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Rr. 17«.

Marburg, Sonnabend, 25. Juli 1885.

XX. Jahrgang.

grscheint tSglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal- Abonnements-Preis bei der (Srpebition 2*A Mk., bei ben Postämteri Mk. 50 «fg. (epi. Bestellgeld), -tniertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf,. Rellamen für die Zeile

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OKllskWe Miliiz.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte-, s owied.Annoncen- Bureaux von Haasenstein undVogler in Frankurt a. M., Kassel, Magdeburg und .Wien; Rudolf Mosse in Frankfurt a. M., Berlin,München und Köln: ®. L. Daube und 6c in Frankfurt a.

Berlin,Hannover u Pari-.

5*iij(ijcntlidje Beilagen: Amtlicher Anzeiger s. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Louutagsblatt.

Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

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Tie Wahlen in Frankreich und die Revanche-Idee.

Leit einigen Jahren ist daö Verhältnis zwischen Berlin und Paus ein recht leidliches. Die fanzöstsche Regierung hat es nicht nur nicht ausgexedcv, auf die Schreiereien der Pariser Deutschenfresser zu achten, mehr noch, sie ist mit der Reichs Regierung wir-erholt Hmd in Hanv gegangen. Namentlich zeigte sich dies erfreuliche Verhältnis bet der westasrikanlschen Konferenz in Berlin, bet der Neuregelung der egyptischen Ftnanzverhältnisse nnd bei dem sofortigen Einschreiten gegen Exzedenten gegm alles, was D utfch heißt. Der frühe e Ministerprästdmt Ferry pflegte die Beziehungen zu Deutschland ganz besonders und von dem jetzigen Mi­nister des Auswärtigen, Herrn von Freycnet, kann man gerade nicht sagen, daß er die Bahnen seines Vorgängers verläßt. Wie die RLgterungskreise über Deutschland denken, so denken auch alle vernünftigen L ute in Frankreich. Die Revanche - Joee ist heute, wo Deutschland an der Spitze eines großen FriedcuSbundeö steht, geradezu eine Albern­heit, und wenn cs den Franzosen einmal einfallen sollte, ausS neue einen Streit uns Krieg vom Z'.un zu brechen, so würden sic trotz der bedeutenden Vermehrung ihrer Armeen noch schlimmer fahren, als 1870/71. Das weiß jeder einsichtige Mensch in Frankreich und er weiß ferner, daß Deutschlands Freundschaft Frankreich nur Nutzen bringen kann. W.r weiß, ob die französische Republik so bals in den unbedingten Besitz von Tunis gekommen wäre, wenn Deutschland nicht mit der rückhaltlosen Anerkennung dec neuen Verhältnisse vorausgegangen wäre. Daß Fürst Bismarckrin Freund seiner Freunde* ist, das hat Frank­reich ganz Zemitz in reichem Maße erfahren.

B.i der Maste des französischen Volkes sind aber ruhige und sachliche Erwägungen unmöglich. Sie sind leicht zum Zorn gere'zt, und ausschweifend in ihrem Haß, wie in ihrer Freundschaft, so » teilte schon der große Römer über die alten Gallier und d«S Wort paßt auch noch ganz genau auf die modernen Franzosen. Daß sie und nicht lieben können, ist ganz natürlich, daö ruhige Nebeneinanderwohnen brin en sie nicht fe tig, also wird der Haß gegen das Deutschtum in manchmal sinnloser Weise weiter uns weiter gepflegt und genährt. Bei der Feier des Nationwfefles am 14. Juli sind Stückchen bekannt geworden, daß man die Hände über den Kopf zufamminschlagen muß. In den französiH n Spulen existieren wiklich Uvterrichtsfrunden, und sogar n^cht wenige, in denen systematisch der Deutschen­haß den Kindern beigebracht und geordert wird. Dagegen

Im Bann des Schicksals.

Roman von Moritz Lilie.

(Fortsetzung.)

Weinberge nnd Zitronenhaine umsäumen seine Ufer, und an der Albano gegenüber liegenden Seite flüstern und rouschen herrliche K-stanienwäldcr, in denen die wegen ihrer Schönheit berühmten Frauen der Stadt lustwandeln.

