor, und nur mühsam ist eS den republikanischen Agitatoren gelungen, diese Macht einzu- schränken und die Bauern für die republikanischen I een zu erwärmen. Namentlich imponierte dem Landmann daS Versprechen billiger Sta llsverwaltung und geringer Steuern, gerade so wie dem Bewohner der Provinzialstadt und dem kleinen Rentier, und so machte sich denn bet den Wahlen zur letzten Deputiertenkammer eine große republikanische Mehrheit zurecht. Jetzt soll wieder gewählt werden; aber die Dinge liegen nicht mehr so günstig wie damals.

In den Berhältniflen in Frankreich ist seit einem halben Jahre ein bedeutender Umschwung ringetreten. FerryS Sturz bu ch die Kammer brängte die Regierung stark nach

links hinüber zu den Radikalen; da- war dem ruhigen Provinzialen schon ein Gräuel. Die überseeischen Kriege haben ganz koloflale Summen gekostet; das erbitterte alle kleinen Steuerzahler. Man hätte über diese G.fahr noch stillschweigend Hinwegkommen können, wenn nicht zwischen gemäßigten und radikalen Republikanern Ferry und Clemercea« ein so erbitterter Streit au-gebrochen wäre, wie ihn die Republik noch nicht erlebt hat. Das ist ein widerliches Schauspiel und treibt neue Rekruten zu den Monarchisten hinüber, die nun mit Hochdruck zu «gitteren begonnen haben. Es steht viel auf dem Spiel, denn das neue Wahlgesetz, die Listenwahl, uach welcher nicht nach Kreisen ein Abgeordneter, sondern nach Bezirken zehn oder zwölf gewählt werden, kann bei überwirgmder monarchischer Stimmung auch der Republik einmal schwere Wunden schlagen. Der Ausfall der Neuwahlen ist ferner deshalb so enorm wichttg, weil im nächsten Jahre von den Kammern der neue Präsident der Republik zu wählen ist; Grevys Amtszeit ist dann abgelaufen. Nun ist zwar durch Gesetz bestimmt, daß kein Prinz ein öffentliches Amt in Frankreich bekleiden kann, aber was durch Gesetz beschloffm, kann auch durch Gesetz wieder aufgehoben werden. So erklärt sich die fieberhafte Agitation der Orleans, so erklären sich ihre Erfolge.

Nach menschlichem Ermeffen hat allerdings der Graf von Paris etwas zu früh gerechnet und für diesmal wird den Republikanern der Sieg noch bleiben. Was aber daun, wenn die beiden republikanischen Parteien, die gemäßigte und die radikale, fortfahren werden durch ihre g-genseitige Zerfleischung daS Ansehen der Republik zu erschüttern und eine feste Regierung unmöglich zu machen? ES ist be­zeichnend, daß während der letzten Kammersesstou sieben Ministerien am Ruder waren. Ein solcher Zustand ist auf die Dauer unmöglich und erfolgt keine Amderung, nun so werden zuletzt doch die Orleans den Nutzen daraus ziehen.

Deutscher Reich.

Berlin, 12. Aug. Der österreichisch-ungarische Minister­präsident Graf Kalnoky ist auf der Reise nach Varzin heute früh hier eingetroffen und kurz nach 8 Uhr nach Varzin weitergereist; Graf Kalnoky wird von dem SekttonS- rat Aehrenthal begleitet. Außer dem General von Treskow, kommandierender General deS 9. Armeekorps, begeht heute, den 12. August, auch der frühere Chef der Admiralität, General drr Infanterie v. Stosch, sein fünf­zigjähriges militätisches Dtenstjubiläum. Hermann HanS Theoror v. Treskow wurde am 1. Mai 1818 zu Blancken- felde bei Königsberg i. d. N geboren und trat am 12. August 1835 aus dem Kadettenkorps als Sekondeleutnant in daS Katser-Alerander-Garde-Grenadter-Regiment, das­selbe Regiment, an deffeu Spitze er 1864 mit dem Range eines Obersten als Kommandeur treten sollte. 1865 wurde er aus dieser Stellung in das Mililär-Kabinett berufe«

