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XX. JahlMg.

Marburg, Sonnabend, 18. IM 1885.

Skr. 166.

grscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. - Quartal- Sbonnements-Prelsbei der Expedition 21/. Äik., bei "n Postämter 2 Mk. 50

tfsrr» * 25 Vf*.

OIicrliHsllie jcitiniii.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte*, f owied.Annoncen-Bureaux von Haasenstein undVoaler in Frankurt a. M., Kassel, Magdeburg und .Wien; RudolfMoffe in Frankfurt a. DL, Berlin,München und Köln: ®. L Daube und do. in Frankfurt a. SR* Brrltn,Hannover n. Pari*.

Mchcntlichc Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. -. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.

Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. Koch.____________________________________

Deutsche» Reith.

Berlin, 16. Juli. Staats- und Justiz-Minister vr. Friedberg begab sich heute nach Bad EmS und Minister von Goßlrr nach der Schweiz. Von »ut unterrichteter Seite wird dem »Hamb. Korr." bestätigt, daß Prinz Reuß die meisten Aussichten habe, Regent de* Herzogtum* Braunschweig zu werden. Zum Statthalter der Reichslande wird der deutsche Botschafter in Paris, Fürst von Hohenlohe, voraussichtlich ernannt werden. Als Stellvertreter für den Botfchafterposten in Paris soll Graf Hatz'eldt in Aussicht genommen fein. Da das neue VollSfchullehrer - PeustonSgefch auf die Lehrer an den so­genannten Mittelschulen keine Anwendung findet, anderer­seits dieselben aber auch von den Wvhlthaten deS Pensions- Gesetzes für die höheren Lehranstalten auSgefchloflen sind, so ist für sie ein bestimmter Modus der Pensionierung gegenwärtig nicht vorhanden. Diese Lücke soll durch eine sofort In Angriff zu nehmende Gesetzvorlage auögesüllt werden. DaS sog. Kommunal - Notsteuergesetz, welche« Kotz der gegen die Einkommensbesteuerung des Fiskus zu erhebenden prinzipiellen Bedenken Sr. Majestät von dem StaatSminifterium zur Sanktion unterbreitet ist, nimmt, wie dieBerl. Polit. Nachr.' hervorhrben, aus dem Rahmen der Kommuualsteuer - Gesetzgebung drei verschiedene, der Lösung dringlich bedürftige Punkte vorweg. DaS Recht, das Einkommen der juristischen Personen und deS FiSkuS zu besteuern, war bisher ein durchaus ungleiches; das Ge­setz gewährt allen Gemeinden das umfaffende Besteuerungs­recht, welches die Provinz Rheinland und Westfalen und die Stadtgemeinden der östlichen Provinzen und SchlcSwig- Hotst-in allein besaßen, und beseitigt damit eine von dem Minderberechtigten schwer empfundene Rechtsungleichhett innerhalb deS Staates. Die Besteuerung deS Einkommens aus den StaatSbahuen war feit der Verstaatlichung aus zwei Gründen einer Reform dringend bedürftig. In den VerstaatlichungSgefetzen war zur Vermeidung von Benach­teiligung der an der Kommunalbesteuerung beteiligten Ge­meinden in dieser Hinsicht zunächst der Status quo aufrecht erhalten, wahrend mit der fortschreit udm Durchführung der Organisation der StaatSetfenbahnverwaltung die Vor- auSs tzungen für die Fortführung diese« Zustandes mehr und mehr hinfällig wurden. Sodann war oer Berteilungö- maßstab, nach welchem die einzelnen Gemeinden an dem Gesamteinkommen partizipierten, ein durchaus willkürlicher und der Aenderung dringend bedürftiger. Drittens ge­währten namentlich auf dem platten Lande die bestehenden Bestimmungen nicht ausreichende Garantie gegen die Doppel­besteuerung des Einkommen« aus Grundbesitz und de« Ein­kommens derjenigen Perfonen, welche Doppelwohnsttze haben. Es sind daher praktische Versuche nicht unerheblicher Art, welche da« nunmehr bald in Kraft ketende Gesetz für die Gemeinden und Steuerträger zu einer wertvollen Gabe macht. Die Regelung der Verhältnisse der Gcpäckt>äger

Im Baun deS Schicksal».

