Einzelbild herunterladen
 

Sr. IM

JRarCurg, Mittwoch, 24. Juni 1885.

XX. JllhrgMg.

AttMlhr Jeitmig

Wöchentliche Beilage»: Amtlicher Anzeiger s. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Sountagsblatt.

__Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch. '

z. Reb ksucht, w./-

Sonn te Pfg.

ge

1t im

Im Bau« des Schicksals.

Roman von Moritz Lilie.

(Fortsetzung.)

Die weichen Mollaccorde, die soeben noch unter den Händen der Dame hervorquollea, schloffen mit einem lauten, grellen Mißton, hervorgerufen durch heftiges, zweckloses Auf­schlagen der Hände auf die Tasten. ES war, als sei die Dame einer plötzlich über ste gekommenen üblen Laune ge­folgt, die ihren Ablrtter in dem uuschulvtgen Instrumente fand.

Geräuschvoll schlug ste den Deckel deS PtaninoS zu, daun stand ste hastig auf, so hastig, daß der Klavierseffel umfiel und dm Hund streifte, der leise winselnd fich in einen Winkel verkroch.

Mit allen Zeichm der Ungeduld warf ste stch in die schwellenden Kiffen der Ottomane, blickte nach der Uhr und schlug mit der dicken Quaste, welche am Kopfende deS Möbel- angebracht war, die weichen Polster.

Da trat der Dimer ein nud meldete den Doktor Praß.

Eine Handbewegung der Dame deutete an, daß ste bereit sei, den Besucher zn empfangen; der ehemalige Rechts­anwalt trat ein.

»Bringen Sie wir neue Nachrichten, Doktor/ rief ste ihm entgegen, ohne ihre Lage im Geringsten zu verändern und ohne seinen Gruß zu erwidern.

»ES ist wenig genug, gnädige Frau Baronin, immerhin aber etwas!" versetzte der Gefragte, während er sich ohne Um­stände einen Stuhl heranrückte, und auf demselbm Platz nahm.

Sein ganze- Auftreten deutete au, daß er in diesem Hause ziemlich heimffch sei.

»Laffm Sie hörenl" forderte die Baronin ihren Gast auf, stch ein wenig emporrichtmd.

Deutsche» Reich.

Berlin, 22, Juni. Se. Majestät der Kaiser ist um 10 Uyr 42 Minuten gestern abend nach Ems abgereist. Auf dem Bahnhofe hatten stch nur noch der Prinz Friedrich Leopold mit seinen beiden militärischen Begleitern und der Prst>z Friedrich von Hohmzollern zur Verabschiedung rin- gesunden, während außerdem jedoch noch General Leutnant Graf Waldersee, die Obersten nnd Flügeladjutanten von Stülpnagel und von Ltndequist, der Gouverneur, der Kom- mandanr und der Poitzeiprästvent v. Madai, sowie über Haupt diejenigen General- nud Flügeladjutanten anwesend waren, welche den Kaiser nicht auf dieser Reise begleiten. Nachdem Se. Majestät der Kaiser, nach seiner Ankunft auf dem Bahnhofe, noch einige Zeit im Königlichen EmpfangS- salon verweilt und an jeden der dort auwesendm einige herzliche Worte der Verabschiedung gerichtet, betrat er den Perron, um dm Salonwagen zu besteigen. Beim Verlaflen des Königlichen Wartezimmers wuroe Se. Majestät wieder wie alljährlich durch die Anwesenheit der Gemahlin des HoswarschaUS Grasen Per Poucher Gräfin Wanda Perponcher, welche von ihren 3 Söhnen begleitet war, freudig über­rascht, und welche auch in diesem Jahre dem Kaiser ein prachtvolles Roseubonkett für die Reise überreichte. Sichtlich ersrmt nahm Se. Majestät dasselbe mit einigen Worten des Dankes entgegen, richtete hteranf noch einige Worle au dm Pvlizeiprästsenten von Madai und an die zurück- bleibendeu Herren und bestieg alseann den In dm Extra­zug eingestellten König!. Salonwagen, um gleich darauf am Fenster desselben zu erscheinen, von wo aus Allerhöchst- derselbe die AbschtedSgrüße der zurückbletbenden Prinzen und Herren, wie auch deS trotz der späten Abendstunde

ehe-S Pfg. rrbrttt •atz

Bestellungen für das

III* Quartal

auf die

Oberhessische Zeitung

nebst deren Beiblätter

Amtlicher Anzeiger für die Kreise Marburg und Kirchhain

und

Illustriertes Konntagsölatt

werden bet allen Postämlern entgegengenommen, auf dem Lande auch von den Landpostboten.

