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Rt. 13».

Marburg, Mittwoch, 17. Juni 1885.

XX. JllhlMg.

grscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn-und vertagen. Quartal- «bonnements-Preis bei der Expedition 2*/t Äik, bei Ken Postämter 2 Mk. 50 «ffl (erd. Bestellgeld), »nsertionsgebühr für die Aaltene Serie 10 Bfg. Lyamen für die Zelle * 25 Pfg.

Oliklliksßsche Aitiliig.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte-, s owied.Annoncen- Bureaux vonHaasenstein undVogler in Franturt a. M., Kassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt a. M., Berlin,München und Köln: <8. L. Daube und 60 in Frankfurt a. 2JU Berlin,Hannover ir Paris.

Wöchcutliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Soniitagsblatt.

Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. Koch.

Prinz Friedrich Karl vo« Preußen f»

DaS Kaiserliche und Königliche Haus ist schon wieder von ünem schmerzlichen Verluste betroffen worden. Montag morgen nach 10 Uhr ist, wie uns cer Telegraph bereits meldete, der Prinz Friedrich Karl in Klein-Glienike gestorben. Der Prinz, welcher erst kürzlich nach mehr­wöchigem Kurgebrauchc in Marievbad von dort zurück- gekehrt war und gegenwärtig mit seiner Gemahlin aus Ja ad schloß Glienike bet Potsdam weilte, wo er die Nachkur ge­brauchte, wurde Sonntag früh 5 Uhr von einem Schlag­anfall getroffen, welcher die rechte Seite deö Körpers be­rührte und Lähmungserscheinungen zur Folge hatte. Die Doktoren Ebmiyer und Ernesti aus Potsdam, sowie Dr. Kleffel aus Berlin waren rasch zur Stelle und trafen die nötigen Anordnungen. Im Laufe deS Tages hatte sich das Befinden de« Patienten entschieden gebeffert und auch Mon­tag früh schien noch keine ernste Besorgnis für das Leben desselben vorhanden zu sein, denn auS Potsdam kam nach Berlin die telegraphische Depesche, daß der Prinz die Nacht etwas geschlafen habe und das Befinden im allgemeinen bester geworden sei. Um halb 8 Uhr erschien der von Bonn eingetroffene Prinz Friedrich Leopold und um 8 Uhr der Kronprinz am Krankenbett. Leider folgte dieser Hoff­nung erregenden Depesche nach einigen Stunden folgens« Tramrnachricht: Se. Königliche Hoheit Prinz Friedrich Karl ist heute vormittag nach lOUhr in Klein-Glienike sauft entschlafen.Neben dem Kaiser- und Königshaus« trauert um den verstorbenen Prinzen namenllich die Armee, deren vorzüglicher Liebling der schneidige Retterführer war.

Ferner wirs geschrieben: Se. K. H. der Prinz Friedrich Karl von Preußen ist Montag vormittag etwa um lOUhr einem Schlaganfalle, von welchem derselbe am Sonntag früh heimgesucht worden war und durch welchen die ganze rechte Seite des Körpers gelähmt wurde, auf seinem Jagd- schloste Glienike bei Potsdam erlegen. Der Prinz hatte sich bekanntlich erst vor einigen Monaten auf ärztlichen Rat zum Kurgebrauch nach Marieubad begeben, von wo er nach etwa vierwöchigem Aufenthalt wohl und gekräftigt zurück­kehrte und sich zunächst nach Jagdschloß Dreilinden begab, um kort eine Nachkur zu gebrauchen. Von Dreilinden aus übersiedelte dann der Prinz gleich nach der großen Parade des Garde-Korps in een letzten Tagen deS vorigen Monats nach Jagdschloß Glienike bet Potsdam über, wo an dem­selben Tage auch seine Gemahlin, von Berlin kommeud, zum Sommeramenthalte eintraf. Dort setzte der Peinz seine Nachkur in der gewohnten Weife und vom besten Erfolge begleitet, fort. Am Sonnabend Abend hatte der­selbe wie gewöhnl ch wieder eine kleinere Herrengesellschaft bei stch auf Jagdschloß Glienike gesehen, von der er sich wohl und munter verabschiedete, um stch zur Ruhe zu be­geben. Um 5 Uhr etwa des Sonntags früh wurde der erlauchte Herr sodann von einem Schlaganfalle heimgesucht,

