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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal« Abonnements-Preis bei der Expedition 21/, SRL, bei den Postämter 2 Mk. 50 «sg. (erd. Bestellgeld). JnsertionsgebÜhr für die gespaltene Zelle 10 Vf,. Reklamen für die Zeile 25 Pf«.

Marburg, Sonnabend, 4. Juli 1885.

AtlMche Mm.

XX. Jahrgmg.

MZrUW Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. BlatteS, sowied.Annoncen-Bureaux von Haasenstein undBogler in Frankurt a. M., Kassel, Magdeburg und äBien; Rudolf Mofle in Frankfurt a. M., Berlin,München und Köln: B. L. Daube und tto fa Frankfurt tu SUL, Berlin,Hannover u Pari».

Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. 6. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.

Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

Bestellungen für da»

HI* Quartal

auf die

Oberhessische Zeitung

nebst deren Beiblätter

Amtlicher Anzeiger für die Kreise Maröurg «nd Kirchhain und

Illustriertes Sonntagsölatt werden roch bei allen Postämtern entgegengenommen, auf Lande auch von den Landpostboten.

Die Crpedition der Gdcrhcssischen Zeitung.

Der Berliner Maurerstrelk.

Der große Streik der Maurer, welcher vor zwei Wochen in der Reichshauptstadt au-gebrochen ist, hat weit über die Grenzen Berlins hinaus in ganz Deutschland Aufmerksam­keit erregt und Beachtung gefunden. Wenn die Arbeiter- streiks ursprünglich daS Verlangen nach einer gerechtfertigten Mehrforderung an Lohn gewesen find, so zeigt der Berliner Streik ein ganz anderes Bild. Aus reinem Uebermut, ohne daß sie durch dir Notlage der arbeitenden Maurer entschuldigt werden könnte, ist d e Arbeitseinstellung erfolgt nach der Aufreizung durch Agitatoren, die selbst bei der Sache nich!S zu verlieren haben oder doch nicht so viel wie Familienväter mit einem halben Dutzend Kinder daheim, durch Beschluß einer extremen Gruppe, welche ihre Kollegen terrorisiert und sie durch Gewaltmittel zwingt, von der Ar- bcit abzustehen. Die sogenannte Streikkommtfsion der Ber­liner Maurer hat ganz unverantwortlich gehandelt; die Sache wird wohl aber das Gute haben, daß solche Zu­stände nicht wieder vorkommen, daß die Arbeiter sich hüten werden, blindlings hinter Agitatoren herzulaufen, die sie nur tn Not und Elend führen.

Die Berliner Maurer erhielten früher pro zehnstündigen Wochenarbeitstag 4Mk.; vor dem Beginn der diesjährigen Baukampagne wurde dieser Lohns« tz ziemlich allgemein auf 4 M°. 50 Pf. gesteigert, jetzt während der Bauzeit verlangen sie plötzlich 5 Mk., also dreißig Mark pro Woche, und suchen dich Forderung durch den Streik zu erzwingen. Wenn im allgemeinen behauptet wird, bei den Berliner Bauten werde von Unternehmern und Maurermeistern viel Geld verdient, so trifft das doch bet weitem nicht tn allen Fällen zu. Die Konkurrenz ist auch hier ausgetreten und hat trotz der jetzt wieder steigenden Miete die Bau­preise noch immer ziemlich gedrückt erhalten. Für diese Lausaison sind von den Arbeitgebern natürlich die Kon trakte abgeschloffen; die Maurer wiffea das eben so gut und mit ihrem Streik schm sie also geradezu ihren Lohn Herren daS Meffer an die Kchle, und eine solche Hand-

Im Bau« des Schicksal-.

Roman von Moritz Lilie.

(Fortsetzung)

Wo denken Sie hin, Herr Wollburg!* rief die junge Frau heiter aus,natürlich malen Sie das Bild hier, in meiner Wohnung!"

Hier?" fragte Herbert gedehnt.