Wir ersuchen unsere auswärtigen Leser, ihre Abonne­ments baldigst erneuern zu wollen, damit in der Hebet« sendung keine Unterbrechung erfolgt.

Reu eintretende hiesige Abonnenten erhalten die Oberh. Zeitung vom Tage der Bestellung bis zum 1. Juli gratis.

Vie Expedition -er Gbrrhesjlschen Zeitung.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Watte-, fowicd.Annoncen-Bureaux von Haasenstein undVogler in Franturt a. M., Kassel, Magdeburg und Men; Rudolf Moffe in Frankfurt ♦ a. M., Berlin,München und

Köln: ®. L. Daube und So. in Frankfurt «. M* verlin,Hannooer u Paris.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal- AbonnementS-Preis bei der Expedition 2'/, Mk., bei den Postämter 2 Mk. 50 vfg. (excl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Reklamen für die Zelle 25 Vf*.

51, 2 hen Hanni bi Huer, ionair.

:ract re sehr esten D jeteiei bürge

Schule zugeführt werden, teils den besonders schwierigen Aufgaben utrcquisttscher Schulen Rechnung tragen, den Lehrstoff angemeffen einzuteilen nnd abzugrenzen, auch nicht zu gestatten, daß die gezogenen Grenzen bei schriftlichen Ausarbeitungen überschritten werdm. — Personen, welche vom Kaiser in den letzten Tagen vor seiner Abreise em­pfangen worden sind, versichern, daß derselbe die Folgen seiner letzten Krankheit fast vollständig überwunden hat. Nur das Gehen fällt ihm noch schwer; et wird sich in der ersten Zeit in EmS wahrscheinlich eines Fahrstuhles auf bet Promenade bedienen müssen. — Hebet einen Nach­folger deS FeldmarschallS Manteuffel in der Statthalterschaft der Reichslande find begreiflicherweise noch keine Beschlüste gefaßt. ES wird versichert, daß cn maßgebender Stelle sogar die Frage noch eine offene sei, ob ein neuer Statthalter er­nannt oder die Regierung der Reichslande wieder, wie früher, von Berlin aus geführt werden solle. Wenn einzelne Blätter gemeldet haben, daß der sächsische KriegSmintster v. Fabrice Chancen habe, zum Statthalter ernannt zu werden, so ist das eine Kombination, die auf der Thatsache aufgebaut ist, daß stch General v. Fabrice vor kurzem mehrere Tage hier aufgeholten hat. Seine Anwesenheit stand aber in Ber- birdung mit der braunschweigischen Angelegenheit. ES ist sicher, daß Sachsen gegenüber dem preußischen Anträge im BundeSrat den prononziertesten Standpunkt eingenommen und versucht bat, zu Gunsten des Herzogs v. Cumberland, und als stch dies als aussichtslos erwies, zu Gunsten seines Sohnes zu vermitteln. Der Wirerstand Sachsens und einiger anderer Staaten ist aber jetzt überwunden, und die Sache gilt, wie schon berichtet, jetzt im BundeSrat für spruchreif.

