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Rt. Las

AlarSurg, Mittwoch, 23. Juli 1885.

XX. Jahrgang.

WnMche jtitnno

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, fowied.Annoncen-Bureaux von Haasenstein undVoaler inFrankurt a. SR., Raffel, Magdeburg und Wien; RudolfMoffe in Frankfurt a. SR., Berlin,München und

Köln: ®. 2. Daube und So. in Frankfurt u. !Dt verlin,Hannover u Paris

Erscheint täglich außer an sßerttagen nach Sonn« und Feiertagen. Quartal« Sbonnements«Prels bei der Expedition 21/« SRt., bei ben Postämter S Ml. 50 «ff. (er cl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die Aaltene Zeile 10 Bfe Pellamen^^^ die Zeile

Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg n. Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.

Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

....... 1 I

Bestellungen für die Monate August und September auf dieOberhesfischeZrituug und deren Beiblätter werden sowohl von der Post als der unterzeichneten Expedition entgegengenommen.

Auf dem Lande nehmen die Landpostboten Bestellungen an.

__________________Exped. der Oberh. Ztg.

' Deutscher Reich.

Berlin, 20. Juli. Fürst Chlodwig Hohenlohe-Schil- lingSsürst, der inzwischen von hier nach Varzin weitergereist ist, ist zwar noch nicht förmlich zum kaiserlichen Statthalter von Elsaß-Lothringen ernannt, jedoch unterliegt es keinem Zweifel mehr, daß die kaiserliche Emennung demnächst er­folgen wird, da er diese ihm angrbotme Stellung jetzt end- Mtg angenommen hat. Die Wahl, welche die ReichS- rcgiemng in ihm getroffen hat, ist unter den gegenwärtigen Verhältnissen die glücklichste, die getroffen werden konnte. Der Süddeutsche wird den Elsäffern doppelt willkommen sein, zumal er jetzt während seines elfjährigen Aufenthalts in Frankreich die beste Gelegenheit gehabt hat, die guten wie die schlechten Setten französischer Verwaltung kennen zu lernen; die altdeutschen Beamten aber können um so mehr mit seiner Wahl zufrieden sein, als der Fürst die Grund­lagen seiner VerwaltungSthätigkeit sich im preußischen Staats­dienst, als Auskultator in Ehrenbreitstein und als Referen­dar in Potsdam, gelegt hat. Was aber das wichtigste ist, Fürst Hohenlohe hat in seinem retchbewegten Leben, vor allem alS bayerischer Minister nach 1866 und als deutscher Botschafter in Paris feit 1874, auf den schwierigsten, ver­antwortungsreichsten Posten stets bewiesen, daß er der richtige Mann au richtiger Stelle und ganz und tadelsfrei seiner Aufgabe gewachsen war. So wird denn auch j tzt allseitig die Erwartung und das Vertrauen gehegt, daß seine Berufung als Statthalter für die ReichLlande eine neue glückliche Aera bedeuten werde. Der Fürst ist erst 66 Jahre alt, vollauf rüstig; zu feinem guten Willen bringt er die beste Arbeitskraft mit. In den maßgebenden Kretseu Frank­reichs aber wird der Fortgang dieses alle Zeit als maßvoll, patriotisch, entgegenkommend und taktvoll bewäh ten aus­gezeichneten Diplomaten als ein schwerer Verlust empfunden werden. Sein Nachfolger, als welcher in unterrichteten Kreisen der Botschafter in Petersburg, General Schweinitz, angesehen wird, wird große Mühe haben, diese Lücke voll auszufüllen. Die Eingabe an den Fürsten Bismarck, welche die Generalversammlung des Minden-RavenSbergtschen Bauernvereins in Sachen der Doppelwährung abgrsandt hat, lautet, wie dieN. Wests. VolkSztg." schreibt, wie folgt: .Der Beschluß deS Bundesrates, den Anträgen auf Ein­führung der Doppelwährung keine Folge zu geben, hat uns betrübt und mit Besorgnis erfüllt, und können wir eS nicht unterlaffen, jede Gelegenheit zu benutzen, um aufs neue für dieselbe einzutreten. Wir bitten Ew. Durchlaucht deshalb

Im Baun des Schicksal».

Roman von Moritz Lllie.

(Fortsetzung.)