Roman von Moritz Lllie.

(Fortsetzung.)

Wann gedenken Sie die Arbeit abzuliefern?' fragte die Baronin das Mädchen.'

.34 hoffe, in etwa 8 Tagen damit fertig zu sein, gnä­dige Frau,' entgegnete AgneS.

Gut, ich erwarte Sie um diese Zeit. Gehen Sie jetzt, und geben Sie sich Mühe, eS ist ein wertvoller Stoff, den ich Ihnen anvertraue.' ......

Agne« ging, aber kaum hatte sich die Thür hinter ihr geschloffen, als der frühere Rechtsanwalt hastig auf die Baronin zuschritt und ihr das Blättchen aus der Hand nahm.

Sie scheinen rin ganz besonderes Jntereffe für diese Näherin zu haben,' meinte Jene verwundert.

Gewiß, gnädige Frau, habe ich daS; denn diese Kleine ist keine Andere, als daS von uns längst gesuchte Ideal des jungen Grafen TembrowSki, tu welches er bi« zum Sterben verliebt ist, ohne bisher von ihr mehr gesehen zu haben als die« Bild,' stieß der Doktor erregt hervor.

Ah Sie erzählten mir ja schon von dieser seltsamen Grille deS exzentrischen jungen Mannes,' rief die Baronin überrascht au«.Dieses Mädchen also ist eS? Nun da« Lärvchen ist ja nicht Übel, eine sentimentale Pflanze, auf dem Boden der Armut gewachsen und mit der Milch frommer Denkungsart großgezogen I' fügte sie geringschätzig hinzu; ein Graf könnte seine Auzen schon etwas höher erheben.'

Diese Entdeckung wird den verliebten jungen Manu glücklich machen, auch für gewiffe Andere ist sie von hohem Werte,' sagte Praß nachdenklich im Selbstgespräche.

Auch mir kommt fir nicht ungelegen. Sie sollen auch

auf den Eisenbahnen wird in dem Blatte desVereins deutscher Eisenbahn - Verwaltungen' einer eingehenden Er­örterung unterzogen. Diese Gepäck- oder Kefferkäger müffcn bekanntlich von den Reisenden besonder« bezahlt werden und sollen nun nach dem in dieser Erörterung ge­machten Vorschläge nicht mehr unmittelbar von den Reisen­den bezahlt werden, diese vielmehr bei Ausgabe deS Gepäcks gleich mit der Gepäckfracht oder Fcachtanmeldung am Schalter eine feste Gebühr entrichten. Bet den meisten Bahnen be­steht diese, einem Trinkgelde ähnelnde Gebühr als Gesamt« einnahme dieser Kofferträger. Obwohl letztere somit von den Eisenbahn-Verwaltungen nicht besoldet werden, sind den­selben alle sonstigen bet der Gepäckabfertigung entstehenden Arbeiten, als Bekleben, Verwiegen, Aus, Ein- und Umloben de« Gepäcks, Reinigen und Heizen der G päckräume u. s. w. übertragen, was jedenfalls ein ungesunder Zustand ist. Des­halb wäre es angebracht, allgemein bet Aufgabe eine Ge­bühr, fei eS als Einfchrcibegebühr für Sendung, sei e« Abfertigungsgebühr für Stück oder Gewicht, einzuführen und dafür die Annahme und Ausgabe der Gepäckstücke unbedingt am Ein-, bezw. Ausgange der Bahnhöfe vorzunehmen. In der heutigen Prozeßverhandlung gegen Hofprediger Stöcker wegen öffentlicher Beleidigung des Fabrikanten Schmidt in Elberfeld ist Stöcker zu 150 Mk. Geldstrafe, event. zu 15 Tagen Gefängnis verurteilt und dem Belei­digten die Publikationsbefugnis imReichsboten' und in demSiegener Wochenblatt' zugefprochen worden. Auf die Wtedcrktage Stöckers ist Schmidt wegen eines Falles zu 50 Mk. Geldstrafe, event. zu 5 Tagen Gefängnis ver­urteilt und dem Wiederkläger die Publikationsbcfugnis im Siegener Volksblatt' zugefprochen worden.