Gewiß, mein Herr," versetzte Ludmilla mit einem so bezaubernden Lächeln, daß der Maler eine leichte Verwir­rung nicht zu bekämpfen vermochte.Natürlich räume ich Ihnen ein besonders Zimmer ein, und, wenn Sie eS er« tauben, leiste ich Ihnen recht oft Gesellschaft; ich interessiere mich für Ihre Kunst, Sie bedürfen meiner aber auch bei der Anlage des Bildes, wenn cS der Wirklichkeit entsprechen soll.*

Sie erhob sich ebenfalls und reichte dem Maler die Hand, die dieser an seine Lippen führte. War rS Zufall oder Absicht oder vielmehr auch Täuschung, Herbert glaubte einen leisen Druck dieser kleinen sammetweichen Hand zu fühlen und siedendheiß rann ihm daS Blut durch die Adern. Rasch ließ er die Hand loS, verbeugte sich und ging.

Also bis auf morgen!* rief ihm die junge Frau nach, die ihm bis zur Thür gefolgt war.

Eilig schritt Herbert die Treppe hinab, und erst als er sich im Freien befand, mäßigte er seine Schritt« und schöpfte tief Atem.

ES lag ihm schwer und beängstigend auf der Brust, als habe er ein Verbrechen begangen, und doch war er sich keine» Unrechts bewußt.

Aber die herrliche, volle Gestalt mit den wunderbar dunklen Augen, die bis in das tiefste Innere zu blicken schienen, mit dem unwiderstehlichen Lächeln um die zum

lungsweise ist unehrenwert. Die Arbeitgeber konnten nach ter eben bewilligten Mehrforderung nicht schon wieder an einen Streik denken, und eben, weil dieser eingetreten, ist bei ihnen auch die Erbitterung auf daS höchste gestiegen und hat sie zu energischem Widerstande angeregt. Würden jetzt die Maurer mit ihrer Forderung durchdringen, so wäre ein kontraktlicher Bauabschluß für die Folge überhaupt unmöglich. Wenn ein Arbeitgeber die Notlage seiner Leute auSnutzt, so wird daS kein rechtlich denkender Mensch billigen; ist daS Urteil aber anders, wenn der Arbeiter die Zwangs­lage seines M.isterS ohne triftigen Grund ausbeuten will? Das sind die Herrlichkeiten der sozialistischen Lehren, nach welchen, 'was den Arbeitnehmern recht, den Arbeit­gebern noch lange nicht billig ist.

Damit nicht genug! Die streikenden Arbeiter haben auch Gewalt angewendet, um solche ihrer Kollegen, welche durch die Lage ihrer Familie zur Arbeit gezwungen wurden, von dieser ihrer Beschäftigung abzuhalten. Nicht anders sind sie gegen Maurer vorgegangen, welche von den Meistern von auswärts nach Berlin gerufen wurden. ES ist zu einer ganzen Zahl Ausschreitungen gekommen, die Arbeiten­den sind gemißhaudelt, die Arbeiten sind zu zerstören ver­sucht n orten u. s. w. Sprechen solche Handlungen für einen ehrenhaften Arbeiter? Ist eine Sache gut, die zu ihrer Anerkennung die Faust und den Knüppel erfordert? Wenn die Arbeiterwelt sich auf diesem Wege von den Agitatcren weiter lecken läßt, so kann sie es in der That weit brinzen. Bedauerlich ist es, daß die Leute nicht einsehen, daß solche Szenen ihnen auch noch die Arbeitgeber entfremden, welche vielleicht zur höheren Lohnzahlung bereit gewesen wären, überhaupt jeden Menschen, der ehrlich denkt. DaS ist der Berliner Maurerstreik und zu solchen Vrrhältniflen ist es bereits gekommen.

