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Marburg, Dienstag, 7. Juli 1885.

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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn« und Feiertagen. Quartal« «bonnements-Preis bei der ßrpebition 2/. Mk., bei ben Postämter 2 Mk. 50 «kg. (excl. Bestellgeld), -insertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Vs,. Reklamen für die Zeile 25 Vfg.

(Oliciljefrifdic AitiiW.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. BlatteS, sowied.Annoncen-Bureaux von Haasenstein undVogler in Frankurt a. M., Kassel, Magdeburg und Wie«; RudolfMoffe in Frankfurt a. M., Berlin,München und Köln: <8. L. Daube und So. in Frankfurt a.

Berlin,Hannover u. Pari,.

Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. Zllustriertes Sonntagsblatt.

Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

Bestellungen für das

III. Quartal

auf die Oberhesfische Zeitung nebst deren Beiblätter

Amtlicher Anzeiger für die Kreise Marburg und Kirchhain

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Allustriertes Sonntagsölatt werden noch bei allen Postämtern entgegengenommen, auf Lande auch von den Landpostboten.

_________Die Expedition der Oderhessische« Zeitung.

Egypten und das Kabinett Salisbury.

Unter veu verschiedenen politisch! n Erbschaften zweifel­hafter Natur, welche das neue englische Toiy-Ministerium von seinem ltberaieu Vorgänger zu übernehmen hatte, ist die egyptische Frage die zweifelhafteste und mißlichste. Sie präsentiert sich heute als ein nahezu unentwirrbares CH ros uno fast hätte man wünschen mögen, daS Mtnisterium Gladstone wäre noch im Amte geblieben, nur damit man hätte sehen können, wie es denn eigentlich versuchen würoe, wieder Ordnung in dieses von bim liberalen Ministerium selbst geschaffene Chaos zu bringen. Den Anfang hierzu hatte Mr. Gladstone nach seiner Meinung wenigstens allerdings gemacht, indem er den Rückzug der englischen Truppen aus dem Sudan anordnete; aber gleich diese Maß­regel zog schon wiever eine solche Menge neuer Schwierig­keiten nach sich, daß Mr. Gladstone wahrscheinlich selbst froh gewesen ist, durch seinen bald darauf erfolgten Sturz unter anderem auch der Verantwortlichkeit für die fernere Entwickelung der egyptischen Affatre enthoben zu sein.

Dem Kabinett Salisbury ist nun die höchst unangenehme und schwere Aufgabe zu teil geworden, die egyplische Frage aus dem Zustame maßloser Konfusion, in welchen sie durch die kräme,haste und kurzsichtige Politik Mr. Gladstones ge­raten ist, einigermaßen herauszuschälen und somit England vor den Augen Englands wieder zu rehabilitieren. SaliS- bmy geht denn auch nur zögernd und mit großer Vorsicht an diese Arbeit, aber daß er evtschloffen ist, die egypttsche Frage nicht länger in dem Stadium der Versumpsung zu lasten, in welches sie durch Gladstone geraten ist, geht schon aus seinen ersten Schritten hervor, die er zu diesem Bchufe gethau hat. Zu ihnen gehört die beschloßene Entsendung Sir Drummond Wo!ffs nach Egypten; wie es heißt, wird Sir Drummond mit den umfassendsten Vollmachten ver­sehen werden und da er eine reiche staatsmännische Er­fahrung hinter sich hat, und als ein gründlicher Kenner des Orients, speziell EgyptenS, gilt, so darf man wohl

Im Bau» des Schicksals.

Roman von Moritz Lilie.

(Fortsetzung.)

DaS Mädchen ist an einem Sonntag vormittag zu ihm gekommen", erwiderte Alexis, .hat sich photographisch aufnchmen lasten, den Betrag erlegt und einige Tage später die fertigen Bilder abgehvlt, daS ist olles, was der Mann wußte. Nach dem Namen oder gar nach der Wohnung zu fragen, hatte er gar keine Veranlassung."

Ein leiser Seufzer begleitete diese Worte deS jungen Mannes.

