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Marburg, Freitag, 19. Juni 1885.

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Ernennung zum Zivil- und MilitLrgouverneur von Schles­wig und rückte an der Spitze einer Division am 7. Juni 1866 In Holstein ein, stieß dann zur Main-Armee unter dem General Vogel von Falckenstetn, schloß am 29. Juni desselben Jahres die Kapitulation von Langensalza ab und übernahm am 19. Juli den Oberbefehl über die Main-Armee, Anfang August erhielt er «ine Mission nach Petersburg, dann daS Kommando deS 9. Korps und ward im Januar 1867 zur Disposition gestellt. Seit 1868 Kommandeur des 1. Armeekorps, focht er an desien Spitze 1870 bei Colombey. Nouilly und Noisieville, erhielt am 27. Oktober den Oberbefehl über die 1. Armee, kämpfte bet Amiens (27. Nov.) und an der Hallne (23. Dez ), übernahm am 12. Januar 1871 das Kommando der Süd- Armee, drang über die Cote d'Or vor und zwang die Bourbakifche Armee zam ü-bertritt in die Schweiz. Bon 18711873 war Freiherr v. Manteuffel Oberbefehlshaber der Okkupations-Armee in Frankreich, ward 1873 General« Feldmarschall und 1879 zum Statthalter von Elsaß- Lothringen ernannt.

Köln, 17. Juni. Ueber die letzten Tage des Feld- marschalls v. Manteuffel meldet die »Köln. Ztg/: Der Feldmarschall erkrankte am 14. d. Mts. an einer Erkäl« tung, die zuerst unbedenklich erschien, sich aber alsbald zur Lungenentzündung entwickelte^ Der Arzt gab anfangs be­ruhigende Versicherung, lud jedoch später den Generalarzt Dr. Neubauer in Straßburg zu einer Konsultation nach Karlsbad ein. Noch vor dessen Eintreffen trat eine Ver­schlimmerung in dem Zustand des Patienten ein; derselbe starb heute früh 9 Uhr.

das Vertrauen des Kaisers Alexander genoß. Seine her­vorragenden kriegerischen Leistungen in den Kriegen 1866 und 1870/71 sind bekannt; insbesondere sein Eilmarsch im Januar 1871 mitten im eisigen Winter nach dem Jura, um dem v. Werderschen Korps gegen Bourbaki zu Hilfe zu eilen, und seine geschickten Operationen, durch welche er die Armee Bourbakis zum Uebertritt aus schweizerisches Gebiet zwang und so die letzte französische Armee entwaff­nete, werden in der Kriegsgeschichte aller Zeiten und Völker stets eine hervorragende Stelle einnehmen. Nach dem Kriege war ihm die schwierige Aufgabe deS Oberbefehls über die in Frankreich zurückbleibende Okkupations-Armee zugefallen und auch dieser besonders schweren Aufgabe, die nur von einem Manne gelöst werden konnte, der mit dem feinsten und zartesten Takt, echter Weisheit und Scharfblick zugleich die schärfste Energie verband, zeigte sich Manteuffel im höchsten Grade gewachsen I Deshalb wurde er denn auch später von Sr. Majestät dem Kaiser zu dem schwierigen Posten de« Statthalters für Elfaß«Lothringen aus- erfehen, und es ist bekannt, wie es auch hier stet» sein höchstes Streben war, nach dem edlen Willen unb Sinne seines Kaiserlichen Herr!«, den niemand bester kannte, als er, zu regieren uns durch ehrliches Wohlwollen, milde Freundlichkeit und kraftvolle Energie die Herzen des Volkes für Deutschland zu gewinnen. Seine großen Reden bet Eröffnung des LandeSauSschustes waren immer herzerquick- ltche Meisterstücke echt politischer Weisheit und Beredsam­keit. Seine Regierungsmethode ist von mancher Seite öfter angefochten worden; aber erst wenn jetzt seine Stelle leer ist, wird man inne werden, daß der Mann auch an diesem Posten Großes geleistet und manch guten Samen ausgestreut hat, der noch gute Früchte bringen wird. Gerade die besten und edelst gesinnten Elsäster, deren Herz Deutschland gehört, haben v. Manteuffel hochgeschätzt und, besonders angenehm berührt durch seine wahre kirchlich« evangelische Frömmigkeit, von He-zm geliebt und daS ist daS beste Zeugnis für ihn. Manteuffels Name wird in der Geschichte der großen RegterungSzett des Kaiser» Wilhelm, die Deutschland groß gemacht hat, immer als ein Stern erster Größe glänzen, und wenn die besten der Helden und die weisesten der Berater unseres Kaisers ge­nannt werden, so wird Manteuffel unter dm ersten sein. E« ist für daS jüngere Geschlecht, welches die große Zeit mit erlebt hat, besonders wehmutsvoll, die Reihen der großen Männer und Helden immer lichter werden zu sehen. Möchte eS dem Vaterlande nie an solchen fehlen, die würdig sind, an ihre Stelle zu treten I

Edwin HanS Karl Freiherr v. Manteuffe war am 24. Februar 1809 In Dresden geboren. Er wurde 1848 Flügeladjutant des Königs von Preußen, 1857 Chef oeS Militär«Kabinetts, 1861 Generalleutnant und General - Adjutant d-s Königs. 1865 erhielt er die

heitert, die trüben Gedanken, die an Deiner Gesundh it zehren, verscheucht/

Er setzte die Pelzmütze auf und zog sie tief über die Ohren herab.