Aber auch in diesem trüben Bilde ist eine Helle Seite. Die Innung der Berliner Maurermeister ist thatkräftig in den Kampf für das Recht der Arbeitgeber gegen den maßlosen und zügellosen Streik eingetreteu und hat eine Entschlossenheit entwickelt, die nicht genug gelobt werden kann und die auch die Niederlage des Streiks über kurz oder laug herbeiführen wird. Sie hat run weg die Ver­handlungen mit jenen Agitatoren, die den Streik etnge- lettet, abgelehnt, sie hat ihre Mitglieder mit Energie beseelt, ihr Recht betont und das ist schon der halbe Steg. Auch damit ist ein Vorbild für die Zukunft gegeben. Und die Folge dieses Auftretens der Innung? Sie hat eine Menge neuer Mitglieder erhalten, die sich freiwillig ihr angejchloffen. Das zeigt am besten, daß bei uns für ein freies, kcäftigeS JrnungSleben noch viel, viel Raum ist, daß eS daran ebensowenig, wie an allgemeinem Beitritt, ohne alle Zwangsmaßregeln und Chikanen, fehlen wird, so­bald eS nur die Innung versteht, für das Gewerbe krä-tig und entschlossen einzutreten. Gerade gegenüber den unbe­rechtigten Arbeiterforderungen ist die gesunde, frch In-

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Genuß einladenden schwellenden Lippen, mit dem südlichen Teint, der vermuten ließ, ihre Wiege sei in dem Poesie- und liederreichen Lande der KaballeriS, des TambourinS und der Kastagnetten gestände», kam ihm nicht aus dem Sinn. Wenn Sie erlauben, leiste Ich Ihnen recht oft Gesellschaft!' klang eS ihm in den Ohren; ihm bangte vor der Nähe dieser Frau, und doch fühlte er sich auch wieder mit geheim­nisvoller Gewalt zu ihr hingezogen.

Da tauchte vor seinem inner» Auge daS liebliche Bild seiner AgneS auf; eS schien ihm, als ruhten die sausten, blauen Cyavenaugen mit leisem Borwurf auf ihn, als läge auf dem frischen, rosigen Antlitz der Ausdruck stiller Trauer.

Za ihr, zu ihr!' rief $8 in ihm,dort wirst Du Ruhe finden!*

Und mit schnellen Schritten, als müffe er dem Zauber­kreise dieser schönen Eire; so rasch als möglich entfliehen, eilte er durch die Straßen dahin, der kleinen traulichen Wohnung des alten Registrators und seiner Tochter zu.

VII

In einem der ersten Hotels der Residenz hatte der alte Graf Tembrvwski Wohnung genommen, aus zwei Stuben und einer Dienerstube bestehend.

In einem dieser Räume saßen eines Abend- der Inhaber der Wohnung, sein Vertrauter Dr. Praß und ein junger Mann, wie sich aus dem Gespräche ergab, der Neffe des Ersteren, der junge Graf Alexis Tembrvwski.

ES war eine kräftig gebaute Gestalt, die weit älter zu sein schien, als sie in Wirklichkeit war, aber seiner ganzm Erschetnnng nach ein Mann von Wett, dem man eS an-

nung die beste Waffe, sie gleicht einem Fels, den die Agi- tstionSwogen wohl umbrausen können, aber nicht nieder- retsen werden. DaS Wort von der Einigkeit ist keine leere Rede!

Deutscher Reich.