«Zweifelst Du jetzt noch?' fragte der alte Registrator laut, fast rauh.

«Wer hätte dcS geahnt?* seufzte Agne« kaum hörbar und ihre Thräneu stoßen reichlicher.

«Aber ich will ihm noch einmal schreiben, ihm die kurzen, glücklichen Stunden, die wir verlebten, inS Gedächtnis zurück­führen, ihm erklären, daß ich die Seine bleibe, ihm 618 ans Ende der Welt folgen will, rur soll er mir sagen, daß er mich noch liebt, daß sein AbschtedSbries eine Unwahrheit, eine Uebereilung war."

Der Registrator hatte sich au dm Tisch gelehnt und seiner Tochter schweigend zugehört; nur ein mißbilligendes Kopfschütteln deutete an, daß er mit ihrm Anflchteu nicht einverstanden sei.

Auch jetzt noch beharrte er in dieser Stellung.

«Das wirst Du nicht thuu, Agnes, so weit wirst Da Dich nicht demütigen!" sagte er in bestimmtem Tone.

Einem Manne, der mit den heiligsten Gefühlen des Menschenherzens spielt, wirst Du Dich nicht aufdrängen; denn aufdringlich würde eS erscheinen, wenn Du ihm schreiben wolltest, Du bliebest die Seine, Du würdest ihm folgen, wohin er sich auch wende."

Der Registrator trat zu dem Mädchm und legte die Hand auf ihre Schulter.

Sieh, Agnes, wäre eS nicht eine Mißachtung Deiner selbst, wolltest Du diesem Manne auch nur die Ehre er­weisen, seinen Brief zu erwidern?" fuhr er begütigend fort

«Du hast Dein Verträum einem Unwürdigm geschenkt,

ganz gehorsamst, uns diese ehrerbietige Vorstellung gütigst verzeihen zu wollen. Uns sind die Ausführungen der wiffen- schaftlichen Verteidiger der Doppelwährung viel überzeugen­der, als die ihrer Gegner. WaS uns aber vor allem gegen die Goldwährung einnimmt, ist folgende einfache Erwägung: Wenn Gold allein das Geldmetall der großen handeltreiben­den Völker fein soll, fo muß es in sehr verstärktem Maße zu Geld geprägt werben. Da feine Produktion nicht in gleichem Maße steigt, so muß eS durch die verstärkte Nach­frage stetig im Preise steigen. Dabei gewinnt natürlich der Geldmann, denn sein Geld steigt im Preise. Wenn auch der Zinsfuß sinkt, so kann er sich dafür doch mehr kaufen als früher. Der Produzent dagegen verliert, denn er kann den alten Preis für feine Waren nicht mehr erzielen, das Sinken deS Zinsfußes kommt ihm nur sehr unvollkommen zu gute und seine Ausgaben au Betriebskosten und Steuern verringern sich nicht, wenigsten« nicht in gleichem Maße. Naturgemäß ist also der Kapitalismus für die Goldwährung und hat in der vorerwähnten Sitzung des BundeSratS einen bedauerlichen Sieg über den Produzenten davongetragen. Wir sind in der festen Hoffnung, daß Ew. Durchlaucht diesen Sieg bald in eine endgültige Niederlage verwandeln werden. Es liegt in unserem Jnterefle, daß daS Geld in einem möglichst stetigen Preisverhältnis zur Ware erhalten werde. DaS aber glauben wir davon erwarten zu können, wenn der Silberentwertung durch seine Wiederverwendung zum Gel: prägen und der Verteuerung deS Goldes durch Verminderung seiner Ausprägung gesteuert, zugleich aber ein festes Verhältnis zwischen dem gemünzten Silber und Gold eingesctzt wird. Dieses Verhältnis könnte, wenn eS sich in Wirklichkeit verschiebt, zu gunsten deS im Preise sinkenden MetalleS dann dadurch möglichst hergestellt werden, daß man gerade dieses stärker zum Prägen oder zur Hinter­legung in Barren verwendet. Eure Durchlaucht bitten wir deshalb auf das dringendste, bett Bundesrat zu dem Befchluffe bewegen zu wollen, die Doppelwährung im Wege internationaler Verhandlungen herbeizuführen. Biele­feld, den 15. Juli 1885. Die General - Versammlung des Minden - Ravensbergischen Bauern - Vereins." Zum Maurerstreik meldet die «Baugewerks Ztg.", daß die Zahl der jetzt wieder arbeitenden Gesellen in den letzten acht Tagen sich verdreifacht habe. ES arbeiteten jetzt schon über 3000 Gesellen und diese Zahl wachse von Tag zu Tag. Der Streik der Schlaffer ist nun auch beendet. Er hat 3 Wochen gedauert, während welcher Zeit 58 Ge­sellen unterstützt wurden. Vs der Meister haben die zehn­stündige Arbeitszeit angenommen. In einer am Sonn­abend Abend stattgehabten Versammln-g bei Jordan) Alte Jakvbstraße, wurden die Thatsachen konstatiert. Die Stim­mung der recht zahlreich anwesenden Schlosser war eine so aufgeregte, daß mehrmals die Auflösung drohte und einer der Gesellen durch einen Schutzmann aus dem Saal be­fördert werden mußte. Der Letter der Lohnbewegung und

