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Das Geschäft wäre vorläufig abgemacht*, sagte er, sich erhebend.Sie sehen mich in den nächsten Tagen wieder. Inzwischen will ich einen Plan entwerfen, den wir dann ge­meinschaftlich durchberaten und endgiltig feststellen wollen. Für heute gute Nacht, Herr Graf!"

Erkennen Sie den wieder?" fragte am nächsten Tische e>n Hrrr seinen Nachbar, al-Praß an Ihnen vorüberschritt.

Der Andere schaute dem Davongehenden sehr eilig nach.

Alle Wetter, das ift ja der Advokat Praß, der einst hier eine so bedeutende Rolle spielte und in der Gründer­zeit au allen industriellen Unternehmungen beteiligt wart* sagte er im Tone höchsten Erstaunens.

Ganz recht, der ist es," stimmte der Erste bei.

Er führte eia auffallend großes HmS, hatte eine prachtvolle Equipage und Livreediener und verkehrte in den vornehmsten Kreisen, bis die Pauke ein Loch kriegte, eine« schönen Morgens der Staatsanwalt erschien und dem sauberen Herrn Doktor weg« Fälschungen und Unterschlagungen in bedeutender Höhe ein Freiquartier in Nummero Sicher an- wies. Die Sache erregte damals riesiges Aussehen, uud bei der öffentlichen Hauptverhandlung vor dem Schwurgericht war der Saal Kops an Kopf gefüllt. Das Ende vom Liede waren wohl dreiundeinhalb Jahre Zuchthaus und dauernde Entziehung der Advokatur, eine schwere, aber wohlverdiente Strafe."

Mit dem Ehrgefühl dieses Mannes scheint eS auch zu hapern, sonst würde er nach verbüßter Strafe nicht wieder hierher zurückgekommen sein, wo er jetzt doch eine sehr klägliche Rolle spielen muß * versetzte Jener.

DaS hat der wohl niemals besessen, sonst würde er flch nicht haben zu Verbrechen aus Eigennutz hinreißen lasten," meinte sein Gefährte,uud was sein Hierherkommen betrifft, so kann ich mir da- schon erklären. Wir haben

hier eine bedeutende Fremdenkolonie, deren Mitglieder hin und wieder juristischen Beistandes bedürfen; auf diese scheint Praß sein Augenmerk gerichtet zu haben; erkennt die Lokale genau, wo Ausländer verkehren, sein elegantes, geschmeidiges Wesen verschafft ihm leicht Zutritt in diese Kreise und damit ist die Bahn geebnet. Darf er auch nicht öffentlich praktizieren, so giebt eS doch eine Menge Rechtsgeschäfte, die sich recht gut unter der Hand obwickeln losten und wo kein Kläger, da kein Richter."

Ganz recht, und der Mann dort scheint auch ein Fremder zu fein, der dem abgesetzten Advokaten in« Garn gelaufen ist," ergänzte der Tischnachbar.Man sollte wirklich dem alten Herrn über die Persönlichkeit Praß die Augen Cff-.en, ihn vor diesem schlimmen Patron warnen."

Das ist ein undankbares Beginnen, und in der Regel erntet man für feinen guten Willen nichts als eine recht gründliche Zurückweisung," meinte Jener.

DiS Gespräch verstummte, denn eben erhob stch auch der Graf, zündete stch noch eine Zigarette an und fchritt ebenfalls langsam dem Ausgange zu.

Die Kapelle spielte die heitere Melodie de- Schalten­tanzes aus MeyerbeerS OperDinorah", die herrlichsten Gos^ekorattonen, LustreS und sonstigen Lichteffekte, an denen der Garten des Belvedere so reich ist, strahlten tausendfache Lichter aus, und drunten, über dem Master, zogen sich drei feurig- Doppelguirlaneeu, die GaSlaterneu der Brücken, von einem Ufer zum andern, stch zitternd in dm Wellen spiegelnd.

Im Osten aber, über den malerstchev Loschwitzer Höhen, stieg langsam der Mond empor, und goß sein magische» Licht über schöne Elbthal, daß eS erglänzte wie eine Zauberlaudschaft au- tausend und einer Nacht.