Endlich fuhr der Wagen du-ch die gut gebauten, regel- mäßiren, aber schlecht gepflasterten Straßen von Albano; an einem Hause, welches die Aufschrift trug: Osteria e cucina Wirte haus und Grrküche hielt derG-srirr- sühxkr und stieg bedächtig von seinem erhabenen Sitze herab.

»Wir müssen hier einige Zeit verwei'en, mein Pferd bedarf der Ruhe und de- Futters,* erklärte der Vcttarnio, indem er das Tier auSzuschirreu begann.

Wie lange soll der Aufenthrlt hier dauern?* fragte Herberts Begleiter.

Wir müssen erst die größte MittagSzlut vorüberlass n ehe wir wieder au'brcchm,* v rs.tz'e der Fuhrmann.DaS Pferd hat schwer zu ziehen und ermattet In der H tze noch mehr, bcsorderS da wir k inen ebenen Weg wie in der Eawpagna mehr haben, sondern die Straße sich durch daS Gebirge schlängelt.'

® -.rüber können vier Stunden vergehe«,* wandte sich der jung- Mann an Herbert,ich schlage deshalb vor, wir bezahlen hier unseren Rosielenker und wandern den schönen, waldigen Weg zu Fuß öier Arinia nach Eenzano, eine Strecke von höchstens drei Stunden Entfernung.

Einverstanden l* ries Herbert, stieg noch einmal in ten Wages, »m zu srhm, ob nichts liegen geblieben sei, und trat dann mit seinem Freunde in da- Innere der Osteria,

etwas zu thun, ist die französische ^Rcgirrurgj machtlos. Die Revanche-Idee ist zum Sport geworden, sie gehört mit zu den Bcdürfnisien des-lichen Lebens der von den Pariser Schmutzblättern verhetzten Kreise.

In 6 bis 8 Wochen finden die allgemeinen Neuwahlen zur Deputiert!nkammer in Paris statt. Nach den mancherlei Unglücköfällen, welche die französischen Truppen bei den Feldzügen in den Kolonien, namentlich in Oftasim und Madagaskar, erlitten, nach den horrenden Summen vor allem, w lche diese Expeditionen gekostet habm und roch kosten werden, ist drm St-uerzahler gerade nicht so begeistert für die Republik zu Mute und die Monarchisten, welche bis vor einem halben Jahre die Köpfe gewaltig hängen ließen, treten j.tzt wieder ziemlich stolz auf. Eine tut« scheidende Niederlage können die Republikaner nicht erl idm, aber eine Schlappe recht wohl und auch die kann von empfindlichen Folgen begleitet fein. Was hilst's also? Der alte Revanchegaul wird aus dem Stalle gezogen und von den Wahlrednern gehörig den Wählern unter die Augen geführt. Daß es ohne den nicht geht, hat auch der Führer der Radik-len, der Pariser Arzt (Sternerceau, bewiesen, der sonst ständig gegen einen Krieg mit Deutschland sprach. Er ist nicht direkt dafür, aber er sagt doch,wir dürfen unsere Soldaten nicht in fremden Weltteilen zersplittern, damit--*. Nun, drö weitere kann sich jeder leicht

denken. Wir werden wohl im Laufe der Wahlbewegung noch viele selche Aussprüche, auch schärfere noch, zu hören bekommen, eS ist das auch ein Fangmittcl für die Wähler. Im übrigen hat die Sache nichts weiter auf sich. WaS vor der Volksversammlung mit leichtem Munde ausgesprochen wird, daS überlegt man am Ministertische wohl ein dutzmdmal.

Deutsche- Reich.

