XX. Jahrgaug.
Marburg, Sonntag, 21. Juni 1885.
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Expedition: Markt 21.
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mich von der Vorsehung zurückgesetzt, vernachlässigt, und eia stiller nagender Ingrimm überfiel mich. Da klopfte eS an die Thür und herein trat — nun ein älterer Herr, dea ich aber für den Augenblick nicht e, kannte.
_Er nannte wir seinen Namen, und ich gestehe, daß ich eher daS Stillstehen der Sonne als diesen Besuch erwartet hatte. — Sie wundern stch, mich bei Ihnen zu sehen, und das mit Recht!* begann Dein Vater, während ich ihm einen Stuhl anbot.
-Und in der That ist eS auch eine seltsame Veranlassung die mich zu Ihnen führt. Ich bin kein Freund von Umschweifen, Herr Wallburg, und darum bitte ich Sie, den Weihnachtsabend bei uns zuzubringen, ein GlaS Punsch und ein bescheidenes Abendbrot mit uns zu genießen.' — Sw weiß nicht, was ich für ein G-stcht gemacht habe, jedenfalls aber wird stch auf ihm der Ausdruck höchsten Erstaunens ausgeprägt haben. DaS aber weiß ich genau, daß ich mich nur mit Mähe bezwang, Ihnen, Herr Hertling, an den HnS zu stürzen.' „, L . ,
-Sie schauten mich so fragend, so zweifelnd an, daß ich meine Einladung wiederholen mußte,' fuhr der^Registrator ergänzend fort, .dann aber erfaßten Sie meine beiden Hande und riefen: DaS ist der herrlichste Weihnachtsabend meine» gebens! Eilig langten Sie den Paletot von der Wand, um mich zu begleiten; ich bat Sie aber, noch ein halbes Stündchen zu verziehen, da ich noch einige kleine Einkäufe zu besorgen hätte und erst um diese Zeit in weine Wohnung zurückkehren würde, Sie aber vorher keinen Einlaß gesunden hätten. Ich erzählte Ihnen auch, Herr Wallburg, daß der Entschluß, Sie aufzusuchen, auf egoistische Beweggründe zurückzusühren ist, daß sich tu mir immer mehr die Ueb - zruguug befestigte, nur dadurch würde ich mriurr armen,
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Fürsten äoisuiuiu; „Kisstngen, den 12. Juni Den freundlichen Gruß der Bauernversammlung m Gunzenhausen habe ich mit verbindlichem Danke erha teu, und freue mich, daß die Herren in richtiger Ecknutnts ihrer Interessen deren Vertretung selbst in die: Hand nehmen, weil nur auf diesem Wege der Landwirtschast die gleiche Gunst wie jedem anderen Gewerbe in unserer Gesetzgebung gewonnen und erhalten werden kann. v. Bismarck.
Mülhause« i.E., 19. Juni. DaS Journal „Expreß widmet dem Statthalter General Feldmarschall von Manteuffel einen sympathischen Nachruf, in welchem eS heißt. Trotz der Diktatur kann man sagen, daß seine Verwaltung im allgemeinen von einem großen Geiste der Versöhnung geleitet wurde; er hoffte so dem deutschen Reicht die Sym-
Bestrlluuge« für das
III, Quartal
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kranken AgueS Gesundheit und Lebensmut zurückgeben und sie vor dem gänzlichen Dahinfiechen retten.'
Der sonst so trockene, wortkarge Mann erschien wie um- aewandelt, seit er den inneren Kampf deS Vorurteils mit der Liebe zu seinem Kinde auSgekämpft hatte. Ein zufite- denes glückliche» Lächelu lagerte auf den gelben, hageren Zögen und mit inniger Zärtlichkeit hingen seine Blicke an dem jetzt wieder sanft getöteten Antlitz des schönen Mädchens.
Er hatte, während et sprach, den Punsch bereitet und füllte nun die drei Gläser.
Der erste Schlack gelte EuremGlücke!" rief der alteMann, daS Glas emporhaltend und mit den jungen Leuten anstoßend.
Dann legte er ihre Hände in einander und sagte leise: .Möge Euch eine sorgenlose Zukunft beschieden sein.*
Hell klangen die Gläser zusammen, daS WeihnachtS-Fest war zum Verlobungs-Feste geworden.
Aber geheiratet wirv noch nicht so bald! fuhr der Registrator nach einer Pause fort, .das laßt Euch gesagt sein. Ein Künstler muß erst festen Boden unter den Füßen haben, ehr et stch den eigenen Hetd gtüudet, er braucht zum freudigen und erfolgreichen Schaffen wehr als andere Menschen Ruhe und sorgenloses Dasein.
Außerdem seid Ihr Beide noch jung und könnt noch ein paar Jährchen warten; inzwischen gewöhne ich mich an den Gedanken einer Trennung von Agnes, wenn ich sie auch niemals we'.t von mit lassen werde.