Ich bin bald wieder da, Agnes, schiebe unterdesten den Riegel vor/ fuhr er fort, »und sorge, daß das Feuer nicht erlischt; eine warme Stube gehört zu der Feststimmung.

Er ging und befremdet schaute ihm AgneS nach, dann stand sie auf und schloß dir Thür.

Eine seltsame Erinnerung, wie aus ferner, längst ent­schwundener Zett, kam über sie.

ES war ihr, wie an jenem Sonntagmorgen, als sie ebenfalls den Riegel vorgeschoben hatte und sich allein in dem Zimmer befand. Damals konnte sie noch singen und heit-r fein, ihr Gemüt war noch nicht krank wie heute.

Deutlich, wie damals, hörte sie klopfen, sie sah, wie Frau Sträuber mt dem prächtigen Blumenstrauß in der Haut» eintrat, und wie damals fühlte sie auch heute den wonnigen Schauer, den die Gewißheit, geliebt zu sein, her­vorrief, durch die Glieder rieseln. Dort, unweit der Thür war di« Stelle, wo sie dieses erste zarte Liebeszeichen deS jungen Malers in Empfang genommen hatte, dort war eS aber auch, wo tu strenge Vater mit kalter Hand den jungen Liebestraum zerstörte. Wohl hatte sie re versucht, ihn günstiger für den Künstler zu stimmen, umsonst; er blieb dabei, daß er eine Verbindung zwischen ihm und AgneS für ein Unglück sür seine Tochter halte, bk er so lange ver­hindern werde, als er lebe.

Noch einmal hatte eS Wallburg gewagt, bem Jungen Mädchen burch Frau Sträuber ein Briefchen zu übersenden; aber der Alte war «»«wartet vazugekommm unb hatte die

Im Baun des Schicksals.

Roman von Moritz Lilie.

(Fortsetzung.)

Von Zeit zu Zeit stahl sich ein leiser, kaum hörbarer Seufzer über AgneS Lippen; bann wanbte sich ihr Vater zu ihr unb sein umflorter Blick ruhte sorgenvoll auf ber kranken Tochter. ,

Plötzlich erhob er sich unb schritt einigemal« im Zimmer auf und ab, als kämpfe et mit einem Entschluß. Daun blieb er vor AgneS stehen unb legte seine Hand auf ihre Schulter. n

ES ist heute Weihnachtsabend, mein Kind, wollen wir nicht auch ein kleines Bäumchen anzüuden?" fragte et, und feine sonst so harte, rauhe Stimme klang auffallend weich unb mttb.

DaS Mädchen schaute erstaunt zu ihm auf, al» vermöge ste die Frage nicht zu saffen.

Dann schüttelte ste mit wehmütigem Lächeln das Haupt.

»Die Zett ist vorüber, wo ich an solchen Dingen Ver­gnügen sand/ versetzte ste leise; »auch möchte ich birs« Arbeit, die zu einem Geschenk bestimmt ist, heute noch M lenden, da sie die Bestellerin morgm früh abholen will.

Der Registrator setzte seinen Spaziergang durch das Zimmer fort, ohne etwa» zu erwidern. Er trat an das gefrorene Fenster und blickte aufmerksam durch den abgr- »hauteu Streism hinab iu die Dunkelheit.

Dann trat er rasch In» Zimmer zurück.

Sine Freude müssen wir doch haben/ rief er, dm Schlafrock abwerfend und sich zum «usgehen ankleidend. »Die ganze Welt ist heute glücklich und vergnügt, nur bei uns wohnt die Traurigkeit. Vielleicht gelingt eS mir doch, «ine Gabe ««»findig ju machen, die Dich et« wenig auf«

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Geueralseldmarschall v. Manteuffel f.