und noch in demselben Jahre zum Generalmajor und zum General ä la suite des König«, sowie zum Chef der Ab­teilung für die persönlichen Angelegenheiten im KriegS- miaiftetium ernannt. 1866 ward er General - Adjutant und 1870 Generalleutnant. 1871 wurde er Chef de« Militärkabinetts. 1872 erhielt er das Kommando über die 19. Division, 1873 mußte er die Geschäfte des General­kommandos de« 10. Armeekorps übernehmen und noch tu demselben Jahre übertrug ihm der Kaiser die Führung de« 9. Armeekorps, zu dessen kommandierendem General er 1875 ernannt wurde. Noch in demselben Jahre erfolgte seine Beförderung zum General der Infanterie und im September 1875 wurde ihm das 2. Magdeburgische Inf.- Regt. Nr. 27 verliehen. 1881 erhielt er den Schwarzen Adler-Orden. Die ersten Kriegslorbeeren sammelte von TreSkow als Adjutant des Generals von Bonin in Schles­wig-Holstein, und zwar in den Gefechten bei Schleswig, Satrup und Nübel, Koldiug und Friederica. Auch bei Königgrätz war er gegenwärtig. Im Kriege gegen Frank­reich befehligte er die 17. Infanterie-Division, mit bet er an 14 Gefechten und Schlachten triluahm. Viele Orden und Ehrenzeichen schmücken die Brust des verdienstvollen Generals, auch das Kreuz des Johanniter - Ordens, besten Rechtsritter und OrdenShauptmanu der Jubllar ist. Der General verlebt feinen heutigen Ehrentag in der Stille auf feiner Besitzung in der Provinz Sachsen. Ein persischer Besuch wird demnächst in Berlin eintreffe«.Daily News* zufolge hat Mohsin Khan, der frühere persische Gesandte in Konstantinopel, von seiner Regierung die Weisung er­halten, sich nach Berlin zu begeben, um mit der deutsche« Regierung Unterhandlungen für da« Engagement einer Anzahl deutscher Offiziere für die Organisation der per­sischen Armee anzuknüpfen. ES sollen auch mehrere Zivil­beamte zur Assistenz bei der Zivilverwcütung engagiert werden. Nachrichten aus Teheran zufolge ist Mohsin Khan auch beauftragt, den Kaiser und Fürst Bismarck, letztere« als Präsidenten des Berliner Kongreffes, dringend zu er­suchen, Persien ihren Beistand zu leihen, um die unver­zügliche Ausführung von Artikel 60 des Berliner Vertrages mit Bezug auf die Abtretung von Khotur seitens der Türkei zn erwerben. Bis jetzt hat die Türkei, ungeachtet der An­strengungen Rußlands und Englands zu gunsten Persien«, die Provinz nicht abgetreten und hält Truppen an bet Grenze. Vom ReichSverstcherungSamt ist nunmehr eine Entscheidung über bte streitige Frage ergangen, ob bie in den Zuchthäusern unb KorrektionS - Anstalten arbettenbm Strafgefangenen um Korrigenden unter das Unfallver- fichernngögesetz fallen. Das ReichSverstcherungSamt hat nach dmBerl. Pol. Nachr.* die Frage verneint. ES heißt in dem Bescheide:Derartige Gefangene sind nach Auffassung des ReichSverstcherungSamteS, auch wenn sie von Privatunternehmern in der Anstalt beschäftigt werden, nicht als Arbeiter im Sinne des UnfallverstcherungSgesche«

Der Stift.

Novelette von Hermann Grabert.

(Fortsetzung.)

Franz faßte seine HauSzierse um den 246, kWe sie, ehe sie wieder ausstand, und man begab sich auf den Rück- »eg. Eie machte sich schwer am Arme ihre- ManneS. Ohne etwa« zu sagen, preßte er leise die auf feinen Arm gelegte Hand unb bann sagten Beide sich mit den Augen: »Wie schön istS doch um bie Liebel*

ES war an einem heißen Juliabend, als sie auf dem Heimwege auf bet Römerfchanze einen Gegenstand bemerkten, bet unter ben letzten Sonnenstrahlen blinkte.

Ein Stift I* rief Klara ans.Ich hebe ihn auf.*

Wirklich war e« ein kopfloser Nagel, spitz zulausmb, gut gehärtet und ganz ne«.

WaS willst Du bomlt anfangen?*

Unsere Kisten zunageln, wenn wir auf KriegSakabemie kommen l* erwiderte sie lachend.

Närrchen. *

Jawohl, ich b-halie ihn. Du wirst sehm, er thut doch seine Schuldigkeit.*

Zu Hause legte sie den Sttst in eine Schale, die to Wem Schlafzimmer stand, und da blieb er inmitten einer Aänzenden Gesellschaft von Ringen und anderen Kostbarkeiten.