(Fortsetzung folgt.)

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Marburg, Freitag, 12. Juni 1885.

XX. Jahrgang.

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Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. Illustriertes Sonntagsblatt.

Expedition- Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

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Das Kabinett Gladstone.

DaS Kabinett Gladstone will zurücktreten.

Schon vorgestern erklärte im Unterhause der Premier selbst, daß infolge der für ihn verhängnisvollen Abstimmung das Kabinett es als feine Pflicht erachtet habe, der Königin eine Mitteilung zu machen, deren Charakter augenscheinlich sei, obwohl er ihn nicht näher bezeichnen könne. Er be« awragte dann die Vertagung der Sitzung bis Freitag, um die Entscheidung der Königin abzuwarten und da« Haus vertagte sich. Noch am Abend hat Herr Gladstone stch dann nach Balmoral zur Königin begeben, um perfönlich dte Demission des ganzen Kabinetts zu überreichen.

Was die Königin thun wird, steht dahin. Jndeffen wird nach den parlameutarischm Gepflogenheiten Groß­britanniens an der Annahme der Demission kaum gezweifelt werden dürfen, wenn auch die andere Möglichkeit einer Parlamentsauflösung keineswegs ausgeschlossen ist. Ja diesem letzteren Falle würden die aegenwärttgen Minister bis nach vollzogener Neuwahl im Amte bleiben. Doch ist der Fall, wie gejagt, nicht wahrscheinlich. DaS Ministerium Gladstone ist verbraucht und nicht nur durch seine aus­wärtige Politik bloßgestellt, sondern auch innerlich in stch selbst gespalten. Der Kompromiß zwischen Liberalismus und Radikalismus, aus dem es heraus geboren ist, hält nicht mehr Stand vor den Schwierigkeiten der irischen Frage, in welcher stch der konservative Lord Spencer und die radikalen Herren Dilke und Chamberlaiu mit völlig widersprechenden Ansichten gegmüberßchen.

Nimmt die Königin die Demission an, so werden die Konservativen vor die harte Pflicht gestellt, eine äußerst schwierige Erbschaft antreten zu müffen. Daß sie trotz der Schwierigkeiten stch dazu bereit finden werden, glaubt man in England allgemein. Und der Träger der neuen Aera wird dann vorausstchllich Lord Salisbury werden, ein Staatsmann, dem zwar nicht hervorragende diplomatische Talente, aber doch ein lebhafteres Ehrgefühl für die Größe feines Landes nachgerühmt werden, al- es Herrn Gladstone eigen war. Für uus Deutsche kommt daneben in Betracht, daß eine freundliche Stellung zu unserer Regierung in das Programm der Tories von jeher gehört hat.

Eino caS die speziellen Gedanken, zu denen der Sturz des Herrn Gladstone Anlaß geben konnte, so fehlt eS auch nicht an allgemeinen. Diese aber bewegen sich auf dem Gebiet der Meditation über den Wert oder Unwert der Entscheidungen, welche dieöffentliche Meinung" und ihr Sprachrohr, die parlamentarischen Majoritäten, abzugeben berufen stnd. Mücken feigen und Kamele verschlucken, hat stch auch hier wieder als da« Kennzeichen der echten FraktionS- und Parteipolitik bewährt. Den ganz unberechenbaren moraliicheu Schaden, welchen die unfähig schwankende und immer im entscheidenden Augenblick zurückweichende Politik

Gladstones der Weltstellung Englands in allen Erdteilen zugesügt hat, hat man nicht nur jahrelang unthätig mit angesehen, fonbem im Gegenteil den Träger dieses unglück­lichen Systems noch gestützt, nur um nicht dem Führer der gegnerischen Partei, der Englands Ehre ganz anders und viel bester gewahrt haben würde, zur Herrschaft zu verhelfen. Die Partei war alles, das Vaterland nichts.