DaS ist freilich verdammt wenig, um Jemanden aus­findig zu machen," meinte der Advokat, »hier kann nur der Zufall und das Bild auf die Spur führen. Lasten Sie sich noch zwei Abzüge von der Platte, welche der Photograph ohne Zweifel noch besitzt, Herstellen, die eine für Ihren Herrn Onkel, die andere für mich, dann wollen wir sehen, was fich thun läßt."

»Und wenn sie endlich gefunden ist und Du ihr Herz und Hand zu Füßen legen möchtest, und sie Dir dann mit einem koketten Knix erklärt: Mein Herr, ich baute, ich bin bereit« versehen, was dann, lieber Alex!«?* bemerkte der Vormund.

Die Züge des Grafen wurden noch ernster, fast finster, und mit strengem, verweisendem Ausdruck ruhten die dunklen Augen auf dem alten Herrn.

So kann dieses Mädchen nicht sprechen, dieser frivole Ton ist ihr fremd I" versetzte er mit würdevoller Ruhe. .Wenn aber Hindernisse sich zwischen mich und sie stellen, svrml ein feindliches Geschick mir ihre« Besitz streitig mache«

annehmen, daß das Kabinett Salisbmy mit seiner Wahl einen glücklichen Griff gethan hat. A!S ein anderer nicht minder bedeutungsvoller Schritt zur Lösung der egyptischen Wirren muß die von der Tot y - Regierung beabsichtigte Wiederbesehung DongolaS betrachtet werden. Freilich, ste hat dieselbe erstim Prinzip* beschlosten, aber schon dieser Beschluß bedeutet eine Umkehr von der kopflosen und geradezu feigen sudanesischen Politik Gladstones; ebenso wirb bestimmt versichert, daß SaliSbmy den Gladstonefchen Gedanken, die Besetzung von Suakim einer dritten Macht zu überlasten, nicht weiter verfolgen werde, sondern baß er entschlossen sei, diesen wichtigen Platz unter ollen Umständen durch englische Truppen halten zu lasten, ebenso wie auch Astuan, Korosko und Wllyhalfa.

Nun, dies alles kündigt ein energisches, zielbewußtereS Auftreten Englands am Nil an und scheint demnach das Kabinett Salisburys begriffen zu haben, daß es die höchste Zeit ist, den Suvanrebrllen wieder etwas die Zähne zu zeigen, wenn das militärische Ansehen der Briten in Egypten nicht vollständig in die Brüche gehen soll. Aber noch harren daselbst noch andere schwierige Fragen ihrer Lösung, so hauptsächlich die der verwickelten Finanzen und die Neu­tralisierung deS Suez-Kanals und Egyptens. Beide Fragen jedoch können nicht von England allem und nicht auf egyp ttschem Boden, sondern nur gemeinschaftlich von dm Groß­mächten gelöst werden und bekanntlich wird auch die An­gelegenheit deS Suez-Kanals von der in Paris zu diesem Zwi cke zusammengetretenen internationalen Kommission schon feit Wochen erörtert, ohne daß letztere bis jetzt zu einem greifbaren Resultate gekommen wäre. Mr. Gladstone hat eben auch diese Frage und garz dasselbe gilt von der egyptischen Fiuanzaffaire so gründlich verfahren, daß die Mächte in der That nicht wisten, an welcher Stelle sie zuerst ordnend uns ausgleichend etngreifen sollen.