an besten Folgen derselbe bis zum Montag Vormittag, und ohne wieder zur völligen Besinnung gelangt zu sein, dar­niederlag, bis gegen 10 Uhr der Tod eintrat. Von der Erkrankung des Prinzen waren sofort die nächsten Ver­wandten benachrichtigt worden, so daß der Sohn weiland des Prinzen Friedrich Karl, Prinz Friedrich Leopold bereits gestern nachmittag aus Bonn, wo derselbe seinen SiOien obliegt, in Potsdam eintreffen konnte. Ebenso werden auch die übrigen Verwandten in der allernächsten Zeit erwartet. Se. K. und K. Hoheit der Kronprinz stattete sofort nach dem Ewpfang der Nachricht von dem schweren Unfälle, von dem der Prinz Friedrich Karl betroffen worden, ebenfalls auf Glienicke einen Besuch ab. Dec Prinz Leopold kam Montag vormittag von Potsdam nach Berlin, um Sr. Majestät dem Kaiser die Trauerbotschaft persönlich zu über­bringen. Die gesamte Königl. Familie ist durch denselben tu die größte Betrübnis versetzt.

Prinz Friedrich Karl Nicolau«, des am 21. Januar 1883 verstorbenen Prinzen Karl (Bruders unseres Kaisers) Sohn, war am 20. März 1828 geboren und hatte stch am 29. November 1854 zu Berlin mit Prinzeß Maria Anna, des 1871 verstorbenen Herzogs Leopold Fri drich von Anhalt Tochter, geboren am 14. Sept. 1837, vermählt, aus welcher Ehe vier Kinder, drei Prinzessinnen und der Prinz Friedrich Leopold, stammen. Prinz Fried­rich Karl ist Ehren-Kommendator des Johanniter-OrdenS, General-Feldmarschall, General-Inspekteur der III. Armee- Inspektion und Inspekteur der Kavallerie, Chef des 8. Brandenburgischen Infanterie - Regiments Nr. 64 (Prinz Friedrich Karl von Preußen) und deS Brandenburgischen Husaren - Regiments (Zietensche Husaren) Nr. 3, zweiter Chef des 1. Leib-Husaren-Regiments Nr. 1, sowie des 1. Garde-Grenadier Landwehr-Reimen«, Kaiserlich russischer Feldmarschall, Chef des Kaiserlich russischen Achtyrtschen Husaren-RegimentS Nr. 12 mb des Kaiserlich russischen 6. Libauschen Infanterie - Regiments, sowie Obersttnhaber des K. K. österreichischen Husaren Regiments Nr. 7.

Der heutigen Leichenfeierlichkeit in Glienike für den Prinzen Friedrich Karl wohnten die Gemahlin deS Entschlafenen, der Kronprinz, Prinz Friedrich Leopold, der Hofmarschall, die Adjutanten und die Hausdienerschaft bei. Ein einfacher offmer eichener Sarg war im Arbeitszimmer aufgebahrt, darin die Leiche, mit dem roten Atttlla der Ziethmhusaren bekleidet. Ho'prediger Rogge hielt die Leichenrede. Darauf erfolgte die Ueberführung deS Sarges in die Dorfktrche von Glienike. Der Kronprinz, Prinz Friedrich Leopold, der Hofmarschall, die Adjutanten uns der Hofstaat folgten zu Fuß. Um 7 Uhr folgte die Trauer- feierlichkeit in der Kirche, welcher außer den oben Ge- nannten auch die Kronprt z-sstn mit ihren Töchtern, die Prinzessin Wilhelm, Prinz Günther von Schleswig-Hol­stein, der Stad kommandant und andere O fiziere bei­

wohnten. Hofprediger Rogge sprach ein längeres Gebet, worauf die Einsegnung der Leiche geschah. Den Schluß machte ein Gesang. Die militärische Leichenfeier findet in den nächsten Tagen in der Garnisonskirche in Potsdam statt.

Deutsche» Reich.