Jetzt aber läßt man in einer kleinlichen und elenden Stenerfrage das Ministerium treulos im Stich. Und offen­bar aus keinem anderen Grunde, als weil eS eben kurz vor ben Neuwahlen unthunlich ist, bemarmen Mann" sein Bier und seinen Branntwein zu verteuern. Hielt man früher baS Ministerium ber Partei wegen aufrecht, so läßt man eS jetzt um ber Partei ober um des Mandats willen über die Klinge springen.

Der Vorfall ist geeignet, pesstmistisch zu stimmen. Mag bei dem einzelnen bisweilen der Verstand mit den Jahren kommen Majoritäten scheinen auch in dem ältesten parla­mentarischen Lande Europas nur immer wieder berufen zu sein zum Beweise, daß in den Instinkten der Maste das Hosiannah" und da-Kreuzige" unmittelbar neben einander liegen und daß eS kein weniger sicheres Fundament für das StaatSgebäude großer Nationen gtben kann, als die ewig schwankende Lustwelle ber aura popularis.

Deutsche- Reich.

Berlin, 10. Juni. Nach ben Bestimmungen des Unfall* verstcherungSgesetzeS bildet bekanntlich baSReichSverstcherungS« amt die oberste Instanz für die Arbesterverstcherung. Es wird zusammengesetzt aus mindestens drei ständigen Mitgliedern uud aus acht nicht ständigen Mitgliedern. Von den letzteren werden vier vom Bundesrat aus seiner Mitte und je zwei von den Genostenschaftsvorstän! rn und von den Vertretern der versicherten Arbeiter au« ihrer Mitte in getrennter Wahlhandlung unter Leitung des ReichSverstchkrungSamteS gewählt. Diese Bestimmung ist vielfach so au°gefaßt worden, eS sollten die Arbeitervertreter, deren Zahl sich ja auf viele Hunderte belaufen würde, sämtlich zu dem Wahlakt nach Berlin berufen werden. Dies ist jedoch, woran dieBerl. Pol>t. Nachr." erinnern, ein Irrtum; nach der richtigen Interpretation wird die Abstimmung eine schriftliche sein müssen, und die Vota werden aus dem Korrespondenzwege einzuholen sein. Der deutsche JnnungStag, welcher am nächsten Montag in Berlin zusammentritt, wird sich zu einer großartigen Handwerker-Demonstration gestalten. Zu demselben entsenden sämtliche große JnnungS - Verbände Delegierte, der Zentral-Verband deutscher Bäcker Innungen Germania, der Bund deutscher Barbier- und Friseur-In­nungen, ber Verband» deutscher Baugewerksmeister, ber Bund der deutschen Dach- und Schieferdeckermeister, der Bund deutscher Drechslermeister und Fachzenoffen, der