Berlin, 23. Juli Wie dieBal. Pol. Nachr.* auf Grund zuverlässiger Privatnachrichttn zu bestätigen in der Lage sind, hat Kaiser Wilhelm die Fahrt von der Mainau nach Wildbad Gast in im besten Wohlbefinden zurückge­legt und bei seiner Askunft keinerlei Erschöpfung und Müdigkeit verraten. Es ist das eine um so erfreulichere Wahrnchmu g, als ja, wie erinnerlich sein dürfte, unser Kaiser die Fahrt von Berlin nach EmS nicht unter gleich günstigen Umständen zurücklegte. Zur Z it ist jede Spur des Unwohlseins, welches den hohen Herrn so lange in Berlin zurückgehalten hatte, beseitigt. Der Kaiser hat für die Erbauung einer evangelisch n Kirche in Bodcnheim die Summe von 4000 Mk. bewilligt. Bodenheim war im Jahre 1793 einige Z it Ort deS Hauptquartiers der preußischen Arme?, bei welcher sich der Vater unseres Kaisers, der nachmalige Kövig Friedrich Wilhelm III. als K onprinz b-fand. Jn Dodenheim statteten auch die beiden jungen Prinzessi men von Mecklenburg - Strelitz, die nach­malige Köatgt« Louise, damals die Braut dkS Kronprinzen, und deren Schwester, dem Kön'ge im Hauptquartier einen

um sich mit einer Fogltette Wein für die weitere Wanderung zu stärken.

Der Weg von Albano noch Arinia ist fo herrlich, so poetisch, als wäre er nur für Dichter und Deuker gefchaffen. In der duftigen Dämmerung, die unter den dichten 8au> krönen b;r Kastanien und Platanen herrscht, wird die Phantasie angeregt und die Seele weich und lyrisch gestimmt.

An einer Biegung des Wegs, wo der Wald eine mit Absicht gelassene Lichtung zeigte, bliebe» die beiden Wanderer überrascht st-hm; weit draußen in der Ferne, erglänzte daS Mitt im Sonnenschein, voll erhabener Ruhe überwältigen­der Majestät.

Noch eine kurze Strecke Weges, der Wald ward dünner und dünner und plötzlich lag daS freundliche Stäetchen Arinia mit seinen flachen, w-ißgetüchtm Häusern uvd der schönen Kuppel seines der P terSkirche in Rom freilich In viel kleineren Verhältnissen uachgebildeten Gotteshauses vor beiden jungen Deutschen.

Außer seiner reizenden Lage bietet der Fl-ckm aber nichts Bemerk nswertes, und Herbert mit feinem Begleiter hielten sich daher niit auf, sondern ma-fchiexi-m ruhig weiter, dem Ziele ihres AniflugeS, dem Stä-tchen G-nzauo, zu.

Hier herrschte reg'S Lebm und Treiben; aus der ganzen Umgegend waren He Stadt- und Landleute habeleM, um t-il zu nehmen an den Blumenfesten, das für das Städtchen eine O» lle ansehnlicher Einkünfte bietet.

Singende Bauern mit ihren in bunte Stoffe gekleideten Frauen uns Mädchen, alle mit Blumen U'ch Kränzen ge­schmückt, durchzogen die Straßen, Pifferari, ten Dudelsack blasend, lenkten die Aufmerksamkeit auf sich, und das kleine, zerlumpte Mädchen mit den schwarzen, flehentlich blickenden