er hat Dich getäuscht, htntergangen und betrogen, er ver­dient e8 nicht, daß Du Dich um ihn grämst. Suche ihn zu vergeffen und danke dem Himmel, daß diese Wendung jetzt schon eingetreten ist, wo Tu den Treulosen leichter vermissen wirst, als nach jahrelanger Bekanntschaft. Willst Du mir folgen, den Brief unbeantwortet (offen?"

Agnes hob das thränenfeuchte Auge, das anzuschauen war wie ein in Thau schimmerndes Vergißmeinnicht, zu ihrem Vater empor.

Ich will l" lispelte sie leise.

Der Registrator drückte seiner Tochter befriedigt die Hand.

«Du weißt, Agnes, daß ich von Anfang au gegen diese Verbindung war," nahm er wieder das Wort.

Erinnerst Du Dich, wie ich Dich warnte und ermahnte, als die Witwe Sträuber Dir ben Blumenstrauß von dem da drüben überbrachte? Damals trat die Frau für ben jungen Manu mit einem wahren Eifer ein und dichtete ihm alle möglichen guten Eigenschaften au, wahrscheinlich, well er gute Trinkgelder zahlte. Jetzt sichst Du, wie es mit den Tugenden dieses Herrn Künstlers bestellt war, und wie wenig zutreffend sich die Lobeserhebungen der Sträuber erwiesen. Ich aber habe die freilich traurige Genugthuung, richtig geurteilt, daS Unglück vorauSgeskhen zu haben."

Eine solche Treulosigkeit habe ich nimmermehr für möglich gehalten!" sagte daS Mädchen leise und mit beben­der Stimme.

Nun, ich mache Dir keinen Vorwurf, Agnes; war ich eS schließlich doch selbst, der am Weihnachtsabend den Maler ins Haus brachte, weil ich eS nicht mehr mit anzusehen ver­mochte, wie Dich der Harm verzehrte," beruhigte der alte Beamte seine Tochter. «Du aber bist nur um eine bittere