Wie dieKolonial-Politische Korrespondenz' mit­teilt, ist der Chef der bekannten Elberfelder Bankfirma, Herr Karl v. d. H;ydt, in das Direktorium der Ostafri­kanischen Gesellschaft eingetreten, während Dr. Hübbe- Schleiden und Konsul Gebhard Elberfeld in den Ausschuß der Gesellschaft für Kolonisation kooptiert wurden. Ferner werden folgende ExpebttionSriachrtchten mitgetetlt: Die Expedition des Herrn Dr. Jühlke, weiche Anfang Mai von Pangani ans ins Kilima-Nvjaro-Gebiet beordert war, hat die ihr gestellte Aufgabe schnell und mit Erfolg gelöst. Premierlevtnaut Weiß werde mit dem nächsten Dampfer nach Berlin kommen und Bericht erstatten. Graf Pfeil sei, wie auS seinem letzten Bericht hcrvorgehe, nicht aus eem Waffcrwege den Rufirji hinunter, sondern zu Lande, durch Chutu in Zanzibar etngctroffcn und dürfte bereit« wieder tnS Innere abgegangen sein. Major v. Devivere mit den Herren v. Kleist und v. Bülow al« seinen Offi­zieren habe bei dem Hinaufmarsch nach Ufagara den Ver­such unternommen, de« Warnt mit einem Segelboot so weit als möglich hinaufzufahren. Die Expedition Hör- necke, die von Witu aus ins Innere gehen sollte, sei bei ihrem Vorgehen auf sehr groß? Terratnschwirrigkeiten ge-

erfahren, weöhalb,' erklärte Ludmilla.Ich bat Sie bet Ihrem letzten Hiersein um Ihren Besuch, Herr Dokror; eS ist mir lieb, daß Sie gerade heute in dem Momente kamen, wo birst S Mädchen hier war.'

Ich kam infolge Ihrer Aufforderung, gnädige Frau,' versicherte der abgesetzte Dvokat,wenn ich recht gehört habe, wünschten Sie wich in Angelegenheiten einer Hand­schrift zu sprechen.'

Die Baronin nickte bejahend.

Wie finden Sie diese Züge?' fragte sie, auf da« Blatt deutend.

Dr. Praß trat näher an das Fenster mb betrachtete aufmerksam den Zettel mit der Abrisse der Geliebten deS Malers.

ES sind einfache ungekünstelte Buchstaben, von einer in Schreiven ungeübten Frauenhand hervorgebracht,' ent­schied der Gefragte.

Desto bester, wenn fir einfach und ungekünstelt stndl' fiel eie Freifrau rasch ein.

Aber lasten Sie uns in ein anderes Zimmer gehen, Doktor, ich habe mit Ihnen zu reden, und Sie misten, die Wände haben Ohren. Nebenan ist da« Gemach eines Kammermädchens, eines neugierigen Geschöpf?«, das mit Auge und Ohr nicht vom Schlüsselloch wegkommt, sobald sie etwa« Außergewöhnliches wittert, und auf dem Vorsaale spannt der Diener alle Sinne an, um ein Wort von dem, was in meinem Zimmer vorgeht, zu erlauschen. Folgm Sie mir in die blaue Stube, dort können wir un« ungeniert aussprechen.'

Sie ging voraus, dec Jurist folgte.