Berlin, 2. Juli. Der Bundesrat hat heute den Ver­trag mit demNordd. Lloyd', betreffend die ostastatisch- auftralische Dampferlinie, genehmigt und beschloflen, zu dem Anträge Preußens, betreffend die Thronfolge in Braun­schweig, die Ueberzeugung der verbündeten Regierungen dahin auszusprechen, die Regierung deS Herzogs von Cumber­land in Braunschweig sei, da derselbe sich in einem dem reichSverfassungsmäßig gewährleisteten Frieden unter den Bundesgliedern widerstreitenden Verhältniffe zu Preußen befinde und Ansprüche auf Gebietsteile Preußens geltend mache, mit den Grundprinzipien der Bündnisverträge und der ReichSverfaffung nicht vereinbar ist. Die Moti­vierung t eS von dem JustizauSschuffe des Bundesrates ein­stimmig angenommenen Antrags Preußens, betreffend die braunschweigische Thronfolge, beruht gutem Vernehmen nach wesentlich darauf, daß die Regierung des Herzogs von Cumberland in Braunschweig wegen seines VerhältniffeS zu Preußen mit den Prinzipien der Bundesverträge und mit der ReichSverfaffung nicht zu vereinen sei. Die Eröffnung der internationalen allgemeinen Telegraphisten« Konserenz findet hier am 10. August statt. Von den meisten europäischen und von mehreren außereuropäischen Staaten sind die Delegierten bereits angemeldet, ebenso Vertreter fast aller großen Kabelgesellschafteu. Seitens des preußischen KriegsministertumS sind Bestimmungen über die militär-ärztliche Untersuchung, welcher die Aspiranten für die unteren Stellen des ForstdiensteS vor ihrem Ein­tritt in die Forstlehre zu unterwerfen sind, sowie über die an jene Aspiranten zu stellenden körperlichen Eigenschaften ergangen. Der Eintritt in die Forstlehre darf nicht vor Beginn deS 16. Lebensjahres und nicht nach dem 1. Oktober desjenigen Kalenderjahres erfolgen, in welchem daS 18. Lebensjahr vollendet wird. Eine Ausnahme ist nur statt­haft bei solchen jungen Leuten, welche die Berechtigung zum einjährig - freiwilligen Dienst erworben haben. Dieselben können bis zum 1. Oktober des Kalenderjahre- eintreteu, in welchem das 20. Lebensjahr vollendet wird. Die Lehr­zeit ist ehr: mindestens zweijährige und für diejenigen Aspiranten, welche vor Beginn des 17. Lebensjahres ein­treten wollen, eine 3jährige. Vollkommene Gesundheit und Freiheit von allen körperlichen Gebrechen und wahrnehm­baren Anlagen zu chronischen Krankheiten ist Grundbe­dingung für die Annahme. AIS geringste noch zulässige Körpergröße ist festges.tzt für Aspiranten im Alter von 15 Jahren: 151 cm Körperlänge mit einem Brustumfang von 70 bis ca. 76cm, im Alter von 16 Jahren: 153cm Körpcrlänge mit einem Brustumfang von 73 bis ca. 79cm,

merkte, daß er gewöhnt war, sich nur in der besten Gesell­schaft zu bewegen.

DaS Gesicht war wohlgeblldet, ohne schön zu sein; nur in den dunklen Augen glühte eS wie Lava, die alle-, Wa­ste berührt, versengt und vernichtet, und doch auch wieder in wunderbarer Pracht leuchtet durch die Dunkelheit und flammt. Da« schwarze Haar trag er kurz geschnitten und ein zierlicher Schnurrbart, sowie ein kleiner, dünner Backen­bart, welcher die Wangen einfaßte, gaben ihm ein gewisses vornehme- Aeußere. Aber aus dem Antlitze lagerte ein tiefer Ernst, der mit dem jugendlichen Alter deS Grafen in Wtederspruch stand, und sich nicht nur in dem Gesicht-- ouSdrvck äußerte, sondern auch in der ruhigen überlegten Redeweise, die ihm eigen war.

Der junge Mann schim gewöhnt zu sein, sich zu be- herrschen, und nur ein lebhaftere- Aufleuchten de» Auge- bekundete zuweilen, daß die Ruhe, welche er zur Schau trug, s-inem Innern fremd war.

Er lag im Sessel zurückgelehnt und blie- den aromati­schen Dampf einer Havanna in leichten Wölkchen von sich, während sein Oheim eine Zigarrette nach der andern her­vorlangte und lebhaft rauchte, so daß er wie in dichtem blaugrauen Nebel gehüllt erschien.

Nun, Alexl-, hast Du gefunden, wa- Du suchst?' fragte der alte Graf, die Asche seiner Zigarrette inS Zimmer schleudernd, unbekümmert darum, ob der Teppich beschädigt werde.

Der junge Mann schüttelte mit trübem Gesichte do-Haupt.

ES war bis j'tzt alle- vergeben- keine Spur ist von ihr entdeckt »orten," sagte er leise, indem er einen tiefem Atemzug that. (Fortsetzung folgt.)