— Der Knecht GrigoleitiS au- Bikenau (Ostpreußen), welcher am 5. und 6. Mai Steine nach den Fenstern des kaiserlichen Palais warf, ist heute von der ersten Straf« lammet des Landgerichts I wegen wiederholter Majestät«« beleidignng und wiederholter vorsätzlicher Sachbeschädigung zu IV2 Jahren Gefängnis verurteilt worden. — Der »Reichs Anzeiger" veröffentlicht das zwischen Deutschland: Spanien und England vereinbarte Protokoll vom 7. März über die Souveränität Spaniens im Sulu-Archipel. Da­nach anerkennen die Regierungen von Deutschland und England die Scmerärität Spaniens über die effektiv be­setzten und auch über etwaige noch nicht besetzte Punkte des Snli-Archipels. Spanien verzichtet England gegenüber auf alle SouverSnitStSrechte Über die Gebiete des Fest­landes von Borneo, welche dem Sullan von Sulu gehören oder früher gehört haben, einschließlich der benachbarten Inseln Balambangan, Bangmy und Malawali, desgleichen Über alle diejenigen Inseln, welche innerhalb einer Ent­fernung von 3 Seemeilen läng- der Küste liegen und welche zu den unter der Verwaltung der »Britisch Rorth-Borneo- Company" stehenden Gebieten gehören. Der Handel und der direkte Verkehr der Schiffe und der Angehörigen Groß- als er sah, daß dieser des Geldes bedurfte; das würde wieder für Ihre Ansicht sprechen, gnädige Frau."

»Haben Sie nichts über feine Pläne für die Zukunft erfahren können?" forschte die Dame.

»Es ist doch schon mehrere Monate hier und müßte stch doch nun klar geworden sein, ob er auch da* Frühjahr und den Sommer hier zubringen will."

»Der Mensch ist unberechenbar in feinen Entschlüssen, und er scheint es zu lieben, ste so lange als möglich geheim zu halten. Rasch, unerwartet flieht er seiner Bedienung Befehle und läßt fast immer dem Entschlüsse die That folgen, oft mit einer ganz ungerechtfertigten und unmoti­vierten Eile."

Hebet das schöne Gesicht der Dame flog ein beifälliges Lächeln.

»Willenskraft bei einem Manne ist eine Eigenschaft, dir ich hochschätze," sagte ste.

»Auf solche Menschen darf man rechnen, ste find zuver­lässig und besitzen Ehrgefühl, wenn sie auch bisweilen schroff und bizarr sein mögen."

»Im Hebrigen habe ich Grund zu glauben, daß der junge Gras AlexiS unsere Stadt nicht sobald verlaffen wird, wenigstens vorläufig nicht," erzählte der ehemalige Advokat weiter.

»Woraus schließen Sie das, Doktor?" fragte gespannt die Baronin.

»Wenn unsere Wahrnehmungm nicht täuschens ist der junge Mann verliebt," versetzte Jener, »und e- wäre daher leicht möglich, daß er hier geftflelt würde."

(Fortsetzung folgt.)