Besuch ab. Fürst Hohenlohe reist, wie berichtet wird, nach Gastein, um sich dem Kaiser als neuer Statthalter von Elsaß - Lothringen vorzustellm. Die Einzelnheitm des Amtsantritts und daS Programm der Ao tSführung sind eben in Varzin nach eingehmder Erörterung definitiv fest- gestellt worden, Die demnächst zur Publikation ge­langende revidierte Snbmissionkordnung enthält eine Be­stimmung, wonach solche Gebote, welche nach dem Urteil der Behörde den Selbstkostenpreis nicht erreichen, von der Beteiligung an der Konkurrenz ausgeschlossen find; damit würden die Schleuder-Fabrikanten nicht mehr zuzulafien fein. Ein Artikel derVofsischen Zeitung* bemängelt, daß in den Mitteilungen derNordd. Allg. Ztg.* Nr. 328 über die finanziellen Ergebnisse der Eisenbahnverwaltung seit der Verstaatlichung die Bezeichnmigkn derUeberschüffe* undTilgung* der Staatsschuld in eine den Leser irre­führende Beziehung gebracht sind. Der Vorwurf trifft nicht zu. Als Ueberschuß sind genau diejenigen Zahlen angegeben, welche in den StaatShaushaltSüberfichten und Etats unter dieser Bezeichnung angegeben sind. Daß in denselben ein im Vergleich zu dem Gesamtbeträge verhält­nismäßig recht erheblicher Betrag enthalten ist, welcher lediglich aus der Veränderung des Rechnungsjahres für die verstaatlichten Bahnen herrührt, ist so bekannt, daß eS einer besonderen Hervorhebung dieser Thatsache nicht bedurfte. Auch von dem Ueberschuß für 1884/85 stammt ein Teil aus der Veränderung des Rechnungsjahres für die 1883 verstaatlichten Bahnen her, ein anderer aber aus den Be­triebsergebnissen. UebrigenS sind die Bemerkungen der Voss. Ztg." über die Vermehrung der Renten und StaatS- schuldzinsen insofern nicht ganz treffend, als alle zu Lasten des Eisenbahnetats zu leistenden Zahlungen an Renten, Prioritätszinsen stets für das Jahr verrechnet werben, für welches sie erwachsen sind, während die Staatsschuldenver­waltung die Ausgaben in dem Jahre verrechnet, in welchem lle Zinsscheine fällig werden. WaS die Tilgung der Staatsschuld anlangt, so haben wir übrigens nach dem Vorgänge des fortschrittlichen ABC Buches, aber unter Ver­meidung ein?- großen Irrtums in bezug auf t ie Zahlen die noch dem Etat der Ausgabenüberstcht der Staats- schuldmverwaltung zur Tilgung der Staatsschuld effektiv erforderlichen Beträge eingestellt. Ob dasselbe genügt, ist eine Frage der Finanzpolitik, hat aber mit der retrospek­tiven Finanzstatistik nichts zu thnn. Wenn endlich bemän­gelt wird, daß ras Garantiegcs tz vom 24. März nicht zur Betrachtung herangezozen ist, so übersieht dieVoss. Ztg." einfach, daß dieses Gesetz sich mit der Staatsschuld gar nicht bschästigt, sondern mit der Eisenbahnkapitaffchuld, d. h. dem zu Lasten der Eisenbahn geschriebenen Schuld- kapital, das mit der Staatsschuld in keiner Welse identisch ist. Während sich z. B. in ccm Entwürfe des laufenden Etats das Erfordernis für die V.rzinfung der Eifenbahn- k pitalfchnld auf rund 157 Millionen Mark beziffert, er»

Anzkn wußte den Moment, wo ein Vorübergehender einen Augenblick der einförmigen Melodie lauschte, geschickt zu benützen, um ihm mit stummer Bitte ben breitkrämpigen Hut Ihres Vaters Hinzubalten.

Aus den Wirtshäusern und Weinstuben aber drang Heller Jubel, Lachen, Stimmengewirr heraus und zwischen durch war wohl auch ein Zank, ein Wortwechsel zu unterscheiden; daS l-bhafte, südliche Temperament ist eben leicht erregt unv der unter der heißen Sonne Italiens gereiste Wein erhitzt die Gemüter noch mehr.

UnrrtikulierteS Summen und Brummen tönte den Beiden entgegen, als st? in eine Osteria traten, um sich noch der Wanderung ein wenig zu restaurieren und gleichzeitig ein Stuck italienisches Volksleben kennen zu lernen, wir eS in dieser urwüchsigen Natürlichkeit sich nur selten zeigt.

An hölzernen grob gezimmerten Tischen und gleicharti- gm Bänken saß n zahlreiche Landleute, lärmend und lachend, singend und flachend. Die meisten hotten ihre Fogliette Wein vor sich st-hen, Andere aßen ihren PreSciutto, den sie von Z it zu Zit mit einem Schluck Wein anfeuchteten, und noch Andere endlich, namentlich Frauen, laugten aus einem mitgebrachten Korbe eine Apfelsine nach der anderen h rvor, tiff n mit dm Fingern die Schale ab und warfen diese aus dm Fußboden, während sie die saftige Frucht ebenfalls mst den Händen zerteilten und ihrer Bestimmung zuführtcn.

An der einen Seite der Wand fbnb der Kochherd, auf dem eS brodelte und schmort-, baß ein widerlicher Dampf bos niedrige Zimmer erfüllte. Eine alte nicht eben beson­ders saubere Italienerin stand am Herbe und beaufsichtigte da- Feuer uns daS in bet Zubereitung begriff ne Esten,