Ich bin für niemand zu sprechen, Jean, hörst D«, für

stoßen und habe einen Teil ihre« G päck« bei bet| Neber- schreitung von Sümpfen verloren; ein Teil ihrer Leute sei durch die feindselige Haltung der Truppen de« Sullan« von Zanzibar zum Desertieren veranlaßt worden. ES wäre dabei zu einem feindlichen Zusammenstoß zwischen beiden Teilen gekommen, wobei von Seiten der Expedition etwa 80 Schuß abgegeben worden. Herr v. Anderten sei nach Zanzibar zur Berichterstattung und etwaiger Neu- rekrutierurig abgesendet, während die Expedition Anfang Juni am Tana eine befestigte Stellung eingenommen habe. Ferner wird gemeldet, daß am 17. dieses Monats die sechste Expedition der deutsch - ostafrikanischen Gesellschaft von Venedig nach Zanzibar abfahren werde, deren Leitung Leutnant Quehl mit Leutnant Schmidt übernehmen, und daß das Direktorium der Deutsch - Ostafrikanifchen Gesell­schaft beschlossen habe, in Zanzibar einen ständigen poli­tischen und kaufmännischen Vertreter der Gesellschaft etn- zusetzen. Endlich wird gemeldet, daß die frühere Mit­teilung derKolonial-Politischen Korrespondenz', die Nach­richt vom Einrücken der Sultanstruppen in Usagara könne möglicherweise auf einem Mißverständnisse beruhen, nach den letzten Berichten aus Ostasrika eine irrige gewesen sei. Der Sultan von Zanzibar habe in der That Truppen in das deutsche Gebiet entsendet. Dieselben wären Anfang Mai in Muintn Saraga eingetroffm. Graf Pfeil habe, sobald er die« erfahren, dafelbst von neuem die deutsche Flagge gehißt und im Namen der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft gegen daS Vorgehen der Araber protestiert. Diese hätten hernach die SultauSflagge gehißt.

Coblevz» 16. Juli. Gestern machten der Kaiser und die Kaiserin eine einstündige Spazierfahrt durch die Um­gebung der Stadt; heute machten dieselben ebenso von 10 bi« 11 Uhr eine Spazierfahrt. Das Diner findet um 5 Uhr statt, die Abreise des Kaisers um 91/2 Uhr.

Hannover, 15. Juli. Gestern abend fand, wie all­jährlich bei Gelegenheit deS Schützenfestes, ein Festessen statt, zu welchem stet« die Spitzen der Behörden etngeladen werden und erscheinen. Auch der Herr Oberpräsident der Provinz, v. Leipziger, war zugegen. Gebräuchlich ist, daß jeder Teilnehmer einen Toast auöbringt. AI« die Reihe an den Bürgervorsteher Winkelmann kam, brachte dieser einen Toast auf den Herzog von Cumberland aus. Der Oberprästdent und die anderen hohen Beamten ver­ließen sofort den Saal. Senator Bube trat au Winkel- manu heran und erklärte diesem, er habe die Gastfreund­schaft so gröblich verletzt, daß seine Gegenwart nicht länger geduldet werden könne. Derselbe wollte der Aufforderung nicht Folge leisten, war aber schließlich dazu gezwungen, da er nur als Gast gegenwärtig war.

München, 14. Juli. DerVerein deutscher Studenten' hat nun auch hier Fuß gefaßt. Ein soeben begründeter Verein ladet alle Mitglieder auswärtiger deutscher Studenteu- Vereine, sowie alle Kommilitonen,denen die Förderung

niemand!' rief sie dem Lakai zu, «ährend ste den Korridor entlang schritt.

An der letzten Thür blieb sie stehen, zog den Schlüssel au« der Tasche und öffnete.

Hier sind wir so ungestört wie auf einer einfomen Insel des großen Ozean«' sagte sie, dm Riegel von innen vorschiebend.

Dann ließ sie sich nieder und nötigte auch ihren Gast zum Platz nehmen.

Es mußten sehr wichtige Verhandlungen sein, die hier in diesem abgelegensten Zimmer der weitläufigen Wohnung stattfanden, Geheimnisse ganz besondener Art, die vor Jeder­mann verborgen bleiben folltm.

XI.

Der schwere Tag war vorüber, Herbert Wallburg hatte von seiner Geliebten Abschied genommen und war dem sonni­gen Siveu zugeeilt.

Die Begleitung bis zum Bahnhofe hatte Herbert sich verbeten, und Agne« selbst bestand nicht darauf, da ste wußte, daß ein Schwarm junger, lebenslustiger Kunstgenossen ihrem scheidenden Kollegen noch eine lärmende Ovation auf dem Bahnhofe bringen würden.

Zum letzten Male lagen ste sich in den Armen, dem jungen Mädchm war da« Herz so schwer und bang, der Maler voll freudiger Zuversicht, mit großen Plänen und frohen Hoffnungen für die Zukunft. Innrer und immer wieder preßte Azve« den Geliebten an stch, al« wolle ste ihn festhalten, al« fürchte sie, ihn zu verlierm im fremden Lande; da« thränenüberströmtr Antlitz lag an seiner Brust, und schwere», krampfhafte» Zuckm durchbebte ihren Körper.