Wenn indesten Salisbury den guten Willen hat, auch nach dieser Richtung hin die Sünden Gladstones wieder gut zu machen, so weit dies eben noch geht, so wird fich noch manches erreichen laste». Hierbei, wie überhaupt in der ganzen egyptfchen Frage ist es unerläßlich, daß Eng­land endlich die zweideutige Politik Deutschlands und Oesterreichs gegenüber, wie sie Gladstone beliebte, fallen läßt und sich den beiden Kaisermächten offen nähert und hat es bereits dieMorning Post", das Organ Salisburys verkün et, daß das Tory-Ministerium entfchlosten sei, das freundschaftliche Einvernehmen mit den Kabinetten von Berlin und Wien zu hegen. Es würde dies zeigen, baß Salis­bury weit mehr Wrstänmis für die allgemeine politische Situation besitzt, als es seinem Vorgänger eigen war und ein freundschaftliches Einvernehmen mit ben europäischen Zentralmä^tcn kann den Plänen deS Kabinetts Salisbury in Bezug auf Egypten nur förderlich sein. Diese Erkennt­nis markiert schon einen bezeichnenden Unterschied zwischen der egyptischen Politik Gladstones uns derjenigen SaliS»

wollte, ich würde ste mir doch erkämpfen, und wäre fie von der vielköpfigen Hydra bewacht I"

Er war aufgestanden und schritt festen Fußes im Zimmer auf und ab; in seinem ganzen W-sen lag die Energie de» festen Blicks, die vor keinem Schrecknis zurückbebt.

Wieder wechselten die beide« älteren Herren einen Blick des EinverständnisteS.

Du bist wahrhaftig ernsthaft verliebt, Herr Neffe!" meinte lachend der alte Graf,und Du könntest sogar die Thorheit begehen zu heiraten."

Der Jüngling blieb vor seinem Oheim stehen.

Thorheit, sagst Du? Thorheit würbe eS sein zu hei­raten?" erwiderte er mit leise vibrierender Stimme, die deutlich bewies, daß die eiserne Ruhe, welche er sonst zur Schau trug, einer unbezwingbaren inneren Erregung gewichen war, nennst Du eS eine Thorheit, wenn ich ein Wesen an mich s,siele, das mir über alles teuer ist, ohne welches, ich fühle es, das Leben keinen Reiz für mich hat? Ich gehöre nicht zu jenen Flatterhaften, dir eine Ehre darin suchen, möglichst Vitt« Liebschaften in ihrem Notizbuche verzeichnen zu können, um gelegentlich damit zu renommieren; das Treiben dieser Menschen ekelt mich an, ist mir von jeher verhaßt gewesen, eS ist ein verwerflich s spiel mit den heiligsten Gefühlen, die In der Mmfcheubrust wohnen, eS ertötet die brsieren R'gungm, stumpft ab und übersättigt."

Die edlen Freuden eines innigen Familienlebens bleibm diesen Bedauernswerten fremd, und wenn sie sich endlich entschließen, einen eigenen Herd zu gründen, so spricht bei der Wahl der Gattin nicht vaS Herz, sondrm der Verstand, beide Telle stehen sich kalt und fremd gegenüber, jedes von ihnen geht seinen eigenen Weg. Ich habe vielfach Gelegen-

bmy» und läßt hoffen, daß England von letzterer andere Früchte ernten werde, als von jener.

Deutsche» Reich.