Berlin, 15. Juni. Der Kaiser empfing um 12 Uhr den Prinzen Friedrich Leopold, Sohn des verstorbenen Prinzen Friedrich Karl, und um l1/. Uhr den Kron­prinzen. Der Hof hat anläßlich des Ablebens des Prinzen Friedrich Karl auf 4 Wochen Trauer angelegt. Dem Bundesrat ist seitens des Reichskanzlers der Ent­wurf eines Regulativs betreffenb die Zollerleichterung bei der Ausfuhr von Oelfabrikatm zugegangen. Der Antrag lautet:Die Bestimmung unter Ziffer 3a im § 7 des Zolltarifgesetzes betreffend die Gewährung einer Zollerleich­terung bei der Ausfuhr von Oelfabrikaten macht den Er­laß eines bezüglichen Regulativs erforderlich. Daö letztere wird im wesentlichen an das Mühlenregulativ vom 5. Juni 1882 auschließen können/ Unter Anschluß eines bezüg­lichen Entwurfs beantragt der Reichskanzler mit Hinweis darauf, daß das Regulativ bereits am 1. Juli d. IS. in Kraft treten muß, thunliche Beschleunigung. ES ist mehr­fach darauf hingewiesen worden, daß in den Reichsämtern Arbeiten bezüglich der Aufstellung des nächsten ReichLhauS- haltSetatS vorbereitet feien. In dieser Beziehung gehen die Dinge genau wie in den früheren Jahren. ES ist bis jetzt immer um diese Zeit die Aufstellung deS Etats für das folgende Rechnungsjahr begonnen worden. Wie dem Reichstage, so ist auch dem Bundesrate der Bericht der Reichskommisston zugegangen, welche zur Beratung der Jwpsfrage berufen worden war. Der Ausschuß für Handel und Verkehr, welchem diese Angelegenheit überwiesen war, hat, wie man derNat.-Ztg.". berichtet, beim Bundesrat jetzt beantragt, die Vorschläge der Jmpskommisston anzu- nehmen mit der Maßgabe, daß die Einführung der Tier­lymphe thunlichst herbeizusühren sei und die Geschäftsord­nung der Jmpfärzte alle drei Jahre einer Revision unter­zogen werde. Die Bundesregierungen sind ersucht worden, au der Hand dieser modifizierten Beschlüfle der Jwpf- kommission die erforderlichen Anordnungen auf Grund deS JmpfgesetzeS zu treffen. Die Rednerliste des Reichstages ist nunmehr erschienen; au« derselben geht hervor, daß der Reichskanzler stch diesmal mehr als in jeder anderen Ses­sion der letzten Jahre an den Debatten beteiligt hat; er hat nicht weniger als 54mal das Wort ergriffen. Von den Abgeordneten betelligte sich in der abgelaufeneu Session ein verhältnismäßig großer Teil an der Debatte; cS er­griffen nicht weniger als 237 Redner das Wort, die im ganzen 3075 mal sprachen. Nach der Häufigkeit des Sprechens ergiebt sich folgende Reihenfolge: Richter 335, Wtndthorst 135, v. Köller 125, Rickert 102, Brömel 69, v. Hellborff 65, Dirichlet 58, Meyer (Halle) 53, Kayser 51,

Im Bau« -es Schicksals.

Roman von Moritz Lilie.

(Fortsetzung)

Also Liebesgeschichten werden hinter meinem Rücken angezettelt, und Sie machen die Vermittlerin?' wandte der Registrator stch an Frau Sträubet, und seine Stimme zitterte vor Erregung. »Von wem sind diese Blumen und das Gedicht?'

Von einem braven und rechtschaffenen Mann, Herr Hmling, der ganz gewiß die redlichsten Absichten hat, und den zum Schwiegersohn zu erhalten stch mancher Vater glücklich schätzen würde,' erklärte Frau Sträuber furchtlos und ohne eingeschüchtert zu sein.Der Maler Wallburg ist in Fräulein Agnes sterblich verliebt, wagte aber nicht, Eie zu besuchen, well er nicht wußte, wie er ausgenommen werden würde. Darum hat er mich beauftragt^, diesen Blumenstrauß abzugeben, mit welchem er dem Fräuljin seine Zuneigung und Verehrung beweisen wollte.'

Sagen Sie dem Herrn, er solle künftig sein Geld und seine Mühen sparen!' rief der alte Registrator zorngervtet °u«, indem er das Gesangbuch, welches er bis jetzt unter dem Arme getragen hatte, ziemlich unsanft auf die Kommode warf und den Hut daneben stellte.Dieses Künstlervolk vagt am Hungertuche, wirft aber seine paar Pfennige leicht­sinnig für solchen unnützen Kram weg, anstatt stch wie andere vernünftige Menschen dafür Brod zu kaufen. Da, nehmen Sie den Bettel und tragen Sie ihn wieder dahin, wo Sie ihn hergebracht haben; hier sind Sie damit an die falsche abreffe gelangt.'