überaus zahlreich anwesenden Publikums huldvoll er widerte. Die Reise des Kaisers ging über Magdeburg, Kreiensen, WilhelmShöhe, Marburg (ohne anzuhalten) und Gießen, woselbst die Ankunft heute früh 7J/2 Hhr erfolgte und während eines halbstündigen Aufenthalts der Kaffee ein­genommen wurde. Hm 8 Hhr wurde die Reife von Gießen üher Weilburg nach EmS fortges-tzt, woselbst Se. Majestät der Kaiser vormittags IO1/* Uhr cintraf. Während seines Aufenthalts im Bade Ems nimmt Se. Majestät der Kaiser, wie ia früheren Jahren, wieder Im Kurhause Wohnung, wo er etwa 12 in der ersten und zweiten Etage nach der Römerstraße zu gelegene Salons bewohnt, während die Herren des Gefolges in den verschiedenen Hotels zu beiden Seiten der Lahn einquartiert sind.—Zu Ende dieser Woche trifft der Reichskanzler zu kurzem Aufenthalte aus Kisstngen hier wieder ein. Obwohl es keine politische Geschäfte find, die ihn nach Berlin zurückführen, so wird Fürst BiSmarck es doch weder vermeiden wollen, noch können, seine An- Wesenheit zu benutzen, um einigen dringenden Fragen näher zu treten. Ob in diese Kategorie auch die Frage der Wiederbesetzung des StattbalterpostenS in Straßburg ge­hört, steht dahin. Der Kanz'er trifft den Kaiser in der Hauptstadt nicht mehr an und ohne das perför liche Ein­vernehmen mit seinem ersten Ratgeber wi>d der Monarch die Entscheidung in dieser Angelegenheit wohl nicht fällen wollen. Heber daS körperliche Befinden des Fürsten Bis­marck sind hier fortlaufend die besten Nachrichten von Kisstngen angelangt. Die GestchtSschmerzen, von denen der Kanzler noch einige Zeit vor der Abreise geplagt worden war, haben stch wieder verlorem VorauSsichttich begibt sich Fürst Bismarck unmittelbar nach der Vermählung seines Sohnes Wilhelm nach FriedrichSruh, um bann im Spätherbst auf einige Zeit nach Varzin überzustedeln. — Der Minister der geisi sichen, HnterrichtS- und Meeizinal- Angelegenheiten hat unterm 18. d. Mts. an die Regierung zu Schleswig folgende Verfügung erlaffen: Bei der Revi­sion einer einklassigen utraquistischen Schule im Kreise Hadersleben fiel mir in den Aufsatzheften ein kurzer Aufsatz über Kohäsion und Adhäsion auf, in welchem tiefe Be­griffe durch Beispiele erklärt werden. Abgesehen davon, daß die gegebenen Elläuterungen teils unrichtig sind, teils zu Mißverständnissen führen können, entspricht die Erör­terung so schwieriger Fragen aus dem Gebiete der Physik weder der für den naturkundlichen Unterricht im I, Nr. 35 der Allgemeinen Bestimmungen vom 15. Oktober 1872 gegebenen Vorschrift noch den wiederholt, u. a. in der dorthin gerichteten Verfügung vom 27. Juni 1883 gc« tr°ff-neu Anordnungen, in den Lehrplänen der ulraqui- stijwen Schulen den Lehrstoff, namentlich in den Rea'.ten, wesentlich zu beschränken. Die Königliche Regierung wolle den Schulinspektoren zur Pflicht machen, durch die Auf­stellung von Lehrplänen, welche teils dem BildungSbedürf- niffe der BevölkcrungSschichten, ans denen die Kinder der

»Der junge Graf TembrowSkt ist von einer wahrhaft beängstigenden Solidität und scheint allen Verlockungen gegenüber kalt zu bleiben," berichtete Praß, die Handschuhe abstlktfend.

»Neulich hatte ich in meiner Wohnung ein kleines Jeu veranstaltet, ein an sich unschuldiges Spiel, bei dem man freilich, wenn man es formiert, immerhin ein nette« Sümm- chk« los werden kann. Ich hoffte, er werde sich von der Leidenschaft hinreißen lasten, etwas zu riskieren, zumal ich weiß, daß er gegenwärtig Über reichliche Geldmittel verfügt, aber ich hatte mich getäuscht.

»Zwar beteiligte er sich anstandshalber beim Spiel, aber mit einer für fein Alter geradezu unbegreiflichen Ruhr und Kaltblütigkeit. Selbst alö Ehampagner serviert wurde, nippte er kaum, während sein Oheim, der fast vierzig Jahre älter m als et, ein Glas nach dem andern hinunterstürzte, und mit einer Leidenschaftlichkeit setzte, die ihm nicht unbebeutenbe Verluste brachte. Rühmenswert war bie Bereitwilligkeit, wit welcher sein Neffe und Münbel ihm eine namhafte Summe vorschoß, al« er bemerkte, daß bem Alten ba« Geld ausgegangen war.

.So scheint er den Wert des Geldes nicht sonderlich zu achten, warf die Baronin ein.

.., »Darüber bin ich mir selbst noch nicht klar, dir Charakter dieses jungen Mannes ist volliv Widersprüche," erwiderte der Jurist.

c ai"®r. eiserner Konsequenz nie mehr als eine

beptmmte unbebeutenbe Summe auf bie Karte, obgleich er m t entschiedenem Glück spielte. Da« ließe auf große Vor- Mt, wenn nicht auf Geiz schließen. Dennoch reichte er seinem Oheim ohne Besinnen eine Hand voll Banknoten,

Nr. 3.

en ftr. 12.

Nge tein. lig,

Nr. 35.

»Se.

7 fvsort dere De-

$8 rahme, d Osts^

besteh« Kamme, osort od

sen 18.

rgusti »genehm m lichji Wehrda event. cm fierten I Bl. uni

[28

in Hai as in I L Juli melduih [28

»artest

? sagt

[28