Berlin, 4. Juli. In der heutigen Plenarsitzung des BundeSrateS wurde der Beschluß des Reichstages betreffend die im April 1883 gegen die Abgeordneten v. Vollmer und Frohme in Kitt und Dietz in Neumünster vorge« nommenen Untersuchungsverhandlungen zur Kenntnis ge­nommen. Der auf der Tagesordnung stehende Bericht des 3. und 4. AuSschusies betreffend die Zollbehandlung der gefüllt mit Mineralöl eingehenden Fäsier gelangte nicht zur Verhandlung. Der Reichskanzler hat den Vertrag mit dem Norddeutschen Lloyd betreffend die Dampfersub­vention vollzogen. Wie dieBerl. Pol. Nachr." höre«, ist die Kissinger Kur von wohlthuendstem Einflusie auf bas Befinden beS Reichskanzlers gewesen. Dieselbe hat kräftigenb gewirkt, bet Fürst ist in erwünschtem Wohlsein nach Berlin zurückge kehrt. Ganz besonders aber hat Kis- stngen der Fürstin genützt. Dieselbe ist In jeder Hinsicht erfrischt und gestärkt von dort hier wieder eingetroffen. Staatssekretär Dr. Stephan hat unter dem 28. v. Mts., nachdem ihm durch den diesjährigen Etat die Mittel zur Erweiterung der bisherigen Telegraphenschule bewilligt waren, die Umwandlung der letzteren in eine »Post- und Telegraphenschule" angeordnet. Der Besuch der alten An­stalt war nur Postpraktikanten, welche sich vorzugsweise dem Telegraphendienste widmeten, bezw. nur solchen Tele­graphenbeamten gestattet, welche das Zeugnis der Reife eines Gymnasiums beigebracht und die Sekretärprüfung bestanden hatten. Die neue Schule soll nun auch für den Postdienst weiter vorbilden. Sie wird in zwei Kurse vou je 6 Monaten geteilt fein, die stets in die Z-it vom 1. Oktober bis 31. März fallen. Alljährlich werden höchstens 30 Beamte zu Schülern berufen werden. Ueber die Be­rufung der von den Oberpostdirektionen vorzuschlazen-en Beamten entscheidet auf Grund einer Probearbeit eine ans drei Vortragenden Räten des Reichspostamts zusammen­gesetzte Stubienkommisston. In der braunschweigischen Erbsolgesrage hatte der Regentschastsrat der LandeSoer- sammlung bekanntlich jüngst eine Reihe von Mitteilungen ans den Aktenstücken gemacht, welche bei der Beratung über den preußischen Antrag gegen ben Herzog von Cumberland tem JustizanSschusie veS Bundesrates Vorgelegen haben. Gleichwohl sollen jedoch von einem Mitgliede der Landes­versammlung Bedenken gegen den preußischen Antrag er­hoben worden fein und erst die Produzicrung eines weiteren Aktenstückes habe diese Bedenken sofort schwinden lasten und die einstimmige Annahme der bekannten Resolution veranlaßt. Wie nun dieMagdeb. Ztg." wisien will,sei dies Aktenstück ein nach England gerichtetes Schreiben veS Herzogs von Cumberland gewesen, welches die unumwun­dene Erklärung enthalten habe: die in dem bekannten Patent

heit gehabt, Blicke in die Verhältnisse solcher Leute zu werfen, tie äußerlich melden und ignorieren."

Schroff und rücksichtslos begegnen ste einander, die Zwietracht wohnt in ihrem Haufe, und ste befinden sich am wohlsten, wenn ste einander nicht sehen. Aber auch glück­liche Ehen lernte ich kennen, Friede und Freude hatte Ein­kehr bet ihnen gehalten, die Familie schien nur ein Herz und eine Seele zu fein, lieblich und freundlich begegneten sich die Glieder des Hauses und in treuer Anhänglichkeit blieben sie einander verbunden. So soll es einst in Deinem Hause sein! sagte ich da zu mir und Onkel, Du wirst sehen, ich halte Wort."

Verwundert, fast betroffen hatte der Graf seinem Neffen zugehört; er fühlte heraus, daß Alex nicht ohne Beziehung gesprochen hatte, als er von der Flatterhaftigkeit sprach, die in manchen Gesellschaftskreisen zum gute« Tone zu ge­hören scheint.

Auch er gehörte zu Denen, deren Treiben der junge Mann so scharf verurteilte; auch er hatte so manches verwerfliche Spiel gespielt, und auch ihm war da« Gefühl ver Ueber« sättigung keineswegs fremd. Wohl übet tarn ihn j-tzt, wo er die Fünfzig überschritten hatte, zuweilen eine gewisse Sehnsucht nach einer geordneten Häuslichkeit, aber daS alt­gewohnte, regellose, freie Hagestolzleben hatte noch immer nicht allen Reiz für lhn verloren, so daß eS ihm schwer wurde, demselben zu entsagen. ~

Haben Sie schon einen so gestrengen Sittenrichter von so jugendlichem Alter gesehm?" rief der alte Herr lachend au«, aber man hörte es ihm an, daß er sich zum Scherzen zwingen mußte. (Fortsetzima folgt.).