Er nahm das Boukett, steckte den Brief wieder zwischen ple Blumen und gab Beide« der Frau zurück.

Aber in diesem Augenblicke trat Agnes heran und nahm e« dieser wieder aus den Händen.

Das wird nickt geschehen, Vater, die Blumen werden nicht zmückgesandtl' sagte sie in so festem, bestimmtem Tone wie man ihn dem jungen Mädchen nimmermehr zuze- traut hätte.

Wir haben kein Recht, die Aufmersamkeit diese« Herrn mit einer Beleidignng z 1 erwidern, denn die Form, in welcher er mir die« Geschenk macht, ist eine so zarte, rücksichtsvolle, daß eine Zurückweisung ungezogen sein würde.'

Frau Sträuber nickte Agne« mit beifälligem und anf- munterndem Lächeln zu; sie hatte recht wohl bemerkt, daß der hübsche junge Künstler dem Mädchen ebenfalls keines­wegs gleichgültig fei.

Gut denn, behalte für diesmal metnetwegm den Kram, aber für die Zukunft verbitte ich mir ein für allemal diese Zudringlichkeiten,' entschied Heriling, indem er sich anschickte, den Hut wieder in dem Pappfutterale uvterzubringen.

Fragend schaute die Aufwartefrau auf Agnes, als er­warte sie bezüglich de« geplanten Besuches bei dem Künstler noch eine Andeutung; obtr die scharfen Blicke de« Alten verhinderten jede Verständigung. Resultallos entfernte sich Frau Sträuber endlich.

Ich habe Dich für ein gute«, gehorsame« Kind ge­halten Agne«,' nahm der Registrator das Wort, al« er mit seiner Tocht r allein war,aber heute mußte ich er­fahren, daß Dir mein Wunsch nur wenig gilt, sonst würdest Du die Frau nicht eingelassen haben.'

DaS Mädchen umschlang den Hals des alten Manne«.

.Sei mir nicht böse, Vater, bat da« Mädchen mit weicher Stimme,ich hab« erst geöffnet, al« ich wußte, daß e« Frau

Sträuber war, die ja so viele Jahre bei un« ein und au«- gegcmaen ist, ich hiev da« für kein Unrecht.'

Die Frau ist gefährlich, sie hat unsere Wohnung be­obachtet und gesehen, daß ich zur Kirche gegangen bin,* versetzte Hertling;erst dann wagte sie e«, ihren Auftrag anSzuführ cn. Aber ich warne Dich, Agne«, laß Dich durch solche Geschenke nicht bethören, e« führt zu nicht« Gutem. Die Kunst geht betteln, und ein junger Maler muß ein besondere« Talent besitzen, wenn er stch anständig durch die Welt schlagen will. Nach Allem, wa« ich von dem da drüben erfuhr, lebt er in sehr dürftigen Verhältnissen; nie­mals aber werde ich zugeben, daß Du einen Mann hei- ratest, der heute nicht weiß, woher er morgen fein Brod nehmen soll '

Aber Vater vom Heiraten ist doch keine Rede' Desto schlimmer, Agnes, desto schlimmer I" fiel der Regi­strator ein.

Eine Liebelei ohne ernste Absichten dulde ich noch viel weniger. Glaube mir, mein Kind, ich meine e« gut mH Dir und will nur Dein Glück; eine Ehe aber, die nur mit Not und Sorgen zu kämpfen hat, wird niemals eine zu­friedene werden. Auch ich war ein blutarmer Teufel, al« ich Deine selige Mutier heiratete; aber taufentmal habe ich es bereut sie an mich gefeffelt zu haben; denn sie mußte Zeit ihre« Lebens in Dürftigkeit und Mangel verbringen, da es mir trotz alle« Strebens nicht gelang, mir eine sorgen­freie Existenz zu schaffen. Siehst Du, Agne«, und weil ich weiß, wie traurig ein solches geben ist, werde ich nimmer­mehr zugeben, daß Du einem gleichen Schicksal entgegen« gehst- daß Du einen Mann heiratest, der nichts besitzt, als seinen guten Willen.' (Fortsetzung folgt.)