Verband der Färber und verwandten Gewerbe Deutsch­lands, der deutsche Fleischer-Verband, der Glaser-Innung Deutschlands, der Bund deutscher Schneider-Innungen, der der Schmiede-Innungen, der Schornsteinfeger, der Schuh­macher, ber Stellmacher unb Wagner, ber JnnungS - Aus­schuß zu Bromberg, ber zu Hamburg, zu Leipzig, Magdeburg, Danzig und Dresden, der Obermeister-Verein in Potsdam, der bayerische Handwerkerbund, der ostpreußische Handwerkerbund, der allgemeine Gewerbe-Verein zu München u. a. m. Zum Unglück auf der Oberspree teilt dieRat. Z." mit, daß die Geschädigten stch vereinigt, -um durch gemeinsame» Vorgehen auf zivilrechtlichem Wege die zunächt regreßpflichtige Dsmpfergesellschast zum Schadenersatz anzuhalten. Weiter schreibt das genannte Blatt: Außer dieser Privatklage der Geschädigten auf Schadenersatz wird selbstverständlich auch die Staatsanwaltschaft eine Anklage zu erheben haben. Gegen wen dieselbe stch zunächst richten wird, ist wohl noch eine offene Frage. Jedenfalls wird im Laufe der Verhand­lung daun ein klare» Urteil über das Maß deö Verschuldens gewonnen werden, das jeden einzelnen in diesem traurigen Falle triff«. Am Dienstag früh erhielt Herr Tabbert, der Besitzer des WoldschlößchenS, folgenden eingeschriebenen Bries:Geehrter Herr Tabbert: Bei bem gestern stattge- funt enen Zusammensturz der Landungsbrücke vor Ihrem Lokal war ich passiv beteiligt und habe dadurch einen Schaden laut umstehender Spezifikation von 30,25 Mark erlitten, welchen Betrag Sie mir gefälligst vergüten wollen. Hochachtungsvoll (gez.) L. O. Der Regierungsdampfer mit bem Bauinspektor, bem Strommeister, einem Gendarm u. s. w., kurz mit dem ganze» Personal einer Untersuchungs­kommission an Bord, befuhr gestern nachmittag bereits die Oberspree und unterzog sämtliche Anlegestellen der Dampfer einer genauen Untersuchung. Die morgige Sitzung des Bundesrats wird nur von kurzer Dauer sein, weil Gegen­stände von größerer Bedeutung nicht auf der Tagesordnug stehen. ES befindet stch darunter ein Antrag des Groß- herzogtums Hessen, nach dem Vorgänge anderer Bundes­staaten, auf Ersatz der durch die Zollverwaltung entstandenen Kosten. Dann folgt ein Antrag von Sachsen - Meiningen über die Verzollung des nach amerikanischer Art bearbei­teten Tabaks; ferner eine Mitteilung über den Ablauf der Amtsperiode bet den Mitgliedern der Verwaltung de» RetchS-JnvaltdenfondS. Die gegenwärtigen Mitglieder stnd: der badische Ministerialrat Scherer, der württembergische wirkliche Finanzdinktor von Schmid und der bayerische Ministerialrat Freiherr von Stengel. Dieselben werden wahrscheinlich wiedergewählt werden. Unter den mündlichen AuSschußberichten befindet flch auch einer über Eingaben, betreffend die Einführung der Doppelwährung.

Von bem Führer der letzten hiestgen Expedition nach Ostafrika, RegierungSbaumeister Hörnicke, ist gestern an einen

Im Bau« des Schicksals.

Roman von Moritz Lilie.

(Fottsetzung.)

Bei Gott, Sie verstehen Ihren Vorteil zu wahren l" sagte der Pole mißmutig, aber im Tone stille« Resignation. Sei es denn aber nun k ine weiteren Ansprüche, Herr Doktor."

So istS recht, da- ist die Art eine» Gentleman!" schmeichelte tec Ju.ist.Aber noch eins, Herr Graf. Ihr Wort als Edelmann ist mir viel wert, denn bin ich lurch manche Erfahru g unangenehmer Natur vorsichtig gemacht worden, abgesehen davon, daß ich im Großen wie im Kleinen die Ordnung liebe. Ein paar Buchstaben über unser heuti­ge» Abkommen genügen mir, und Ihnen kommt e» sicher auf eine Namensunterfchrist nicht an."

Er zog ein Portefeuille hervor und entnahm demselben ein Wechsetformular. Dann brachte er ein kleine» Reise­schreibzeug in Etui aus ber Tasche und begann zu schreiben.

So Herr Graf, c» ist nur wegen Lebens unb Ster­bens," fuhr er fort, feuern da» Papier und die eingetauchte Feder hinreichend.

Der Wechsel steht nach Sicht, selbstverständlich wird er ober nicht eher präsentiert »erben, al- bis die Sache ht Ordnung, der Beitrag also fällig ist."

Ich will nicht ebenfalls Zweifel in Ihr Wort setzen, wie Sie eS mit dem meinigen gethan, das widerstrebt mir," versicherte der Pole, die Feder ergreifend und in rafchen Zügen feie en Namen auf da» Papier werfend;aber ich werve Sie vorkommenden Fall» an diese» Versprechen er« tattern und dasselbe, wenn nötig, zur Geltung bringen."

Er gab Doktor Praß da» Papier zurück, der es zu- sammmsaltete und in bem Portefeuille barg. Dann fchloß I« das Schreibetui unb steckte e» ebenfalls zu sich.