DaS glückliche Paar war viel zu sehr mit stch selbst beschäftigt, als daß es den Worten des alten Manne« mit der nötigen Aufmerksamkeit gefolgt wäre, man hätte in diesem Augenblicke das Unmögliche von ihnen verlangen können, sie würden unbewußt und unbedenklich zugestimmt haben.
(Fortsetzung folgt.)
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in werden bo8 icb icwttte erfebte, unb bo4 yöt es stch unerwartet zu dem herrlichsten, freudigsten Feste ge- staltetl' sagte der junge Künstler nach einer langen Pause tkfe”Sant,i0mlt‘mlr und der Welt verfallen, saß! ich w meiner Werkstätte, dumpf für mich hin grübelnd und brü. tend. Ich brauche eS Dir nicht zu sagen, an wen ich dachte, vor mir hing ein bereits vor einigen Monaten von mir gemaltes Landschastsbild, auf welchem im Mittelpunkte ein Mädchen sichtbar ist, dessen frische, blühende Wangen, blue Blummaugen und goldblondes Haar mich an ein anderes teueres Wesen erinnern sollten. unh
.Sehnsuchtsvoll schaute ich auf die liebliche Gestalt, und es überkam mich so bang und sehnsuchtsvoll wehmütig, « S sei ste tausend Meilen von mit entfernt und für mich vouig werrei4bQ^ Schicksale, da« sich so hart und
grausam zwischen mich und die Geliebte stellte; ich glaubte
DmtscheV Reich.
Berlin, 19. Juni. Die Abreise d-S Kaisers nach EmS ist aus Sonntag Abend festgesetzte — Die heute abend um 6 Uhr 35 Min. von Dresden auf dem Anhaltet Bahnhofe eintreffenve Leiche des FeldmarfchallS v. Manteuffel wird in dem königlichen Empfangssalon aufgebahrt werden; zum Empfange werden anwesend sein: das gesamte OffizietkorpS der Garnison im Paradeanzuge mit Ordensband und eine Eskadron des 1. Garde Dragoner-Regiments zu Fuß mit dem TrompeterkotpS; dieselben verbleiben auf dem Bahnhofe bis zur Weiterbeförderung der Leiche aus der Verbindungsbahn.— Die „Nordd. Allgem. Ztg.' schreibt: Für den Generalfeldmarschall von Manteuffel hatte der Kaiser I eine Trauerseiet in Berlin derart angeotdnet, daß die Leiche von Karlsbad hierhergebracht und eine Feier in bec Garnison- ktrche, ähnlich wie bei dem Prinzen A. von Württemberg, stattfinden sollte. Nachdem stch jedoch, h/rausgestellt hat, daß Generalfeldmarscha'ä vor. Mar te', fiel letztwillig den be- stmrmten Wunsch ausgesprochen hat, in Topper in bet Stille und ohne militätische Ehrenbezeigungen beerdigt zu werden, haben Se. Majestät von dieserAnordnung Abstand genommen und nur bestimmt, daß der Beisetzung in Topper Deputationen des 15. Armeekorps, des 1- Gar e Dragonet- Regiments und des Rheinischen Dragonet-ReglmentS Nr. 5 beiwohnen sollen.-In der gestern unter dem VorsitzdeS Staatsministers, Staatssekretärs deS Innern, v. Bötticher, abgehaltenen Plenarsitzung oeS LundeSratS erfolgte zunächst die Uebetweisung mehrerer Vorlagen an d:e zuständigen Ausschüsse. Die Vorlage, betreff nd die weitere Ausprägung von Einmal!- und Einpfennigstücken, wurd^dmAuSschüssen^
Im Ba«« des Schicksals. Roman von Moritz Lilie.
(Fortsetzung.)
Den Liebenden erschien es, als hätten sie Monjeit Jahren mit einander velkehtt; nicht die leiseste Belange - beit kam über sie, vertraulich und vertrauend, voll inniger SSinaebuna schlossen sie sich einander an. Waren doch ihre Seelen längst verbunden, bestand dochlängstzwischen ihnen eine warme geistige Wahlverwandtschaft. Nicht kallteS, herkömmliches Zeremoniell, nicht steife Förmlichkeiten trennten diese gleichgestimmten Gemüter; leise flüsterte Herbert der Geliebten daS süße Du in die Ohren, und errötend g
Topper, 19. Juni. Die Beisetzung der Leiche d-S Generalfeldmarschalls, Statthalters von Manteuffel, findet Hierselbst am Sonntag Mittag statt. „
Kissiuge«, 16. Juni. An das im „ReichS-Anz. und in der .Nordd. Allg. Ztg." publizierte Verbot, dem Fürsten Bismarck irgend welche Schriftstücke nach Kifsingen zu schicken, scheinen einige seiner Anhänger sich wenig zu kehren. Am 7. Juni sandte der Vorsitzende einer Bauernversamm- lung in Gunzenhausen folgendes Schreiben an.den Kanzler. .Durchlauchtigster Fürst! Biele am 7. Juni in Gunzm- hausen versammelte Bauern, welche daselbst einen mittel srinMm b--«--»,
kxweS Volkes in den Tagen der Not bewährt habe. So sei auch jetzt fein und seiner Gemahlin Entschluß, die Hauptstadt während der Dauer der Epidemie nicht zu verlassen, angesichts der nationalen Heimsuchung, unter deren Joche die große Menge nur zu leicht erliege, wenn ihr kein moralischer Anhalt geboten werde, von höchst idealer Tragweite. Dieser Entschluß zeuge von jener Erhabenheit der Auffassung der königlichen BerufSpflichim,
Anzeigen nimmt entgegen bie Expedition d. Blatte«, sowied.Annoncen- Bureaup von Haasenstein undVogler in Frankurt a. M., Kassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Mess- in Frankfurt . a.M., Berlin,München und
* Köln; ®. L. Daube und 6o. in Frankfurt a- Berlin,Hannover ».Pari«.