Während wir noch mit den Nachrichten Über den Tod des Generalfeldmarschalls Prinzen Friedrich Karl, ins­besondere der Aufzählung der noch lebenden Generalfeld- marschälle, beschäftigt sind, bringt unS ber Telegraph die Nachricht von dem gestern früh 9 Uhr, den 17. Juni, iu Karlsbad, dem Vernehmen nach am Lungenschlage, erfolgten Tode des GeneralfeldmarfchallS, Statthalters Freiherrn von Manteuffel. Auch diese Todesnachricht wird dem Herzen unseres Kaisers besonders nahe gehen; denn Herr von Manteuffel hat seinem Herzen immer besonder» nahe ge­standen, er war immer in besonderem Maße sein Ver­trauensmann, deffen er sich gern bei delikaten und beson­ders schwierigen politischen Missionen bediente, und auch die letzte Stellung Manteuffels als Statthalter von Elfaß- Lothringen war in hervorragendem Maße ein Beweis des unbegrenzten Vertrauens, welches der Kaiser auf den Frei- Herrn setzte. Und derselbe hat sich di-seö großen Vertrauen» stet» in allen Lagen in höchstem Grade würdig erwiesen, sowohl im Hinblick auf die unbedingte Zuverlässigkeit des Charakters als auch auf die hervorragende Tüchtigkeit seiner Leistungen. Nächst dem Generalfeldmarschall v. Roon hat kein anderer dem Kaiser beffere und zuverlässigere Dienste geleistet bei dem großen schweren Werk der Armee Reorgani­sation und zwar an einem Punkte dieses Werkes, wo es aalt, alle Rücksichten auf die eigene und die Person anderer beiseite zu setzen und lediglich daS unerbittliche Jntereffe der Sache im Auge zu halten. Bekannt sind seine wich­tigen politischen Missionen, besonders In kritisch-politischen Konst llattonen nach Petersburg, wo er im höchsten Grade

Deutscher Reich.

Berlin, 17. Juni. Wie jetzt endgilttg festgestellt ist, wird die L-iche deS Prinzen Friedrich Karl aus der Kapelle zu Klein - Glienicke heute abend nach 10 Uhr in die Garnisonkirche zu Potsdam übergeführt werden. Dort wird morgen um 11 Uhr die militärische Leichenfeier stattfinden und demnächst tfc Leiche zu der hinter Glienicke im Walde gelegenen Peter« und PaulSkirche In Nikolskoje gebracht werden. Ueber die letzte LebenszeitdeS Prinzen Friedrich Karl wird berichtet: Ein Vorbote des Schlag­anfalls hatte sich im vorigen Jahre bei einer Spazierfahrt gezeigt. Der Prinz hatte einen Schwindelanfall und beim AuSsteigen aus dem Wagen machte sich eine Lähmung an dem einen Bein bemerkbar, die allerdings bald wieder verschwand. Infolge deffen besuchte der Prinz Marienbad und lebte sehr mäßig. Sein Getränk am Abend im Ge­sellschaftskreise war eine leichte Bowl«, welche mit Biliuer Waffer gemischt wurde, letzteres war sein Getränk schon seit Jahren. In diesem Jahre gebrauchte er abermals Marienbad. Nach der Rückkehr äußerte er wiederholt zu den Herren seines AbrndkreiseS, daß ihm Marienbad außer-

Frau mit harten Worten vor der Thür gewiesen, den Brief aber ungelesen inS Feuer geworfen.

Seitdem wurde AgneS stiller und stiller; daS heitere, lebenslustige Wesen wich ein« tiefen Melancholie und ihr frisches, gesundes AuSsehn schwand immer wehr.

Dem Auge deS Vaters entging eS nicht, wie Agnes litt, aber er hoffte, daß die alles heilende Zeit auch ihren Schmerz lindern werd--; er hatte sich geirrt; mehr und mehr zeigten sich die Spuren einer tiefen Schwermut, und die Aeufe- rargen von Lebensüberdruß, die Agnes immer häufiger hören ließ, erfüllten den alteu Manu mit steigender Besorgnis. Und doch hatte er au» übergroßer Sorge für das Wem seiner Tochter bisher noch nicht gewagt das einzige MÜtel, welches der Kranken Heilung bringen konnte, anzuwenden.

Da hörte sie ihren Vater kommen; sie öffnete die ver- fchloffene Thür unb trat bann zum Ofen, um das matt brennende Feuer zu schüren.

Der Registrator hiett die erstarrten Hände an den Osm ehe et ablegte; die Kälte draußen hatte sich seinen Kleidern mitgeteilt und «tue merkliche Kühle strömte von seiner Gestatt auS.

»Sorge für heißes Waffer, Agnes, wir wollen dem Weihnachtsfest zu Ehren ein Glas Punsch trinken/ sagte Herlling, indem er auS der Tasche seines langen Rockes die hierzu nötigen Bestaudtette hervorlangte und auf den Tisch legte.

Das Mädchen traute ihren Augen kaum; diesen Luxus hatten sie sich, feit ste denken konnte, noch nicht gegönnt.

»Md nun, mein Kind, mache ein freundliches Gesicht; wir bekommen Besuch/ fuhr der Alte fort, die düster bren­nende Petroleumlampe höher schraubend.

(Fortsetzung folgt.)

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