Nun, Herzchen, wann werd« wir denn Deinen Stift ««mal benutzen,' neckte Franz seine junge Fra« zuweilen.

Soll mir schon noch nützlich roerben. Sie dürfe« efl vauben, Herr Spottvogü.*

Eines Tage« kam er mit traurig besorgter Miene in «k Kaserne.

«Was fehlt Dir?* fragte ich ihn.

iMeine Frau ist leiben bl*

Doch nur unpäßlich; ach, das barf Dich nicht ängstigen.*

Gegen Abend schickte Franz zum Arzt, der Klaras Un­wohlsein für ganz gefahrlos haltend, Ruhe unb ein Still­mittel verordnete.

Siehst Du, daß es nicht« auf sich hat, MSnnchm,* meinte Klara, bie nach bet ärztlichen Vorschrift sich sofort zu Bett: legte, ihr edle«, seines Gesicht unter dem weißen Laken vcrbergenb.

Zwei Tage darauf fühlte die Kranke sich schwächer. Nun war es an Franz, ihr zu sagen:Beunruhige Dich nicht, Schäfchen. Es geht ja bester; morgen wirst Du wohl heraus dürfen.*

Und er schüttelte die Kopfkissen auf, wa« nach Klaras Ansicht er allein verstand-, legte die Decke wieder zurecht und war der sorglichste Wärter seine« lieben Klärchm«, da« ihm mit einem Lächeln dankte und in Einem fort sagte: Wie gut Du bist,, Goldmännchen; WaS mache ich Dir für Mühe. Aber ich will es Dir wieder vergeltm, ich habe Dich ja so gern!"

Doch die Krankheit wurde bedenklicher, ein zweiter Arzt wurde hinzugezogen.Meine Herren, ich bitte Sie inständig datum, sagen Sie mir die Wahrheit. Meine Frau, nicht wahr, sie wird wieder genesen? Oh, sagen Sie efl mir.' Bor ter entsetzlichen Angst des unglücklichen Gattm wagtm sie nicht, ihre Besorgnis mitzuteilen. Sie hofften auf lang- fame Genesung, so sagten sie.

SBofl meinten sie, Lieber?* fragte Klara, ihrem Gatten die schon ganz bleiche Wange hinhaltend.Wann darf ich heran«?*

Bald, Klärchen,* erwiderte et,und dann gehen wir nach dem Süden*.

Du begleitest mich doch? Oh gewiß! Laß Dich küssen l*

Diese wenigen Worte hatten sie ermüdet. Ihr kraft­loses Haupt sank auf die Äiffcn zurück. Franz setzte sich in einen Lehnstuhl neben da» Seit, die Hand feiner Gattin, wie die eines furchtsamen KindcS hastend, und Klara schlief etwa« du. Der Atem war schwer, ihre Brust pfiff, dafl Gesicht zuckte öfters zusammen. Regungslos betrachtete Franz seine Frau. Noch hoffte er auf Genesung, noch wollte er nicht an daS Schlimmste, an ben Tob seines KlärchenS, glauben.----

Klara hütete gerade acht Tage das Bett, als sie sich eines Abends viel schlimmer fühlte. Die in aller @Ue her- beigerufenen Doktoren untersuchten die arme Kranke und dann führte einer von ihnen den Gatten in ein Nebenzimmer. Mut, Herr von Bemeck, Mut. Habe« Sie Verwandte, so telegraphieren Sie ihnen. Ihre Fran wird diese Nacht nicht überleben.* Ein furchlbarer Schmerzenflausbruch folgte, und abermals sagte der Arzt mahnend:Mut, Herr von Berneck, Mut! Besonders ihrethalben. Die Kranken find scharfsinnig. Lasten Sie sich nichts merlen.*

Eine Stunde später begann die Agonie, ein furchtbarer, entsetzlicher Kampf, um so gräßlicher, als Klara empfand, daß sie dem Tode verfallen war. Wafl ging alsdann in diesem Zimmer vor, verschwiegener Zeuge der Glückfltage, noch voll jmer LiebeSträume, noch voll von Küsten, deren kaum verstummtes Geräusch dem armen ©alten wie ein süßefl, fernes Echo bflntte? Die unglückliche Frau litt einen qualvollm Tod; sie erstickte. (Schluß folgt.)