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für Rechnungswesen und für Handel und Verkehr, der Entwurf einer Verordnung über die Formen deS Verfahrens und den Geschäftsgang beim Reichs VersicherungSamt dem Ausschuß für Handel und Verkehr und dem Ausschuß für , - < rv * I Justizwesen zur Vorberatuna übergeben. Mit der bereits
oCltUUfl erfolgten Uebetweisung des Entwurfs eines Regulativs über » I ^e Gewährung von Zollerleichterungen bei cet Ausfuhr “ta ““ von Oellabrikatkn an die Ausschüsse für Zoll- und Steuer-
wchn und für Handel und Verkehr erklärte sich die Ver- 1 werey- ornvHisLe'Doktrinen, die' noch Obern sammlung einverstanden und genehmigte den Antrag Sachsens bebe über landläufige unb Haß verwegen erneuter Anordnungen auf Grund des § 28 des drein werde im Hinblicke auf
Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der wirrt zu m»d UM seines Herrscherhauses an die Sozialdemokratie. Genehmigt wurden ferner die Anträge /elbstv^fiene^mg ' leichter ertragen,
der Ausschüsse, betreffend die Vorhand ungen der Impf- Notd^sist gestern die
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bet Wahl der Mitglieder der Verwaltung des Reichs -Jn- validenfondS wurden die infolge Ablaufs der Wahlperiode ausgeschiedenen Mitglieder wiedergewählt. Die P^ition einer Gemeinde, betreffend die Heranziehung deS Reichs-Milttär- fiökuS als Eigentümer eines Exerzierplatzes zu den örtlichen G rneindelasten wurde dem Reich« kavzler überwiesen und beschlossen, dem Bericht einer preußischen Regierung über die Befreiung der durch Menschenhand betriebene Selbem I Gaze-Fabriken von der Unsall-VerstcherungSpflicht und einer Eingabe bezüglich der Unfall - VersicherungSpfltcht der mit industriellen Arbeiten beschäftigten Strafgefangenen keine I Dutchläucht"'treue deutsche Glück-
Folge zu geben. Nach Erledigung vor. Gesuchenf, betreffend traßtWir wünschen, daß die Zoll- dezw. Steuerbehcindlung verschiedener Gegenstände I sch ä deutschen Bauernstand so kost-
und; nachdem von dem Ausschuß für Rechnungswesen über Euer Durchlaucht Frankenlandes heil-
di-'m-sühMN, d.r M 1875 .-l-ffm« W?9un9 ft«»-« * 3«
©erlitt erstattet worden war, wurde endlich über die ge J Bersammlung Friedrich Lutz." Schon nach schäftliche Behandlung mehrerer Eingaben Beschluß g-faßt. — ^u lrage der f » folgende Antwort des ®l< Jtox». m«. Z,g.' widm,! te durch di.EH-kr- dni 2» d« NMd« IW ES. D,° in Svanien erreuaten Lage und der damit in Spanten Fürsten -otomar»-
vetbundenen wirtschaftlichen Panik eine Betrachtung, in ver mmk ett ru sie sagt: Je allgemeiner die Niedergeschlagenheit ist, welche sich der spanischen Nation bemächtigt zu haben scheint, in desto hellerem Lichte erglänzt die Handlungsweise deö königlichen Paares in Spanien, welches keinen Augenblick gezögert hat, der Bevölkerung ein Beispiel mutigen AuS- harrenS auf dem gefährdeten Posten und besonnenen Ver- haltens inmitten dräuender Widerwärtigkeiten zu geben.
Dieselbe Zeitung hebt dann weiter hervor, daß der König schon im letzten Jahre angesichts deS durch die Cholera, durch Erdbeben und Ueberschwemmungen verbreiteten Unheils persönlich aus dem Schauplatze ver Gesahr erschien und mit Rat und That einfchrcitend sich als treuer Freund
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