der Versammlung, Schlofler Thieme, wurde vielfach ange­griffen, rechtfertigte jedoch fein Verhalten genügend. Die Versammlung dauerte bis 2 Uhr nachts. Heber Lehr- lingSwesen und JnnungSbildung läßt sich der Jahresbericht der Handelskammer von Koblenz, ausgehend von den Klagen über mangelhafte Ausbildung der Lehrlinge und demgemäß auch der Gesellen und künftigen Meister, wie folgt auS:Bei der jetzigen Lage des Handwerks und mit Rücksicht auf die immer stärker hervortretende Vorliebe für geschmackvolle, wenn möglich künstlerisch durchgebildete Her­stellung aller Gegenstände deS täglichen Gebrauchs und der Ausstattung kann in Einrichtungen, welche eine sorgfältige Ausbildung der Lehrlinge herbeizuführen geeignet sind, nur die beste Waffe des Handwerks im Kampfe mit der fabrik­mäßigen Produktion erblickt werden. Von diesem Gesichts­punkte aus haben sich denn auch Kreise mit der Förderung der JnnungSbildung einverstanden erklärt, welche sonst an dem Prinzip der Gewerbefreiheit nicht gerüttelt wissen wollen, wir dies durch die Einführung der Bestimmung des 8 lOOe in die Gewerbeordnung geschehen ist. Wie wünschenswert unter Umständen die JnnungSbildung sein kann, zeigt sich in dem Steinindustriebezirk deS Kreises Mayeu, wo nach kompetentem Urteil die Zukunft eine» zur Zeit blühenden, für die ganze Gegend außerordentlich wichtigen Industriezweiges durch das derzeitige ungeregelte LehrlingSwefen geradezu gefährdet wird." DaSBerl. Tagebl." teilt mit, daß dem Reichstage ein Anleihegesetz über 150 bis 160 Millionen Mark zur Ausführung des Nordostseekanals zugchen soll. Demselben Blatt ist von dem Afrikareisenden Denhardt folgendes Schreiben zuge­gangen: Ohne mir auch nur im Geringsten ein Urteil über daS Vorgehen des deutschen Generalkonsuls RohlfS zu erlauben, halte ich es doch für meine Pflicht, zur Steuer der Wahrheit zu konstatieren, daß bereits bei meinem Ein­treffen in Zanzibar am 29. Dezember 1884 dir Asagara- Erwerbung daselbst bekannt war und daß Herr Gerhard RohlfS erst am 27. Januar 1885 In Zanzibar ankam. Dieses Schreiben bezieht sich auf das vor ca. 8 Tagen veröffentlichte Schreiben des Reifenden Dr. Fischer, in dem die hier bestrittene Behauptung aufgestellt war.

Die Meldung, daß im nächsten Etat größere Geld­forderungen für Zwecke des Heeres und der Marine er­scheinen werden, ist schon deshalb verfrüht, weil die ein­zelnen Etats noch gar nicht zum Abschluß gebracht sind und insbesondere die Frage wegen des Baues eines Nord- Ostsee-KanalS noch gar nicht entschieden ist. WaS insbe­sondere den Etat deS LandheereS angeht, so ist soviel ge­wiß, daß erheblichere Mehrsorderungen erst bei der Er­neuerung deS im März 1888 ablaufenden MilitärseptenatS zu erwarten sind. Die Mehrforderungen werden sich vor­aussichtlich auf vier Punkte beziehen, die gegenwärtig noch der sorgfältigen Erwägung an den maßgebenden Stellen unterliegen. Zunächst handelt eS sich um die schon häufig

Lehre reicher, und wirst künftig gewiß nicht nur einzig und allein den Eingebungen deS Herzens folgen, sondern gewiß auch ein wenig ben Verstaub mit zu Rate ziehen."

Die Morte beS alten Mannes verfehlten ihre Wirkung auf bas junge Mädchen nicht; sie fühlte, daß er Recht hatte und baß alles Unhett vermieven worden wäre, wenn sie seinen Willen befolgt hätte. Unwillkürlich mußte sie an das Dichterwort vom Fluch der bösen That denken, und mit einer Art Beschämung gestand sie sich ein, daß nur sie allein ein Vorwurf treffe, wenn sie jetzt ihren Ungehorsam büßen müffe.

Sie legte den verhängnisvollen Brief sorgfältig zusammen, steckte ihn in ein Konvert und barg dasselbe in einem Schub- sach ihrer Kommode. Dann nahm sie ihre Arbeit wieder ans.

Während dem spielte sich in der Wohnung de« alten Grasen Tembrowski eine andere Szene ab. Dort saß dieser mit seinem Vertrauten Dr. Praß in eifrigem Gespräch be­griffen, und das eigentümliche, krampfhafte Zucken der Hände, welches sich heute häufiger als sonst zeigte, bewies, daß der alte Herr nicht besonders froher Stimmung war. Dabei zündete er eine Zigarrette nach der andern au, so daß die Stube mit dichtem Qualm erfüllt war.

Der srühere Rechtsanwalt bagegen war die Ruhe selbst; er lag im Sessel zurückgelehnt und seine Hand spielte ge­wohnheitsmäßig mit der dicken goldenen Uhrkette, die von der Weste herabhing, während in dem vollen, roten Gesichte keine Musk l zuckte und nur zuweilen einer jener unheim- lichen Blitze ans den Augen schoß, die ben rücksichtslosen Charakter des ManneS verrietm.

«Wie ich Ihnen sage, Herr Graf, ich brauche bringenb Geld," sagte der abgesetzte Advokat in geschäftsmäßigem Tone,